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 Betreff des Beitrags: Generelle Aufbaufrage im Zivilrecht
BeitragVerfasst: Donnerstag 5. April 2018, 17:29 
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Ich habe mal eine Frage zum generellen Aufbau einer Falllösung.

Muss man sich immer zwingend im Aufbauschema (Anspruch entstanden, Anspruch untergegangen, Anspruch durchsetzbar) bewegen
oder kann man das auch mal deutlich flexibler handhaben?

Bspw. habe ich letztens einen Übungsfall bearbeitet wo ein Anspruch entstanden ist und nicht
untergegangen ist. Im Sachverhalt war an keiner Stelle eine Information hinsichtlich irgendwelcher Phänomene wie Verjährung o.ä., die bei
Anspruch durchsetzbar relevant werden würden. Kann ich meine Gutachten dann einfach hinter der Prüfung, ob der Anspruch
untergegangen ist, beenden? Oder muss ich selbst wenn der Sachverhalt absolut nichts hergibt trotzdem noch etwas zu
Anspruch durchsetzbar schreiben?


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BeitragVerfasst: Donnerstag 5. April 2018, 20:59 
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Wenn der Sachverhalt dafür nichts hergibt, musst Du auch nichts dazu schreiben. Das Aufbauschema soll dir ja lediglich helfen nichts zu vergessen. Allenfalls kannst Du im Urteilsstil schreiben, dass der Anspruch auch durchsetzbar ist.

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BeitragVerfasst: Freitag 6. April 2018, 06:51 
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http://www.zjs-online.com/dat/artikel/2015_5_936.pdf


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BeitragVerfasst: Freitag 6. April 2018, 09:24 
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Ant-Man hat geschrieben:
http://www.zjs-online.com/dat/artikel/2015_5_936.pdf


Das scheint aber eine Mindermeinung zu sein; der Verfasser dort gibt ja selbst zu, dass dieses Schema weithin unterrichtet wird. Der Verweis darauf, dass es von den rechtswissenschaftlichen Autoren kaum verwendet wird, überzeugt mich nicht, denn der Zweck eines Lehrbuchs oder einer wissenschaftlichen Schrift ist ein gänzlich anderer als der eines Gutachtens zur Falllösung.

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"Der Angekl. berichtete auch hierüber Prof. Dr. H. und außerdem dem Bundeskanzler Dr. A., der damals zugleich Außenminister war."

--- BGH NJW 1960, 1678


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BeitragVerfasst: Freitag 6. April 2018, 10:33 
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Registriert: Donnerstag 19. Juni 2008, 01:32
Beiträge: 4952
Schnitte hat geschrieben:
Ant-Man hat geschrieben:
http://www.zjs-online.com/dat/artikel/2015_5_936.pdf


Das scheint aber eine Mindermeinung zu sein; der Verfasser dort gibt ja selbst zu, dass dieses Schema weithin unterrichtet wird. Der Verweis darauf, dass es von den rechtswissenschaftlichen Autoren kaum verwendet wird, überzeugt mich nicht, denn der Zweck eines Lehrbuchs oder einer wissenschaftlichen Schrift ist ein gänzlich anderer als der eines Gutachtens zur Falllösung.


Fn. 4: "Auch die Fallbücher verwenden das Schema zumeist nicht: vgl. ..."


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BeitragVerfasst: Freitag 6. April 2018, 10:45 
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Beiträge: 345
Nach der allgemeinen Lebenserfahrung sind Klausuren ein schlechter Ort, um vom juristischen Mainstream abzuweichen. Es besteht immer die Gefahr, dass der Prüfer den Mainstream als zwingend betrachtet und Abweichungen als Fehler ankreidet, auch wenn sie objektiv keiner sind. Erklären kannst Du es ihm erst im Widerspruchsverfahren und da ist es dann meist zu spät.

Ich habe bis zum 2. Staatsexamen in Klausuren den Dreiklang verwendet und habe keine schlechten Erfahrungen damit gemacht.

In der Praxis prüfe ich Einwendungen, wenn sie von den Parteien vorgetragen wurden oder von Amtswegen zu berücksichtigen sind. Insofern schreibe ich auch nichts zur Durchsetzbarkeit oder zum Erlöschen des Anspruchs, wenn sich nichts aus dem Sachverhalt dazu ergibt. Insofern halte ich die Sicht des ZJS-Artikels für richtig. Hilft nur nix, wenn der Prüfer es anders sieht und sich dann am Fehlen eines Obersatzes aufhängt.


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BeitragVerfasst: Freitag 6. April 2018, 11:29 
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Blaumann hat geschrieben:
Nach der allgemeinen Lebenserfahrung sind Klausuren ein schlechter Ort, um vom juristischen Mainstream abzuweichen. Es besteht immer die Gefahr, dass der Prüfer den Mainstream als zwingend betrachtet und Abweichungen als Fehler ankreidet, auch wenn sie objektiv keiner sind. Erklären kannst Du es ihm erst im Widerspruchsverfahren und da ist es dann meist zu spät.


Sehe ich auch so. Ist letztlich eine Risikoabwägung, bei der vier mögliche Szenarien denkbar sind:

1. Der Korrektor kennt nur den Mainstream (in diesem Fall der dreistufige Anspruchsaufbau) und hat sich noch nie Gedanken darüber gemacht, dass damit etwas nicht stimmen könnte. In diesem Fall ist es eine ganz schlechte Idee, vom Mainstream abzuweichen.
2. Der Korrektor kennt die Debatte darum, ob der Mainstream richtig ist, hat dazu aber selbst keine starke Meinung mit eigener Präferenz. In dem Fall machst du mit einem Aufbau dem Mainstream folgend nichts falsch.
3. Der Korrektor kennt die Debatte darum, ob der Mainstream richtig ist, und präferiert diesen auch selbst. Auch hier machst du nichts falsch, wenn du dem Mainstream folgst.
4. Der Korrektor kennt die Debatte darum, ob der Mainstream richtig ist, und hält ihn selbst auch für falsch. Er weiß aber, dass es nunmal der Mainstream ist und dass Aufbaufragen nicht zu diskutieren sind (anders als Meinungsstreitigkeiten in der Sache) und hat daher keine andere Möglichkeit, als es - womöglich zähneknirschend - zu akzeptieren, wenn jemand den Mainstream-Aufbau verwendet.

Ich behaupte, dass diese Optionen 1-4 in absteigender Wahrscheinlichkeit angeordnet sind, aber das ist nicht von zentraler Bedeutung. Der wichtige Punkt ist: Die Klausur ist kein geeigneter Ort, um vom Mainstream abzuweichen, weil man sich damit dem Risiko aussetzt, einen vermeidbaren Fehler angekreidet zu kriegen. Dieses Ankreiden könnte man natürlich imWiderspruchs- oder Remonstrationsverfahren angreifen, aber leichter ist es natürlich, dem Korrektor gleich das zu geben, was er sehen will.

Ich halte es auch für fragwürdig zu behaupten, dass Falllösungen das Schema "zumeist" nicht verwendeten. Es mag Bücher geben, die es ablehnen, aber man sieht ihn doch in Falllösungsbüchern oft genug. Habe dazu mal eine Google-Books-Suche nach den Begriffen "Aufbau entstanden erloschen durchsetzbar" gemacht, um das zu illustrieren.

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