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BeitragVerfasst: Dienstag 13. Juni 2017, 14:12 
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Registriert: Dienstag 29. März 2011, 15:44
Beiträge: 110
Hallo,

hat jemand von euch im Bereich des Strafrechts Erfahrungen mit -offensichtlich - alkoholkranken Mandanten?

Im Erstberatungsgespräch roch die Mandantschaft stark nach Alkohol, verhielt sich da aber noch nett und freundlich. Für mich stellte sich schnell die Frage, ob die Mandantschaft z.B. überhaupt geschäftsfähig ist. Habe Rücksprache mit der RAK gehalten, die von einer Mandatsniederlegung abriet, da eine solche Niederlegung wegen der Alkoholkrankheit eine Niederlegung zur Unzeit darstellen könnte. Die Niederlegung hätte ich mit einem nicht vorhandenen Vertrauensverhältnis und nicht etwa mit der Alkoholerkrankung begründet, da mich die Mandantschaft in der Folge mehrfach der Lüge bezichtigte. Termine stehen noch nicht an. Aus den Akten zu der Mandantschaft ergibt sich auch, dass die Mandanschaft offenbar alkoholkrank ist.

Mir fällt der Umgang mit schwierigen Mandanten grundsätzlich leicht. In diesem Fall aber nicht, da die Mandantschaft extrem zwischen Freundlichkeit sowie Einsicht und Aggression sowie Bezichtigung der Lüge schwankt. Und ich will ja auch keinen Parteiverrat begehen.

Hat jemand einen Rat?

Gern auch per PN.

VG u Danke schon mal

Calipso


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BeitragVerfasst: Dienstag 13. Juni 2017, 15:06 
Super Mega Power User
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Registriert: Montag 8. März 2004, 15:07
Beiträge: 3528
Gibt es evtl. Anzeichen für Schizophrenie? Das geht meiner Kenntnis nach oft mit Alkoholismus einher. Dann sollte man die Geschäftsfähigkeit überprüft werden.

Ich hatte mal eine Mandantin, die ungefähr das Verhalten zeigte, das Du ansprichst. Sie war mangels entgegenstehender Feststellungen voll geschäftsfähig und an manchen Tagen überaus einsichtig und freundlich. Irgendwann ging es jedoch nicht mehr und ich habe alle Mandate niedergelegt. Sie fing an, mich und die Kanzleimitarbeiter auf's Übelste zu beleidigen.

Ich hätte gern eine Betreuung angeregt. Allein die Schweigepflicht hinderte mich hieran.

Sehr problematisch war, dass man heute XY erklären und vereinbaren konnte und am nächsten Tag hatte sie es vergessen oder wollte es nicht mehr. So kann man als RA schlicht nicht arbeiten.

Dass man sich mit solchen Mandanten bei Gericht keine Freunde macht, sollte klar sein. ;)

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"Eine Verschiebung eines Termins setzt jedoch denklogisch voraus, dass vorher ein fester Termin vereinbart worden ist."


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BeitragVerfasst: Dienstag 13. Juni 2017, 15:31 
Power User
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Registriert: Samstag 30. Juli 2011, 23:50
Beiträge: 383
Ich würde nach folgenden Gesichtspunkten entscheiden:

- Pflichtverteidigung? Dann kriegste dein Geld.

- Keine Pflichtverteidigung? Dann nur gegen Vorschuss.

- Kann ich mit ihm irgendwie zusammenarbeiten? Hält er eine durchgesprochene Verteidigungsstrategie (auch vor Gericht) ein?

Da er dich mehrfach der Lüge bezichtigte, dürfte es wohl auf jeden Fall am letzten Punkt scheitern.

_________________
Sind Sie ein Mensch? Sowas Ähnliches, ich bin Anwalt.

Blade II


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BeitragVerfasst: Dienstag 13. Juni 2017, 16:25 
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Registriert: Dienstag 29. März 2011, 15:44
Beiträge: 110
Danke schon mal für eure Antworten.

@Syd: Ich denke, die schwankenden Emotionen könnten auch einfach alkoholbedingt sein. Da kommen dann ja auch Persönlichkeitszüge zum Vorschein, die unalkoholisiert nicht zum Vorschein kommen. In meinem Fall darf man auch nicht vergessen, dass sich die Mandantschaft zurecht auch in einem psychischen Ausnahmezustand befindet, denn es geht um viel. Ansonsten lässt mich das eher an eine Borderline-Persönlichkeitsstörung denken.

@Joe: Die Pflichtverteidigung habe ich beantragt, über den Antrag ist aber noch nicht entschieden. Ich denke, ich würde das machen, wenn die bewilligt wird. Verteidungsstrategie dürfte eh ziemlich egal sein, da die BAK zum Tatzeitpunkt sehr deutlich auf eine Schuldunfähigkeit hinweist.... Mandantschaft war inzwischen freiwillig im stationären Entzug, kontaktiert mich aber nun wieder deutlich alkoholisiert und hält Termine mit mir nicht ein. Evtl. läuft es auf eine Unterbringung hinaus.

Mein Problem ist eher, dass ich nicht auf der Seite der Mandantschaft stehe, sondern selbst der Meinung bin, die bräuchte längerfristig professionelle Unterstützung, um ihr Alkproblem zu bewältigen.... und natürlich fällt mir der Umgang mit der Mandantschaft schwer, da sie so schwankt und ich mich dadurch manchmal dann auch hilflos fühle im Umgang mit der Mandantschaft. Hilflos habe ich mich ggü. Mandanten bisher jedenalls nicht gefühlt.

Was ich mache, ist jedes Gespräch in einem Vermerk zu dokumentieren.... falls es später noch zu Probs kommt.


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BeitragVerfasst: Dienstag 13. Juni 2017, 18:39 
Mega Power User
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Registriert: Dienstag 18. August 2009, 15:04
Beiträge: 2642
Wohnort: Südwestdeutschland
Calipso hat geschrieben:
Verteidungsstrategie dürfte eh ziemlich egal sein, da die BAK zum Tatzeitpunkt sehr deutlich auf eine Schuldunfähigkeit hinweist....


Da sollte man sich nicht von Zahlen blenden lassen - entscheidend ist die tatsächliche Auswirkung. Gerade Alkoholiker vertragen viel und können mit 2,0 Promille an der Grenze zum Entzug stehen und mit 3,0 oder 4,0 Promille voll schuldfähig sein. BTDT.

Calipso hat geschrieben:
Mein Problem ist eher, dass ich nicht auf der Seite der Mandantschaft stehe, sondern selbst der Meinung bin, die bräuchte längerfristig professionelle Unterstützung, um ihr Alkproblem zu bewältigen....


Das ist bei potentiellen Unterbringungssachen jetzt nicht ganz ungewöhnlich.

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BeitragVerfasst: Mittwoch 14. Juni 2017, 13:33 
Fossil
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Registriert: Mittwoch 28. Juni 2006, 19:16
Beiträge: 14647
Syd26 hat geschrieben:
Gibt es evtl. Anzeichen für Schizophrenie? Das geht meiner Kenntnis nach oft mit Alkoholismus einher. Dann sollte man die Geschäftsfähigkeit überprüft werden.

Das ist in dieser Begriffsfassung hoffentlich nicht Dein Ernst? Eine Alkoholsucht kann zu verschiedenen - alkoholbedingten - Wahrnehmungs- und Reaktionsverhaltensweisen führen, die aber nichts mit einer psychischen Erkrankung zu tun haben, sondern meist allein der Alkoholsucht und ihren punktuellen Ausprägungen geschuldet sind. Je nach dem persönlichen Trinkverhalten sollte man hierbei verschiedene Tages- und Zeitenmuster unterscheiden (können).

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BeitragVerfasst: Mittwoch 14. Juni 2017, 18:37 
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Beiträge: 2642
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Syd26 hat geschrieben:
Gibt es evtl. Anzeichen für Schizophrenie? Das geht meiner Kenntnis nach oft mit Alkoholismus einher.


Das kann ich jetzt aus der forensischen Erfahrung her so nicht bestätigen. Eine Kausalität besteht da nicht, und auch eine Korrelation habe ich bisher nicht feststellen können.

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BeitragVerfasst: Freitag 16. Juni 2017, 21:31 
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Registriert: Dienstag 29. März 2011, 15:44
Beiträge: 110
Habe das Mandatsverhältnis wegen weiterer unschöner Zwischenfälle inzwischen beendet und kann nur jedem dazu raten, es mir gleich zu tun, falls er/sie mal an eine solche Mandantschaft gerät, es seie denn die Mandantschaft befindet sich in stationärer Langzeittherapie oder in der Unterbringung.

Wegen der von Einwendungsduschgriff bereits angesprochenen Probleme, insbesondere auch aufgrund von starken Stimmungsschwankungen, fehlendem Erinnerungsvermögen auch was Ansprachen mit und Erklärungen durch den Anwalt angeht, ist eine vernünftige Mandatsbearbeitung wie auch schon von Joe angemerkt auch mE btw überhaupt nicht möglich.

LG, Calipso


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