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 Betreff des Beitrags: Hass und Stress im Ref
BeitragVerfasst: Sonntag 18. Februar 2018, 15:39 
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Hi,

ich muss mir mal meinen Frust von der Seele schreiben:

Ich bin gerade in der Strafstation des Refs und bin einfach überfordert und verspüre nur noch Hass. Mein Staatsanwalt gibt mir ständig mehrere hunderte bis über tausend Seiten dicke Akten mit meiner Meinung nach extremen Schwierigkeiten in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht, von denen ich null Ahnung habe. Ich brüte darüber extrem lange nach. Wenn ich sie dann zurückgeben ist er meist mit einigen Sachen unzufrieden ohne jedoch für mich zufriedenstellend auf den Punkt bringen zu können mit was und gibt mir die Akten einfach wieder zurück um sie erneut zu bearbeiten. Inzwischen habe ich nur noch Hass auf diese Aktenberge und das ganze Ref. Hattet ihr auch solche Probleme?

Ich zweifle dann häufig extrem an mir selbst, obwohl mir mein zweistelliges Examenszeugnis des ersten Examens eigentlich zeigt, dass ich Jura kann. Auch alle AG Klausuren waren bisher zweistellig.

Inzwischen will ich mit Jura einfach nichts mehr zu tun haben und nach dem zweiten Examen am liebsten etwas ganz anderes machen. Hat jemand Tips bzw. gibt es Leidgenossen?

Grüße von einer frustrierten Referendarin.


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 Betreff des Beitrags: Re: Hass und Stress im Ref
BeitragVerfasst: Sonntag 18. Februar 2018, 19:05 
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Hast du mal das Gespräch mit deinem Ausbilder gesucht?

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 Betreff des Beitrags: Re: Hass und Stress im Ref
BeitragVerfasst: Sonntag 18. Februar 2018, 19:08 
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Naja der Trost ist doch, dass die StA-Station nicht wirklich lang ist.

Ansonsten sind strafrechtliche Akten mit hunderten Seiten nun einmal üblich (und nicht zwingend komplizierter, sondern brauchen nur mehr Zeit).

Den Punkt "Schwierigkeiten in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht, von denen ich null Ahnung habe" verstehe ich aber nicht wirklich. Was soll einen da denn bei der StA erwarten, was sich nicht mit Beck-Online regeln lässt? Ich meine das materielle Strafrecht ist nun kein Jura am Hochreck. Das ist halt auch der juristische Alltag von Staatsanwälten. Ich hatte auch umfangreiche Akten (teilweise mehrere Leitzordner) und auch rechtliche undankbare Sachen im Referendariat aus Nebengebieten (z.B. Zerstörung von Denkmälern). Aber hab mir da auch gedacht, der Staatsanwalt sucht sich ja auch nicht raus was auf seinen Schreibtisch kommt... Ich konnte denen auch nicht verübeln, dass man mir zum Teil die etwas ungeliebteren Akten gegeben hat. So ist halt die Rangordnung, da ist man als Referendar der kleinste Fisch im Becken.

Aber wie eingangs gesagt: Die Zeit ist ja begrenzt.

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Die von der Klägerin vertretene Auffassung, die Beeinträchtigung des Wohngebrauchs sei durch das Zumauern der Fenster nur unwesentlich beeinträchtigt, ist so unverständlich, dass es nicht weiter kommentiert werden soll. - AG Tiergarten 606 C 598/11


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 Betreff des Beitrags: Re: Hass und Stress im Ref
BeitragVerfasst: Sonntag 18. Februar 2018, 19:19 
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Ich hatte auch nicht gerade immer Glück aber es geht vorbei und in der Regel lernt man ja auch was aus der Arbeit, selbst wenn man das nicht aktiv wahrnimmt. Ging mir selbst mit akten so die nicht nach besprochen wurden. Man merkt es erst später.
Aber das Gefühl kann ich grundsätzlich nachvollziehen. Ich fand das Ref auch eher unentspannt und habe meine profs von der Uni vermisst.
Aber ob man sich so fühlt hat auch ganz viel mit Zufall zu tun. Wo kommt man hin, welche Ausbilder kriegt man, wie versteht man sich insgesamt. Man muss halt durch. Versuch so gut wie möglich drüber zu stehen. Ich hab mir zwischendurch einfach mal gesagt dass mich die Noten nicht so jucken und dann halt auch mal bewusst nicht so tolle Noten mit heim genommen und mir was angehört. Dafür hab ich dann mal ausgeschlafen. War auch okay, einfach bewusst Entscheidungen treffen.

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»Natürlich ist das herablassend. Torquemada ist mir gegenüber herablassend, ich bin esprit gegenüber herablassend. So ist die Nahrungskette in diesem Forum nunmal.« - Swann


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 Betreff des Beitrags: Re: Hass und Stress im Ref
BeitragVerfasst: Sonntag 18. Februar 2018, 19:25 
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Ich habe bei der StA größtenteils auch nur Müll bekommen. Bei mir waren es meist irgendwelche Sachen, bei denen sich die Leute gegenseitig angezeigt haben. Nötigungen, und alles aus dem Beleidigungsbereich. Ich hatte das Gefühl meine Ausbilderin hat mir da stellenweise Zeug mitgegeben, auf das sie selbst keinen Bock hatte. Ich hatte aber auch andere Fälle und im Großen und Ganzen hat es mir sehr viel Spaß gemacht.

Was genau überfordert dich denn? Kannst Du das spezifizieren? Im Übrigen: Einfach durchhalten, geht vorbei. Sprich mit deinem Ausbilder und bitte darum, dass er dir für den Einstieg nicht die ganz dicken Brummer mitgibt. Wenn das nicht fruchtet, nimm Urlaub, oder sch***ß einfach drauf. Die Stationsnoten sind nicht wichtig. Bleib aber freundlich;) Wegen der StA Station am Ganzen zu zweifeln halte ich für völlig übertrieben, gerade wenn Du ein zweistelliges Examen hast. Fandest Du die Zivilstation auch so schlimm, oder ging es da?

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 Betreff des Beitrags: Re: Hass und Stress im Ref
BeitragVerfasst: Sonntag 18. Februar 2018, 19:29 
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Ehm und ja... Nur wegen eines Ausbilders in der StA alles in Frage zu stellen ist schon leicht dramatisch. Vor allem wenn du sonst zweistellige Noten hast finde ich das zudem etwas befremdlich.

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 Betreff des Beitrags: Re: Hass und Stress im Ref
BeitragVerfasst: Sonntag 18. Februar 2018, 19:49 
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Augen zu und durch. Die Station geht vorbei.

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 Betreff des Beitrags: Re: Hass und Stress im Ref
BeitragVerfasst: Sonntag 18. Februar 2018, 20:11 
Fossil
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Beiträge: 13068
1) Die Strafstation ist endlich - und lässt sich ggf durch Urlaub abkürzen.

2) Strafakten haben schnell mehrere hundert Seiten, dafür sind von 100 Blatt oft nur 20-30 Blatt wirklich interessant. Es ist sicherlich nicht so ganz geschickt, Referendaren beständig dicke Akten mitzugeben, aber dick heißt nicht notwendigerweise auch kompliziert. Und im Berufsalltag muss man ggf auch damit klarkommen, dass man Akten, die in oder mit mehreren Leitzordnern daherkommen, auf den Schreibtisch bekommt - da nimmt auch keiner Rücksicht darauf, wie voll der Schreibtisch bereits ist oder ob man die Aktenberge noch sehen mag.

3) Sonderlich glücklich ist es sicherlich auch nicht, wenn Dein Ausbilder nicht spezifizieren kann, was Du „falsch“ gemacht hast. Umgekehrt ist es aber auch wenig überraschend, dass Du bei Akten, mit denen Du Dich schwer getan hast, nicht alles richtig machst - was auch keiner ernstlich erwarten kann. Hier solltest Du Dich trauen, beim Ausbilder ggf wiederholt nachzufragen, was Du besser machen kannst.


Tobias__21 hat geschrieben:
Bei mir waren es meist irgendwelche Sachen, bei denen sich die Leute gegenseitig angezeigt haben. Nötigungen, und alles aus dem Beleidigungsbereich.


Damit dürftest Du aber einen treffenden Einblick in die Berufspraxis erhalten haben. Noch „besser“ sind allerdings Strafanzeigen, mit denen komplizierte zivilrechtliche Vertragsverhältnisse aufgearbeitet werden sollen - so ganz nach dem Motto: Das Geld ist weg, das muss doch irgendwie strafbar sein.

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 Betreff des Beitrags: Re: Hass und Stress im Ref
BeitragVerfasst: Sonntag 18. Februar 2018, 20:16 
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Danke für eure Antworten. Vielleicht steht mir mein Ehrgeiz da manchmal auch etwas im Weg. Ich quäle mich halt, bis ich etwas gelöst habe.

Zitat:
Hast du mal das Gespräch mit deinem Ausbilder gesucht?


Ja, aber er gibt mir trotzdem die schwierigen Sachen und meint, ein Referendar sei auch dazu da, den Staatsanwalt zu entlasten. Für komplizierte Sachen hätten Referendare mehr Zeit.

Zitat:
Was genau überfordert dich denn? Kannst Du das spezifizieren?


Oft sind es Sachverhalte, bei denen nur ein ganz geringer Teil feststeht. Dann kommt so Zeug wie Postpendenz, Prependend und Wahlfeststellung ins Spiel. Soweit ok. Aber wenn man dann plötzlich unzählige mögliche Sachverhaltsvarianten hat, die fast gar nicht mehr schriftlich darstellbar sind und plötzlich einzelne Delikte jeweils zu anderen Delikte im Verhältnis der Postpendenz, zu anderen im Verhältnis der Wahlfeststellung usw. stehen wird das kompliziert. Oft gibt es dann auch gar keine Rechtsprechung mehr. Und Zeit dafür, mich in irgendwelche Promotionen einzulesen habe ich nicht. Kurz gesagt: Ich weiss nicht, wie man richtig an Sachverhalte rangeht, an denen fast nichts feststeht.

Zitat:
Fandest Du die Zivilstation auch so schlimm, oder ging es da?


Da ging es gut, weil man da auch eingewiesen wurde, wie das mit der Relationstechnik und so funktioniert. Außerdem ist Zivilrecht durch den Beibringungsgrundsatz viel einfacher.

Zitat:
Ehm und ja... Nur wegen eines Ausbilders in der StA alles in Frage zu stellen ist schon leicht dramatisch. Vor allem wenn du sonst zweistellige Noten hast finde ich das zudem etwas befremdlich.


Wenn man täglich mit diesem unangenehmen Zeug zu tun hat und zu nichts anderem mehr kommt und den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht kommt man vielleicht manchmal befremdlich rüber, sorry.


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 Betreff des Beitrags: Re: Hass und Stress im Ref
BeitragVerfasst: Sonntag 18. Februar 2018, 20:20 
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Kulika hat geschrieben:

Zitat:
Was genau überfordert dich denn? Kannst Du das spezifizieren?


Oft sind es Sachverhalte, bei denen nur ein ganz geringer Teil feststeht. Dann kommt so Zeug wie Postpendenz, Prependend und Wahlfeststellung ins Spiel. Soweit ok. Aber wenn man dann plötzlich unzählige mögliche Sachverhaltsvarianten hat, die fast gar nicht mehr schriftlich darstellbar sind und plötzlich einzelne Delikte jeweils zu anderen Delikte im Verhältnis der Postpendenz, zu anderen im Verhältnis der Wahlfeststellung usw. stehen wird das kompliziert. Oft gibt es dann auch gar keine Rechtsprechung mehr. Und Zeit dafür, mich in irgendwelche Promotionen einzulesen habe ich nicht. Kurz gesagt: Ich weiss nicht, wie man richtig an Sachverhalte rangeht, an denen fast nichts feststeht.

.


Kann es sein, dass die Sachen noch nicht ausermittelt sind, oder Du es dir zu schwer machst? Eine Wahlfeststellung ist mir erst einmal untergekommen und das war Diebstahl/Hehlerei.

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 Betreff des Beitrags: Re: Hass und Stress im Ref
BeitragVerfasst: Sonntag 18. Februar 2018, 20:26 
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Kulika hat geschrieben:
Oft sind es Sachverhalte, bei denen nur ein ganz geringer Teil feststeht. Dann kommt so Zeug wie Postpendenz, Prependend und Wahlfeststellung ins Spiel. Soweit ok. Aber wenn man dann plötzlich unzählige mögliche Sachverhaltsvarianten hat, die fast gar nicht mehr schriftlich darstellbar sind und plötzlich einzelne Delikte jeweils zu anderen Delikte im Verhältnis der Postpendenz, zu anderen im Verhältnis der Wahlfeststellung usw. stehen wird das kompliziert. Oft gibt es dann auch gar keine Rechtsprechung mehr. Und Zeit dafür, mich in irgendwelche Promotionen einzulesen habe ich nicht. Kurz gesagt: Ich weiss nicht, wie man richtig an Sachverhalte rangeht, an denen fast nichts feststeht.


Das klingt ein bisschen so, als würde dir der Blick des Praktikers noch fehlen.

Ich würde bei so Sachen ÄUSSERST kritisch prüfen, ob das wirklich vorliegt. Die Sachen gibt es in der Praxis quasi nicht und wenn dann in ganz wenigen fest definierten Konstellationen. Ich habe sicher schon Strafakten im hohen dreistelliger Anzahl gesehen und noch nie Postpendenz oder Präpendenz dabeigehabt. Die Wahlfeststellung kommt gelegentlich vor (dann aber wirklich immer die gleichen Deliktsgruppen, in der Regel Diebstahl oder Hehlerei). Das gleiche gilt übrigens für die mittelbare Täterschaft, die habe ich ein einziges Mal gesehen in der Praxis. Kein normaler Staatsanwalt würde sich freiwillig solche Sachen antun, wenn es nicht zwingend notwendig ist. In 99,9% dieser Situationen kann man nämlich auch gut vertretbar einfach irgendwas "einfachereres" anklagen... Soll doch notfalls das Gericht nen rechtlichen Hinweis geben. Viele Probleme lösen sich auch durch Einstellungen.

Mit der "Ungewissheit" des Sachverhalts muss man nun einmal leben. Aber du sollst den Fall ja auch nicht lösen und ein Urteil schreiben, sondern lediglich entscheiden ob ein hinreichender Tatverdacht vorliegt. Bei den fehlenden Feststellungen überlegst du dir halt, ob man in einer gedachten Hauptverhandlung wohl die Sache nachweisen können wird oder nicht. Kommst du zum Ergebnis, dass das möglich ist, dann klagst du das an und gehst davon aus, dass es so gewesen ist wie du es dir vorstellst (ob die Vorstellung richtig ist, ist ja gerade Sinn und Zweck der Hauptverhandlung). Siehste dagegen kaum Chancen in einer Hauptverhandlung die Lücken mit den erkennbaren Beweismitteln zu schließen, dann stellst du das Verfahren ein.

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 Betreff des Beitrags: Re: Hass und Stress im Ref
BeitragVerfasst: Sonntag 18. Februar 2018, 21:04 
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Registriert: Sonntag 18. Februar 2018, 15:28
Beiträge: 3
Das kann sein, Ara und Tobias, dass ich mich da selbst zu sehr durcheinanderbringe. In meinen Sachen geht es leider häufig um Diebstahl/Hehlerei/Begünstigung in den verschiedenen Täterschafts- und Teilnahmeformen. Und wenn ich mir da zB BGHSt 15, 63 anschaue oder die Kommentierung im LK, Anhang zu § 1, Rn. 146, 147 ff. scheint es ja doch unzählige und auch recht komplizierte Möglichkeiten der Wahlfeststellung zu geben.


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 Betreff des Beitrags: Re: Hass und Stress im Ref
BeitragVerfasst: Sonntag 18. Februar 2018, 21:22 
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Registriert: Samstag 28. Mai 2016, 15:12
Beiträge: 550
Um das von Ara und Tobias Gesagte nochmal zu betonen:

Kann es sein, dass du es viel zu kompliziert machst?

Meine Herangehensweise im Ref war bislang immer in etwa wie folgt:

1. Einen Überblick über die zentralen Punkte verschaffen.

2. Eine möglichst simple, aber vertretbare und begründete Lösung entwickeln und ausarbeiten.

Damit bin ich bis jetzt gut gefahren.

Um es noch mehr auf den Punkt zu bringen: niemand erwartet eine perfekte Anklageschrift, die alle möglichen Eventualitäten aus dem Leipziger Kommentar berücksichtigt. Ich würde behaupten: kaum ein Staatsanwalt würde den LK jemals auch nur aufschlagen.

Überlege dir einfach, welche Delikte sinnvoll in Betracht kommen und die du einfach und gut unter den "hinreichenden Tatverdacht" subsumieren kannst. Der Rest wird eben eingestellt, entweder über § 170 II oder eben über § 154(a) StPO. Vereinfachen, vereinfachen, vereinfachen. Sich nicht in rechtlichen Detailproblemen verheddern. Die eine perfekte, dogmatisch korrekte Lösung gibt es selten - oder sogar nie.


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 Betreff des Beitrags: Re: Hass und Stress im Ref
BeitragVerfasst: Montag 19. Februar 2018, 01:27 
Fossil
Fossil

Registriert: Freitag 2. April 2004, 17:13
Beiträge: 13068
In der Tat, die praxisgerechte Lösung lautet oftmals, wenn es völlig wirr ist: Reicht es überhaupt für einen hinreichenden Tatverdacht (zentral: was kann man nachweisen und was ist pure Spekulation?) oder kann man es nach § 170 Abs. 2 StPO einstellen? Falls nein: Bleibt genug anderes übrig, so dass man alles, was zu kompliziert ist, nach §§ 154, 154a StPO einstellen kann? Spätestens in der Hauptverhandlung kommt doch der Richter damit, dass er es alles so schwierig und kompliziert findet und ob man es nicht einstellen könne.

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 Betreff des Beitrags: Re: Hass und Stress im Ref
BeitragVerfasst: Montag 19. Februar 2018, 09:29 
Mega Power User
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Registriert: Sonntag 10. Dezember 2006, 11:18
Beiträge: 2921
Mir scheint es auch, dass es bei dir eher am Praxisschock liegt.

Gerade am Amtsgericht geht es nicht um Jura am Hochreck, sondern praxistaugliche Lösungen. Das meine ich gar nicht despektierlich; aber ein Richter, der Fälle einfach wegarbeiten muss, kann nicht bei jedem Fall in den Kommentar sehen und über Rechtsprobleme nachdenken.

Ich habe in der Strafrechtsstation mal einen tollen Eröffnungsbeschluss geschrieben, wo es um den "Diebstahl" von Leergut ging und dabei lehrbuchmäßig über 20 Seiten nach Europfandflaschen, individualisierten Pfandflaschen sowie dem Inhalt der Flaschen unterschieden. War alles total super und dogmatisch korrekt, allerdings für den Richter eher nervig das zu lesen und er fand den Aufwand für die "Kleinigkeit" viel zu hoch.

Versuche die Fälle mal ausschließlich mit dem Kommentar von Fischer bzw. dem Meyer-Goßner zu lösen. Wenn du in den Leipziger Kommentar siehst, hast du eigentlich schon verloren und denkst zu kompliziert.

Es ist eine Sache, dogmatisch gut Jura zu können. In der Praxis kommt es aber auch darauf an, innerhalb einer vertretbaren Zeit zu einem vertretbaren Ergebnis zu kommen. Kein Praktiker hat die Zeit und die Ressourcen aus jedem Fall eine kleine Hausarbeit zu machen.

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