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 Betreff des Beitrags: Selbstzweifel
BeitragVerfasst: Dienstag 4. Juli 2017, 12:14 
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Registriert: Dienstag 4. Juli 2017, 11:51
Beiträge: 1
Hallo,

ich studiere im zweiten Semester und tue mich zur Zeit irgendwie schwer mit der Motivation.
Ich hatte Zweifel an meiner Studienwahl, aber habe dann gemerkt, dass es mich doch sehr interessiert. Aber irgendwie glaube ich nicht so wirklich an mich selbst, habe total verkehrte Erwartungen.
Das fängt damit an, dass ich mir bei objektiver Betrachtung eingestehen muss, dass ich zwar mehr als einige andere Kommilitonen gelernt habe, aber auch wesentlich weniger als andere. Daran arbite ich aber gerade.
Außerdem habe ich mancmal das Gefühl irgendwie unbegabt zu sein (Meine bisherigen Leistungen waren aber immer im überdurchschnittlichen Bereich..aber naja, Erstsemester). Begründet ist das also nicht unbedingt, habe mich darauf nicht mal sonderlich gut vorbereitet.
Irgendwie habe ich aber die Meinung entwickelt, dass es a) Wissen gibt, dass man lernen kann, aber auch b) angeborenes(?) Talent oder sowas. Fühle mich dann teilweise anderen Kommilitonen unterlegen, bei denen ich das "Talent" dann sehe. Ich merke selbst, dass das ziemlich merkwürdig klingt, aber ich mache mich so irgendwie psychisch fertig.
Kennt das jemand?
Habe mich da wohl ewas reingesteigert. Dazu kommt mMn dass ich keine wirkliche Vorstellung habe was genau ich mal machen möchte (d.h. mir nicht genau genug - aber kann ich das erwarten?) Meine aber, dass mir so ein langfristiges Ziel fehlt. Studiere so vor mich hin, aber erfüllen tut es mich nicht gerade. Aber vielleicht gibts das auch eher im künstlerisch-kreativen Bereich.

LG und danke für Antworten


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 Betreff des Beitrags: Re: Selbstzweifel
BeitragVerfasst: Dienstag 4. Juli 2017, 14:55 
Häufiger hier
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Registriert: Dienstag 28. März 2017, 09:12
Beiträge: 45
Die eigene Begabung anhand der verwendeten LernZEIT zu bemessen, ist mE kein guter Weg.
Was ich leider viel zu spät gelernt habe, ist, dass sehr viele Leute, bei denen man vermeintlich das "Talent" "sehen" kann, dann doch keine besonderen Leistungen erbringen. Einige der "fleißigsten" Studierenden in den Anfangssemestern studieren bis heute (viele Jahre später) oder haben abgebrochen.

Umgekehrt habe ich auch festgestellt, dass es Studierende gibt, die vermeintlich unbeteiligt hinten drin sitzen und am Schluss unter den Landesbesten landen.

Kurzum: Lass dich nicht von den Leistungen anderer verunsichern. Wichtig ist, dass du deine Leistungen richtig verorten kannst und zB 9 Punkte nicht als "schlecht" abtust. Fürs erste Examen habe ich übrigens teilweise mit meinen Unterlagen aus den ersten beiden Semestern gearbeitet. Da man in Jura den Stoff immer wieder wiederholt, zieht das Argument "Naja, Erstsemester, das ist nicht anspruchsvoll" aus meienr Sicht nur bedingt.

Wenn dir Jura keinen Spaß macht, ist es sicher sinnvoll, sich nach Alternativen umzusehen. Allerdings finde ich, dass Jura immer interessanter wurde, je mehr Basics ich beherrscht habe und man am Anfang tatsächlich ein bisschen Durchhaltevermögen braucht, um die Arbeitsmethoden zu erlernen.


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 Betreff des Beitrags: Re: Selbstzweifel
BeitragVerfasst: Dienstag 4. Juli 2017, 15:12 
Mega Power User
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Registriert: Dienstag 18. August 2009, 15:04
Beiträge: 2367
Wohnort: Südwestdeutschland
Zweistk hat geschrieben:
Das fängt damit an, dass ich mir bei objektiver Betrachtung eingestehen muss, dass ich zwar mehr als einige andere Kommilitonen gelernt habe, aber auch wesentlich weniger als andere.


Nun ja, es kommt ja nicht auf den Zeiteinsatz, sondern auf das Ergebnis an. Besonders gut ist nicht, wer besonders lange arbeitet, sondern wer die besten Ergebnisse (und dann innerhalb der kürzesten Zeit) erbringt. Leistung ist eben Arbeit geteilt durch Zeit.

(Freilich ist es wichtig, auch lernen zu können, weil es ohne nicht geht, aber entscheidend ist nicht, wie lange man lernt, sondern was man am Ende beherrscht.)

Zweistk hat geschrieben:
Außerdem habe ich mancmal das Gefühl irgendwie unbegabt zu sein (Meine bisherigen Leistungen waren aber immer im überdurchschnittlichen Bereich..aber naja, Erstsemester). Begründet ist das also nicht unbedingt, habe mich darauf nicht mal sonderlich gut vorbereitet.


Dann scheinen Deine Selbstzweifel jedenfalls zum derzeitigen Zeitpunkt nicht begründet zu sein.

Zweistk hat geschrieben:
Irgendwie habe ich aber die Meinung entwickelt, dass es a) Wissen gibt, dass man lernen kann, aber auch b) angeborenes(?) Talent oder sowas.


Freilich. Der eine kann dies besonders gut, der andere das; manchem fällt Jura leicht, dem anderen sehr schwer. Das meiste ist aber durchaus erlernbar, und allein mit Talent - oder Glück - kommt man nirgendwo sehr weit; (viel) Arbeit gehört immer dazu.

Du solltest Dir Gedanken machen, wenn Du sehr viel Arbeit investierst und dennoch nur gerade so bestehst; dann arbeitest/lernst Du entweder falsch oder solltest Deinen Studienwunsch überdenken. So lange Du aber durchschnittlich oder gar überdurchschnittlich bist, sehe ich zu Zweifeln keinen Anlass.

Zweistk hat geschrieben:
Fühle mich dann teilweise anderen Kommilitonen unterlegen, bei denen ich das "Talent" dann sehe.


Aller Voraussicht nach wird es immer Menschen geben, die - auf juristischem Gebiet - besser sind als Du, und immer Menschen, die schlechter sind. Das ist völlig normal.

Zweistk hat geschrieben:
Ich merke selbst, dass das ziemlich merkwürdig klingt, aber ich mache mich so irgendwie psychisch fertig.


Das mag ein Problem sein, dass dann aber vermutlich eher weniger mit Deinen objektiven Studienleistungen zu tun hat.

Zweistk hat geschrieben:
Dazu kommt mMn dass ich keine wirkliche Vorstellung habe was genau ich mal machen möchte (d.h. mir nicht genau genug - aber kann ich das erwarten?) Meine aber, dass mir so ein langfristiges Ziel fehlt. Studiere so vor mich hin, aber erfüllen tut es mich nicht gerade.


Das ging mir letztlich bis nach dem ersten Examen so (jedenfalls dergestalt, dass ich mehr vage Vorstellungen hatte). Das ist sicherlich nicht gut; es hilft doch sehr für die Gestaltung des Studiums und die Schwerpunktsetzung und auch die eigene Motivation, wenn man zumindest grundsätzliche - vielleicht auch divergierende oder unrealistische - Vorstellungen hat, in welche Richtung es gehen soll, aber es ist jedenfalls kein unüberwindliches Hindernis.

Und, ganz ehrlich: dass ein Studium - zumal noch immer - erfüllend ist, scheint mir eher der Ausnahmefall zu sein. Meist ist es doch eher so, dass es einige sehr interessante Themen und viel dröges Lernzeug gibt und die Motivation oft mehr der Abschluss und die dann mögliche Tätigkeit ist als das Studium an sich. Die Anzahl der Studenten, die wirklich wissenschaftlich ununterbrochen für ihr Fach brennen - und dann noch für alle oder doch die meisten seiner Aspekte - scheint mir eher überschaubar.

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 Betreff des Beitrags: Re: Selbstzweifel
BeitragVerfasst: Dienstag 4. Juli 2017, 17:29 
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Es ist natürlich auch immer eine "Typfrage" (für mich kam es nie in Frage, mit anderen zu lernen; das ist einfach nicht meine Sache), aber ich würde dir erst einmal empfehlen, dich nicht ständig mit anderen Leuten zu vergleichen. Mach dein Ding.

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 Betreff des Beitrags: Re: Selbstzweifel
BeitragVerfasst: Dienstag 25. Juli 2017, 11:47 
Fleissige(r) Schreiber(in)
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Registriert: Freitag 11. August 2006, 00:27
Beiträge: 283
Ich kann das auch nur nochmals unterstreichen: Es gibt immer einen großen Anteil an Kommilitonen, die viel Zeit im juristischen Seminar zubringen und gefühlt bereits im ersten Semester voll in die Examensvorbereitung eingestiegen sind und Jura von Grund auf durchdrungen haben. Ich dachte in meiner Studienzeit auch immer, dass die alle viel fleißiger und besser sind als ich. Am Ende war es genau so, wie Praxiskommentar sagt: Die Allermeisten von diesen Kandidaten landen - wenn überhaupt - im unteren Befriedigend bis Ausreichend und nur wenige kommen in wirklich gute Regionen. Die 15 Landesbesten in meinen Jahrgängen (1. und 2. Stex) waren zum Großteil unauffällig in Studium und Ref. Mir fallen akkut lediglich 4-5 Leute ein, die ihrem guten Ruf aus dem Studium im Examen tatsächlich gerecht wurden.

Was ich damit sagen möchte: Selbstzweifel im Jurastudium sind das Natürlichste der Welt. Lass dich von ihnen nicht konsumieren, denn sie werden zum Examen hin naturgemäß zunehmen. Wenn du damit nicht klar kommst, bzw. das nicht in den Griff bekommst, kann das eine sehr düstere Zeit werden. Dann rate ich dir, dich nach etwas anderem umzusehen. Zudem können große Selbstzweifel auch beim Lösen von Klausuren fatal sein, denn sie verleiten dazu, nicht auf das eigene Judiz zu hören. Typisches Beispiel: Man findet ein Problem im Sachverhalt, zweifelt aber am eigenen Problembewusstsein und tut dann in der Lösung der Klausur so, als gäbe es das Problem nicht, anstatt es zu diskutieren. Dasselbe gilt für den späteren Beruf: Ein Jurist mit starken Selbstzweifeln wird selten einen guten Job machen: Als Anwalt verhandelt er schlecht oder lässt sich von der Gegenseite niedertrampeln - die die Selbstzweifel schnell spürt. Als Richter kann er sich nicht entscheiden und hinterfragt sich pausenlos.

Langer Rede kurzer Sinn: Selbstzweifel sind bis zu einem gewissen Grade im Jurastudium ganz normal. Sie dürfen aber ein gesundes Maß (=Demut) nicht übersteigen, andernfalls machen sie dich kaputt und verhindern gute Leistungen. So wie du es beschreibst, ist das aber eher ein allgemeines Problem (du hast ja gar keine objektiven Anhaltspunkte, dass du nicht gut genug sein könntest), das du unbedingt angehen solltest, denn es wird dir auch in anderen Studiengängen im Weg stehen.

Davon unabhängig ist die Frage, ob Jura "das Richtige" für dich ist. Begeisterung kommt im Jurastudium bei den Wenigsten auf. Es gibt Spannenderes und andere Studiengänge erfordern auch weniger Leidensfähigkeit. Das bedeutet nicht, dass du schon wissen musst, was du später mal machen möchtest. Ich bin mir z.B. auch erst jetzt, nach über fünf Jahren Berufserfahrung als Anwalt in unterschiedlichen Bereichen sicher, was ich machen möchte. Aber du solltest dich mit der Thematik allgemein identifizieren können. Kannst du das, dann wirst du mit dem von dir beschriebenen Fleiß-Maß auch ein vernünftiges Examen schaffen, dass dir viele sehr unterschiedliche berufliche Möglichkeiten bietet. Fehlt dir aber der Bezug, dann brich ab und wähle einen Beruf, mit dem du dich identifizieren kannst.


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 Betreff des Beitrags: Re: Selbstzweifel
BeitragVerfasst: Mittwoch 26. Juli 2017, 18:40 
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Registriert: Dienstag 8. November 2005, 22:24
Beiträge: 2418
Motivation ist wichtig. Wenn sie fehlt, wird es dauerhaft nichts werden.

Schaue Dir die juristischen Berufsbilder an, ggf. auch in der Praxis (Einführungspraktikum). Wenn dann die Motivation noch immer nicht da ist, ist fraglich, ob sie noch kommt.


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 Betreff des Beitrags: Re: Selbstzweifel
BeitragVerfasst: Mittwoch 26. Juli 2017, 19:15 
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Registriert: Montag 15. März 2010, 11:35
Beiträge: 2531
Nietnagel hat geschrieben:
Motivation ist wichtig. Wenn sie fehlt, wird es dauerhaft nichts werden.
Ja, allerdings ist der TE erst im zweiten Semester. Zumindest bei mir damals war zu diesem Zeitpunkt auch noch keine Leidenschaft für Jura da, allenfalls Interesse an einigen Teilbereichen und fehlende Abneigung. Begeisterung entwickelte sich erst nach einem sehr langen Praktikum nach dem vierten Semester, als ich merkte, dass man mit dem bis dahin erworbenen Wissen "ganz echte" Urteile schreiben kann. Zudem begannen sich etwa zu dieser Zeit die isolierten Bereiche für mich allmählich zu einem geschlossenen System zusammenzufügen.

@ TE: Im übrigen schliesse ich mich den Vorpostern an. Selbstkritik ist üblich und hilfreich, aber nur in einem bestimmten Umfang. Und unter keinen Umständen bringen Dich Vergleiche mit den anderen Studenten weiter, weder in die Richtung "ich bin schlechter" noch in die Richtung "ich bin besser".


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 Betreff des Beitrags: Re: Selbstzweifel
BeitragVerfasst: Donnerstag 27. Juli 2017, 13:20 
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Registriert: Mittwoch 18. Januar 2017, 23:02
Beiträge: 84
Zur Sache mit der Motivation:

Im zweiten Semester halte ich es eher für die Ausnahme, wirklich heiß auf Jura zu sein. Wenn man nicht, wie die wenigstens, gerade aus verschiedenen Gründen von Anfang an wirklich für diese Materie lebt (z.B. Juristenfamilie u.ä.) oder einfach nur ein hardcore Talent und Verständnis dafür hat, dann finde ich schon, dass sich sogar das ganze Studium eher durchwachsen hinzieht.

Ich hatte ehrlich gesagt auch noch nie die richtige "Leidenschaft" für Jura. Mich hat damals lediglich das "Suits"-Image (die Serie gab es damals - leider - noch nicht) und der Gedanke an Geld gelockt. Interessant war es hier und da mal. Im Rep. hat man - zumindest ich - dann mal die ersten Verzweigungen verstanden. Aber wirklich "geil" war das alles damals nicht und die Motivation musste schon wirklich gewaltvoll erzwungen werden, um sich täglich hinzusetzen und vorzubereiten.

Daher finde ich, dass der Kollege oben gerade im zweiten Semester noch einiges an Zeit hat, reinzukommen. Viele blühen auch erst im Ref auf. Da hat mir "Jura" auch zum ersten mal Spaß gemacht. Und jetzt nach dem Ref und im Berufsanfangsstadium bin ich froh, das Studium gewählt zu haben - bzw. anders formuliert: Das Studium war mega schlecht und einfach nur grottenhaft. Der Beruf an sich ist aber klasse.


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 Betreff des Beitrags: Re: Selbstzweifel
BeitragVerfasst: Donnerstag 27. Juli 2017, 13:59 
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Ich finde jeder sollte vor dem Studium mal ein Praktikum bei einem (guten) FWW Anwalt machen, am besten eine Kanzlei mit 3 bis 5 Anwälten. Wem eine solche Tätigkeit von vorneherein keinen Spaß macht würde ich dringend davon abraten Jura zu studieren.

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 Betreff des Beitrags: Re: Selbstzweifel
BeitragVerfasst: Donnerstag 3. August 2017, 07:41 
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Beiträge: 13
markus87 hat geschrieben:
Ich finde jeder sollte vor dem Studium mal ein Praktikum bei einem (guten) FWW Anwalt machen, am besten eine Kanzlei mit 3 bis 5 Anwälten. Wem eine solche Tätigkeit von vorneherein keinen Spaß macht würde ich dringend davon abraten Jura zu studieren.

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Dem widerspreche ich ausdrücklich.

Vielleicht bin ich ja nur die Ausnahme, die die Regel bestätigt. Bis heute (kurz vor Referendariatsende) finde ich die Tätigkeit als Anwalt für mich furchtbar. Das kommt für mich schlicht nicht in Frage. Dennoch wage ich zu behaupten, dass Jura genau das Richtige für mich ist. Ich werde einfach kein Anwalt ;)

@TE: Den meisten Vorrednern kann ich mich anschließen. Selbstzweifel sind nicht unüblich. Es scheint immer so, als würden andere mehr tun. Mir haben diese Fallbesprechungs-AGs immer bei der Selbsteinschätzung geholfen. Auch Praktika können hilfreich sein.

Setz dich Mal in ein paar Gerichtsverhandlungen,die interessant scheinen. Ich habe dort meine Leidenschaft gefunden.

Eine Erfüllung muss das Studium nicht sein. Die kann man gut (besser?) im privaten Bereich finden.


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 Betreff des Beitrags: Re: Selbstzweifel
BeitragVerfasst: Freitag 4. August 2017, 20:29 
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Salisa, wenn für dich feststeht dass du auf keinen Fall Anwalt werden möchtest, was dann? Staatsdienst? Darauf aufbauend hätte ich kein Jurastudium begonnen. Ich würde generell nichts studieren, wo man zu den besten 20-30% gehören muss, um hinterher einen Beruf ausüben zu können; und ich betrachte mich als ziemlich risikofreudig.

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 Betreff des Beitrags: Re: Selbstzweifel
BeitragVerfasst: Freitag 4. August 2017, 21:25 
Fossil
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Registriert: Freitag 2. April 2004, 18:13
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Salisa hat geschrieben:

Vielleicht bin ich ja nur die Ausnahme, die die Regel bestätigt. Bis heute (kurz vor Referendariatsende) finde ich die Tätigkeit als Anwalt für mich furchtbar. Das kommt für mich schlicht nicht in Frage. Dennoch wage ich zu behaupten, dass Jura genau das Richtige für mich ist. Ich werde einfach kein Anwalt ;)


Es mag ja sein, dass man irgendwann zu dieser Erkenntnis gelangt, allerdings sollte man dann auch genau schauen, welche Berufsperspektiven man dann realistischerweise hat und was man macht, wenn beide Examina nur "ausreichend" werden sollten.

Und selbst wenn man kein Anwalt werden möchte: Ein Praktikum in einer FWW-Kanzlei eröffnet einem den Blick für die alltäglichen Probleme seiner Mitmenschen; wenn einen diese "Probleme" nicht interessieren, dürfte man auch in der Justiz nicht glücklich werden.

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"Auch eine stehengebliebene Uhr kann noch zweimal am Tag die richtige Zeit anzeigen; es kommt nur darauf an, daß man im richtigen Augenblick hinschaut." (Alfred Polgar)


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 Betreff des Beitrags: Re: Selbstzweifel
BeitragVerfasst: Freitag 4. August 2017, 21:35 
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Erinnert mich an einen flüchtigen Bekannten, der bei seinem Bewerbungsgespräch bei der Polizei auf die Frage nach seinen Schwächen geantwortet hat, dass er nicht gut mit Menschen umgehen kann und "Leute" ihn eigentlich nerven. Kein Witz.

Aber im juristischen Bereich gibt es doch genug Alternativen zum klassischen Anwaltsberuf. Ich denke da etwa an Syndikusanwälte, Vertragsgestaltung, etc. Auch in der GK hat man doch eher selten mit nervigen Mandanten zu tun, oder?

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Having cats in the house is like living with art that sometimes throws up on the carpet


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 Betreff des Beitrags: Re: Selbstzweifel
BeitragVerfasst: Freitag 4. August 2017, 21:51 
Fossil
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Registriert: Freitag 2. April 2004, 18:13
Beiträge: 12909
Tobias__21 hat geschrieben:
Auch in der GK hat man doch eher selten mit nervigen Mandanten zu tun, oder?


Die Probleme sind anders und haben ggf. ein paar Nullen mehr, aber weniger nervig und anstrengend sind die Mandanten auch nicht unbedingt.

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 Betreff des Beitrags: Re: Selbstzweifel
BeitragVerfasst: Sonntag 6. August 2017, 10:07 
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Registriert: Dienstag 1. August 2017, 18:06
Beiträge: 13
markus87 hat geschrieben:
Salisa, wenn für dich feststeht dass du auf keinen Fall Anwalt werden möchtest, was dann? Staatsdienst? Darauf aufbauend hätte ich kein Jurastudium begonnen. Ich würde generell nichts studieren, wo man zu den besten 20-30% gehören muss, um hinterher einen Beruf ausüben zu können; und ich betrachte mich als ziemlich risikofreudig.

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Studiert habe ich tatsächlich für den Staatsdienst (Staatsanwaltschaft zu Beginn und später Strafrichter, um genau zu sein.) Mit SIcherheit bin ich relativ naiv in das Studium reingegangen (Risikofreude gehört nicht zu meinen Eigenschaften). Ich wusste, was ich wollte und darauf habe ich bisher hin gearbeitet. Natürlich kam dann irgendwann die Realität, aber selbst da kam für mich der Beruf als Rechtsanwalt nicht in Frage. Und wenn in ein paar Wochen nichts schief läuft, sollte ich meinem Ziel mit den Noten im zweiten Examen näher kommen (Sonst: Verbesserung). In die Verwaltung kann man zudem auch noch mit 6 Punkten. Und zur Zeit gefällt mir die Tätigkeit im Unternehmen auch sehr gut. Es gibt also schon Alternativen.

Ich wollte mit meinem Post nur ausdrücken, dass ein schlechtes Praktikum beim Anwalt nicht jeden von einem Jurastudium abhalten sollte.


juleé hat geschrieben:
Es mag ja sein, dass man irgendwann zu dieser Erkenntnis gelangt, allerdings sollte man dann auch genau schauen, welche Berufsperspektiven man dann realistischerweise hat und was man macht, wenn beide Examina nur "ausreichend" werden sollten.

Und selbst wenn man kein Anwalt werden möchte: Ein Praktikum in einer FWW-Kanzlei eröffnet einem den Blick für die alltäglichen Probleme seiner Mitmenschen; wenn einen diese "Probleme" nicht interessieren, dürfte man auch in der Justiz nicht glücklich werden.


Wie oben gesagt, es gibt wohl Alternativen. Vielleicht hätte ich mich auch weiter damit auseinandergesetzt, wenn diese Möglichkeit im Studium wahrscheinlicher gewesen wäre, als sie meiner Ansicht nach war (Klingt vielleicht arrogant, aber ausreichend war für mich währrend des Studiums nicht wahrscheinlicher als VB, weshalb ich mir nicht allzu viele Gedanken darum gemacht habe.)

Diesen "Einblick" habe ich meiner Ansicht nach auch ganz gut durch ein Praktikum an einem kleinen Amtsgericht bekommen.


Aber natürlich hätte auch alles ganz anders kommen können (und kann in meinem Fall noch immer). Wer weiß schon wirklich, wo ich mal lande?

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"Das Glück ist mit den Tüchtigen" ~ aus Dr. House, Staffel 2


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