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BeitragVerfasst: Mittwoch 28. Juni 2017, 23:25 
Noch selten hier
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Registriert: Freitag 27. Mai 2016, 22:03
Beiträge: 13
Hallo,

vor knapp einem Jahr postete ich einen Thread in dem ich um Rat bzgl. des Lernens richtete. Konkret ging es dort um eine zivilrechtliche Prüfung im Hauptstudium zu den Themenbereichen Gesellschaftsrecht, Handelsrecht und Arbeitsrecht an der HU Berlin.

Ich erhielt viele nützliche Tipps, setze sie um und doch kam es damals zur Katastrophe: einen Tag vor der Prüfung erhielt ich wohl aus Gründen von Angst und Anspannung eine Art Herzanfall oder Herzattacke, wobei mein Puls auf 200+ stieg, die Atmung extrem schwer fiel und ich sogar das Bewusstsein verlor. Glücklicherweise passierte dies vor einer großen Arztpraxis und nach einer Untersuchung in einem Krankenhaus wurde ich entlassen. Am folgenden Tag ging ich trotz Ängste in die Prüfung, wobei ich zuvor mit Emotionen kämpfen musste und wie ein kopfloses Huhn agierte; ich lief durch die Straßen um den Audimax und schimpfte, weinte und trat gegen Wände. Auf Druck von Kommilitonen ging ich dennoch in die Prüfung. Ergebnis: 2p.

Ein Jahr später, nun im 6. Semester stehe ich vor derselben Prüfung und werde in den 2. Versuch (von 3) gehen. Meinen Schwerpunkt habe ich gemacht und in der Zeit auch einige Prüfungen geschafft, doch diese hier, wahrscheinlich aufgrund der Ereignisse der 1. Versuchs und das eben der 2. Versuch ist, bringt mich in eine vergleichbare emotionale Achterbahn zwischen "Ich bin besser vorbereitet und diesmal kriege ich es hin" und dem - ohne Untertreibung - in Betracht ziehen von Selbstmord im Falle eines Versagens im 3. Versuch. Ich habe öfters Panikanfälle, in dessen Verlauf ich hemmungslos weinen muss. (ich bin halt die Art von Person, die sich aus seinem Studium definiert und ehrlich gesagt: weder habe ich etwas anderes noch kann ich etwas anderes als das Studium; ich stünde, im Alter von 26, ohne nichts da und könnte einfach aus Scham mich nicht mehr blicken lassen, wohl wahrscheinlich meine soziale Umgebung ändern müssen, da meine Umgebung, v.a. Eltern und Freunde viel von mir halten und ich will sie nicht enttäuschen und als der Idiot da stehen nach drei Jahren Studium).

Ich bin offen, weil ich um nichts anderes bitte als konstruktive Beiträge, die mich nicht verarschen, da ich zurzeit nur noch für diese Prüfung existiere. Ich kann über den Prüfungstermin hinaus mir nicht einmal vorstellen, was kommt.

Wie lerne ich im Gegensatz zu letztem male: ich habe mir das Schwabe-Fallbuch gekauft und arbeite es durch, in dem ich mir das Buch hauptsächlich aufmerksam durchlese, vor allem mit Augenmerk auf den Gutachtenstill, aber auch auf das darin vermittelte Wissen mit dem Grund, dass viele meinen, der Schwabe, der reiche aus. Meine selbstgemachten Skripte, mit dem verkürzten Inhalt aus Lehrbüchern, habe ich erstmal nach hinten geschoben. Ich nehme regelmäßig an AGs teil und habe auch eine Lerngruppe, aber jedes mal, wenn ich glaube das ich was gelernt habe - mag es noch so klein sein - vergesse ich es wieder binnen weniger Stunden, ganz gleich wie sehr ich mich anstrenge. Es bleibt nichts hängen. Ärztliche Beratung verlief für mich unbefriedigend, da man mir immer nur sagt, ich solle es doch nicht so ernst nehmen und mich nicht so anstellen bzw. man kommt mit nichts anderem als diesem dämlichen verständnisvollen Nicken, bei dem man sich verarscht vorkommt.

Was soll ich in den kommenden 26 Tagen konkret tun? Was wird von mir erwartet in der Prüfung? Letzteres, weil ich das Gefühl habe, es wird von jemandem das unmögliche verlangt, also das Wissen eines BGH-Richters und die Praxis eines alten Hasen - und das nur um zu bestehen. Niemand in der Uni kann mir sagen, was verlangt wird. Ich fühle mich irgendwie alleinegelassen und brauche irgendeine Referenz diesbezüglich - ganzgleich wie dünn dieser Referenzpunkt ist.

Schönen Abend noch und Danke im voraus für alle Beiträge.

Weltraumbaer.


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BeitragVerfasst: Mittwoch 28. Juni 2017, 23:33 
Power User
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Registriert: Freitag 18. April 2014, 14:46
Beiträge: 423
Mir erscheint eine Psychotherapie wichtiger als Lerntipps zu sein, gerade in Hinblick auf das Examen. Mir scheinen hier tiefergehende Probleme vorzuliegen. Eine Behandlung kann da sehr helfen und danach wirst du hoffentlich befreiter Klausuren schreiben können und grundsätzlich eine andere Lebensperskeptive haben als dich nur über ein Studium zu definieren.


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BeitragVerfasst: Mittwoch 28. Juni 2017, 23:40 
Noch selten hier
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Registriert: Dienstag 27. Juni 2017, 21:32
Beiträge: 15
Hallo,

ich kenne deine genaue Vorgeschichte nicht und ich weiß auch nicht wie du mit Prüfungen im Allgemeinen umgehst, aber anhand dessen was du hier in dem Thread preis gibst kann ich dir nur raten dir mal einen ärztlichen / psychologischen Rat einzuholen. Das Jurastudium ist eine Sache, aber die Gesundheit sollte eigentlich ab einer gewissen Intensität an erster Stelle stehen.
In den universitären Prüfungen wird eigentlich kein Hexenwerk verlangt und mit Blick auf das Examen wird es nun wirklich nicht einfacher von der nervlichen Belastung.

Du hast nach konstruktiven Beiträgen gefragt und daher rate ich dir eigentlich dazu, dich in den verbleibenden Tagen um professionelle Hilfe zu bemühen und sonst, sofern das möglich ist, dich von der Klausur abzumelden und erstmal dein allgemeines Wohlbefinden in den Griff zu kriegen. Es ist doch völlig egal ob du 26 oder 27 etc. bist wenn du dich sonst selbst kaputt machst.


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BeitragVerfasst: Mittwoch 28. Juni 2017, 23:52 
Fossil
Fossil

Registriert: Freitag 2. April 2004, 18:13
Beiträge: 13042
In der Situation gibt es auch meines Erachtens nur einen Ratschlag: Suche Dir umgehend richtige professionelle Beratung, von der Du Dich ernst genommen fühlst. Warst Du z. B. schon mal bei der psychologischen Beratung der Uni? Mit "stell' Dich nicht so an" scheint es mir nach Deinen Schilderungen nicht getan zu sein; Du solltest lieber zusehen, den Zweitversuch aufschieben zu können (hierbei könnte Dich die entsprechenden Uni-Stellen beraten) und zwischenzeitlich - auch mit Blick auf die anstehende Examensvorbereitung - das zugrunde liegende Problem angehen zu können. Der Berg, vor dem Du mit der Klausur stehst, ist kleiner und besser zu bewältigen, als Du jetzt denkst, aber wenn Du mental nicht in der richtigen Verfassung bist, dann musst Du letztlich tatsächlich untrainiert den Mount Everest besteigen. Und nein, es ist keine Schande, sich einzugestehen, dass man jetzt an diesem Punkt nicht weiterkommt, sondern es ist im Gegenteil sehr klug.

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"Auch eine stehengebliebene Uhr kann noch zweimal am Tag die richtige Zeit anzeigen; es kommt nur darauf an, daß man im richtigen Augenblick hinschaut." (Alfred Polgar)


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BeitragVerfasst: Donnerstag 29. Juni 2017, 00:03 
Mega Power User
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Registriert: Sonntag 28. August 2016, 17:43
Beiträge: 2262
Wohnort: Schweiz
Weltraumbaer hat geschrieben:
Ich nehme regelmäßig an AGs teil und habe auch eine Lerngruppe, aber jedes mal, wenn ich glaube das ich was gelernt habe - mag es noch so klein sein - vergesse ich es wieder binnen weniger Stunden, ganz gleich wie sehr ich mich anstrenge. Es bleibt nichts hängen.


Machst Du Dir denn Notizen dazu, damit Du den dort gelernten Stoff repetieren kannst? Vielleicht wäre eine Art Protokoll sinnvoll, das Du während dieser Lerngruppe erstellst.

Ich hoffe, es ist Dir klar, dass Deine Familie Dich lieber lebend haben will, egal ob Du nun Dein Ziel erreichst oder nicht. Dein anankastischer Anspruch an Dich selbst ist nicht mehr gesund. Ich verstehe, warum Du nicht versagen willst, doch bist Du keine Rolle, sondern ein wertvoller Mensch, der mehr ist als die Rolle, die Du anstrebst. Du bist auch wertvoll, wenn Du nichts leistest.

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LG Candor


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BeitragVerfasst: Donnerstag 29. Juni 2017, 01:30 
Mega Power User
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Registriert: Dienstag 18. August 2009, 15:04
Beiträge: 2597
Wohnort: Südwestdeutschland
Weltraumbaer hat geschrieben:
einen Tag vor der Prüfung erhielt ich wohl aus Gründen von Angst und Anspannung eine Art Herzanfall oder Herzattacke, wobei mein Puls auf 200+ stieg, die Atmung extrem schwer fiel und ich sogar das Bewusstsein verlor. Glücklicherweise passierte dies vor einer großen Arztpraxis und nach einer Untersuchung in einem Krankenhaus wurde ich entlassen. Am folgenden Tag ging ich trotz Ängste in die Prüfung, wobei ich zuvor mit Emotionen kämpfen musste und wie ein kopfloses Huhn agierte; ich lief durch die Straßen um den Audimax und schimpfte, weinte und trat gegen Wände. [...]

bringt mich in eine vergleichbare emotionale Achterbahn zwischen "Ich bin besser vorbereitet und diesmal kriege ich es hin" und dem - ohne Untertreibung - in Betracht ziehen von Selbstmord im Falle eines Versagens im 3. Versuch. Ich habe öfters Panikanfälle, in dessen Verlauf ich hemmungslos weinen muss. [...]

Ich kann über den Prüfungstermin hinaus mir nicht einmal vorstellen, was kommt.


Ich kann mich den anderen Ratschlägen nur anschließen: die Schilderung Deiner Beschwerden geht weit über das Spektrum der vor einer Prüfung üblichen Aufregung oder gar Angst im Sinne eines "Lampenfiebers" hinaus. Das ist m.E. kein Problem der richtigen Prüfungsvorbereitung - jedenfalls nicht in erster Linie -, sondern Deines Gesundheitszustands und Deines Wohlbefindens. Dort wäre daher anzusetzen. Wenn Du dann psychisch und physisch stabil in diese Prüfung eintreten kannst, wird sie nicht unmöglich sein und Dir vermutlich auch nicht mehr so erscheinen. Immerhin hast Du ja bereits etliche Prüfungen in Deinem Studium bestanden.

Ich wünsche Dir alles Gute!

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Deutsches Bundesrecht? https://www.buzer.de/ - tagesaktuell, samt Änderungsgesetzen und Synopsen
Gesetze mit Rechtsprechungsnachweisen und Querverweisen? https://dejure.org/ - pers. Merkliste u. Suchverlauf


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BeitragVerfasst: Donnerstag 29. Juni 2017, 07:01 
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Wende dich unbedingt an diese: https://www.hu-berlin.de/de/studium/ber ... syber_html

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BeitragVerfasst: Donnerstag 29. Juni 2017, 11:19 
Noch selten hier
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Registriert: Freitag 27. Mai 2016, 22:03
Beiträge: 13
Erst einmal vielen Dank für die vielen Antworten.

Ich habe die psychologische Beratungsstelle der HU (@Tibor: Danke), jedoch haben sie einen Termin erst im August, wurde jedoch nach Beschreibung meiner Beschwerden für den 19.07. eingetragen. Ich stimme aber zu, dass es mehr ist als nur Lampenfieber und das man da grds. ärztliche Hilfe suchen sollte. Ich werde dem Ratschlag der Mehrheit folgen und die Prüfung vorerst auf Eis legen.

Ich lasse den Thread offen für jene, die noch was zu sagen haben.

Grüße

Weltraumbaer.


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BeitragVerfasst: Donnerstag 29. Juni 2017, 11:29 
Fossil
Fossil

Registriert: Freitag 2. April 2004, 18:13
Beiträge: 13042
Eine sehr weise Entscheidung! Ich wünsche Dir viel Erfolg dabei - und berichte gerne bei Gelegenheit darüber, wie es Dir ergangen ist.

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BeitragVerfasst: Donnerstag 29. Juni 2017, 11:43 
Super Mega Power User
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Registriert: Freitag 9. August 2013, 12:32
Beiträge: 3878
Ich halte das selbstverständlich auch für die richtige Entscheidung. Das Problem ist offensichtlich vorwiegend psychischer Natur und wird nicht von heute auf morgen verschwinden.

Allerdings möchte ich dir für die Zukunft noch ans Herz legen, dir dann, wenn es dir besser geht, die Hemmer-Fallbücher zu den drei genannten Rechtsgebieten zu kaufen ("Die XY wichtigsten Fälle"). In gewöhnlichen Abschlussklausuren wird keinesfalls mehr verlangt als das, was darin steht, und sie zeigen, dass das alles gar nicht so schwer ist (wenn man nicht aufgrund anderer Umstände blockiert ist).

_________________
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BeitragVerfasst: Freitag 30. Juni 2017, 19:50 
Newbie
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Registriert: Samstag 14. Januar 2017, 16:03
Beiträge: 9
Zitat:
ich bin halt die Art von Person, die sich aus seinem Studium definiert und ehrlich gesagt: weder habe ich etwas anderes noch kann ich etwas anderes als das Studium; ich stünde, im Alter von 26, ohne nichts da und könnte einfach aus Scham mich nicht mehr blicken lassen, wohl wahrscheinlich meine soziale Umgebung ändern müssen, da meine Umgebung, v.a. Eltern und Freunde viel von mir halten und ich will sie nicht enttäuschen und als der Idiot da stehen nach drei Jahren Studium).


Was meinst du, ist deiner Family lieber? Jemand der glücklich und gesund ist oder jemand, der alle Erwartungen erfüllt? Ich denke, die wollen dich alle in gesund und munter, ganz klar! :alright

Die Seele ist die Basis für alles. Suche dir professionelle Hilfe, das kann wahre Wunder wirken und bietet dir die Chance von Erleichterung.

Es ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Stärke und Verantwortung, sich helfen zu lassen, wenn es erforderlich ist. Alles Gute für dich!

Edit: Hatte nicht gesehen, dass du schon aktiv geworden bist! Sehr gut, absolut weise Entscheidung!


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