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 Betreff des Beitrags: Karriereplanung als Berufsanfänger
BeitragVerfasst: Sonntag 5. Februar 2017, 13:11 
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Registriert: Dienstag 1. November 2016, 13:31
Beiträge: 6
Als Berufseinsteiger fehlen einem die Erfahrungswerte, auch im Hinblick auf die Frage, wie man karrieremäßig dort hinkommt, wo man hin möchte.
Ich wollte und will eigentlich sehr gerne in die Justiz, aber die Note im 2. Examen reicht einfach nicht und wenn das Widerspruchsverfahren oder der Verbesserungsversuch nicht deutlich was ändern, bleibt es auch dabei. Leider.

Vorerst also Plan B: Ich bin seit kurzem Anwalt. Auch wenn ich mich irgendwie nicht so wirklich als Anwalt sehe, weil ich viel zu gerne meine eigene Meinung vertrete und gerne fachlich unabhängig arbeite, bleibt mir erstmal nichts anderes übrig.
Derzeit arbeite ich für einen Insolvenzverwalter, die Stelle ist aber befristet. Mittelfristig würde ich glaube ich sehr gerne in eine Rechtsabteilung, weil man da einfach weniger finanziellen Zwängen unterliegt und nach meinem Eindruck je nach Aufgabenfeld freier/eigenverantwortlicher agieren kann (vielleicht täusche ich mich auch). Ich habe bisher aber nur sehr wenige Stellenanzeigen gesehen, in der Unternehmen nach Berufsanfängern gesucht hätten. Also werde ich die die Erfahrung erst einmal sammeln müssen. Stellt sich nur die Frage wo und wie.
Wegen meiner derzeit befristeten Stelle habe ich mich mal bei diversen Kanzleien beworben, insbesondere im Arbeitsrecht aber auch darüber hinaus.
Und es sieht danach aus, als hätte ich auch bald die erste Zusage, nämlich von einer mittelständischen, auf ArbR spezialisierten Kanzlei, die nur auf Seiten der Arbeitnehmer arbeitet und vor allem Betriebsräte berät. Ich finde die Kollegen sehr sympathisch und ich kann mir das (auch moralisch) sehr gut vorstellen.
Aber wäre das nicht vollkommen kontraproduktiv, wenn ich zu später in ein Unternehmen will? Und vielleicht auch in einem anderen/zusätzlichen Rechtsgebiet arbeiten will?

Ich habe den Eindruck, als kann man in meiner jetzigen Situation viel falsch machen. Und ich würde mir gerne gewisse Optionen bewahren. Wie seht ihr das? Wie seid ihr da hingekommen wo ihr jetzt seid?


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BeitragVerfasst: Sonntag 5. Februar 2017, 13:49 
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Registriert: Sonntag 10. Dezember 2006, 12:18
Beiträge: 2709
JuristaD hat geschrieben:
Als Berufseinsteiger fehlen einem die Erfahrungswerte, auch im Hinblick auf die Frage, wie man karrieremäßig dort hinkommt, wo man hin möchte.
Ich wollte und will eigentlich sehr gerne in die Justiz, aber die Note im 2. Examen reicht einfach nicht und wenn das Widerspruchsverfahren oder der Verbesserungsversuch nicht deutlich was ändern, bleibt es auch dabei. Leider.

Vorerst also Plan B: Ich bin seit kurzem Anwalt. Auch wenn ich mich irgendwie nicht so wirklich als Anwalt sehe, weil ich viel zu gerne meine eigene Meinung vertrete und gerne fachlich unabhängig arbeite, bleibt mir erstmal nichts anderes übrig.
Derzeit arbeite ich für einen Insolvenzverwalter, die Stelle ist aber befristet. Mittelfristig würde ich glaube ich sehr gerne in eine Rechtsabteilung, weil man da einfach weniger finanziellen Zwängen unterliegt und nach meinem Eindruck je nach Aufgabenfeld freier/eigenverantwortlicher agieren kann (vielleicht täusche ich mich auch). Ich habe bisher aber nur sehr wenige Stellenanzeigen gesehen, in der Unternehmen nach Berufsanfängern gesucht hätten. Also werde ich die die Erfahrung erst einmal sammeln müssen. Stellt sich nur die Frage wo und wie.
Wegen meiner derzeit befristeten Stelle habe ich mich mal bei diversen Kanzleien beworben, insbesondere im Arbeitsrecht aber auch darüber hinaus.
Und es sieht danach aus, als hätte ich auch bald die erste Zusage, nämlich von einer mittelständischen, auf ArbR spezialisierten Kanzlei, die nur auf Seiten der Arbeitnehmer arbeitet und vor allem Betriebsräte berät. Ich finde die Kollegen sehr sympathisch und ich kann mir das (auch moralisch) sehr gut vorstellen.
Aber wäre das nicht vollkommen kontraproduktiv, wenn ich zu später in ein Unternehmen will? Und vielleicht auch in einem anderen/zusätzlichen Rechtsgebiet arbeiten will?

Ich habe den Eindruck, als kann man in meiner jetzigen Situation viel falsch machen. Und ich würde mir gerne gewisse Optionen bewahren. Wie seht ihr das? Wie seid ihr da hingekommen wo ihr jetzt seid?


Du solltest vielleicht zunächst mal eine Bestandsaufnahme machen: 1. Was willst du? 2. Was kannst du?

Bei der ersten Frage solltest du nicht wahllos irgendwelche Berufsbilder nennen, sondern konkrete Eigenschaften. Liegt die eigenständiges arbeiten? Möchtest du eher juristisch arbeiten oder auch einen großen Anteil von Verwaltung und/oder Akquise dabei haben? Wie wichtig ist dir finanzielle Sicherheit vs. finanzielle Chancen? Bist du ein Dienstleister-Typ? Bist du bereit, viel zu arbeiten, um deine Karriere voranzutreiben?

Bei dir lese ich schon in einem Post viele unterschiedliche Dinge raus, die alle sehr unterschiedlich sind: Justiz, Insolvenzverwaltung, Rechtsanwalt im Arbeitsrecht, Rechtsabteilung...

Zur Rechtsabteilung: Hast du Erfahrung (z.B. aus dem Referendariat oder einem Praktikum) in der Arbeit als Inhouse-Jurist? Viele Berufsanfänger idealisieren die Inhouse-Tätigkeit meines Erachtens zu sehr. Gerade die beiden Aspekte, die du nennst (finanzielle Zwänge, eigenverantwortliche Tätigkeit) sind in Rechtsabteilungen von Unternehmen nun überhaupt nicht gegeben. Die Unternehmensjuristen klagen doch alle über finanzielle Zwänge in Form straffer Budgets. Eine Rechtsabteilung hat in einem Unternehmen kaum jemals einen guten Ruf, da sie kein Geld einspielt (Ausnahme Deutsche Bahn), sondern Geld kostet. Das ist für ein Unternehmen erst mal schlecht. Zudem sind sie als Bedenkenträger verschrieen. Und damit kommen wir zu Punkt 2. Du arbeitest nicht eigenverantwortlich, sondern bist dafür verantwortlich den Leuten aus dem "Business" zu erklären, warum ihre Maßnahmen rechtlich, bzw. wie man sie gestalten kann, dass sie gehen. Unternehmensjuristen, die ich kenne, beklagen oft den Druck, der auf ihnen lastet. Es wird erwartet, dass sie die Maßnahmen durchwinken oder zumindest Lösungen finden, mit denen die Maßnahmen ohne weitere Kosten möglich sind. Mit "eigenverantwortlich" ist da nicht viel.

Mich würde an der Tätigkeit als Unternehmensjurist auch stören, dass die meisten kaum juristisch arbeiten. Du bist eher Bindeglied zwischen "Business" und externem Anwalt, d.h. du sitzt viel in irgendwelchen Besprechungen bzw. versuchst Sachverhalte aufzuarbeiten. Fände ich als Jurist eher langweilig.

Wie gesagt, verschaffe dir erstmal einen Überblick, was du willst und kannst. Und dann informiere dich am besten genau über die Berufsbilder und verfalle nicht idealisierten Vorstellungen.

_________________
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BeitragVerfasst: Sonntag 5. Februar 2017, 16:45 
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Registriert: Dienstag 1. November 2016, 13:31
Beiträge: 6
Kasimir hat geschrieben:
JuristaD hat geschrieben:
Wie gesagt, verschaffe dir erstmal einen Überblick, was du willst und kannst. Und dann informiere dich am besten genau über die Berufsbilder und verfalle nicht idealisierten Vorstellungen.


Guter Punkt. Ich kenne aber keinen Berufsanfänger (mich eingeschlossen), die/der das so genau wüsste. Die meisten nutzen die sich ergebenden Optionen. Und die sind maßgeblich von den Noten abhängig. Außerdem: Wer hat nach ein paar Stationen im Ref schon wirklich belastbare Eindrücke über die jeweiligen Tätigkeiten?! Das sind doch immer alles nur Ausschnitte. Im Ergebnis weiß man dann vielleicht, was man nicht will. Das war es dann aber auch.

Ich wäre trotzdem sehr gerne Richter geworden, weil mir Geld eben nicht so wichtig ist, das juristisch unabhängige, das selbstständige Arbeiten insgesamt hingegen sehr schätze. Und ich denke, dass das in der Justiz bei allem Erledigungsdruck gut möglich ist.

Nachdem das (vorerst) nicht klappt, habe ich das bis Jahresende befristete Jobangebot des Insolvenzverwalters angenommen, bei dem ich schon im Ref gearbeitet habe. Das finde ich durchaus interessant und macht mir auch Spaß (u.a. weil weitgehend selbstständiges Arbeiten nah am [wirtschaftlichen] Leben), hat aber derzeit keine längerfristige Perspektive. Und vergleichbare Stellen gibt es derzeit kaum, weil die wirtschaftliche Situation vieler Verwalter angespannt ist.

Daher meine Suche nach Alternativen, um mal mind. für die kommenden 2-3 Jahre etwas festes zu haben und Berufserfahrung zu sammeln. Dann sieht man weiter. Und was liegt da näher, als in einem Bereich zu arbeiten, in dem man schon bisher einen Schwerpunkt gesetzt hat, in meinem Fall Arbeitsrecht. Es ist aber keineswegs so, als müsste es das jetzt mein ganzes Berufsleben so sein.

Keine Ahnung, ob am Ende eine Rechtsabteilung das Maß aller Dinge ist. Ich weiß nicht, wo die Reise hingeht. Ich möchte mit meiner Entscheidung heute aber nicht eine denkbare Option in der Zukunft verbauen. Daher meine Ausgangsfrage.


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BeitragVerfasst: Sonntag 5. Februar 2017, 22:16 
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Beiträge: 1276
JuristaD hat geschrieben:
Und es sieht danach aus, als hätte ich auch bald die erste Zusage, nämlich von einer mittelständischen, auf ArbR spezialisierten Kanzlei, die nur auf Seiten der Arbeitnehmer arbeitet und vor allem Betriebsräte berät. Ich finde die Kollegen sehr sympathisch und ich kann mir das (auch moralisch) sehr gut vorstellen.
Aber wäre das nicht vollkommen kontraproduktiv, wenn ich zu später in ein Unternehmen will? Und vielleicht auch in einem anderen/zusätzlichen Rechtsgebiet arbeiten will?


Dir sind ethische Normen besonders wichtig, deshalb Dein Bedürfnis nach moralisch hochwertiger Arbeit, was Du vermutlich auch als Richter realisiert hättest. Meinst Du wirklich, dass Du über den eigenen Schatten springen kannst und gegen Deine eigenen inneren Regeln verstoßen solltest, nur weil Du das Gefühl hast, Dich damit zu sehr in eine Richtung hin festzulegen? Legt man sich nicht grundsätzlich immer fest? Was willst Du im Leben erreichen, wo liegt Deine innere Beruf-ung? Ich rate Dir, auf Deine Intuition zu hören, nicht nur auf spekulatives Denken. Es muss für Dich stimmen.

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LG Candor


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BeitragVerfasst: Dienstag 7. Februar 2017, 08:17 
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Registriert: Sonntag 5. September 2010, 11:31
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JuristaD hat geschrieben:
Kasimir hat geschrieben:
JuristaD hat geschrieben:
Wie gesagt, verschaffe dir erstmal einen Überblick, was du willst und kannst. Und dann informiere dich am besten genau über die Berufsbilder und verfalle nicht idealisierten Vorstellungen.


Guter Punkt. Ich kenne aber keinen Berufsanfänger (mich eingeschlossen), die/der das so genau wüsste. Die meisten nutzen die sich ergebenden Optionen. Und die sind maßgeblich von den Noten abhängig. Außerdem: Wer hat nach ein paar Stationen im Ref schon wirklich belastbare Eindrücke über die jeweiligen Tätigkeiten?! Das sind doch immer alles nur Ausschnitte. Im Ergebnis weiß man dann vielleicht, was man nicht will. Das war es dann aber auch.


Man kann die Berufsbilder schon herausarbeiten und normalerweise will ein Arbeitgeber auch hören, wie man denn zu ihm kommt. Das klingt für mich ein bisschen nach der Orientierungslosigkeit in der Oberstufe.

Ist der Verbesserungsversuch schon geschrieben? Darauf sollte doch die Konzentration liegen wenn es in die Justiz gehen soll. Bei den aktuellen Anforderungen kann schließlich schon eine gute mündliche Prüfung die Note über die Grenze heben.

Falls die moralische Seite den Weg versperren sollte würde ich auch prüfen, auf welchem Fundament diese Ansichten stehen. Arbeitnehmervertretung ist ja was feines, nur gäbe es die eine Seite nicht ohne die andere. Sozialplan, Altersvorsorge, Eingliederungsmanagement, Arbeitnehmerüberlassung und auch notwendige Kündigungen sind wohl moralisch schon noch vertretbar. Ich schaff es jedenfalls sehr gut als Sozialdemokrat im Bereich Restrukturierung und Finanzierung zu arbeiten.


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BeitragVerfasst: Mittwoch 8. Februar 2017, 10:44 
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Ich schaff es jedenfalls sehr gut als Sozialdemokrat im Bereich Restrukturierung und Finanzierung zu arbeiten.


Wer hat uns (Sozialdemokraten) verraten? Solzialdemokraten!

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Stehe zu deinen Überzeugungen soweit und solange Logik oder Erfahrung dich nicht widerlegen. Denk daran: Wenn der Kaiser nackt aussieht ist der Kaiser auch nackt. Wahrheit und Lüge sind nicht Seiten der selben Medaille ... .
- Daria -


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