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BeitragVerfasst: Montag 11. September 2017, 10:21 
Noch selten hier
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Registriert: Freitag 3. September 2010, 19:26
Beiträge: 14
Hallo zusammen,

ich bin seit ca. sechs Jahren GK-Anwalt im Bereich Corporate/Commercial, mir macht die fachliche Arbeit großen Spaß und die Salary-Partnerschaft erscheint in absehbarer Zeit erreichbar (so wird es mir zumindest kommuniziert). Ich kann mir allerdings eine Tätigkeit als GK-Partner (über noch ca. 30 Berufsjahre) perspektivisch nicht vorstellen. Ich habe viele unschöne Dinge gesehen: Der ständige Umsatzdruck, die völlig überflüssigen, verlogenen und intriganten Spielchen innerhalb der Partnerschaft und den Associates, die Eitelkeiten, die permanenten Schleimereien gegenüber (potentiellen) Mandanten sind mir auf Dauer schlicht zuwider, zu belastend und zu stressig – sicher eine weitverbreitete Auffassung in der Generation Y. Aber was danach machen, wenn das verantwortungsvolle juristische Arbeiten in der Praxis großen Spaß macht?

A) Syndikusrechtsanwalt?
Pro: Ordentliches Gehalt in größeren Wirtschaftsunternehmen möglich (mitunter 100k+), Anknüpfen an erworbenen fachlichen Kenntnissen möglich, mit etwas Glück eine realistische Karriereperspektive (Leiter Recht und/oder Übernahme anderer Aufgaben im Unternehmen)
Contra: Man ist die nervigen politischen Spielchen nicht los (siehe oben), weiterhin Fremdbestimmtheit, unklare Jobsicherheit gerade im fortgeschrittenen Alter (50+), ggfls. regelmäßige Jobwechsel, mitunter weniger Jura und mehr (legal) management

B) Staatsdienst / Richter (z.B.: ordentliche Gerichtsbarkeit / Sozialgerichtsbarkeit)?[/b]
Pro: Zweifelsfrei anspruchsvolle juristische Tätigkeit an z.T. bodenständigen, greifbareren Sachverhalten, mitunter eigenbestimmtes Arbeiten, nach Einarbeitung mitunter deutlich reduzierte Arbeitszeit; absolute Jobsicherheit nach Verplanung
Contra: Oft mangelnde Karriereperspektive, nicht unerhebliche Gehaltseinbuße, intensive Einarbeitung notwendig (aber sicher machbar)

Mir ist klar, dass diese Zusammenstellung von Gedanken naturgemäß sehr abstrakt ist und - wie fast immer - die individuellen Gegebenheiten am konkreten Arbeitsplatz das Salz in der Suppe sind. Wie denkt Ihr darüber? Seht Ihr weitere wesentliche pro’s und con’s (…oder seid ihr anderer Auffassung…) oder seht ihr weitere interessante juristische Berufsfelder als Alternative? Gibt es Leute unter Euch, die Erfahrungen inhouse und im Staatsdienst gemacht haben?

Ich habe mich noch nicht entschieden und beworben. Eure Gedanken hierzu sind daher mehr als willkommen!!!

Viele Grüße
Lawyer81


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BeitragVerfasst: Montag 11. September 2017, 11:32 
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Registriert: Freitag 11. März 2016, 13:36
Beiträge: 12
Wieso ziehst du die Arbeit in einer zahlenmäßig kleineren Kanzlei nicht in Betracht? Möchtest du generell nicht mehr als Anwalt arbeiten?


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BeitragVerfasst: Montag 11. September 2017, 15:32 
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Registriert: Freitag 11. August 2006, 00:27
Beiträge: 342
Lawyer81 hat geschrieben:
Hallo zusammen,
ich bin seit ca. sechs Jahren GK-Anwalt im Bereich Corporate/Commercial, mir macht die fachliche Arbeit großen Spaß und die Salary-Partnerschaft erscheint in absehbarer Zeit erreichbar (so wird es mir zumindest kommuniziert). Ich kann mir allerdings eine Tätigkeit als GK-Partner (über noch ca. 30 Berufsjahre) perspektivisch nicht vorstellen. Ich habe viele unschöne Dinge gesehen: Der ständige Umsatzdruck, die völlig überflüssigen, verlogenen und intriganten Spielchen innerhalb der Partnerschaft und den Associates, die Eitelkeiten, die permanenten Schleimereien gegenüber (potentiellen) Mandanten sind mir auf Dauer schlicht zuwider, zu belastend und zu stressig – sicher eine weitverbreitete Auffassung in der Generation Y. Aber was danach machen, wenn das verantwortungsvolle juristische Arbeiten in der Praxis großen Spaß macht?
Ich habe einen ähnlichen Weg hinter mir. Ich habe mich aus ähnlichen Gründen wie du nach einigen Jahren gegen die Fortführung der Karriere in der GK entschieden, wobei für mich die von dir nicht genannten absurden Arbeitszeiten ein weiterer Faktor waren. Ich kann also sehr gut nachvollziehen, woher du kommst.

Lawyer81 hat geschrieben:
A) Syndikusrechtsanwalt?
Pro: Ordentliches Gehalt in größeren Wirtschaftsunternehmen möglich (mitunter 100k+), Anknüpfen an erworbenen fachlichen Kenntnissen möglich, mit etwas Glück eine realistische Karriereperspektive (Leiter Recht und/oder Übernahme anderer Aufgaben im Unternehmen)
Contra: Man ist die nervigen politischen Spielchen nicht los (siehe oben), weiterhin Fremdbestimmtheit, unklare Jobsicherheit gerade im fortgeschrittenen Alter (50+), ggfls. regelmäßige Jobwechsel, mitunter weniger Jura und mehr (legal) management
Nachdem für mich klar war, dass GK keine Dauerperspektive ist, bin ich in einen großen Konzern gewechselt. Dazu zunächst ein kurzer Reality-Check:

  • 100k+ sind kein Problem, hängt aber von der Region und der Zielgruppe ab. Vielerorts ist man zu deutlich weniger bereit, in DAX30 und vergleichbaren Familien-geführten Konzernen ist aber sogar noch mehr drin. Einige Beispiele aus meinem Bekanntenkreis bzw. persönlicher Erfahrung: Bosch, Daimler, Schwarz Gruppe, Deutsche Bank, Porsche, VW, ProSiebenSat.1, Siemens, Deutsche Post, BASF, SAP... Überall gibt es 100k+, wenn deine Kriegsbemalung passt und du als Senior eine GK verlässt. Mit deinen 6+ Jahren GK sind das gerne auch mal 120k+.
  • "Mit etwas Glück" realistische Karriereperspektive halte ich für eine Fehleinschätzung. Richtig ist, dass es diese Optionen (Leiter Recht oder nicht-juristische Karriere) theoretisch gibt. Allerdings gehört dazu mehr als "etwas Glück" und die Perspektive ist diesbezüglich eher dürftig. Das hängt natürlich davon ab, welchen Bereich du beackerst und mit M&A/Corporate hast du relativ betrachtet sogar etwas bessere Aussichten auf derartige Karrierewege. Allerdings darf man nicht in ein Unternehmen wechseln und glauben, dass die Unternehmensleitung nur auf einen gewartet hat, um höhere Positionen zu besetzen. Diese Zeiten sind vorbei. Vor 5-10 Jahren, als Juristen in Unternehmen noch etwas seltener waren, sah das noch anders aus. Heute sieht man sich einem Heer von anderen gut qualifizierten Juristen und vor allem BWLern gegenüber, die dem Unternehmen im Gegensatz zur Rechtsabteilung bares Geld verdienen. Diese psychologische Komponente darf man nicht unterschätzen. Zudem kommt man aus der GK-Welt oft etwas verblendet in das Unternehmen: In der GK weiß jeder (oder glaubt zu wissen), was man auf dem Kasten hat, da man mit zwei tollen Examina eingestellt wurde. Im Unternehmen interessiert das niemanden. Der "Boah ist der gut!"-Bonus existiert dort also nicht. Es zählen alleine das berufliche Netzwerk, etwas Leistung und verdammt viel Glück.
  • Das bringt mich zu dem wohl wichtigsten Punkt, der mich letztlich bewogen hat, die Unternehmenswelt wieder zu verlassen: Die Fremdbestimmtheit, die hierarchische Struktur, das Anbiedern, die Intrigen und Innenpolitik... all diese Themen zeigen sich in Unternehmen noch viel stärker als in der GK. Hinzu kommt noch das Wegschieben von Verantwortung und die ständige Angst des Abteilungsleiters, an Bedeutung zu verlieren. Schließlich ist die Unternehmenswelt ebenso eitel wie die GK. Ich fühle mich in einem solchen Umfeld sehr unwohl und habe das in dieser Form in der GK nie auch nur annähernd in diesem Ausmaß verspürt. Schließlich ist und bleibt man sehr abhängig vom Vorgesetzten. Egal wie hoch du in diesem System steigst, du wirst immer eine Decke über dir haben, an der du dir den Kopf stößt. Gute Führungskräfte gibt es sehr wenige - insbesondere unter Juristen so gut wie keine.
  • Ein weiterer Punkt ist, dass man selbst in hochspezialisierten Abteilungen im Unternehmen mitnichten auf fachlich hohem Niveau arbeitet. 90% aller Unternehmensjuristen sind reine Verwalter und mach entweder gar kein Jura mehr oder nur sehr oberflächlich. Das gilt ganz besonders für die Corporate-Kollegen. Die sind eigentlich nur mit der Abwicklung von M&A oder mit der Verwaltung irgendwelcher Gesellschaften beschäftigt. Wenn es mal ein dickeres Brett zu bohren gibt, geht das an Kanzleien (was du mit "Legal Management" bezeichnet hast). Dementsprechend ist das Niveau auch deutlich niedriger als in der GK. Richtig schätzt du m.E. auch die häufigen Job-Wechsel und eine erhöhte Unsicherheit im Alter ein.

Lawyer81 hat geschrieben:
B) Staatsdienst / Richter (z.B.: ordentliche Gerichtsbarkeit / Sozialgerichtsbarkeit)?[/b]
Pro: Zweifelsfrei anspruchsvolle juristische Tätigkeit an z.T. bodenständigen, greifbareren Sachverhalten, mitunter eigenbestimmtes Arbeiten, nach Einarbeitung mitunter deutlich reduzierte Arbeitszeit; absolute Jobsicherheit nach Verplanung
Contra: Oft mangelnde Karriereperspektive, nicht unerhebliche Gehaltseinbuße, intensive Einarbeitung notwendig (aber sicher machbar)
Schlussendlich habe ich mich aus den oben genannten Gründen entschieden doch zur Justiz zu gehen - für die mein Herz ohnehin schon immer ein wenig geschlagen hat. Ich fange da jetzt erst an und kann daher dazu noch keine vertieften Erfahrungen schildern. Ich fühle mich aber mit der Entscheidung schon jetzt viel wohler als mit den damaligen Entscheidungen für Unternehmen und Anwaltschaft. Die finanzielle Situation ist natürlich deutlich spürbar aber das ist eine Gewöhnungssache (man nagt ja nun mit R1 auch nicht gerade am Hungertuch) und mir fällt es leichter mental mit dem Gehaltsgefälle ggb. der Privatwirtschaft klar zu kommen als den meisten anderen Justizdienern, die ich kenne. Denn ich habe immerhin schon einmal "auf der anderen Seite" gelebt und gespürt, dass mich das viele Geld nicht für den beruflichen Frust entschädigt. Die bewusste Entscheidung für weniger Geld und mehr Freude am Beruf kann ich daher konsequent tragen. Zudem wirst du doch sicherlich in den vergangen sechs Jahren ein hübsches Sümmchen gespart haben, sodass du relativ weich fällst.

Die mangelnde Karriereperspektive ist wohl Realität. Was ich dazu bislang gehört habe: R2 soll für jeden "drin" sein, der Ambition/Einsatz hierfür zeigt und hinreichend flexibel ist. Alles darüber ist ein reines Glücksspiel (sei zur richtigen Zeit am richtigen Ort...). Darüber wurde auch hier im Forum schon oft gesprochen. Für mich ergibt sich daraus die Erkenntnis: Der Schritt zur Justiz macht nur Sinn, wenn mir der Beruf an sich Freude bereitet - egal ob als R1, 2 oder 6. Karriere darf kein entscheidender Faktor für die Motivation sein, andernfalls ist man in der Justiz falsch und schnell massiv frustriert. So wie ich deine Zeilen lese, sind dir dieser Karrierebezug und die damit im Alltag verbundenen Verhaltensweisen (Netzwerken, Anbiedern, Intrigieren, Eitelkeit...) aber ohnehin eher zuwider. Daher könnte ich mir vorstellen, dass das auch für dich keinen Nachteil darstellt.


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