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 Betreff des Beitrags: Hilfe bei der Jobwahl: GK oder ÖD?
BeitragVerfasst: Samstag 10. Februar 2018, 15:02 
Noch selten hier
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Registriert: Donnerstag 28. Dezember 2017, 10:01
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Momentan geht es mir wirklich nicht so gut und ich hoffe, dass jetzt hier nicht noch draufgehauen wird. :( Ich befinde mich in der beginnenden Bewerbungsphase für einen Vollzeitjob. Mein großes Problem ist jedoch: ich weiß einfach nicht was ich machen soll. Oder anders gesagt: ich habe zwei eigentlich gleichwertige Interessenschwerpunkte und das Gefühl, ich werde/kann mich nur für "das falsche" entscheiden und kann dann aber auch nicht mehr zurück. Ich bin (da ich vor dem Studium eine Ausbildung gemacht habe) auch nicht mehr der Jüngste (34 Jahre alt). Ich fühle mich jetzt zwar auch nicht extrem alt, aber im Ref war ich auch schon mit der Älteste in meiner AG und ich habe das Gefühl die meisten sind ja doch eher um die 27/28 Jahre, wenn sie das 2. Examen haben, also eben doch gute 6-7 Jahre jünger zum Berufsstart.

Zu meinen Interessen: Ich interessiere mich einmal klassisch für das Verwaltungsrecht (AT und div. BT-Bereiche), habe da auch etwas Berufserfahrung gesammelt und könnte mir einen Job im ÖD (Stadt oder Ministerium) vorstellen (aus anwaltlicher Sicht kommt Verwaltungsrecht für mich nicht in Betracht, sondern wirklich wenn dann nur von Behördenseite). Mein anderes Interessengebiet ist jedoch ein Bereich im Zivilrecht, weshalb Großkanzleien mit dem Gebiet mein Interesse wecken. Ich kann mich für keines der beiden Bereiche (ÖffR oder ZivilR) 100% entscheiden, da mir beides eigentlich Spaß macht (kommt natürlich auf den konkreten Sachverhalt, Kollegen etc drauf an ;-) ). Auch in einer Kanzlei habe ich schon kurze Zeit gearbeitet (das war aber nur als Elternzeitvertretung). Momentan schließe ich meine Promotion ab, möchte mich aber so langsam auch auf dem Markt schonmal umsehen und bewerben. Meine Examina sind VB (1. Examen) und befr. (2. Examen). Im Referendariat habe ich sowohl in eine GK reingeschnuppert (da allerdings klassisch in den M&A-Bereich, der jedoch definitiv nichts für mich ist) als auch Auslandserfahrung gesammelt (Wahlstation bei einer mittelst. Kanzlei in London). Ansonsten keine weiteren Qualifikationen.

Ich stehe nun als vor der Entscheidung, wo ich mich überhaupt bewerben soll. Mir ist klar (und wie ich bereits auch gesehen habe), dass ich auch in der Lage sein muss eine Zusage zu bekommen; es bringt ja nichts, wenn ich hier und dort hinwill, aber eh nur Absagen kassiere. Allerdings "leide" ich mittlerweile wirklich sehr unter der Situation, nicht zu wissen, was ich eigentlich machen soll (und dann dem anderen Bereich komplett Lebewohl zu sagen). Wenn es in den ÖD geht, denke ich, dass man dort auch bleiben wird. Ich frage mich aber, ob ich für den ersten Einstieg dafür mit meinen 34 Jahren nicht schon "zu alt" bin. Mir ist es momentan auch wirklich wichtig, erstmal "gutes Geld" zu verdienen, um endlich einen besseren Lebensstandard zu erhalten und gerade weil ich durch Bildungskredite, Bafög etc auch wirklich noch einiges abzubezahlen habe (um die 20.000€) und da mal "reinen Tisch" machen möchte.

Bei der Großkanzlei hängt es für mich natürlich stark von der Work-Life-Balance ab und wie die Kollegen etc sind, aber ich kann es mir prinzipiell vorstellen. Ich habe auch absolut kein Problem damit viel zu arbeiten (was allerdings nicht heißen soll, dass ich ständig erst gegen Mitternacht nach Hause kommen möchte), wenn es mir dafür auch wirklich Spaß macht. Ich weiß nur einfach nicht, was für einen Eindruck ich von den GK haben soll - ist es wirklich tlw. so schlimm (ich würde zB schon gerne 2x unter der Woche abends auch noch ne Std zum Sport gehen...mir scheint, dss aber Anwälte in GK - jedenfalls wenn man in Foren rumliest - eigtl. eh bis spät abends arbeiten, dann ggf. ne Kleinigkeit essen und zuhause ins Bett fallen)? Ich bin an sich auch eher der "lockere" Typ, hab zwar keine Probleme damit Anzug zu tragen - aber mein Selbstbewusstsein ist insgesamt nicht sonderlich groß: Es mag für den ein oder anderen jetzt total albern klingen, aber ich habe eine ziemlich deutliche Hasenscharte seit Geburt an und schiele auch leicht. Früher gab es den ein oder anderen blöden Spruch. Für mich ist das mittlerweile "ok", ich habe mich damit abgefunden, trotzdem finde ich mich nicht "attraktiv" und ich versende ungern Bewerbungen mit Foto, eben weil ich mich einfach unattraktiv finde (auf gestellten Bildern sowieso, gerade bei einem Foto und wenn man eh schon leicht schielt wirke ich dann richtig...ich nenn es mal: bescheuert; das ist im direkten Gespräch dann doch angenehmer). Ich bin daher dazu übergegangen, auf Bewerbungsfotos erstmal zu verzichten. Gefühlt arbeiten in Großkanzleien irgendwie nur top gestylte "perfekte" Business-Leute und ich frage mich, ob ich da überhaupt reinpasse (ja, ich weiß - der ein oder andere mag das als lächerlich abtun, aber ich hatte es bisher nicht immer leicht und habe doch die Erfahrung im Umkreis gemacht, dass es "attraktive" Menschen doch zumeist etwas leichter haben).

Ich weiß, ich schwafele hier ziemlich rum, aber es fällt mir total schwer, meine ganzen Gedanken irgendwie klar auszudrücken und ich habe so Angst, mich für "das falsche" zu entscheiden (also den Zweig, bei dem ich dann nicht glücklich werde, ich dann aber auch nicht mehr wegkomme...für den ÖD werde ich zB auch nicht jünger, wenn ich im ÖD bin, wird man aber (wohl aus Bequemlichkeit) auch meist da bleiben und nicht nach einigen Jahren nochmal den Absprung in die freie Wirtschaft wagen).

War jemand schonmal in der Situation, dass er Angst hatte das falsche zu tun? Und ist es in den GK wirklich tlw. so schlimm mit der Work-Life-Balance, ständiges erreichbar sein (auch im Urlaub, den man am besten nicht nehmen sollte) etc? Tendenziell denke ich nämlich, dass ich in der freien Wirtschaft besser aufgehoben bin, weil es mir mehr Flexibilität (auch örtlich) bietet...wären meine beiden Interessengebiete im ZivilR wär die Entscheidung auch einfacher, aber so überlege ich ständig zwischen ÖD und GK hin und her. Der ÖD wäre der Job mit mehr "Sicherheit"; ich bin jedoch nichtmal sonderlich scharf auf eine Verbeamtung, das ist für mich also nicht das entscheidende Kriterium für den ÖD. Ich möchte wirklich einzig nach einem "erfüllten" Job gehen und mir ist klar, dss man das erst merkt, wenn man dabei ist, aber ich habe Angst, dass ich 1) nichts finde 2) mit meinen Qualifikationen nur absagen kriege und weiß daher auch gerade nicht, wo ich mich bewerben soll und 3) es für Außenstehende totla klar ist, wo ich (nicht) hingehöre, aber ich das nicht sehe. Bei Kanzleien gehe ich davon aus, dass relativ schnell eine Rückmeldung kommen wird. Macht eine Bewerbung denn jetzt aber schon Sinn, wenn man erst in einem halben Jahr anfangen möchte (ich möchte halt wirklich gerne meine Promotion erst abschließen). Bei Behörden kann ich Bewerbungen tlw. jetzt schon abschicken, denn das zieht sich eh über Monate.

War jemand schon einmal in einer ähnlichen Situation oder kann mir den einen oder den anderen Bereich (ÖD oder GK) schmackhafter machen, auf dass ich vllt. für mich eine definitive Entscheidung treffen kann und dann wirklich nur in dem Bereich suche? Vielleicht gibt es ja auch Punkte die ich gerade nicht bedenke.

Ich habe das Gefühl, alle wissen direkt was sie machen wollen, z.B. in der Refgruppe waren 3, für die stand fest: es wird ein Job im Arbeitsrecht. 2 andere wollten definitiv in die Finanzverwaltung. Ich beneide das und hätte sowas ja auch gerne, dass ich sage "dieses Rechtsgebiet, daher kommt nur Arbeitgeber X in Betracht. Aus & Ende."

Entschuldigt für den Roman, aber vielleicht liest ihn ja der ein oder andere durch und hat irgendeinen Tipp. :(


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BeitragVerfasst: Samstag 10. Februar 2018, 15:11 
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Für mich klingt es so, als würde es dich zumindest zum Ausprobieren in die GK ziehen. Bedenke: Es ist viel leichter, von der GK in den ÖD zu wechseln als umgekehrt. Wenn dir auch eine Verbeamtung im ÖD nicht wichtig ist, spricht erst recht nichts dagegen, zunächst einmal in die GK zu gehen (ÖD geht auch in 3 Jahren, wenn Du 37 bist, noch gut). Wenn es eine GK werden sollte: Sport dann aber eher in Morgen- als in den Abendstunden. ;)

Wenn Du unbedingt einen Kompromiss willst: Vielleicht nach Fertigstellung deiner Diss als WiMa mit halber Stelle in die GK und zugleich eine halbe Stelle im ÖD. Wird schwer, das zu realisieren, aber unmöglich ist das nicht.


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BeitragVerfasst: Samstag 10. Februar 2018, 15:17 
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Quantensprung hat geschrieben:
Für mich klingt es so, als würde es dich zumindest zum Ausprobieren in die GK ziehen. Bedenke: Es ist viel leichter, von der GK in den ÖD zu wechseln als umgekehrt. Wenn dir auch eine Verbeamtung im ÖD nicht wichtig ist, spricht erst recht nichts dagegen, zunächst einmal in die GK zu gehen (ÖD geht auch in 3 Jahren, wenn Du 37 bist, noch gut). Wenn es eine GK werden sollte: Sport dann aber eher in Morgen- als in den Abendstunden. ;)

Wenn Du unbedingt einen Kompromiss willst: Vielleicht nach Fertigstellung deiner Diss als WiMa mit halber Stelle in die GK und zugleich eine halbe Stelle im ÖD. Wird schwer, das zu realisieren, aber unmöglich ist das nicht.

Alle, die (innerlich) in den ÖD wollten, haben es nicht lange bei uns ausgehalten. Nicht, weil die Arbeit der totale Horror ist, sondern weil es eine ganz andere Art zu arbeiten ist. Daher würde ich auch eher die Reihenfolge GK -> ÖD wählen und mich nicht so stressen. Man ist ja nicht mit einer einmal getroffenen Entscheidung verhaftet. Viel Erfolg!

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"Ich bin ein Freund der privaten Passivitäten, bin also ein fauler Mensch, der versucht seine Intelligenz einzusetzen, um weiterhin faul zu bleiben zu können." (Benno Heussen)


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BeitragVerfasst: Samstag 10. Februar 2018, 15:32 
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Ich danke euch wirklich vielmals für diese konstruktiven Beiträge. Wahrscheinlich ist es wirklich so, dass ich mich jetzt zu sehr unter Druck setze "den" Job finden zu müssen, wobei sich erst nach einiger Zeit sowieso herausstellen wird, ob es denn das Wahre ist (es hängt mE ja auch mit vom Umfeld/Kollegen etc ab, ob man sich insgesamt und rundum "wohl fühlt").

Der Hinweis, von GK in den ÖD und nicht umgekehrt, leuchtet mir ein. Ist vielleicht die Frage, ob man es dann überhaupt macht bzw ob der ÖD einen dann überhaupt möchte, wenn man von einer GK kommt (in der man zudem zivilrechtlich tätig war). Da wird man wahrscheinlich schon sehr überzeugende Argumente brauchen, warum dieser Wechsel nun stattfinden soll und sich der ÖD nun für einen entscheiden sollte. Aber auch da kann man wahrscheinlich nur in eine Wahrsagerkugel blicken.

Vielleicht bin ich wirklich noch nicht "zu" alt und ihr habt recht und ich ziehe mich selbst nur unnötig runter. Aber gerade in meiner AG im Referendariat oder auch Sprüche aus der Familie ziehen mich da schon manchmal ziemlich runter, wie z.B. "dein Cousin arbeitet schon seit er Mitte 20 ist als Ingenieur und verdient gut und ist mitten beim Hausbau, dabei ist er 3 Jahre jünger als du, und du sitzt mit fast Mitte 30 noch auf 20.000€ Schulden die du erstmal abbezahlen musst" oder "Der Sohn von Frau X (alter Grundschulkamera) hat nach der mittleren Reife eine Ausbildung gemacht und verdient seit er 16 Jahre alt ist Geld und hat sich was aufgebaut; fang jetzt auch endlich mal an." Mich stört das ja auch, allerdings hilft mir das halt auch nicht weiter - außer dass ich nur schlechte Laune kriege. Ich kann es ja nun auch nicht ändern, dass mein Leben so verlaufen ist und ich habe ja Freude an der Juristerei. Dass andere Studiengänge deutlich früher fertig sind und/oder auch gut verdienen; davon kann ich mir auch nichts kaufen. Die Ausbildung zuvor hätte vielleicht nicht sein müssen: war aber damals so und es war - für mich - auch richtig...auch wenn sich dadurch natürlich alles altersmäßig noch etwas weiter nach hinten verschoben hat. Für mich war das schon okay so, es ist letztlich einfach mein Kopf der sagt "jetzt musst du das richtige finden, denn da du nicht mehr der Jüngste bist ist die Zeit des "ausprobierens" halt auch echt vorbei - da sind die Kandidaten die das 2. Examen mit 27 Jahren abgelegt haben einfach mal voraus."


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BeitragVerfasst: Samstag 10. Februar 2018, 15:37 
Noch selten hier
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Achso, ja den Sport verlege ich dann in die Morgenstunden. ;-)

Aber ist es denn wirklich noch so "hart" mit der ständigen Erreichbarkeit auch am WE und im Urlaub (den man eigtl. nicht nehmen sollte)?
Wie gesagt, ich habe nichts dagegen "viel" zu arbeiten, aber wenn ich dann frei habe wäre mir Ausgleich zur Erholung halt auch wichtig. Hier und da mal was beantworten: ok. Aber ich möchte ungern faktisch permanent arbeiten müssen, obwohl es dann als "Urlaub" verkauft wird, nur weil man alle E-Mails aus der Karibik beantwortet und nicht vom Büro der Kanzlei aus.

Ich hatte die Anwaltsstation wie gesagt bei einer größeren Kanzlei absolviert, allerdings waren die 3rd tier und nicht die ganz obere Liga - da fand ich es "okay"...klar, es war kein 9 to 5-Job, aber idR lagen die Arbeitszeiten der Anwälte bei 9-19h, ggf. mal länger (aber auch dann nur max. 21-21:30h). Kürzer eher nicht, denn man sollte schon bis 19h da sein (aber dann wurde halt facetime bzw facebooken betrieben bzw ein Anwalt ging dann auch mal eine Runde joggen [gab Duschen] ;-) ). Damit könnte ich super leben.


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BeitragVerfasst: Samstag 10. Februar 2018, 16:34 
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Zitat:
Der Hinweis, von GK in den ÖD und nicht umgekehrt, leuchtet mir ein. Ist vielleicht die Frage, ob man es dann überhaupt macht bzw ob der ÖD einen dann überhaupt möchte, wenn man von einer GK kommt (in der man zudem zivilrechtlich tätig war). Da wird man wahrscheinlich schon sehr überzeugende Argumente brauchen, warum dieser Wechsel nun stattfinden soll und sich der ÖD nun für einen entscheiden sollte. Aber auch da kann man wahrscheinlich nur in eine Wahrsagerkugel blicken.

Ganz ehrlich: Das kann ich mir überhaupt nicht vorstellen. Du bringst ja jetzt schon sehr gute formale Qualifikationen für den ÖD mit, und man wird als Jurist ja auch nicht schlechter, wenn man mal ein paar Jahre in einer GK gearbeitet hat. Der Stellenmarkt ist gerade im ÖD so gut, da wird weder dein Alter noch eine etwaige mehrjährige Zeit in der GK ein Hindernis sein - nicht einmal im Ansatz. Zumal: Es lässt sich auch viel leichter begründen, warum man nicht mehr in einer GK arbeiten möchte und stattdessen im ÖD.

Dein einziges Problem könntest Du selbst sein: Dieser Rechtfertigungsdruck, den Du dir selbst auferlegst, tut dir sichtbar nicht gut. Höre auf, dich mit anderen zu vergleichen - und sei viel mehr stolz, auf das, was Du erreicht hast. Es gibt viele 27-jährige Volljuristen, die würden liebend gerne mit dir tauschen - denn sie haben nicht die Möglichkeiten, die Du aufgrund deiner Qualifikationen hast.

Du wirst noch so viele Jahre arbeiten (müssen), weswegen Du alle Zeit der Welt hast, dich noch ein wenig auszuprobieren! ;)


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BeitragVerfasst: Sonntag 11. Februar 2018, 09:02 
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Dafür, zuerst die GK "auszuprobieren" und bei Nichtgefallen in einigen Jahren ggf. doch noch in den ÖD zu wechseln, spricht auch der von dir angesprochene finanzielle Aspekt - wenn es dir wichtig ist, erst einmal gutes Geld zu verdienen, Schulden abzubauen und ggf. auch ein Polster aufzubauen für Projekte wie Hausbau o.ä., dann erreichst du das durch ein paar Jahre in der GK wahrscheinlich wesentlich schneller.

Mit deinen Qualifikationen aus VB, Befr. und Promotion dürftest du jedenfalls in beiden Bereichen recht gute Chancen haben - zumindest so gute, dass du nicht ewig überlegen solltest, ob du dich in dem einen oder anderen Bereich überhaupt bewerben kannst, sondern wo du die Bewerbungen einfach rausschicken solltest.

Und mach dich vor allem jetzt nicht so fertig mit der Entscheidung - mit 34 ist man längst noch nicht bis in alle Ewigkeit auf den einen Job festgelegt, mit dem man einsteigt.


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BeitragVerfasst: Sonntag 11. Februar 2018, 10:14 
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Eagnai hat geschrieben:
wenn es dir wichtig ist, erst einmal gutes Geld zu verdienen, Schulden abzubauen und ggf. auch ein Polster aufzubauen für Projekte wie Hausbau o.ä., dann erreichst du das durch ein paar Jahre in der GK wahrscheinlich wesentlich schneller.


Man spart wahrscheinlich schneller, aber nicht in jedem Fall bleibt was hängen. Ich kenne viele, die 1-3 Jahre GK nur aus finanziellen Gründen machen wollten und dann nach eben 2-3 Jahren mit vielleicht 10-20.000€ auf dem Konto gewechselt sind. Die Idee von den 5.000€ netto monatlich 2.000€ wegzulegen hat bei keinem der mir bekannten Fälle geklappt. Man will sich eben für die ganze Plackerei auch mal belohnen und schwuppdiwupp wohnt man teurer, hat ein größeres Auto, fährt üppiger in den Urlaub und gibt sonst mehr Geld aus (Klamotten, Essen, Freizeit). Gerade bei denjenigen, die aus finanzieller Motivation die GK wählen ist das so.

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BeitragVerfasst: Sonntag 11. Februar 2018, 11:04 
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Tibor hat geschrieben:
Man spart wahrscheinlich schneller, aber nicht in jedem Fall bleibt was hängen. Ich kenne viele, die 1-3 Jahre GK nur aus finanziellen Gründen machen wollten und dann nach eben 2-3 Jahren mit vielleicht 10-20.000€ auf dem Konto gewechselt sind. Die Idee von den 5.000€ netto monatlich 2.000€ wegzulegen hat bei keinem der mir bekannten Fälle geklappt. Man will sich eben für die ganze Plackerei auch mal belohnen und schwuppdiwupp wohnt man teurer, hat ein größeres Auto, fährt üppiger in den Urlaub und gibt sonst mehr Geld aus (Klamotten, Essen, Freizeit). Gerade bei denjenigen, die aus finanzieller Motivation die GK wählen ist das so.
Da hat Tibor nicht ganz Unrecht aber bei mir hat das dennoch ganz gut funktioniert. Waren zwar insg. 5 Jahre aber in der Zeit konnte ich großzügig leben und dennoch - beginnend mit ca. 10k Studienschulden - einen sechstelligen Betrag weglegen. Nach einem Jahr, sollte der TE daher schuldenfrei sein können, wenn er sich nicht gleich einen Porsche raus lässt.

Ich meine, in deiner Situation und Gemütslage sprechen die überwiegenden Argumente tatsächlich für die Großkanzlei. Die Sorge, anschließend nicht im ÖD unterzuommen ist vollkommen unbegründet. Das Gegenteil ist der Fall: Beim Staat (egal ob Justiz oder Verwaltung) freut man sich durchaus sehr über Berufserfahrung. Die Altersgrenzen sind auch recht großzügig (Ausnahme meines Wissens Bayern, wo es aber auch nur auf den Abstand zum 2. Staatsexamen ankommt). In BaWü z.B. hast du Zeit bis zur Vollendung des 42. Lebensjahres. Ich kenne zahlreiche Personen, die den Weg gegangen sind. Auch ich habe mit 30 zunächst in einer spezialisierten Kanzlei angefangen, bin dann noch in die GK gewechselt und nach einigen weiteren Jahren ins Unternehmen. Erst mit 36 bin ich bei der Justiz gelandet. Du siehst also: Ausprobieren ist durchaus möglich. Deine Qualifikationen werden dir auch die meisten Türen öffnen.

Generell zu den Arbeitszeiten in der GK: Im Verwaltungsrecht läuft es nach meiner Erfahrung etwas entspannter und die Kollegen kamen eigentlich mit einer 55h-Woche gut hin. Da bleibt auch noch Zeit für Sport, Hund und Wochenende. Versuch es einfach. Du schlägst damit keinesfalls die Tür zum ÖD zu. Wenn du dich in der Kanzlei nicht wohl fühlst, kannst du jederzeit zum Staat gehen. Deine Noten reichen locker.

Übrigens ist es keineswegs so, dass in jeder GK nur Topmodels oder Styler herumlaufen. Klar gibt es auch die aber das kommt erstens auf die Kanzlei an und zweitens gibt es einfach nicht genug gutaussehende Juristen (zum Glück!) :D Schau dir doch die Kanzleien einfach im Vorstellungsgespräch an, dann wirst du sehen, wo du dich wohl fühlst. Mach dir deshalb keinen Kopf. Das gilt übrigens genrell: Du machst dir viel zu viel Druck! Dein Werdegang ist bei den meisten Arbeitgebern eher ein Plus. Mitzwanziger sind gut zum Verheizen (Reviews, DDs usw.) aber sie sind deutlich schlechter umfassend einsetzbar als Einsteiger mit mehr Lebens- und/oder Berufserfahrung.

Käme denn alternativ auch ein Gericht (z.B. VG oder Zivilgericht) in Betracht? Verwaltungsrecht in GKs ist häufig nicht unbedingt das "klassische" Verwaltungsrecht, sondern man arbeitet viel in Transaktionen oder dergleichen. Hierfür wäre eine Boutique evtl. die bessere Wahl, da ist es aber schwieriger rein zu kommen und zudem die Vergütung meist spürbar niedriger. Zivilreciht ist in der GK ebenfalls sehr spezialisiert auf bestimmte Bereiche. Am breitesten arbeitet man in kleineren Kanzleien oder am Zivilgericht.

Bei allem gilt: Schick eine Ladung Bewerbungen für die Privatwirtschaft raus und schau dir konkrete Angebote an. Dann hast du eine viel bessere Entscheidungsgrundlage. Der Staat läuft dir nicht weg. Du wirst jedenfalls sehen, dass du zahlreiche Angebote erhalten wirst. Leg unbedingt die Selbstzweifel ab, denn diese bergen die Gefahr, dich in jedem juristischen Beruf sehr zu behindern.


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BeitragVerfasst: Sonntag 11. Februar 2018, 12:12 
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Tibor hat geschrieben:
Eagnai hat geschrieben:
wenn es dir wichtig ist, erst einmal gutes Geld zu verdienen, Schulden abzubauen und ggf. auch ein Polster aufzubauen für Projekte wie Hausbau o.ä., dann erreichst du das durch ein paar Jahre in der GK wahrscheinlich wesentlich schneller.


Man spart wahrscheinlich schneller, aber nicht in jedem Fall bleibt was hängen. Ich kenne viele, die 1-3 Jahre GK nur aus finanziellen Gründen machen wollten und dann nach eben 2-3 Jahren mit vielleicht 10-20.000€ auf dem Konto gewechselt sind. Die Idee von den 5.000€ netto monatlich 2.000€ wegzulegen hat bei keinem der mir bekannten Fälle geklappt. Man will sich eben für die ganze Plackerei auch mal belohnen und schwuppdiwupp wohnt man teurer, hat ein größeres Auto, fährt üppiger in den Urlaub und gibt sonst mehr Geld aus (Klamotten, Essen, Freizeit). Gerade bei denjenigen, die aus finanzieller Motivation die GK wählen ist das so.

Gut, aber das liegt dann nicht am fehlenden Gehalt, sondern ist eine Frage der persönlichen Einstellung.

Ich habe (im ÖD) auch zwei oder drei Kollegen, die vor dem Einstieg bei uns ein paar Jahre als Anwälte tätig waren, und zumindest von einem davon weiß ich, dass er das im Wesentlichen gemacht hat, um sich schneller eine Immobilie für die Familie finanzieren zu können. Der hat in den paar Jahren eher bescheiden weitergelebt (hatte ja auch ein Ziel) und kam am Ende mit einem dicken finanziellen Plus heraus.

Ist ja nun keineswegs jeder so drauf, dass er alles eingenommene Geld direkt wieder ausgibt, nur weil er sich jetzt, wo er was hat, unbedingt sofort was leisten will.


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BeitragVerfasst: Montag 12. Februar 2018, 10:38 
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Letztlich ist dieser Thread das Gegenbeispiel zur parallel laufenden Diskussion über Richter- versus Privatsektorgehälter. Und zwar das positive Gegenbeispiel, das illustriert, wie man's richtig macht: Sich vorher bei der Berufswahl unter Einbeziehung und Abwägen aller monetären und nichtmonetären Argumente entscheiden, was man machen will, anstatt (wie im anderen Thread) eine Entscheidung zu treffen und dann hinterher darüber klagen, dass die anderen mehr Geld kriegen.

_________________
"Turning from the study of the English to the study of the Roman Law, you escape from the empire of chaos and darkness, to a world which seems, by comparison, the region of order and light."

--- John Austin (1790 - 1859)


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BeitragVerfasst: Montag 12. Februar 2018, 10:57 
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Ich würde Dir - wirklich ernsthaft und ganz unabhängig von der konkreten Berufswahl - dazu raten, an Deinem Selbstwertgefühl zu arbeiten. Einerseits wird Dir das, egal in welchem Berufsfeld, zugutekommen. Denn sowohl der ÖD erfordert bisweilen Entscheidungsfreudigkeit und v.a., je nach Position, auch Mitarbeiterführung usw., als auch Verhandlungen, Personalgespräche etc. pp. in der GK. Andererseits aber wird Dir der beste Job im "Außen" keine Erfüllung, die Du ja suchst, ermöglichen, wenn Du im "Innen" nicht erfüllt bist.

Du hast Lebenserfahrung, zwei tolle Examina, bist promoviert und offen für verschiedene juristische Felder. Es gibt (objektiv) keinen Grund, sich deshalb in irgendeiner Weise klein zu fühlen, auch wenn hier mitunter vor Hybris in Bezug auf die erforderlichen Fähigkeiten, dies zu erreichen, gewarnt wird.

Ich würde also ganz klar dazu raten, die zusätzliche Zeit vor der Jobsuche/festen Bewerbung zu nutzen, um Dein Selbstwertgefühl aufzubauen. Erst dann wirst Du auch in der Lage sein, Dich richtig zu entscheiden. Stell Dir mal im schlimmsten Fall vor, Du kommst - egal ob im ÖD oder in der GK - in eine intrigante, mobbende Abteilung mit Deiner jetzigen Einstellung, die Du natürlich nach draußen transportierst ("Ich bin klein, hässlich, ungeeignet und unsicher, die anderen sehen alle toll aus, wissen, was sie wollen, und sind obendrein noch jünger."). Das wäre sicher fatal.


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BeitragVerfasst: Montag 12. Februar 2018, 12:30 
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@Quantensprung: Ja, der Rechtfertigungsdruck ist wohl wirklich mein Problem. Ich muss mich vom Kopf einfach mehr lösen. Ich bin auch stolz auf das was ich erreicht habe. Ich gehe auch nicht den ganzen Tag mit geknicktem Kopf durch die Gegend, aber habe schon Respekt vor neuen Sachen. Ich möchte ja schon auch gute Arbeit leisten und nicht dass jemand sagt „wie hat der denn seine Examina bekommen? In der Examens-Lotterie gewonnen?“ oder dass ich dies oder jenes doch wissen oder können müsste. Da die GK den Associates ja direkt ab dem ersten Monat sehr viel zahlen, denke ich mir, dass sie auch sehr hohe Erwartungen haben werden und ich habe daher Bedenken, ob ich denen gerecht werden kann oder dann fatale Fehler mache. Bei meinen bisherigen Jobs wusste ich zwar tlw. auch nicht was ich erwarten sollte und es war immer ok und man kam in alles gut rein und hat gesehen „hier wird auch nur mit Wasser gekocht“, aber die Gehaltsklasse war halt auch nochmal eine deutlich andere. Dann sehe ich aber auch, dass ja relativ viele im Gesellschaftsrecht (M&A) anfangen, tlw. ohne vorher überhaupt von dem Bereich gehört zu haben – und die scheinen das ja auch irgendwie zu schaffen. Es scheint also kein Ding der Unmöglichkeit zu sein.

@Tibor: Ja, die Gefahr, dass man doch nicht so viel spart wie man sich vorgenommen hat, besteht natürlich. Ich glaube aber, dass es da noch einen Unterschied macht, ob man „nur“ anspart auf etwas was erst noch kommen soll (der Hauskauf in einigen Jahren) oder ob man aktuell mit dem Geld etwas abbezahlen will/muss. Bei letzterem, wie es bei mir ja der Fall ist, denke ich schon, dass ich da konsequent sein werde – denn es ist mir auch sehr wichtig, schuldenfrei zu sein. Und sollte sich das so einpendeln, dann fällt es mir nach einem Jahr vllt. gar nicht mehr auf und es spart sich automatisch so weiter (mit dem positiven Effekt, dass es dann wirklich für etwas anderes angespart wird, die Schulden aber abbezahlt sind). Also, es kann natürlich alles anders kommen als man sich jetzt zurecht plant, aber ich bin da optimistisch, dass ich das mit dem Sparen gut hinkriegen sollte – gerade mit diesem ganz konkreten, absehbaren Ziel vor Augen.

@Solar: Danke auch Dir in diesem Thread für deinen Beitrag. In der GK würde ich allerdings im zivilrechtlichen Bereich arbeiten wollen (das ist ja so mein zweiter Interessenschwerpunkt und daher auch der GK-Gedanke als Gegenpol zum VerwaltungsR im ÖD; ich finde kaum GK, die Verwaltungsrecht betreiben/entsprechende Abteilungen haben und aktuell suchen (ggf. Initiativbewerbungen?!); und wie du ja auch sagst, es ist idR nicht das klassische Verwaltungsrecht bei den GK).
Die Justiz habe ich für mich ehrlich gesagt ausgeschlossen (immerhin eine Entscheidung, die ich definitiv getroffen habe). Was ich aus dem Umfeld von Studienkollegen, die mittlerweile in der Justiz sind, mitbekomme, aber auch schon während dem Referendariat: das ist einfach nicht meins. Da wäre wirklich – fachlich gesehen – das VG die einzige Option, aber die ordentliche Gerichtsbarkeit schließe ich für mich aus. Trotz der vielen Asylverfahren hängen die VG aber nach wie vor die Messlatte im Hinblick auf die Examensnoten recht hoch (2x Prädikat braucht es dafür wohl schon noch und da würde ich also nicht reinkommen), im Vergleich zur ordentlichen Gerichtsbarkeit (wo 2x befriedigend auch mit 7,x Pkt an einigen Orten mittlerweile ausreicht).

@TobiasG: Ich habe das nochmal selbst reflektiert und ich glaube, rein beruflich fühle ich mich gar nicht sooo alt (zwar schon etwas, gerade wenn blöde Sprüche kommen, aber ich bin ja jetzt auch keine 60). Ich denke das kommt mehr aufgrund der persönlichen Situation. Die spielt da m.E. mit rein. Natürlich bin ich älter als vllt. manche andere und es wurmt mich, dass ich denke „du musst jetzt den Job für dich finden, du willst für dich auch mal ankommen“, aber noch weniger füllt mich einfach die Gesamtsituation aus denke ich. Ich habe das Gefühl, ich kann einfach nichts vorweisen für mein Alter: beruflich stehe ich nirgendwo fest, privat sowieso nicht. In meiner früheren Vorstellung hatte ich mit Mitte 30 einen Job, eine Frau und ein Kind (ja gut, Wunschdenken) - aber mir scheint einfach, dass alles so weit entfernt ist und es ist wirklich auch etwas "Angst" dabei....Angst nie eine Familie haben zu werden, mit der man etwas teilen kann und sich etwas aufbauen kann. Sondern dass ich einfach nur ein Arbeitstier sein werde. Mein Selbstwertgefühl ist nicht extrem hoch, ich kann aber schon auch vor Leuten frei reden. So ist das nicht. Ich bin auch stolz auf meine „beruflichen“ (aka ausbildungsmäßigen) Leistungen, ohne sie in den Himmel zu heben, denn natürlich gibt und wird es auch immer bessere geben – aber genauso gibt es „Schlechtere“. Ich bin auch absolut nicht der Typ, der sich dermaßen geil findet und hinstellt und sagt „guckt, hier bin ich – ich bin es einfach; ein megageiler Typ.“ Da es ja eh ein anonymes Forum ist: ich hatte in meinem Leben erst eine Freundin und wünsche mir schon Familie. Ich gehe auch recht viel aus, lerne auch Frauen kennen – aber es ergibt sich einfach nichts. In meinem Alter sind viele mittlerweile vergeben/verheiratet und ich wurde 2x auch wirklich sehr verletzend aufgrund meiner Optik abserviert. Ich weiß, ich bin kein Brad Pitt. Will ich auch gar nicht sein. Aber wenn dann blöde Blicke kommen oder direkt zu Beginn Fragen wie „hast du schonmal über eine kosmetische Operation nachgedacht?“ oder „sorry, du bist ja echt ganz nett, aber ich ekel mich da etwas vor dich zu küssen“ – das ist dann auch ein Charakter an einer Frau; sowas möchte ich auch nichtmal. Mit gut Mitte 30 denke ich aber, dass es daher der Frust ist und die Angst ewig allein zu sein, nie Frau und Kinder zu haben – dafür fühle ich mich (noch nicht aktuell), aber langsam zu alt, denn eigentlich wollte ich schon kein „alter“ Papa sein. Und ich glaube dieses „Traurigsein“ weil ich kein privates Glück vorweisen kann: das überträgt sich auch auf die berufliche Ebene. Ein Bekannter scherzte letztens und meinte, ich könne glücklich sein, denn jetzt beginnen schon wieder die Scheidungskriege…naja. Je nachdem wo ich beruflich lande, werde ich vllt. zeitlich noch weniger Chancen haben jemanden kennenzulernen (ich bin da wirklich nicht verbissen bei, dass ich unbedingt suche, aber ich glaube das spielt – wenn ich ehrlich bin – alles irgendwie doch mit rein, dass ich jetzt „das richtige“ finden muss: etwas wo ich mich rundum wohlfühle und wo es dann auch einfach insgesamt läuft) – es sei denn es findet sich vllt. ganz überraschend sogar jemand, den man auf beruflicher Ebene kennenlernt. So sorry, für den kleinen Umschwung, aber das wollte auch mal raus. Ich nutze ja die Berufsebene auch per se nicht, um jemanden kennenzulernen oder würde jemals einen Job, der mir zusagt, ablehnen, nur weil ich dann vllt. weniger Zeit habe, um wen Kennenzulernen (ich bin absolut kein Tindertyp, habe aber schon einmal Online-Dating-Plattformen genutzt und mich ab und an mit einer getroffen, aber so wirklich happy macht mich dieses ganze Online-Dating auch nicht). Meist läuft einem ja jemand über den Weg, wenn man es nicht erwartet. Aber ja, du hast sicher recht, dass das Innere und das Äußere stimmig sein müssen, damit man insgesamt mit sich zufrieden ist. Es ist dann die Frage, ob mit beruflicher Zufriedenheit auch das private Nachziehen kann oder man erst privat glücklich sein muss, um beruflich zufrieden zu sein – oder ob beides völlig unabhängig voneinander zu betrachten ist. Idealerweise sollte man wahrscheinlich überhaupt nicht darüber nachdenken, sondern einfach nur machen und gucken wohin einen der Weg führt. [-(


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BeitragVerfasst: Montag 12. Februar 2018, 13:29 
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Der Umstand, dass es kaum ein GK-Anwalt schafft, nennenswerte Summen zurückzulegen in den Anfangsjahren, obwohl(!) dies seine Triebfeder war, zeigt wieder einmal, wie unbeholfen viele Juristen (insbesondere in finanziellen Dingen) in eigenen Angelegenheiten sind. Bekannt sein sollte doch inzwischen das Parkinsonsche Gesetz (https://de.wikipedia.org/wiki/Parkinsonsche_Gesetze), wonach Ausgaben stets bis zur Grenze des Einkommens steigen. Das bedeutet - und ist auch immer wieder zu beobachten -, dass Leute als Stundent 500 € pro Monat haben und die bis auf Null ausgeben, als Referendar 1.000 € pro Monat und die bis auf Null ausgeben und als Anwalt 5.000 € im Monat und die bis auf Null ausgeben. Das ist einfach ein Gesetz des Faktischen. Will man etwas daran ändern, muss man seine (Spar-)Einnahmen als Ausgaben "tarnen" und immer sofort nach Gehaltseingang den gewünschten Betrag wegsparen und nicht das, was am Ende des Monats vielleicht übrig bleibt. Dann gehen etwa 1.000 € am Anfang per Dauerauftrag ab, und die übrigen 4.000 € werden wieder - wie gewohnt - bis auf Null ausgegeben, ohne dass man einen Unterschied merkt. Bei Deinem "Abzahlzwang" durch Schulden ergibt sich das von alleine. Wenn Du Dich also an eine gewisse Summe gewöhnt hast, die Du pro Monat abbezahlen musst, würde ich das dann auch nach der Tilgung beibehalten und die Summe halt auf ein eigenes Konto statt auf ein fremdes überweisen.

Im Hinblick auf die Thematik "Selbstwertgefühl" will ich nochmals unterstreichen, dass sich das keinesfalls auf den Strahlemann beschränkt, der durch den Raum stolziert und sich gut verkaufen kann. Es gibt "ruhige" Leute, die vollkommen zufrieden in sich ruhen, und selbstbewusste "Marktschreier", die ein kleines Selbstwertgefühl haben.

Auch bedingen sich natürlich berufliche und private Erfolge in gewisser Weise. Aber letztlich sind das zwei Seiten derselben Medaille. Wenn man privat keinen "Erfolg" hat, beruht das meist auf den gleichen Ursachen, wie die Tatsache, dass einem berufliche Erfüllung verwehrt bleibt. Ich will aber gar nicht leugnen, dass das häufig anders scheint, gerade wenn allenthalben über Pinselstriche (Vgl. R1 mit Associate-Gehalt; Glück nur durch "Work-Life-Balance" statt Umsatz usw.) diskutiert wird statt über Bilder (Visionen). Nachdem Du auch noch Deine privaten Zweifel und Erfahrungen geschildert hast (Hut ab dafür), bin ich umso mehr der Meinung, dass Du sofort anfangen solltest, an Deinem Selbstwertgefühl zu arbeiten, und zwar konkret. Denn bei der Partnersuche gilt schließlich nichts anderes als bei der Jobsuche: Von Rückschlägen darf man sich nicht sein Selbstbild zerstören lassen, und man zieht meist das an, was man sich innerlich "wünscht". Wenn Du von Dir selbst das Bild eines hässlichen, nicht liebenswerten Menschen hast, wirst Du auch primär Leute anziehen, die das genauso sehen, weil sie z.B. nur das Äußerliche betrachten. Umgekehrt gibt es viele, auch prominente (u.v.a. männliche) Personen, die optisch überhaupt nicht dem "Ideal" entsprechen, aber sehr attraktive Partner haben.

Was ich damit sagen will: Zwei unglückliche Singles sind zusammen ein unglückliches Pärchen. Es funktioniert daher nicht, in dem Schema zu denken: "Wenn ich erst XY [Partnerin, Traumjob, Einkommen, Kinder ...] habe, werde ich glücklich." Sondern man "muss" erst glücklich werden, und dann kommt der Rest.


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BeitragVerfasst: Montag 12. Februar 2018, 13:42 
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Zitat:
Trotz der vielen Asylverfahren hängen die VG aber nach wie vor die Messlatte im Hinblick auf die Examensnoten recht hoch (2x Prädikat braucht es dafür wohl schon noch und da würde ich also nicht reinkommen)

Je nach Region kannst Du aktuell auch ohne VB im 2. Examen unterkommen. Hast Du eine 8 vor dem Komma, und bist Du regional flexibel?

Im Übrigen relativiere ich im Lichte deines letzten Beitrages meine Empfehlung, dass zuerst GK, dann ggf. ÖD für dich stimmig wäre: Die Arbeitsbelastung in den ersten Jahren in der GK wird extrem hoch sein - und wenn ich ganz ehrlich sein darf: Das sind für mich nicht die optimalen Rahmenbedingungen, um einen Menschen partnerschaftlich kennenlernen zu können. Natürlich kann man es nicht steuern, wann/ob/wie man die Person kennenlernt, mit der man sich gerne eine Familie aufbauen würde - aber man sollte sich sehr bewusst sein, dass dies bei manchen Rahmenbedingungen sehr schwer wird. Ich denke deshalb, dass Du mit dieser Aussage

Zitat:
Ich nutze ja die Berufsebene auch per se nicht, um jemanden kennenzulernen oder würde jemals einen Job, der mir zusagt, ablehnen, nur weil ich dann vllt. weniger Zeit habe, um wen Kennenzulernen (ich bin absolut kein Tindertyp, habe aber schon einmal Online-Dating-Plattformen genutzt und mich ab und an mit einer getroffen, aber so wirklich happy macht mich dieses ganze Online-Dating auch nicht).


Prioritäten setzt, die nicht zu deinen Bedürfnissen passen. Ich denke vor allem, dass Du Zeit nicht nur dafür brauchen wirst, um neue Menschen kennenzulernen - sondern insbesondere, um dich selbst besser kennenzulernen und dich selbst zu akzeptieren. Ggf. auch mit professioneller Hilfe.


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