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 Betreff des Beitrags: Zur Lage in Syrien
BeitragVerfasst: Montag 26. August 2013, 17:44 
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Tja. Und nun? Es wird Zeit für einen Syrienthread.

Die Einschätzung, es handele sich um eine reine innersyrische Angelegenheit, dürfte sich ja nun mittlerweile nicht mehr aufrechterhalten lassen.

Man kann gespannt sein, was die Weltgemeinschaft aus Ruanda und Srebrenica gelernt hat…

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 Betreff des Beitrags: Re: Zur Lage in Syrien
BeitragVerfasst: Montag 26. August 2013, 17:58 
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Parabellum hat geschrieben:

Man kann gespannt sein, was die Weltgemeinschaft aus Ruanda und Srebrenica gelernt hat…


Oder aus Tripolis, Libyen dürfte jedenfalls das nächste Pulverfass werden. Ich bin bei sowas immer zwiegespalten. Einerseits kann man nicht tatenlos zuschauen, wie Diktatoren ihr eigenes Volk mit Waffen abschlachten, die ihnen der Westen erst geliefert hat (was für mich ohnehin das Hauptproblem ist). Andererseits kann es auch nicht die Lösung sein, den halben nahen Osten wegzubomben, was die Probleme Terrorismus und Bürgerkriege nur verschärft. Die Lage wird immer unübersichtlicher und chaotischer, das ist einfach ein sehr komplexes System und jeder kleine Eingriff kann langfristig große negative Änderungen mit sich bringen. Jedenfalls können insbesondere die USA in Syrien nur verlieren. Wenn sie eingreifen (ohne UN-Mandat wegen Russland) sind sie wieder der ungläubige Aggressor für die muslimische Welt und der arrogante Weltpolizist für den Rest der Welt. Handeln sie nicht, wirft man ihnen genau das vor. Da ist Deutschland schon in einer wesentlichen komfortableren Position. Schön mit Waffenexporten abkassieren und wenn es dann ums handeln geht auf Friedenspolitik berufen und enthalten. Kein Wunder dass uns niemand einen ständigen Sitz im Sicherheitsrat geben will.

Im Übrigen muss man erstmal abwarten, was die UN-Inspektion nun ermittelt. Dass Assad so dumm ist, Giftgas einzusetzen und damit dem Westen kaum eine andere Option lässt als einzugreifen, was im besten Fall mit Assads Machtverlust, im schlimmsten und wahrscheinlichsten Fall mit seinem Tod enden wird, kann ich mir nicht vorstellen. Und selbst wenn man eingreift, wie geht es dann weiter? Die derzeitigen Rebellen wollen in der Mehrheit keine Demokratie, die wollen Gottesstaat und Schariah. Was ist also die Machtoption für die Zeit nach Assad? Ein neuer Iran?

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 Betreff des Beitrags: Re: Zur Lage in Syrien
BeitragVerfasst: Montag 26. August 2013, 18:06 
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Zitat:
Die Einschätzung, es handele sich um eine reine innersyrische Angelegenheit, dürfte sich ja nun mittlerweile nicht mehr aufrechterhalten lassen.

War es nie. Wer das glaubte, der hatte den Schuss noch nicht gehört. Die Interessenlage ist aber so komplex, dass eine kompente Meinung schwer zu finden sein wird: http://www.buzzfeed.com/andrewkaczynski ... to-the-edi

Zitat:
Und selbst wenn man eingreift, wie geht es dann weiter? Die derzeitigen Rebellen wollen in der Mehrheit keine Demokratie, die wollen Gottesstaat und Schriah. Was ist also die Machtoption für die Zeit nach Assad? Ein neuer Iran?

Was mich beunruhigt ist, dass Israel in die Schusslinie gerät, wenn die Islamisten in Syrien die Oberhand erhalten sollten. Da wird dann wohl eine neue Expedition auf den Golan nötig sein.

Zitat:
die ihnen der Westen erst geliefert hat (was für mich ohnehin das Hauptproblem ist).

Lieber Heckler und Koch als Ischmasch, oder?


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 Betreff des Beitrags: Re: Zur Lage in Syrien
BeitragVerfasst: Montag 26. August 2013, 18:15 
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Klabusterbeere hat geschrieben:

Zitat:
die ihnen der Westen erst geliefert hat (was für mich ohnehin das Hauptproblem ist).

Lieber Heckler und Koch als Ischmasch, oder?


Nein, weil sich Deutschland in letzterem Fall glaubwürdiger auf Friedenspolitik berufen und heraushalten könnte. Ich hätte grundsätzlich nichts dagegen, wenn Deutschland sich allen militärischen Konflikten, die nicht der direkten Verteidigung eines Bündnispartners dienen, verweigert. Ich hätte auch kein Problem damit, wenn Deutschland seine Interessen und die Menschenrechte weltweit in Extremfällen auch militärisch verteidigt. Ich habe aber ein Problem mit diesem heuchlerischen Doppelspiel.

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 Betreff des Beitrags: Re: Zur Lage in Syrien
BeitragVerfasst: Montag 26. August 2013, 18:37 
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Sollten von Assad wirklich Chemiewaffen gegen die Bevölkerung eingesetzt worden sein und nicht lediglich gegen die Aufständischen (insoweit würde ich differenzieren wollen), wäre das tatsächlich ein ungeheuerliches Verbrechen, das ein Eingreifen moralisch rechtfertigt. Die Frage ist halt nur, was man damit erreicht. Die Aufständischen werden schon jetzt von Al-Quaida-Söldnern unterstützt. Wenn die sich nach einem Regimewechsel durchsetzen sollten, wäre das eine Katastrophe für die Region. Da ist dann die Frage, ob man lieber jetzt ein paar hundert vergaste Zivilisten akzeptiert, um mglw. Opfer eines späteren Flächenbrandes in der Region zu verhindern. Ich denke, dass es auf solch perverse Abwägungen hinauslaufen würde, wenn man erwägt, in den Konflikt einzugreifen. Daher könnte das Ergebnis lauten, dass lediglich Chemiewaffeneinrichtungen bombardiert werden, um solche Exzesse zu vergelten und in Zukunft unmöglich zu machen, i.Ü. aber keine weitere Einmischung erfolgt.


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 Betreff des Beitrags: Re: Zur Lage in Syrien
BeitragVerfasst: Montag 26. August 2013, 20:30 
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Nachdem die Amerikaner mehrfach erklärt haben, das Chemiewaffeneinsatz gegen Zivilisten für sie Anlaß zum Eingreifen sei, sind schon vor 2 Monaten Anti-Assad-Rebellen in der Türkei mit Sarin erwischt worden.

Dadurch ist ein "False Flag"-Operation durch die Assad-Gegner mindestens ebenso wahrscheinlich, wie daß Assad es selbst war. Militärstrategisch hat es Assad im Moment auch nicht so nötig wie die Gegenseite. Letztlich hat man sich durch die öffentlichen Drohungen in eine Situation begeben, wo auch die Gegenseite hinreichend Motivation hat, selbst den Angriff vorzutäuschen.

Bei diesem Durcheinander sollten wir uns hübsch zurückhalten. Bei Saddams "weapons of mass destruction" lag man ja auch falsch.


Zuletzt geändert von smallprint am Dienstag 27. August 2013, 09:47, insgesamt 1-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Re: Zur Lage in Syrien
BeitragVerfasst: Montag 26. August 2013, 21:33 
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smallprint hat geschrieben:
Bei diesem Durcheinander sollten wir uns hübsch zurückhalten. Bei Saddams "weapons of mass destruction" lag man ja auch falsch.

Man hat nichts gelernt. Bzw. ich denke, man gut und gerne behaupten, dass die Herren (und Damen) bewusst nichts lernen wollen. Ich verstehe nur nicht, welche Interessen der Westen an einem Sturz von Assad hat. :-k Dass da irgendwo ein paar Hundert Menschen umkommen, interessiert sonst auch keinen (um es mal platt auszudrücken).

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 Betreff des Beitrags: Re: Zur Lage in Syrien
BeitragVerfasst: Montag 26. August 2013, 21:36 
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HRP hat geschrieben:
Sollten von Assad wirklich Chemiewaffen gegen die Bevölkerung eingesetzt worden sein und nicht lediglich gegen die Aufständischen (insoweit würde ich differenzieren wollen), wäre das tatsächlich ein ungeheuerliches Verbrechen, das ein Eingreifen moralisch rechtfertigt.


Die Logik hab ich schon in Libyen nicht ganz verstanden und die hatte Prof. Merkel auch damals in der FAZ ganz gut herausgearbeitet: Warum rechtfertigt das Verbrechen der Regierung gegen die eigene Bevölkerung die Bombardierung der Bevölkerung durch NATO-Bomben?

Man müsste hier ja sowas wie eine mutmaßliche Einwilligung konstruieren... Wobei es wirklich fraglich ist, ob die Mehrheit der syrischen Bevölkerung einen Luftkrieg durch die NATO möchte... Optional müsste man ne "Sonderopferrolle" der Bevölkerung verlangen, damit es keine weiteren Chemiewaffenopfer gibt... Aber das ist dann schon schwer unter "moralisch gerechtfertigt" zu packen.

Wenn man sich aber Afghanistan, Irak und Libyen anschaut, dann muss man wohl eher sagen, dass das Eingreifen der westlichen Staaten eher zu einer Verschlechterung der Lebensverhältnisse der Bevölkerung führt und daher jegliches Eingreifen nicht im Sinne der Bevölkerung des Staates ist.

Edit: Hier noch einmal der Artikel zu Libyen: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/v ... 13317.html

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Die von der Klägerin vertretene Auffassung, die Beeinträchtigung des Wohngebrauchs sei durch das Zumauern der Fenster nur unwesentlich beeinträchtigt, ist so unverständlich, dass es nicht weiter kommentiert werden soll. - AG Tiergarten 606 C 598/11


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 Betreff des Beitrags: Re: Zur Lage in Syrien
BeitragVerfasst: Montag 26. August 2013, 21:59 
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Ara hat geschrieben:
HRP hat geschrieben:
Sollten von Assad wirklich Chemiewaffen gegen die Bevölkerung eingesetzt worden sein und nicht lediglich gegen die Aufständischen (insoweit würde ich differenzieren wollen), wäre das tatsächlich ein ungeheuerliches Verbrechen, das ein Eingreifen moralisch rechtfertigt.


Die Logik hab ich schon in Libyen nicht ganz verstanden und die hatte Prof. Merkel auch damals in der FAZ ganz gut herausgearbeitet: Warum rechtfertigt das Verbrechen der Regierung gegen die eigene Bevölkerung die Bombardierung der Bevölkerung durch NATO-Bomben?

Man müsste hier ja sowas wie eine mutmaßliche Einwilligung konstruieren... Wobei es wirklich fraglich ist, ob die Mehrheit der syrischen Bevölkerung einen Luftkrieg durch die NATO möchte... Optional müsste man ne "Sonderopferrolle" der Bevölkerung verlangen, damit es keine weiteren Chemiewaffenopfer gibt... Aber das ist dann schon schwer unter "moralisch gerechtfertigt" zu packen.

Wenn man sich aber Afghanistan, Irak und Libyen anschaut, dann muss man wohl eher sagen, dass das Eingreifen der westlichen Staaten eher zu einer Verschlechterung der Lebensverhältnisse der Bevölkerung führt und daher jegliches Eingreifen nicht im Sinne der Bevölkerung des Staates ist.


Die Bombardierung der Bevölkerung ist natürlich nicht das Ziel der Angriffe und soll nach Möglichkeit vermieden werden. Dass es dennoch zu zivilen Opfern kommen kann liegt in der Natur der Sache, aber ist eben eine unerwünschte Begleiterscheinung. In deiner Argumentation klingt es allerdings nach dem geplanten Vorgehen der NATO, Zivilisten zu bombardieren.

Und ist es denn besser, in den Nachrichten zuzuschauen wie Zivilisten von ihrem Herrscher, den der Westen jahrzehntelang aufgebaut, bewaffnet und an der Macht gehalten hat, massenhaft abgeschlachtet werden? Gerade in Libyen hatte man doch den seltenen Fall, dass die Zivilbevölkerung und sogar die arabischen Staaten die NATO um Hilfe geradezu angefleht haben. Übrigens genauso, wie es die Syrer schon seit zwei Jahren tun. Deshalb kann ich mir die unterschiedliche Behandlung der beiden Fälle zumindest moralisch nicht erklären. Entweder man hält sich aus allem raus und spielt den Unschuldsengel, oder man macht unmissverständlich klar, dass solche Völkermorde zum Eingreifen führen. Das ist ein moralisch derart schmaler Grad, dass wohl beides gut vertretbar ist. Aber dann sollte man auch dazu stehen. Und nicht hier eingreifen weil es politisch gerade opportun ist, in Ruanda aber zuschauen weil Ruanda keinen interessiert oder Assad machen lassen weil Putin den lieb hat.

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 Betreff des Beitrags: Re: Zur Lage in Syrien
BeitragVerfasst: Montag 26. August 2013, 22:13 
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[enigma] hat geschrieben:
Und ist es denn besser, in den Nachrichten zuzuschauen wie Zivilisten von ihrem Herrscher, den der Westen jahrzehntelang aufgebaut, bewaffnet und an der Macht gehalten hat, massenhaft abgeschlachtet werden? Gerade in Libyen hatte man doch den seltenen Fall, dass die Zivilbevölkerung und sogar die arabischen Staaten die NATO um Hilfe geradezu angefleht haben. Übrigens genauso, wie es die Syrer schon seit zwei Jahren tun.

Ist das so? Was ich so gelesen habe, steht die Bevölkerung insgesamt eher hinter Assad.

Im Übrigen scheinen mir die westlichen Medien ohnehin ziemlich stark pro Rebellen zu berichten, was nicht unbedingt dem realen Bild entspricht.

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 Betreff des Beitrags: Re: Zur Lage in Syrien
BeitragVerfasst: Montag 26. August 2013, 22:30 
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[enigma] hat geschrieben:
Die Bombardierung der Bevölkerung ist natürlich nicht das Ziel der Angriffe und soll nach Möglichkeit vermieden werden. Dass es dennoch zu zivilen Opfern kommen kann liegt in der Natur der Sache, aber ist eben eine unerwünschte Begleiterscheinung. In deiner Argumentation klingt es allerdings nach dem geplanten Vorgehen der NATO, Zivilisten zu bombardieren.

Und ist es denn besser, in den Nachrichten zuzuschauen wie Zivilisten von ihrem Herrscher, den der Westen jahrzehntelang aufgebaut, bewaffnet und an der Macht gehalten hat, massenhaft abgeschlachtet werden? Gerade in Libyen hatte man doch den seltenen Fall, dass die Zivilbevölkerung und sogar die arabischen Staaten die NATO um Hilfe geradezu angefleht haben. Übrigens genauso, wie es die Syrer schon seit zwei Jahren tun. Deshalb kann ich mir die unterschiedliche Behandlung der beiden Fälle zumindest moralisch nicht erklären. Entweder man hält sich aus allem raus und spielt den Unschuldsengel, oder man macht unmissverständlich klar, dass solche Völkermorde zum Eingreifen führen. Das ist ein moralisch derart schmaler Grad, dass wohl beides gut vertretbar ist. Aber dann sollte man auch dazu stehen. Und nicht hier eingreifen weil es politisch gerade opportun ist, in Ruanda aber zuschauen weil Ruanda keinen interessiert oder Assad machen lassen weil Putin den lieb hat.


Auch Assads Ziel ist es nicht die Zivilbevölkerung zu töten. Es liegt auch beim Kampf gegen Aufständische (mit welchem Recht greifen diese Überhaupt zu den Waffen gegen den Staat?) in der Natur der Sache, dass Zivilbevölkerung zu Schaden kommen. Aber wir müssen doch festhalten, dass grundsätzlich jeder Staat das Recht hat gegen bewaffnete Aufständische vorzugehen.

Einen Völkermord (im Sinne des Völkerrechts) sehe ich übrigens weder in Syrien noch sah ich ihn in Libyen. Assad möchte keine nationale, rassische, religiöse oder ethnische Gruppe zerstören, er will einfach nur an der Macht bleiben. Ein Völkermord könnte möglicherweise tatsächlich ein Eingreifen rechtfertigen.

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Die von der Klägerin vertretene Auffassung, die Beeinträchtigung des Wohngebrauchs sei durch das Zumauern der Fenster nur unwesentlich beeinträchtigt, ist so unverständlich, dass es nicht weiter kommentiert werden soll. - AG Tiergarten 606 C 598/11


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 Betreff des Beitrags: Re: Zur Lage in Syrien
BeitragVerfasst: Montag 26. August 2013, 22:35 
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Sebast1an hat geschrieben:
Ist das so? Was ich so gelesen habe, steht die Bevölkerung insgesamt eher hinter Assad.

Im Übrigen scheinen mir die westlichen Medien ohnehin ziemlich stark pro Rebellen zu berichten, was nicht unbedingt dem realen Bild entspricht.


Ich habe nicht den Eindruck, dass hier sehr stark pro Rebellen berichtet wird, zumindest nicht in den letzten Monaten. Da ist von sehr brutalen Kriegsverbrechen der Milizen die Rede und deren Verbindung zur Al Quaeda und die stark islamistischen Strömungen werden auch oft thematisiert. Zwischen Rebellen und Zivilbevölkerung gibt es aber nochmal einen erheblichen Unterschied. Und dass Assads Armee gezielt gegen Zivilisten vorgeht, ist mittlerweile schon seit zwei Jahren bekannt und stärkt dessen Rückhalt in der Bevölkerung natürlich nicht unbedingt. Aber die Situation wirft in der Tat die Frage auf, welche Pläne es für ein Syrien nach Assad gibt. Deshalb sollte ein Militärschlag auch gut abgewogen werden. Sollte aber tatsächlich Giftgas von Assad (!!!) gegen die Zivilbevölkerung eingesetzt worden sein, ist das imho Grund genug diese Risiken einzugehen.

Ara hat geschrieben:

Auch Assads Ziel ist es nicht die Zivilbevölkerung zu töten. Es liegt auch beim Kampf gegen Aufständische (mit welchem Recht greifen diese Überhaupt zu den Waffen gegen den Staat?) in der Natur der Sache, dass Zivilbevölkerung zu Schaden kommen. Aber wir müssen doch festhalten, dass grundsätzlich jeder Staat das Recht hat gegen bewaffnete Aufständische vorzugehen.


Sorry, aber das ist einfach falsch. Assads Armee beschiesst die Zivilisten seit Jahren mit Artillerie, Raketen, Kampfbombern und durch Heckenschützen. Dabei werden ganze Flächen angegriffen, nicht gezielte Rebelleneinheiten. In den von Rebellen kontrollierten Gebieten wie Aleppo wird kein Unterschied zwischen Zivilbevölkerung und Aufständischen gemacht, da werden ganze Straßenzüge platt gemacht, die voller Frauen und Kinder sind. Die NATO greift dagegen nur militärische Ziele an und gerade keine Wohngebiete. Wenn ich mal etwas Zeit habe kann ich dir auch gerne entsprechende Quellen raussuchen, aber das ist nun mehrfach durch unabhängige Journalisten und die UN belegt.

Natürlich darf sich ein Staat gegen Aufstände verteidigen, aber nicht mit dieser Brutalität, die eben nicht zwischen Rebellen und Zivilisten unterscheidet. Außerdem macht es einen Unterschied, ob der sich verteidigende Staat die Mehrheit einer Bevölkerung repräsentiert oder eine krasse Minderheit.

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 Betreff des Beitrags: Re: Zur Lage in Syrien
BeitragVerfasst: Montag 26. August 2013, 22:52 
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[enigma] hat geschrieben:
Sorry, aber das ist einfach falsch. Assads Armee beschiesst die Zivilisten seit Jahren mit Artillerie, Raketen, Kampfbombern und durch Heckenschützen. Dabei werden ganze Flächen angegriffen, nicht gezielte Rebelleneinheiten. In den von Rebellen kontrollierten Gebieten wie Aleppo wird kein Unterschied zwischen Zivilbevölkerung und Aufständischen gemacht, da werden ganze Straßenzüge platt gemacht, die voller Frauen und Kinder sind. Die NATO greift dagegen nur militärische Ziele an und gerade keine Wohngebiete. Wenn ich mal etwas Zeit habe kann ich dir auch gerne entsprechende Quellen raussuchen, aber das ist nun mehrfach durch unabhängige Journalisten und die UN belegt.


Ich glaube du hast eine völlig falsche Vorstellung davon was es bedeutet von der NATO bombardiert zu werden. Bereits das Einrichten einer Flugverbotszone verlangt, dass du billigend in Kauf nimmst, dass Zivilbevölkerung getötet wird. Flaks werden bevorzugt in Wohngebieten platziert. Die erste Angriffswelle beim Einrichten der Flugverbotszone ist daher das gezielte Bombardieren von Wohngebieten, damit die Flaks ausgeschaltet werden. Auch musst du gezielt zivile Gebäude angreifen die militärischen Nutzen haben, so zum Beispiel Kraftwerke, Telekommunikationssysteme und im Zweifel auch Krankenhäuser. Auch Brücken und ähnliches müssen zerstört werden und dort wird nicht gewartet bis gerade keine Zivilbevölkerung da ist.

Ein militärisches Eingreifen der westlichen Staaten geht mit einem massiven Töten der Zivilbevölkerung einher. Dies zeigt auch Afghanistan, in denen ganze Dörfer bombardiert werden, weil sie Talibankämpfer unterstützen. Da fallen die Bomben auch auf Frauen und Kinder die einfach in dem Dorf leben und dessen Dorfältester mit den Taliban sympathisiert. Auch die Kundus-Affaire zeigte eindrucksvoll, dass es bis zu einem gewissen Level unvermeidlich ist Zivilisten zu töten.

Das alles muss man sich bewusst machen... Es gibt keinen sauberen Krieg. Westliches Eingreifen heißt eine deutliche Verschlimmerung der Zivilbevölkerung zumindest kurzfristig. Langfristig ist ein Nutzen eher fraglich und mit Blick auf Afghanistan, Irak und Libyen auch eher unwahrscheinlich.

Man kann ja gerne diplomatische und handelsrechtliche Sanktionen ergreifen... Für ein militärisches Eingreifen auf einem fremden Land mit dem Opfern einer fremden Zivilbevölkerung muss aber meines Erachtens mehr passieren, als dass ein Diktator gegen Aufständische kämpft und dabei auch die Zivilbevölkerung (möglicherweise massiv) leidet.

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 Betreff des Beitrags: Re: Zur Lage in Syrien
BeitragVerfasst: Montag 26. August 2013, 23:08 
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Nochmal: Dass es bei einem NATO-Bombeneinsatz zivile Opfer gibt, habe ich nicht bestritten. Es besteht aber schon ein ganz erheblicher moralischer Unterschied zwischen gezielten Angriffen auf die Zivilbevölkerung und zivilen Opfern beim Versuch, diese zu schützen.

Gerade die Kundus Affäre zeigt doch eher, dass zivile Opfer von der NATO absolut unerwünscht sind, dort ging es um menschliche Fehleinschätzungen und Versagen, die dann auch untersucht wurden und zu Konsequenzen führten. Zu solchen Vorfällen wird es in Kriegen immer kommen, egal wie gut diese moralisch begründet werden können. Deshalb ist Krieg immer ultima ratio, wenn alle anderen Bemühungen scheitern.

Und in Syrien ist nunmal mehr passiert, als dass ein Diktator gegen Aufständische kämpft. Es wurden Massenvernichtungswaffen gegen die Zivilbevölkerung eingesetzt. Sollte sich herausstellen, dass diese von Assad eingesetzt wurden (davon bin ich noch nicht überzeugt, es würde für ihn wie gesagt wenig Sinn machen), und nicht etwa von den Rebellen, um ein Eingreifen des Westens zu provozieren, rechtfertigt das imho die militärische Entmachtung von Assad. Dass man das anders sehen kann, sehe ich jedoch ein.

Dennoch kann ich wie gesagt nicht nachvollziehen, wie man einen geplanten und massiven Militäreinsatz gegen Zivilisten mit einem NATO-Einsatz gleichsetzen kann, der diese Zivilisten doch gerade schützen soll. Ich denke man kann mit Sicherheit davon ausgehen, dass die zivilen Opfer in Libyen wesentlich höher gewesen wären, wenn die NATO Gaddafi nicht gestoppt hätte. Nun ist es grundsätzlich sicherlich falsch, Menschenleben gegeneinander abzuwägen und zur Rechengröße zu machen, in solchen Ausnahmesituationen bleibt der Politik imho aber nicht viel anderes übrig.

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 Betreff des Beitrags: Re: Zur Lage in Syrien
BeitragVerfasst: Montag 26. August 2013, 23:50 
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Ara hat geschrieben:
Die Logik hab ich schon in Libyen nicht ganz verstanden und die hatte Prof. Merkel auch damals in der FAZ ganz gut herausgearbeitet: Warum rechtfertigt das Verbrechen der Regierung gegen die eigene Bevölkerung die Bombardierung der Bevölkerung durch NATO-Bomben?

Man müsste hier ja sowas wie eine mutmaßliche Einwilligung konstruieren... Wobei es wirklich fraglich ist, ob die Mehrheit der syrischen Bevölkerung einen Luftkrieg durch die NATO möchte... Optional müsste man ne "Sonderopferrolle" der Bevölkerung verlangen, damit es keine weiteren Chemiewaffenopfer gibt... Aber das ist dann schon schwer unter "moralisch gerechtfertigt" zu packen.

Wenn man sich aber Afghanistan, Irak und Libyen anschaut, dann muss man wohl eher sagen, dass das Eingreifen der westlichen Staaten eher zu einer Verschlechterung der Lebensverhältnisse der Bevölkerung führt und daher jegliches Eingreifen nicht im Sinne der Bevölkerung des Staates ist.

Edit: Hier noch einmal der Artikel zu Libyen: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/v ... 13317.html


Ich befürworte ja auch nicht, dass die Bevölkerung bombardiert wird, sondern die syrischen Streitkräfte. Natürlich rekrutieren die sich aus der Bevölkerung, aber momentan agieren sie teilweise gegen die Bevölkerung, die sie eigentlich schützen sollen und das mutmaßlich sogar durch den Einsatz so undifferenziert wirkender Waffen wie chemischer Kampfstoffe.

Freilich kranken alle Militäreinsätze daran, dass sie den wirklich Schuldigen nicht direkt treffen. Am liebsten wäre es mir natürlich, dass man Assad selbst gezielt bekämpft. Das geht aber leider nicht so einfach bzw. evtl. würde es dann auch Nachfolger geben, also muss man seine Kräfte schwächen. Dabei werden ganz gezielt Soldaten getötet und sicherlich auch ungewollt einige Zivilisten. Das ist nichts weniger als furchtbar, egal ob Soldat oder Zivilist. Aber ich denke, bei der Situation des Bürgerkrieges dort, ist dies das geringere Übel. Die Menschen dort flüchten zu hunderttausenden in Nachbarländer wie den Irak. Es spricht m.E. Bände über die Situation in Syrien, wenn Menschen meinen, dass sie im Irak besser aufgehoben sind.

I. Ü. glaube ich nicht, dass es zu all zu vielen zivilen Opfern kommen würde. Ziel dürfte es sein, die Lagerstätten von (A)BC-Waffen zu treffen, um diese unschädlich zu machen oder größere militärische Einrichtungen. Diese liegen eher nicht so nah an bewohnten Gebieten, dass es viele zivile Opfern geben dürfte. Die heutigen Waffen sind zwar nicht abweichungsfrei, aber so hinreichend präzise, dass Flächenbombardements wie im Zweiten Weltkrieg ohnehin nicht mehr erforderlich sind, wenn man lediglich einzelne Gebäude treffen will. Bei der Einrichtung einer Flugverbotszone gäbe es aufgrund der Zerstörung von Flugabwehrstellungen sicherlich einige zivile Opfer, aber davon ist bislang auch nicht die Rede.


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