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BeitragVerfasst: Samstag 30. November 2013, 01:55 
Fleissige(r) Schreiber(in)
Fleissige(r) Schreiber(in)

Registriert: Freitag 6. Januar 2012, 13:34
Beiträge: 120
105 Juraprofessoren fordern die Legalisierung von Cannabis.

Als ich diese Meldung das erste Mal gelesen habe, habe ich das ganze sofort als Schwachsinn abgestempelt.
(Der Titel ist daher auch etwas polemisch und darf gerne geändert werden :D )

Laut http://www.focus.de/politik/deutschland/strafverfolgung-ist-das-problem-105-jura-professoren-fordern-legalisierung-von-drogen_id_3428080.html haben sich der Petition 40 % aller Strafrechtsprofessoren Deutschlands angeschlossen. Darunter auch prominente Namen wie Claus Roxin.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass es in Deutschland jemals so weit kommen wird - bei längerem Nachdenken hören sich die Argumente dieser Petition aber gar nicht so abwegig an:

- Der Schwarzmarkt erhöht die Preise und erzeugt dadurch höhere Folgekriminalität als bei einer Legalisierung
- "Hanf ist nicht ungefährlich, aber ungefährlicher als Alkohol. An Alkohol und Tabak sterben jedes Jahr 200.000 Menschen, hat die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen ermittelt. An Cannabis ist noch niemand gestorben." http://www.welt.de/politik/deutschland/article122199341/Deutschland-wird-zur-Kiffer-Republik.html
- und das Hauptargument: Es werden Milliarden für die Strafverfolgung aufgewandt, die in den meisten Fällen noch dazu keine Erfolge erzielt. Die Kleinkonsumenten konsumieren weiter und für jeden Großdealer, der 5 Jahre in den Knast wandert, wachsen 2 neue nach.


Das letzte Argument wird besonders dann deutlich, wenn wir uns an den Sitzungsdienst bei der StA zurückerinnern - jeder 0815-Staatsanwalt verbringt ca. 10 - 20 % seiner Zeit mit Drogendelikten. Die StA, die sich nur mit Drogendelikten befassen, nehmen zusätzlich eine nicht geringe Zahl ein.

Entschieden dagegen spricht natürlich, dass diese Droge eine starke Abhängigkeit verursacht, die langfristig gesehen mit einem sozialen Abstieg verbunden ist, der dann schnell in eine kriminelle Karriere mündet. Dem könnte man wiederum entgegenhalten, dass auch Alkoholkonsum zu einer Sucht mit denselben Folgen werden kann. Diese Fälle kommen zwar vor, sind aber angesichts der Anzahl der Leute, die regelmäßig Alkohol konsumieren, verschwindend gering.

Wie läuft es in Holland? Gibt es diese Probleme dort? Oder ist der Joint da mittlerweile eine anerkannte Gesellschaftsdroge wie bei uns der Alkohol? Wie hoch ist das Steueraufkommen, dass durch die Coffee-Shops generiert wird?

Und gibt es irgendwo eine Liste der Professoren, die diese Bewegung unterstützen?

Im Ergebnis wird das ganze wohl nie ernsthaft von der Politik diskutiert werden - zu Recht?


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BeitragVerfasst: Samstag 30. November 2013, 02:19 
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Registriert: Sonntag 5. August 2012, 19:37
Beiträge: 533
cd84 hat geschrieben:
Entschieden dagegen spricht natürlich, dass diese Droge eine starke Abhängigkeit verursacht, die langfristig gesehen mit einem sozialen Abstieg verbunden ist, der dann schnell in eine kriminelle Karriere mündet.

Ist dies so? Die Studien, die ich dazu kenne, haben dies gerade nicht bestätigt.

Lesenswert dazu: NStZ 2008, 437

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BeitragVerfasst: Samstag 30. November 2013, 13:32 
Noch selten hier
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Registriert: Freitag 24. Mai 2013, 21:29
Beiträge: 26
Vgl die Aktion von vor 10 Jahren:

http://www.cannabislegal.de/aktionen/kim.htm

Insb auch

http://www.cannabislegal.de/recht/bverfg.htm

Aber auch

http://lexetius.com/2000,3204

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"Michael Knight, a young loner on a crusade to champion the cause of the innocent, the helpless, the powerless, in a world of criminals who operate above the law."


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BeitragVerfasst: Samstag 30. November 2013, 14:39 
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Registriert: Mittwoch 28. November 2007, 19:06
Beiträge: 9812
Wohnort: Berlin
cd84 hat geschrieben:
...
- "Hanf ist nicht ungefährlich, aber ungefährlicher als Alkohol. An Alkohol und Tabak sterben jedes Jahr 200.000 Menschen, hat die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen ermittelt. An Cannabis ist noch niemand gestorben." http://www.welt.de/politik/deutschland/article122199341/Deutschland-wird-zur-Kiffer-Republik.html

Und genau das halte ich für den fatalen Irrtum. Erstens kenne ich persönlich jemanden, der letztlich an den Folgen eines übermäßigen Cannabiskonsums gestorben ist, zweitens ist die Statistik natürlich dadurch verfälsch, dass Alkohol - weil er legal überall zu haben ist und massenhaft konsumiert wird - sehr viel weiter verbreitet ist als Cannabis. Wenn Cannabis genauso weit verbreitet wäre wie Alkohol, dann würde der Unterschied vermutlich verschwinden. Außerdem gibt es inzwischen ernsthafte Studien dazu, dass langfristiger Cannabiskonsum den Körper und das Gehirn schon angreift. Die These von der Harmlosigkeit des "Joints" ist meines Erachtens nicht haltbar, harmlos ist allenfalls der seltene Konsum.

Ich habe lange über das Thema Legalisierung nachgedacht und komme - nachdem ich als Student noch die Gegenthese vertreten habe - immer wieder zu dem Ergebnis, dass Legalisierung/völlige Freigabe der falsche Weg ist. Ich würde am aktuellen Status Quo nichts ändern.

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BeitragVerfasst: Samstag 30. November 2013, 15:30 
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immer locker bleiben hat geschrieben:
Die These von der Harmlosigkeit des "Joints" ist meines Erachtens nicht haltbar, harmlos ist allenfalls der seltene Konsum.

Also praktisch genau wie bei Tabak und Alkohol? Und Heroin. Die Dosis macht das Gift.

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»Ich kenne den Schmerz, den ich hatte, weil ich zweimal die Vorhaut mit dem Reißverschluss mitgenommen habe, so dass dieser - also Reißverschluss - einmal in einer Klinik entfernt werden musste.« - Chefreferendar


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BeitragVerfasst: Samstag 30. November 2013, 15:30 
Fossil
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Registriert: Freitag 2. April 2004, 18:13
Beiträge: 13055
immer locker bleiben hat geschrieben:
zweitens ist die Statistik natürlich dadurch verfälsch, dass Alkohol - weil er legal überall zu haben ist und massenhaft konsumiert wird - sehr viel weiter verbreitet ist als Cannabis. Wenn Cannabis genauso weit verbreitet wäre wie Alkohol, dann würde der Unterschied vermutlich verschwinden.


Diese Überlegung scheint mir bei dem Legalisierungsvorhaben etwas zu kurz zu kommen. Denn die bestehende Strafbarkeit dürfte doch dafür sorgen, dass viele darauf verzichten, das Feierabendbier durch einen Joint zu ersetzen und es insoweit beim eher ungefährlichen Gelegenheitskonsum bleibt.

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BeitragVerfasst: Samstag 30. November 2013, 15:37 
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cd84 hat geschrieben:

Ich kann mir nicht vorstellen, dass es in Deutschland jemals so weit kommen wird


Ich konnte mir lange nicht vorstellen, dass Cannabis in vielen Staaten der USA legalisiert wird. Ausgerechnet dem Land, das für die internationale Ächtung der Droge ausschlaggebend und federführend war und das selbst den Besitz kleinster Mengen jahrzehntelang hart verfolgt hat. Einfach mal Reefer Madness googlen. Die Legalisierung in Deutschland ist für mich keine Frage des ob, sondern des wann.

cd84 hat geschrieben:
Entschieden dagegen spricht natürlich, dass diese Droge eine starke Abhängigkeit verursacht, die langfristig gesehen mit einem sozialen Abstieg verbunden ist, der dann schnell in eine kriminelle Karriere mündet. Dem könnte man wiederum entgegenhalten, dass auch Alkoholkonsum zu einer Sucht mit denselben Folgen werden kann. Diese Fälle kommen zwar vor, sind aber angesichts der Anzahl der Leute, die regelmäßig Alkohol konsumieren, verschwindend gering.


Kiffen macht weitaus weniger schnell süchtig als Alkoholkonsum. Auch die direkten körperlichen Risiken des Kiffens rühren eher von der Mischung der Droge mit Tabak her, was sich bei einer Legalisierung durch die preisgünstige Möglichkeit des puren Konsums umgehen lässt. Wie bei jeder anderen Droge gibt es auch Kiffer, die damit nicht klar kommen und abrutschen. Allerdings ist eine Cannabissucht wesentlich einfacher zu therapieren als eine Alkoholsucht, weil eine Entwöhnung im Gegensatz zur Alkoholsucht keine oder nur sehr geringe körperliche Entzugserscheinungen hervorruft.

Das beste Argument für die Legalisierung ist für mich die Tatsache, dass ein regulierter Verkauf den Jugendschutz wesentlich besser umsetzen könnte, als die derzeitige Rechtslage. Ich gebe an dieser Stelle mal zu, dass ich in meiner späten Jugend zwar nicht regelmäßig aber doch hin und wieder gekifft habe und dadurch zwangsläufig Kontakt zu fragwürdigen Personen hatte, die ich als rechtschaffender Bürger eigentlich gar nicht haben müssen sollte ;) Das Prädikat "Einstiegsdroge" hängt eben auch stark damit zusammen, dass viele Dealer die Gras verticken auch andere Sachen im Angebot haben. Und wenn man erstmal Kontakt zu denen hat und die Grenze der Illegalität ohnehin überschritten hat, sinkt auch die Hemmschwelle bezüglich anderer Drogen.

cd84 hat geschrieben:
Wie läuft es in Holland? Gibt es diese Probleme dort? Oder ist der Joint da mittlerweile eine anerkannte Gesellschaftsdroge wie bei uns der Alkohol? Wie hoch ist das Steueraufkommen, dass durch die Coffee-Shops generiert wird?


Holland hat grundsätzlich eine sehr liberale Drogenpolitik. Mittlerweile werden die Regeln für Coffeeshops immer weiter verschärft, was aber vor allem an den Drogentouristen liegt. Holland hat verständlicherweise keine Lust, als der Drogendealer Europas dazustehen.



cd84 hat geschrieben:
Im Ergebnis wird das ganze wohl nie ernsthaft von der Politik diskutiert werden - zu Recht?


Sehe ich anders (siehe oben). Deutschland ist der Frage halt mal wieder weit hintendran. Die Rot-Grüne Koalition wäre eine ideale Gelegenheit für Fortschritte gewesen, wurde leider versäumt.

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Zuletzt geändert von [enigma] am Samstag 30. November 2013, 15:41, insgesamt 3-mal geändert.

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BeitragVerfasst: Samstag 30. November 2013, 15:37 
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Registriert: Dienstag 21. Juni 2011, 16:49
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famulus hat geschrieben:
immer locker bleiben hat geschrieben:
Die These von der Harmlosigkeit des "Joints" ist meines Erachtens nicht haltbar, harmlos ist allenfalls der seltene Konsum.

Also praktisch genau wie bei Tabak und Alkohol? Und Heroin. Die Dosis macht das Gift.
Und was ist Deine Konsequenz daraus?

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"Ich sage nicht, dass man sich hier zu siezen hätte oder ähnlichen Quatsch. Bei einem Forum von Juristen für Juristen ist meine Erwartungshaltung aber trotzdem nochmal eine andere als bei der Kneipe um die Ecke." OJ1988


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BeitragVerfasst: Samstag 30. November 2013, 15:40 
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[enigma] hat geschrieben:
Ich gebe an dieser Stelle mal zu, dass ich in meiner späten Jugend zwar nicht regelmäßig aber doch hin und wieder gekifft habe


[-X

Hast Du etwa auch inhaliert?


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BeitragVerfasst: Samstag 30. November 2013, 15:43 
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Scaevola hat geschrieben:
[enigma] hat geschrieben:
Ich gebe an dieser Stelle mal zu, dass ich in meiner späten Jugend zwar nicht regelmäßig aber doch hin und wieder gekifft habe


[-X

Hast Du etwa auch inhaliert?


Yes, but i did not have sex with that woman!

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BeitragVerfasst: Samstag 30. November 2013, 15:48 
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Parabellum hat geschrieben:
famulus hat geschrieben:
immer locker bleiben hat geschrieben:
Die These von der Harmlosigkeit des "Joints" ist meines Erachtens nicht haltbar, harmlos ist allenfalls der seltene Konsum.

Also praktisch genau wie bei Tabak und Alkohol? Und Heroin. Die Dosis macht das Gift.
Und was ist Deine Konsequenz daraus?

Es fällt mir schwer, mir da eine eindeutige Meinung zu bilden, da es offenbar nicht möglich ist, die gegenwärtige Rechtslage allein mit der Wirkungsweise bzw. den Langzeitfolgen zu begründen. Alkohol und Tabak scheinen hinter anderen Drogen da kaum zurück zu bleiben, weshalb man auf "Kultur" oder andere schwammige Gründe zurückgreifen muss, die in meinen Augen aber keine Berücksichtigung finden sollten. Pauschalierungen scheinen sich jedoch zu verbieten.

Aus dem Bauch heraus wäre ich eher für eine brutal liberale Drogenpolitik, mir fehlt aber die Beurteilungsgrundlage dafür, was die Folgen hieraus wären.

Ich wollte nur darauf hinweisen, dass vor dem Hintergrund der Legalität von Tabak und Alkohol meiner Ansicht nach ein auf gesundheitlichen Gründen beruhendes Cannabisverbot inkonsequent ist.

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BeitragVerfasst: Samstag 30. November 2013, 15:57 
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Einen ersten und wichtigen Schritt fände ich im Übrigen die Legalisierung aus medizinischen Gründen ("Cannabis auf Rezept"). Gerade im Rahmen der Schmerztherapie ist Cannabis oft ziemlich hilfreich und zudem noch arm an Nebenwirkungen.

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Zuletzt geändert von Sebast1an am Samstag 30. November 2013, 16:00, insgesamt 1-mal geändert.

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BeitragVerfasst: Samstag 30. November 2013, 15:59 
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[enigma] hat geschrieben:
Das beste Argument für die Legalisierung ist für mich die Tatsache, dass ein regulierter Verkauf den Jugendschutz wesentlich besser umsetzen könnte, als die derzeitige Rechtslage. [...] Das Prädikat "Einstiegsdroge" hängt eben auch stark damit zusammen, dass viele Dealer die Gras verticken auch andere Sachen im Angebot haben. Und wenn man erstmal Kontakt zu denen hat und die Grenze der Illegalität ohnehin überschritten hat, sinkt auch die Hemmschwelle bezüglich anderer Drogen.


Und das ist m.E. das größte Argument für eine Legalisierung.

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BeitragVerfasst: Samstag 30. November 2013, 16:02 
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famulus hat geschrieben:

Aus dem Bauch heraus wäre ich eher für eine brutal liberale Drogenpolitik, mir fehlt aber die Beurteilungsgrundlage dafür, was die Folgen hieraus wären.


Man muss den Drogenliberalismus ja nicht zwangsläufig so weit führen, dass pauschal alle Drogen für Erwachsene legalisiert werden. Das Verbot von Heroin macht für mich zB. Sinn weil es eben hochgradig körperlich abhängig macht und die Gefahr einer tödlichen Überdosis ständig präsent ist. Bei Cannabis ist es aber so, dass die Gründe, die ursprünglich zur Prohibition geführt haben mittlerweile wissenschaftlich entkräftet werden. Reines (also nicht mit anderen Substanzen gestrecktes) Cannabis macht nicht körperlich abhängig, führt nicht zu gewalttätigem oder sozialschädlichem Verhalten und hat sogar ein unbestreitbares Potenzial bei der Therapie körperlicher und selbst psychischer Erkrankungen mit sehr geringen Nebenwirkungen. Ironischerweise macht Cannabis weniger süchtig als starke Schmerzmittel, die hierzulande zur Schmerztherapie verschrieben werden. Das war auch der Hauptgrund für die Legalisierung in den USA. Ich denke wir sollten mal ein paar Jahre abwarten bis verlässliche Langzeitstudien zu den Folgen der Legalisierung in den USA vorliegen. Bisher scheinen die amerikanischen Verbände von Medizinern und Juristen sehr überzeugt von den positiven Wirkungen zu sein. Die Frage der Legalisierung von Cannabis ist für mich deshalb unabhängig von der Frage der Legalisierung wirklich gefährlicher Drogen.

Sebast1an hat geschrieben:
Einen ersten und wichtigen Schritt fände ich im Übrigen die Legalisierung aus medizinischen Gründen ("Cannabis auf Rezept"). Gerade im Rahmen der Schmerztherapie ist Cannabis oft ziemlich hilfreich und zudem noch arm an Nebenwirkungen.


Das ist die derzeitige Rechtslage in den USA. Allerdings sind die Voraussetzungen für ein Rezept (zumindest in Kalifornien) dort so gering, dass es schon reicht, beim Arzt auf Schlafstörungen o.ä. hinzuweisen um eine Bezugskarte zu erhalten, wodurch faktisch eine vollständige Legalisierung erreicht wurde.

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BeitragVerfasst: Samstag 30. November 2013, 16:09 
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[enigma] hat geschrieben:
[...] und hat sogar ein unbestreitbares Potenzial bei der Therapie körperlicher und selbst psychischer Erkrankungen mit sehr geringen Nebenwirkungen. Das war auch der Hauptgrund für die Legalisierung in den USA. Ich denke wir sollten mal ein paar Jahre abwarten bis verlässliche Langzeitstudien zu den Folgen der Legalisierung in den USA vorliegen. Bisher scheinen die amerikanischen Verbände von Medizinern und Juristen sehr überzeugt von den positiven Wirkungen zu sein.


Zwischen der Legalisierung zu (echten) medizinischen Zwecken (insbesondere mit den dem streng kontrollierten Vertriebsweg über die Apotheken) und der uneingeschränkten Freigabe für jedermann (und sei es nur über die Hintertüre) würde ich aber doch einen Unterschied sehen.

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