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 Betreff des Beitrags: Inklusion - postfaktische Welt?
BeitragVerfasst: Montag 29. Mai 2017, 22:01 
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Ich weiß, ein kontroverses Thema, aber trotzdem: zeigt sich bei der Inklusion an deutschen Schulen eine weitere Facette unserer heutigen sogenannten "postfaktischen" Welt? Heutzutage ist es ja bekanntlich en vogue, über die Faktenresistenz vieler Bundesbürger zu sprechen. Gerade "die Rechten" würden quasi stündlich "fake news" verbreiten und so "das gesellschaftliche Klima vergiften".

Allerdings fällt bei genauerer Betrachtung auf, dass eine faktenferne, irrationale Betrachtungsweise nicht nur "rechts" zu finden ist. Tatsächlich ist die Inklusion mE ein gutes Beispiel hierfür. Richtigerweise handelt es sich hierbei um eine komplexe, kontroverse Thematik. Diese hätte einer gründlichen Analyse bedurft:

Ist es sinnvoll, behinderte Kinder zusammen mit anderen zu unterrichten? Welche Folgen hat das für alle (!) Betroffenen? Wie wirkt es sich aus? Wie sehen es die Eltern? Wie sieht es mit der Betreuung sowie der adäquaten Unterstützung durch Sonderpädagogen aus? Wie verhält es sich mit der Finanzierung?
Auf dieser Grundlage hätte dann schlussendlich eine rationale Entscheidung gefällt werden können.

Ganz anders indes die Realität: die Inklusion wird Hals über Kopf par or­d­re du muf­ti verordnet. Macht sie Sinn? Ist sie umsetzbar? Das hat nicht zu interessieren.

Wer sie nicht unterstützt, wird bestenfalls auf die UN-Behindertenrechtskonvention (wie viele UN-Konventionen gibt es, die nicht oder kaum umgesetzt werden, ungeachtet ihrer Ratifikation?) verwiesen oder sogar als Menschenfeind diffamiert.

Auch in den Medien gibt es viele gefühlige Artikel aus Sicht der "Betroffenen", ganz im Sinne von "die anderen Kinder müssen das eben hinnehmen/sie lernen dann fürs Leben/es ist eine gemeinsame Aufgabe" (ob es den Lernzielen nutzt oder schadet, wird nicht thematisiert), dagegen nur wenige nüchterne, rationale Analysen (Ausnahmen z.B. bei der FAZ, siehe etwa http://www.faz.net/aktuell/politik/inla ... 37925.html).

Über die Inklusion ließe sich streiten. Ich persönlich bin der Ansicht, die Leistungsunterschiede sind sogar in "regulären" Gymnasialklassen z.T. derartig drastisch - mit negativen Auswirkungen auf die "Besten" wie die "Schwächsten" -, dass eine weitere Förderung dieser Unterschiede dem Gesamtleistungsniveau abträglich wäre. Hierüber kann man natürlich diskutieren. Allerdings auf rationaler Ebene.

Leider wird die Debatte stattdessen durch gefühlig-moralische Argumente iSv "man darf niemanden ausgrenzen" dominiert; wobei sich ironischerweise niemand an der völligen Aufspaltung der Gesellschaft nach der Schule, spätestens aber nach der Ausbildung/Universität aufgrund der verschiedenen Berufsbilder zu stören scheint (Behindertenwerkstatt?). Ganz zu schweigen von der Absurdität eines dreigliedrigen Schulsystems, das nach Leistung differenziert, gleichzeitig aber geistig eingeschränkte Menschen (weshalb nicht z.B. auch Hauptschüler?) in alle Schulformen aufnehmen möchte.

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 Betreff des Beitrags: Re: Inklusion - postfaktische Welt?
BeitragVerfasst: Montag 29. Mai 2017, 23:17 
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Eine Lehrerin erzählte mir vor ein paar Wochen, dass in ihrer Klasse nun ein schwer krankes, bettlägeriges Kind inkludiert werde. Es liegt halt in einem Krankenbett in der Klasse, ein Krankenbetreuer ist immer vor Ort. Exitus "am Platz" ist nicht ganz ausgeschlossen. Schöne neue Welt.


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 Betreff des Beitrags: Re: Inklusion - postfaktische Welt?
BeitragVerfasst: Montag 29. Mai 2017, 23:47 
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Suchender_ hat geschrieben:
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 Betreff des Beitrags: Re: Inklusion - postfaktische Welt?
BeitragVerfasst: Dienstag 30. Mai 2017, 05:36 
Noch selten hier
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Beiträge: 32
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Ich finde: es kommt drauf an.

Meine Frau ist beispielsweise Betreuerin zweier behinderter Kinder in einer Kita. Die Kinder sind jedoch nicht "schwer krank". Soweit ich weiß sind dort keine negativen Folgen für die anderen Kinder zu sehen. Dort jedenfalls scheint es gut umgesetzt. Zur Finanzierung: der Träger ist hier das Deutsche Rote Kreuz.

Allgemein muss m. E. genau geprüft werden, wo die Inklusion sinnvoll ist und wo nicht. Dass jemand, der schwer krank und bettlägerig ist, inkludiert werden muss, halte ich für fragwürdig, um es mal vorsichtig auszudrücken (wie gesagt, man möchte ja nicht als Menschenfeind gelten). Inklusion im Kindergarten bzw. in der Kita macht vielleicht auch insgesamt mehr Sinn als Inklusion in Schulen, denn in der Schule müssen wie in der Ausbildung auch Leistungen erbracht werden, um weiter zu kommen. Das kann dann schon zu Problemen führen.

Was das Leben nach der Schule angeht: ich habe zeitweise als Wochenendkraft in einer Pflegeeinrichtung für Menschen mit Behinderungen gearbeitet und kann nur sagen, dass es gut ist, dass es solche Einrichtungen gibt. Denn mit vielen Behinderungen (sei es körperlich oder geistig) hat so Mancher keine Chance, alleine zurecht zu kommen, geschweige denn auf dem normalen Arbeitsmarkt eine passende Tätigkeit zu finden. Der Großteil arbeitet, wenn überhaupt, dann in einer Behindertenwerkstatt. Und auch da finde ich es gut, dass es solche Werkstätten gibt, denn sie fangen jene auf, die aufgrund der Behinderung nun mal eben nicht "normal" arbeiten können.

_________________
...dafür haben wir kein Formular. =;

Sämtliche Beiträge stellen keine Rechtsauskunft dar, sondern spiegeln lediglich die persönliche Meinung des Verfassers wider.


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 Betreff des Beitrags: Re: Inklusion - postfaktische Welt?
BeitragVerfasst: Dienstag 30. Mai 2017, 07:04 
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Suchender_ hat geschrieben:
behinderte Kinder zusammen mit anderen


Allein schon diese Wortwahl zeigt, dass du an einer sachlichen Diskussion nicht wirklich interessiert bist.

Ich empfehle als ersten Schritt die Einübung einer diskriminierungsfreien, wertschätzenden Sprache.


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 Betreff des Beitrags: Re: Inklusion - postfaktische Welt?
BeitragVerfasst: Dienstag 30. Mai 2017, 07:07 
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Levi hat geschrieben:
Suchender_ hat geschrieben:
behinderte Kinder zusammen mit anderen


Allein schon diese Wortwahl zeigt, dass du an einer sachlichen Diskussion nicht wirklich interessiert bist.

Ich empfehle als ersten Schritt die Einübung einer diskriminierungsfreien, wertschätzenden Sprache.

Vorwürfe wie dieser sind denke ich das Problem, was oben beschrieben wurde.

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"Ich bin ein Freund der privaten Passivitäten, bin also ein fauler Mensch, der versucht seine Intelligenz einzusetzen, um weiterhin faul zu bleiben zu können." (Benno Heussen)


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 Betreff des Beitrags: Re: Inklusion - postfaktische Welt?
BeitragVerfasst: Dienstag 30. Mai 2017, 07:31 
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Trente Steele82 hat geschrieben:
Levi hat geschrieben:
Suchender_ hat geschrieben:
behinderte Kinder zusammen mit anderen


Allein schon diese Wortwahl zeigt, dass du an einer sachlichen Diskussion nicht wirklich interessiert bist.

Ich empfehle als ersten Schritt die Einübung einer diskriminierungsfreien, wertschätzenden Sprache.

Vorwürfe wie dieser sind denke ich das Problem, was oben beschrieben wurde.


Das ist kein Vorwurf, sondern die schlichte - bereits aus der Wortwahl klar erkennbare - Tatsache, dass es dem Verfasser des Beitrags nicht um eine sachliche Diskussion über den angemessenen Weg zur bestmögliche Förderung jedes Menschen geht (worüber man sehr wohl diskutieren kann!), sondern um Stigmatisierung und Ausgrenzung von Menschen.

Über letzteres zu diskutieren, verbietet sich von vornherein.


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 Betreff des Beitrags: Re: Inklusion - postfaktische Welt?
BeitragVerfasst: Dienstag 30. Mai 2017, 07:39 
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Levi hat geschrieben:
Trente Steele82 hat geschrieben:
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Suchender_ hat geschrieben:
behinderte Kinder zusammen mit anderen


Allein schon diese Wortwahl zeigt, dass du an einer sachlichen Diskussion nicht wirklich interessiert bist.

Ich empfehle als ersten Schritt die Einübung einer diskriminierungsfreien, wertschätzenden Sprache.

Vorwürfe wie dieser sind denke ich das Problem, was oben beschrieben wurde.


Das ist kein Vorwurf, sondern die schlichte - bereits aus der Wortwahl klar erkennbare - Tatsache, dass es dem Verfasser des Beitrags nicht um eine sachliche Diskussion über den angemessenen Weg zur bestmögliche Förderung jedes Menschen geht (worüber man sehr wohl diskutieren kann!), sondern um Stigmatisierung und Ausgrenzung von Menschen.

Über letzteres zu diskutieren, verbietet sich von vornherein.

Deine Annahme lese ich aus dem Rest des Beitrages so nicht heraus. Mag sein, dass es so ist, an der Wortwahl festzumachen, dem TE ging es nicht um eine sachliche Auseinandersetzung halte ich bei allem Respekt für vermessen. Vielmehr führt die Annahme dazu, dass die Sachebene bereits verlassen wird. Diese Art der Gesprächsführung wurde oben zu Recht angesprochen.

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 Betreff des Beitrags: Re: Inklusion - postfaktische Welt?
BeitragVerfasst: Dienstag 30. Mai 2017, 08:10 
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Ein sehr komplexes Thema. Eine Freundin von mir von arbeitet in einer Einrichtung für behinderte Menschen, in der Kinder und auch Erwachsene in Wohngruppen leben (ist wie ein Internat auch mit Werkstätten). Es kommt sicher auch stark auf das jeweilige Handicap an. Dort gibt es bspw. Menschen, die sich nur von Menschen anfassen lassen, zu denen sie Vertrauen haben. Eine unabsichtliche Berührung, bspw. eine Rempler, kann da schon unangenehme Folgen für andere haben. Andere bekommen plötzlich Panik- bzw. Angstattacken aus dem Nichts. Da braucht man schon etwas Erfahrung, von heute auf morgen lernt man das nicht, da richtig zu reagieren. Ich kann mir kaum vorstellen, dass ein Lehrer ohne spezielle Ausbildung dem gewappnet ist. Eine Schulklasse mit 25-30 Kindern wird sicher auch nicht gerade förderlich sein. Man müsste sich wohl jeden Einzelfall gesondert anschauen und dann entscheiden. Nur wer will diese Entscheidung gerne treffen? Dann gibt es natürlich auch noch die Eltern, die verständlicherweise die gleichen Chancen für ihr Kind fordern. Oft denken die dabei aber leider nur bedingt an das Wohl ihres Kindes.

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 Betreff des Beitrags: Re: Inklusion - postfaktische Welt?
BeitragVerfasst: Dienstag 30. Mai 2017, 08:12 
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Levi hat geschrieben:
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Suchender_ hat geschrieben:
behinderte Kinder zusammen mit anderen


Allein schon diese Wortwahl zeigt, dass du an einer sachlichen Diskussion nicht wirklich interessiert bist.

Ich empfehle als ersten Schritt die Einübung einer diskriminierungsfreien, wertschätzenden Sprache.

Vorwürfe wie dieser sind denke ich das Problem, was oben beschrieben wurde.


Das ist kein Vorwurf, sondern die schlichte - bereits aus der Wortwahl klar erkennbare - Tatsache, dass es dem Verfasser des Beitrags nicht um eine sachliche Diskussion über den angemessenen Weg zur bestmögliche Förderung jedes Menschen geht (worüber man sehr wohl diskutieren kann!), sondern um Stigmatisierung und Ausgrenzung von Menschen.

Über letzteres zu diskutieren, verbietet sich von vornherein.


Man wird keinen Menschen bestmöglich fördern können, wenn Unterschiede nicht angesprochen werden dürfen.
Es ist niemandem damit geholfen, für künstliche Gleichheit zu sorgen, wenn es faktische Unterschiede gibt.


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 Betreff des Beitrags: Re: Inklusion - postfaktische Welt?
BeitragVerfasst: Dienstag 30. Mai 2017, 08:22 
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Trente Steele82 hat geschrieben:
Levi hat geschrieben:
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Suchender_ hat geschrieben:
behinderte Kinder zusammen mit anderen


Allein schon diese Wortwahl zeigt, dass du an einer sachlichen Diskussion nicht wirklich interessiert bist.

Ich empfehle als ersten Schritt die Einübung einer diskriminierungsfreien, wertschätzenden Sprache.

Vorwürfe wie dieser sind denke ich das Problem, was oben beschrieben wurde.


Das ist kein Vorwurf, sondern die schlichte - bereits aus der Wortwahl klar erkennbare - Tatsache, dass es dem Verfasser des Beitrags nicht um eine sachliche Diskussion über den angemessenen Weg zur bestmögliche Förderung jedes Menschen geht (worüber man sehr wohl diskutieren kann!), sondern um Stigmatisierung und Ausgrenzung von Menschen.

Über letzteres zu diskutieren, verbietet sich von vornherein.

Deine Annahme lese ich aus dem Rest des Beitrages so nicht heraus. Mag sein, dass es so ist, an der Wortwahl festzumachen, dem TE ging es nicht um eine sachliche Auseinandersetzung halte ich bei allem Respekt für vermessen. Vielmehr führt die Annahme dazu, dass die Sachebene bereits verlassen wird. Diese Art der Gesprächsführung wurde oben zu Recht angesprochen.

Das ich keine sachliche Diskussion führe, bestreite ich überhaupt nicht - ganz im Gegenteil. Wenn jemand - von seiner diskriminierende Wortwahl ganz abgesehen - Dinge schreibt wie:

Zitat:
Leider wird die Debatte stattdessen durch gefühlig-moralische Argumente iSv "man darf niemanden ausgrenzen" dominiert;


halte ich jegliche sachliche Diskussion für verlorene Zeit. Es genügt in diesem Falle klar zu machen, dass man sich von solchen Äußerungen distanziert und nicht gewillt ist, die elementaren Grundwerte unserer Gesellschaft (einschließlich der Verfassung, vgl. Art. 3 Abs. 3 Satz 2, Art. 1 Abs. 1 GG) zur Diskussion zu stellen.

Das Verbot der Ausgrenzung ist nicht nur ein "gefühlig-moralisches Argument", sondern die rechtliche Grundlage unserer Gesellschaft!


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 Betreff des Beitrags: Re: Inklusion - postfaktische Welt?
BeitragVerfasst: Dienstag 30. Mai 2017, 08:40 
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sai hat geschrieben:
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Suchender_ hat geschrieben:
behinderte Kinder zusammen mit anderen


Allein schon diese Wortwahl zeigt, dass du an einer sachlichen Diskussion nicht wirklich interessiert bist.

Ich empfehle als ersten Schritt die Einübung einer diskriminierungsfreien, wertschätzenden Sprache.

Vorwürfe wie dieser sind denke ich das Problem, was oben beschrieben wurde.


Das ist kein Vorwurf, sondern die schlichte - bereits aus der Wortwahl klar erkennbare - Tatsache, dass es dem Verfasser des Beitrags nicht um eine sachliche Diskussion über den angemessenen Weg zur bestmögliche Förderung jedes Menschen geht (worüber man sehr wohl diskutieren kann!), sondern um Stigmatisierung und Ausgrenzung von Menschen.

Über letzteres zu diskutieren, verbietet sich von vornherein.


Man wird keinen Menschen bestmöglich fördern können, wenn Unterschiede nicht angesprochen werden dürfen.
Es ist niemandem damit geholfen, für künstliche Gleichheit zu sorgen, wenn es faktische Unterschiede gibt.


Gut, dass das Bundesverfassungsgericht das anders sieht (BVerfGE 3, 225, 240):

"Die politische Frage, ob die in Art. 3 Abs. 2 und 3 genannten Ungleichheiten einen beachtlichen Grund für Differenzierungen im Recht abgeben worüber erfahrungsgemäß verschiedene Meinungen möglich sind -, ist damit verfassungskräftig verneint. Ob der ...unterschied heute noch als rechtlich erheblich anzusehen ist, kann daher nicht mehr gefragt werden; diese Frage überhaupt stellen hieße, in einem circulus vitiosus die vom Grundgesetz bereits getroffene politische Entscheidung in die Hände des einfachen Gesetzgebers zurückspielen und Art. 3 Abs. 2 (3) GG seiner rechtlichen Bedeutung entkleiden.
...
Von "Gleichmacherei" wesensmäßig verschiedener Kategorien kann im Zusammenhang mit dem Begriff der Gleichberechtigung schon deshalb nicht die Rede sein, weil das Differenzierungsverbot des Art. 3 Abs. 2 GG ebenso wie das des Abs. 3 nur die Bedeutung hat, daß die aufgeführten faktischen Verschiedenheiten keine rechtliche, nicht aber auch daß sie keine gesellschaftliche, soziologische, psychologische oder sonstige Wirkung haben dürfen. Im Recht ist ferner das Differenzierungsverbot beschränkt auf die in den Vergleichstatbeständen benannten unterschiedlichen Eigenschaften, zum Beispiel Mann - Frau, Protestant - Katholik usw. Differenzierungen, die auf anderen Unterschiedlichkeiten der Personen oder auf Unterschiedlichkeiten der Lebensumstände beruhen, bleiben von dem Differenzierungsverbot unberührt."


Jegliche unmittelbare oder mittelbare (rechtliche) Anknüpfung an eine Behinderung - zum Nachteil des Menschen - ist daher von Verfassungs wegen verboten.

Wir sind hier in einem Juristenforum, und da geht es naturgemäß um rechtliche Unterschiede.


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 Betreff des Beitrags: Re: Inklusion - postfaktische Welt?
BeitragVerfasst: Dienstag 30. Mai 2017, 08:53 
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Levi hat geschrieben:
Das Verbot der Ausgrenzung ist nicht nur ein "gefühlig-moralisches Argument", sondern die rechtliche Grundlage unserer Gesellschaft!

Wir befinden uns hier im allbekannten Recht-Moral-Abgrenzungsproblem. Die Grundrechte sind mE der verschriftlichte Generalkonsens der gesellschaftlichen Werte (der Moral), die wir beachten wollen und deshalb vor Eingriffen des Staats genauso schützen, wie wir dem Staat zum Teil Schutzpflichten für diese Werte auferlegen. Darüber hinaus gibt es sicherlich weitere Moralvorstellungen, die aber nicht derart verbreitet sind, das wir sie verschriftlicht haben bzw. es gibt auch verschriftlichte Moralvorstellungen, deren Durchsetzung sich als Moral in Rückwärtsbewegung befindet (bspw. nur die Diskussion zur Ehe als Bündnis zwischen Mann und Frau und als Keimzelle der Familie); mithin die Verschriftlichung als Grundrecht (wohl) über den Generalkonsens mittlerweile hinausragt.

Zur Sache: Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden (Art. 3 Abs. 3 Satz 2 GG). Dies setzt ersichtlich an einem "von Außen" auf den Menschen einwirkendes etwas an, also an Verbote bzw. Gebote durch den Staat. Wenn die Behinderung selbst nachteiligt ist (man kann nicht laufen, man kann nicht sprechen, man ist geistig behindert), dann ist dies keine Benachteiligung, die die Norm verbietet; diese Behinderung ist einfach existent/vorhanden. Die Frage ist nur, ob aus dem Verbot zugleich eine Staatspflicht entnommen werden kann, dass tatsächliche Nachteile (Behinderung) auch durch den Staat (bzw. die Gesellschaft?) ignoriert werden müssen. Dies kann man wohl nicht als Totalforderung aufstellen, denn weder kann der Staat den Blinden als Sehenden beurteilen und ihm entsprechende Rechte gewähren oder Pflichten auferlegen, noch kann er eine geistige Behinderung und entsprechende Fehlleistungen (bspw. in der Schule) ignorieren. Es leuchtet aber unmittelbar ein, dass bspw. ein gehbehinderter nicht deshalb vom Abitur ausgeschlossen werden kann, weil er im Sportunterricht nicht die geforderten Leistungen erbringen kann. Es kommt eben immer auf den Einzelfall an.

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 Betreff des Beitrags: Re: Inklusion - postfaktische Welt?
BeitragVerfasst: Dienstag 30. Mai 2017, 08:57 
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Levi hat geschrieben:
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Allein schon diese Wortwahl zeigt, dass du an einer sachlichen Diskussion nicht wirklich interessiert bist.

Ich empfehle als ersten Schritt die Einübung einer diskriminierungsfreien, wertschätzenden Sprache.

Vorwürfe wie dieser sind denke ich das Problem, was oben beschrieben wurde.


Das ist kein Vorwurf, sondern die schlichte - bereits aus der Wortwahl klar erkennbare - Tatsache, dass es dem Verfasser des Beitrags nicht um eine sachliche Diskussion über den angemessenen Weg zur bestmögliche Förderung jedes Menschen geht (worüber man sehr wohl diskutieren kann!), sondern um Stigmatisierung und Ausgrenzung von Menschen.

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Man wird keinen Menschen bestmöglich fördern können, wenn Unterschiede nicht angesprochen werden dürfen.
Es ist niemandem damit geholfen, für künstliche Gleichheit zu sorgen, wenn es faktische Unterschiede gibt.


Gut, dass das Bundesverfassungsgericht das anders sieht (BVerfGE 3, 225, 240):

"Die politische Frage, ob die in Art. 3 Abs. 2 und 3 genannten Ungleichheiten einen beachtlichen Grund für Differenzierungen im Recht abgeben worüber erfahrungsgemäß verschiedene Meinungen möglich sind -, ist damit verfassungskräftig verneint. Ob der ...unterschied heute noch als rechtlich erheblich anzusehen ist, kann daher nicht mehr gefragt werden; diese Frage überhaupt stellen hieße, in einem circulus vitiosus die vom Grundgesetz bereits getroffene politische Entscheidung in die Hände des einfachen Gesetzgebers zurückspielen und Art. 3 Abs. 2 (3) GG seiner rechtlichen Bedeutung entkleiden.
...
Von "Gleichmacherei" wesensmäßig verschiedener Kategorien kann im Zusammenhang mit dem Begriff der Gleichberechtigung schon deshalb nicht die Rede sein, weil das Differenzierungsverbot des Art. 3 Abs. 2 GG ebenso wie das des Abs. 3 nur die Bedeutung hat, daß die aufgeführten faktischen Verschiedenheiten keine rechtliche, nicht aber auch daß sie keine gesellschaftliche, soziologische, psychologische oder sonstige Wirkung haben dürfen. Im Recht ist ferner das Differenzierungsverbot beschränkt auf die in den Vergleichstatbeständen benannten unterschiedlichen Eigenschaften, zum Beispiel Mann - Frau, Protestant - Katholik usw. Differenzierungen, die auf anderen Unterschiedlichkeiten der Personen oder auf Unterschiedlichkeiten der Lebensumstände beruhen, bleiben von dem Differenzierungsverbot unberührt."


Jegliche unmittelbare oder mittelbare (rechtliche) Anknüpfung an eine Behinderung - zum Nachteil des Menschen - ist daher von Verfassungs wegen verboten.

Wir sind hier in einem Juristenforum, und da geht es naturgemäß um rechtliche Unterschiede.


Du übersiehst - ob bewusst oder unbewusst - den entscheidenden Halbsatz: "daß die aufgeführten faktischen Verschiedenheiten keine rechtliche, nicht aber auch daß sie keine gesellschaftliche, soziologische, psychologische oder sonstige Wirkung haben dürfen."

Das man rechtlich nicht differenzieren darf bestreite ich überhaupt nicht. Die Entscheidung, wie man mit Menschen in der Schule und in der Gesellschaft umgeht, ist aber ganz sicher keine allein rechtliche.


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 Betreff des Beitrags: Re: Inklusion - postfaktische Welt?
BeitragVerfasst: Dienstag 30. Mai 2017, 08:57 
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p.s. und in Bezug auf das Urteilszitat: Das Recht (als abstrakt-generelle Norm) darf nicht benachteiligen. Damit ist aber nicht gemeint, dass im konkret-individuellen Einzelfall (Anwendung von Recht) keine Unterschiede gemacht werden dürfen.

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