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 Betreff des Beitrags: Zur Justiz in welchem Bundesland?
BeitragVerfasst: Montag 14. Mai 2018, 13:12 
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Registriert: Montag 14. Mai 2018, 13:04
Beiträge: 2
Ich stehe momentan vor der Entscheidung, bei welchem Dienstherren ich in die Justiz einsteigen will. Momentan stehen Baden-Württemberg, Bayern und Hessen zur Auswahl. Ich würde mich freuen, wenn mir jemand über seine Einstiegserfahrungen berichten könnte in den jeweiligen Bundesländern (besonders BY und BaWÜ). Auch würde mich interessieren welche Vor- und Nachteile ihr jeweils bei der Jusitz des einen oder anderen Bundeslandes seht.

Zusätzlich würde mich interessieren inwieweit ein Bundeslandwechsel nachträglich möglich ist, falls jemand Erfahrungen hierzu hat.

Danke für eure Hilfe!


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BeitragVerfasst: Montag 14. Mai 2018, 19:10 
Noch selten hier
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Registriert: Freitag 18. Dezember 2015, 15:45
Beiträge: 24
Hallo,

ich bin 2016 in den bayerischen Justizdienst eingetreten und 2017 nach BaWü gewechselt, so dass meine Erfahrungen möglicherweise nicht völlig unbrauchbar sind.

Ein Wechsel ist sowohl in als auch nach der Probezeit möglich, falls das jeweilige andere Bundesland dich einstellen möchte. Je nach der bisherigen Dauer deiner Dienstzeit erfolgt dann entweder eine Entlassung und Neueinstellung oder eine Abordnung mit dem Ziel der Versetzung. Mir hat man damals die Auskunft gegeben, dass es wegen Staatsverträgen auch nach der Probezeit keines Tauschpartners mehr bedürfe.

Die spürbarsten Unterschiede waren für mich:
  • In Bayern gibt es mehr Gehalt!
  • In Bayern ist vorgesehen, dass man Staatsanwalt nur in der Probezeit ist. Viele werden zwar Staatsanwalt auf Lebenszeit und bleiben auch dort mehrere Jahre, längerfristig soll man sich dann aber auf eine freie Richterstelle bewerben. Eine Rückkehr zur Staatsanwaltschaft ist danach nur noch als Gruppenleiter möglich. In BaWü kann man dagegen Staatsanwalt bleiben.
  • In Bayern dauert die Probezeit 3 Jahre, in BaWü sind es 4, allerdings mit der Einschränkung, dass man neuerdings die "3 + x" propagiert.
  • In Bayern ist der Wechsel zwischen Gericht und Staatsanwaltschaft vorgesehen, wenn man als Richter beginnt. Dieser Wechsel kann dich schon nach einem Jahr, aber auch erst nach weit über 2 Jahren treffen. In BaWü soll man in jedem Fall nach 2 Jahren wechseln, wobei aber auch hier nun die "2 + x" gelten sollen und ich von Ausnahmen gehört habe, in denen faktisch überhaupt kein Wechsel stattgefunden hat.


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BeitragVerfasst: Montag 14. Mai 2018, 21:08 
Fleissige(r) Schreiber(in)
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Registriert: Donnerstag 4. Januar 2018, 17:56
Beiträge: 259
Zitat:
In Bayern ist vorgesehen, dass man Staatsanwalt nur in der Probezeit ist. Viele werden zwar Staatsanwalt auf Lebenszeit und bleiben auch dort mehrere Jahre, längerfristig soll man sich dann aber auf eine freie Richterstelle bewerben. Eine Rückkehr zur Staatsanwaltschaft ist danach nur noch als Gruppenleiter möglich. In BaWü kann man dagegen Staatsanwalt bleiben.

Krass. Das habe ich noch nie gehört, aus keinem Bundesland. Ist das eine sehr starre Praxis in Bayern? Und: Kann der Bedarf an den Staatsanwaltschaften mit dieser Praxis überhaupt hinreichend gedeckt werden? Gibt es einzelne Kollegen, die dauerhaft als Staatsanwalt tätig sind, ohne mindestens Gruppenleiter zu sein?


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BeitragVerfasst: Montag 14. Mai 2018, 22:15 
Noch selten hier
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Registriert: Freitag 18. Dezember 2015, 15:45
Beiträge: 24
In meinem ehemaligen (kleinen) Landgerichtsbezirk war der dienstälteste einfache Staatsanwalt selbst noch in der Probezeit und es gab annähernd so viele Gruppenleiter wie einfache Staatsanwälte. Über Schwerpunktstaatsanwaltschaften oder große Staatsanwaltschaften mit Spezialabteilungen kann ich nichts sagen.


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BeitragVerfasst: Montag 14. Mai 2018, 23:50 
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Wohnort: Südwestdeutschland
Quantensprung hat geschrieben:
Zitat:
In Bayern ist vorgesehen, dass man Staatsanwalt nur in der Probezeit ist. Viele werden zwar Staatsanwalt auf Lebenszeit und bleiben auch dort mehrere Jahre, längerfristig soll man sich dann aber auf eine freie Richterstelle bewerben. Eine Rückkehr zur Staatsanwaltschaft ist danach nur noch als Gruppenleiter möglich. In BaWü kann man dagegen Staatsanwalt bleiben.

Krass. Das habe ich noch nie gehört, aus keinem Bundesland. Ist das eine sehr starre Praxis in Bayern?


So hört man.

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BeitragVerfasst: Montag 14. Mai 2018, 23:56 
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Registriert: Dienstag 18. August 2009, 15:04
Beiträge: 3027
Wohnort: Südwestdeutschland
Verandars hat geschrieben:
  • In Bayern ist vorgesehen, dass man Staatsanwalt nur in der Probezeit ist. Viele werden zwar Staatsanwalt auf Lebenszeit und bleiben auch dort mehrere Jahre, längerfristig soll man sich dann aber auf eine freie Richterstelle bewerben. Eine Rückkehr zur Staatsanwaltschaft ist danach nur noch als Gruppenleiter möglich. In BaWü kann man dagegen Staatsanwalt bleiben.
  • In Bayern ist der Wechsel zwischen Gericht und Staatsanwaltschaft vorgesehen, wenn man als Richter beginnt. Dieser Wechsel kann dich schon nach einem Jahr, aber auch erst nach weit über 2 Jahren treffen. In BaWü soll man in jedem Fall nach 2 Jahren wechseln, wobei aber auch hier nun die "2 + x" gelten sollen und ich von Ausnahmen gehört habe, in denen faktisch überhaupt kein Wechsel stattgefunden hat.


In BW ist der geplante Ablauf 2 Jahre StA, 2 Jahre Gericht, Lebenszeiternennung bei der StA und dann - bei Wunsch - Wechsel ans Gericht. Von dieser Regel gibt es allerdings viele Abweichungen; die vierjährige Probezeit mit Tätigkeiten bei StA und Gericht ist allerdings eine ziemlich feste Konstante, von der eher selten abgewichen wird.

Generell ist der Wechsel zwischen StA und Gericht nicht ungewöhnlich und nicht an feste Vorgaben gebunden, die - nach Ablauf der Probezeit - einen Wechsel erzwingen oder verbieten würden.

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BeitragVerfasst: Mittwoch 16. Mai 2018, 13:08 
Newbie
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Registriert: Montag 14. Mai 2018, 13:04
Beiträge: 2
Verandars hat geschrieben:
Hallo,

ich bin 2016 in den bayerischen Justizdienst eingetreten und 2017 nach BaWü gewechselt, so dass meine Erfahrungen möglicherweise nicht völlig unbrauchbar sind.

Ein Wechsel ist sowohl in als auch nach der Probezeit möglich, falls das jeweilige andere Bundesland dich einstellen möchte. Je nach der bisherigen Dauer deiner Dienstzeit erfolgt dann entweder eine Entlassung und Neueinstellung oder eine Abordnung mit dem Ziel der Versetzung. Mir hat man damals die Auskunft gegeben, dass es wegen Staatsverträgen auch nach der Probezeit keines Tauschpartners mehr bedürfe.

Die spürbarsten Unterschiede waren für mich:
  • In Bayern gibt es mehr Gehalt!
  • In Bayern ist vorgesehen, dass man Staatsanwalt nur in der Probezeit ist. Viele werden zwar Staatsanwalt auf Lebenszeit und bleiben auch dort mehrere Jahre, längerfristig soll man sich dann aber auf eine freie Richterstelle bewerben. Eine Rückkehr zur Staatsanwaltschaft ist danach nur noch als Gruppenleiter möglich. In BaWü kann man dagegen Staatsanwalt bleiben.
  • In Bayern dauert die Probezeit 3 Jahre, in BaWü sind es 4, allerdings mit der Einschränkung, dass man neuerdings die "3 + x" propagiert.
  • In Bayern ist der Wechsel zwischen Gericht und Staatsanwaltschaft vorgesehen, wenn man als Richter beginnt. Dieser Wechsel kann dich schon nach einem Jahr, aber auch erst nach weit über 2 Jahren treffen. In BaWü soll man in jedem Fall nach 2 Jahren wechseln, wobei aber auch hier nun die "2 + x" gelten sollen und ich von Ausnahmen gehört habe, in denen faktisch überhaupt kein Wechsel stattgefunden hat.


Vielen Dank. Das waren schon sehr wertvolle Informationen.
Was mich noch interessieren würde: Wie läuft denn so ein Wechsel praktisch ab?


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BeitragVerfasst: Mittwoch 16. Mai 2018, 20:07 
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Registriert: Freitag 24. Januar 2014, 22:54
Beiträge: 3108
Juraistschön hat geschrieben:
Verandars hat geschrieben:
Hallo,

ich bin 2016 in den bayerischen Justizdienst eingetreten und 2017 nach BaWü gewechselt, so dass meine Erfahrungen möglicherweise nicht völlig unbrauchbar sind.

Ein Wechsel ist sowohl in als auch nach der Probezeit möglich, falls das jeweilige andere Bundesland dich einstellen möchte. Je nach der bisherigen Dauer deiner Dienstzeit erfolgt dann entweder eine Entlassung und Neueinstellung oder eine Abordnung mit dem Ziel der Versetzung. Mir hat man damals die Auskunft gegeben, dass es wegen Staatsverträgen auch nach der Probezeit keines Tauschpartners mehr bedürfe.

Die spürbarsten Unterschiede waren für mich:
  • In Bayern gibt es mehr Gehalt!
  • In Bayern ist vorgesehen, dass man Staatsanwalt nur in der Probezeit ist. Viele werden zwar Staatsanwalt auf Lebenszeit und bleiben auch dort mehrere Jahre, längerfristig soll man sich dann aber auf eine freie Richterstelle bewerben. Eine Rückkehr zur Staatsanwaltschaft ist danach nur noch als Gruppenleiter möglich. In BaWü kann man dagegen Staatsanwalt bleiben.
  • In Bayern dauert die Probezeit 3 Jahre, in BaWü sind es 4, allerdings mit der Einschränkung, dass man neuerdings die "3 + x" propagiert.
  • In Bayern ist der Wechsel zwischen Gericht und Staatsanwaltschaft vorgesehen, wenn man als Richter beginnt. Dieser Wechsel kann dich schon nach einem Jahr, aber auch erst nach weit über 2 Jahren treffen. In BaWü soll man in jedem Fall nach 2 Jahren wechseln, wobei aber auch hier nun die "2 + x" gelten sollen und ich von Ausnahmen gehört habe, in denen faktisch überhaupt kein Wechsel stattgefunden hat.


Vielen Dank. Das waren schon sehr wertvolle Informationen.
Was mich noch interessieren würde: Wie läuft denn so ein Wechsel praktisch ab?


Du wirst am Freitag bei Filterkaffee und Gebäck vom Bäcker um die Ecke nett vom LOStA verabschiedet und betrittst am Montag dein Dienstzimmer am LG, in dem die ersten Akten auf dich warten.


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BeitragVerfasst: Mittwoch 16. Mai 2018, 22:30 
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Registriert: Sonntag 22. Oktober 2017, 17:03
Beiträge: 395
OJ1988 hat geschrieben:
Juraistschön hat geschrieben:
[...]
Was mich noch interessieren würde: Wie läuft denn so ein Wechsel praktisch ab?


Du wirst am Freitag bei Filterkaffee und Gebäck vom Bäcker um die Ecke nett vom LOStA verabschiedet und betrittst am Montag dein Dienstzimmer am LG, in dem die ersten Akten auf dich warten.


Gebäck vom Bäcker dürfte schon unter "Luxusvariante" fallen.
Im Übrigen nehme ich an, die Frage des TE bezog sich auf den Wechsel des Bundeslandes, nicht auf den Wechsel der Station.


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BeitragVerfasst: Sonntag 20. Mai 2018, 10:21 
Noch selten hier
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Registriert: Freitag 18. Dezember 2015, 15:45
Beiträge: 24
Man sucht das Gespräch mit dem bisherigen und dem zukünftigen Dienstherren. Den Rest regeln die beiden Länder dann untereinander ohne dich. Zu gegebener Zeit erhältst du dann ein Schreiben, dass du dich zum Dienstantritt in deinem neuen Geschäftsbereich einzufinden hast.


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BeitragVerfasst: Montag 21. Mai 2018, 12:09 
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Registriert: Freitag 11. August 2006, 00:27
Beiträge: 423
Verandars hat geschrieben:
In Bayern dauert die Probezeit 3 Jahre, in BaWü sind es 4, allerdings mit der Einschränkung, dass man neuerdings die "3 + x" propagiert.
Kannst du das mit dem "3+X" in BaWü näher erläutern und wie/wo das propagiert wird? Habe ich noch nie gehört, klingt aber interessant!


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BeitragVerfasst: Montag 21. Mai 2018, 12:23 
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In BaWü hieß es doch schon immer "3-5, idR 4". Soweit ich weiß nähert man sich in der Praxis häufiger der 3.

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BeitragVerfasst: Montag 21. Mai 2018, 15:34 
Mega Power User
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Registriert: Dienstag 18. August 2009, 15:04
Beiträge: 3027
Wohnort: Südwestdeutschland
markus87 hat geschrieben:
In BaWü hieß es doch schon immer "3-5, idR 4".


Keineswegs. Noch vor gar nicht so langer Zeit waren in der Probezeit drei Stationen von jeweils rund einem Jahr vorgesehen, mit Lebenszeiternennung danach, also in der Regel zwischen 3 und 4 Jahren. Jetzt sind zwei Stationen von jeweils zwei Jahren vorgesehen. (Wobei von dieser Theorie immer schon abgewichen wurde und auch jetzt abgewichen wird.)


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