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 Betreff des Beitrags: Re: EInstieg in der Zivilkammer
BeitragVerfasst: Mittwoch 22. November 2017, 20:50 
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Solar hat geschrieben:
Habe den Einstieg nun auch erst einige Wochen hinter mir. Insgesamt kann man sagen: Wird stressig aber du wirst es meistern. Hängt aber auch vom LG und deiner Kammer ab.

Ich habe bereits von Kollegen gehört, die nach nur ein paar Monaten die Stelle wechselten. Meistens dürften aber schon 1,5 Jahre ausgeschöpft werden. Ich bin auch kein begeisterter Zivilrechtler. Generell meine ich aber, dass der Start am LG im Zivilrecht ideal ist. Es ist zwar einer der anstrengenderen Einstiege in die Justiz (getoppt wohl nur noch vom kleinen AG, bei dem man dann allein auf weiter Flur ist). Aber die Lernkurve ist extrem und man hat relativ viele Sicherheitsnetze, wenn man möchte.

Ich habe mich auch mit reichlich Literatur eingedeckt - fraglich, ob ich die alle brauche aber einige Bücher haben doch sehr zu meiner Beruhigung beigetragen. Ganz heiße Tipps für mich: Schober, Zivilrichter-Leitfaden und Büßer/Tonner, Das zivilrichterliche Dezernat. Die Bücher ergänzen sich gut und sind wirklich sensationell. Ergänzend empfehle ich den Knöringer, Die Assessorklausur im Zivilprozess sowie Tempel/Theimer, Mustertexte zum Zivilprozess Band I. Und schließlich finde ich noch (für diejenigen, deren Referendariat schon länger zurück liegt) Tempel, Materielles Recht im Zivilprozess: Schwerpunkte der zivilrichterlichen Praxis sehr gut. Ein "Muss" ist keines der Bücher aber sie sind für mich schon sehr hilfreich und haben mir vorab viel Respekt/Sorge genommen.

Ich bin in zwei Kammern und habe jeweils 100% Einzelrichtersachen (übrigens auch bei einstweiligen V.). Grds. ist aber alles Kammersache und muss erst auf dich übertragen werden (auch wenn zuvor schon dein Vorgänger Einzelrichter war). Meine Kammer hat mir aber angeboten, dass ich jeden Fall, mit dem ich mich unwohl fühle, auf die Kammer bringen kann. Generell wirst du aber weit überwiegend alleine tätig sein. Und es gibt auch keine "Schonfrist" i.S.v.: "Die ersten verhandlungen nur mit der Kammer". Ich hatte nach einer Woche bereits 6 Termine im Kalender, ein Kollege bereits am zweiten Tag seinen ersten. Das ist anfangs schon eine ziemliche Belastung (auch zeitlich locker auf GK-Niveau) aber es ist zu schaffen, mach dir keine zu großen Sorgen. Mit der Zeit soll es besser werden, soweit bin ich aber auch noch nicht.

Tu's nicht, das lässt mich nur schlecht aussehen! ;)

Danke für deine doch eher aufmunternden Worte!

Mittlerweile scheint auch mir, dass der Beginn an einer Zivilkammer grundsätzlich nicht verkehrt ist. Auch wenn mir die StA weiterhin am liebsten gewesen wäre :(
Insbesondere, da die Spezialzuständigkeiten bei mir ganz grauenhaft zu sein scheinen.

Diese Bücher wurden schon häufiger empfohlen, und machen auch auf mich einen brauchbaren EIndruck. Ich werde mich wohl zumindest an den Büßer/Tonner wagen.

Zu meiner Überraschung ist meine erste Sitzung tatsächlich in der Kammer. Die meisten anderen aber wohl wirklich als EInzelrichter.

Für's backen hatte ich tatsächlich bisher weder Zeit, noch Energie. Aber Schoki habe ich mir auf den Tisch gestellt.

Tag 3: Ich habe keine Ahnung, was ich hier tue...

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"Das Glück ist mit den Tüchtigen" ~ aus Dr. House, Staffel 2


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 Betreff des Beitrags: Re: EInstieg in der Zivilkammer
BeitragVerfasst: Donnerstag 23. November 2017, 12:52 
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Hast du dir denn schon deine Verfahrenszahlen angeschaut?

Steht dir jemand zur Seite? Kammermitglied, Vorsitzender und/oder Mentor?


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 Betreff des Beitrags: Re: EInstieg in der Zivilkammer
BeitragVerfasst: Samstag 25. November 2017, 20:00 
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Verandars hat geschrieben:
Hast du dir denn schon deine Verfahrenszahlen angeschaut?

Steht dir jemand zur Seite? Kammermitglied, Vorsitzender und/oder Mentor?

Klar hab ich das. Mir wurde gesagt, das sei wohl relativ gut machbar.

Ja, immerhin. Aber dass ich ALLES fragen muss, ist echt unangenehm. Mein Plan ist, ein wenig zu variieren und möglichst unterschiedliche Menschen zu fragen :D

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 Betreff des Beitrags: Re: EInstieg in der Zivilkammer
BeitragVerfasst: Sonntag 26. November 2017, 12:10 
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Wie auch immer man diese Aussage bewerten möchte, ist dein Referat dann wohl zumindest nicht völlig abgesoffen.

Was das Fragen angeht, ist es sicherlich keine schlechte Strategie, am Anfang möglichst viele verschiedene Menschen zu fragen. Früher oder später stellt sich dann eh von selbst heraus, welcher deiner Kollegen auch langfristig deine Fragen gut und gerne beantwortet.


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 Betreff des Beitrags: Re: EInstieg in der Zivilkammer
BeitragVerfasst: Montag 27. November 2017, 09:41 
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Du arbeitest ja auch mit FormStar, nehme ich an. Das beantwortet dir einige Fragen automatisch. Zudem wende dich ruhig auch mal an deine Geschäftsstelle und frage dort nach wie die Kollegen das so machen, wenn du diese nicht immer direkt fragen willst. Viel ist ja auch Alltagstechnik. Diesbezüglich würde ich dir übrigens eher das Buch von Schober empfehlen, da dort auch viel zur Dekretur an sich geschrieben wird.

Was die Fragenauswahl betrifft: Meine Erfahrung zeigt, dass man auf Nachfragen bei Kollegen in materieller Hinsicht meist auf sich gestellt ist aber prozessual und technisch/taktisch gut beraten wird. Liegt einfach daran, dass materiell dann doch jeder Fall seine eigenen Probleme birgt.

Und schließlich kannst du natürlich auch hier jederzeit fragen!


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 Betreff des Beitrags: Re: EInstieg in der Zivilkammer
BeitragVerfasst: Montag 27. November 2017, 12:15 
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Ich bin gerade sehr froh über diesen Thread und hoffe, dass er am Leben bleibt, denn ich fange auch demnächst am LG an. Ich habe gefühlt gar keine Dezernatsarbeit in meinem Ref gemacht und befürchte, dass ich bei jeder Akte schon damit überfordert sein werde. Ich nehme mir schon die ganze Zeit vor, den Büßner zu lesen, aber ich habe mir eigentlich fest vorgenommen, meine Freizeit bis zum Beginn wirklich mal Freizeit sein zu lassen.
Ich hab echt Angst, viel falsch zu machen..oder einfachste Sachen zu übersehen (sowas wie: die Klage muss zugestellt werden :D ). Oder vor irgendwelchen Nebulösen Anträgen in den Verhandlungen :-k

Ich bin trotzdem zuversichtlich. Es hat ja jeder mal angefangen.


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 Betreff des Beitrags: Re: EInstieg in der Zivilkammer
BeitragVerfasst: Montag 27. November 2017, 13:18 
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In ForumStar sind die häufigsten Verfügungen schon vorgefertigt und beinhalten dann z.B. die Klagezustellung, wenn du das schriftliche Vorverfahren anordnen willst.

Bei komischen Situationen in der Verhandlung bin ich damit gut gefahren: Antrag aufnehmen und dann einfach erst einmal unterbrechen.


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 Betreff des Beitrags: Re: EInstieg in der Zivilkammer
BeitragVerfasst: Montag 27. November 2017, 16:08 
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Verandars hat geschrieben:
In ForumStar sind die häufigsten Verfügungen schon vorgefertigt und beinhalten dann z.B. die Klagezustellung, wenn du das schriftliche Vorverfahren anordnen willst.

Bei komischen Situationen in der Verhandlung bin ich damit gut gefahren: Antrag aufnehmen und dann einfach erst einmal unterbrechen.
So isches! Forum Star nimmt einem viel Alltagstechnik ab, was schon fast gefährlich ist. Denn wenn die Software mal ausfallen sollte, wüsste ich gar nicht so genau, was alles in die Verfügung rein muss... :D

Insgesamt hatte ich vorab auch ein wenig Bammel, trotz reichlich Berufserfahrung als Rechtsanwalt. Aber - wie bereits gesagt - alleine das Lesen von Schober und/oder Büßner nimmt einem ganz viel Sorge. Das musst du auch nicht als "Lernarbeit" betrachten, da beide Bücher für den Justiz-Anfänger m.E. sehr interessant sind. Man kann sie schon fast als Freizeitbücher betrachten, insofern sollte das mit deinem Vorsatz nicht kollidieren.

Verhandlungen sind sehr anstrengend anfangs, das lässt sich nicht wegreden. An einem Verhandlungstag kannst du mich im Moment abends in der Pfeife rauchen. Bis man da etwas Routine hat, ist das hin und wieder auch etwas unangenehm und man benötigt überdurchschnittlich viel Zeit (unter 2h geht bei mir so gut wie nichts). Aber auch hier entwickelt man mit der Zeit sicherlich mehr Souveränität. Denk dabei immer dran: Die Parteien wollen etwas von dir und nicht andersrum. Diese Karte kannst du durchaus ausspielen, du musst dir also keine Gedanken machen, dass du dich zu sehr zum Affen machst. Und selbst wenn die Anwälte am Ende rausgehen und die Augen verdrehen sollten: Kann dir egal sein, die meisten siehst du nie wieder. Und viel Gelegenheit zu Kardinalfehlern gibt es auch nicht. Bei Unsicherheiten einfach kurz unterbrechen, habe ich bislang zwar noch nicht gebraucht, wird mir aber von allen Seiten für den Fall geraten, dass ich mal hängen sollte.

Seid froh, dass ihr in einer ZK gelandet seid. Das ist anfangs zwar wirklich sehr stressig (wie gesagt hat man anfangs je nach Referat easy 60-70h+ Wochen) aber dafür spannend. Die Kollegen aus den großen Strafkammern gehen bei uns zwar alle brav nach 40h aber langweilen sich teilweise auch etwas. Das reine Beisitzerdasein macht vielen wenig Spaß (deshalb bin ich auch froh, dass wir aktuell keine Kammersachen haben). Und mit der Zeit sollte das auch besser werden: Ich bin morgens nahezu immer der Erste und abends nahezu immer der Letzte. Das bedeutet, dass selbst meine jungen Kollegen mit nur ein paar Monaten mehr Justiz-Erfahrung schon deutlich effizienter sind. 3-6 Monate muss man aber wohl "durch".


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 Betreff des Beitrags: Re: EInstieg in der Zivilkammer
BeitragVerfasst: Dienstag 28. November 2017, 22:25 
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Solar hat geschrieben:
Seid froh, dass ihr in einer ZK gelandet seid. Das ist anfangs zwar wirklich sehr stressig (wie gesagt hat man anfangs je nach Referat easy 60-70h+ Wochen) aber dafür spannend. Die Kollegen aus den großen Strafkammern gehen bei uns zwar alle brav nach 40h aber langweilen sich teilweise auch etwas. Das reine Beisitzerdasein macht vielen wenig Spaß (deshalb bin ich auch froh, dass wir aktuell keine Kammersachen haben). Und mit der Zeit sollte das auch besser werden: Ich bin morgens nahezu immer der Erste und abends nahezu immer der Letzte. Das bedeutet, dass selbst meine jungen Kollegen mit nur ein paar Monaten mehr Justiz-Erfahrung schon deutlich effizienter sind. 3-6 Monate muss man aber wohl "durch".


Natürlich ist es spannender in einer Zivilkammer gleich von Anfang an im Prinzip machen und tun zu dürfen, was man möchte, anstatt viele Stunden pro Woche damit zu verbringen, zuzuschauen, wie der Vorsitzende die Sitzung leitet. Allerdings halte ich gerade zu Beginn eine "sichere" 40 Stunden-Woche, die einem Raum und Zeit lässt, mal nebenbei noch dieses oder jenes aus Interesse zu vertiefen, auch nicht für so völlig verachtenswert.

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"Auch eine stehengebliebene Uhr kann noch zweimal am Tag die richtige Zeit anzeigen; es kommt nur darauf an, daß man im richtigen Augenblick hinschaut." (Alfred Polgar)


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 Betreff des Beitrags: Re: EInstieg in der Zivilkammer
BeitragVerfasst: Mittwoch 29. November 2017, 09:29 
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Damit hast du vollkommen recht und die meisten meiner Straf-Kollegen beschweren sich auch gar nicht darüber, sondern schätzen den ruhigen und geregelten Arbeitsalltag sowie dass sie nicht die ganze Verantwortung allein tragen. Man lernt dabei sicherlich auch sehr viel durch Zuschauen. Insbesondere für Berufsanfänger ist das eine sinnvolle Sache. Für Berufserfahrene Einsteiger wie mich ist das aber eine Qual, daher bin ich heilfroh, dass mich das nicht getroffen hat.


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 Betreff des Beitrags: Re: EInstieg in der Zivilkammer
BeitragVerfasst: Donnerstag 28. Dezember 2017, 18:48 
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So, nach den ersten paar Wochen hier ein kleines Update:

Erst einmal noch mal Danke für die ganzen Tipps, Hinweise und Erfahrungen.

Ja, ich muss noch immer viel fragen. Was mich dabei stört, ist, dass sich scheinbar niemand kurz fassen kann. Da stellt man eine kurze Frage und wird gleich 45 min Minimum vollgeschwafelt über alles Mögliche. Ich weiß, dass das zwischenmenschliche auch wichtig ist, aber bei 5 Fragen täglich, sind das einige verschwendete Stunden, die ich im Momen einfach nicht habe.
Ich bin schon fast unhöflich in meinen Versuchen wieder an die Arbeit zu kommen.

Dass ich vor Arbeitsbeginn eine EDV-Schulung für Forum Star hatte, hat mir einiges erleichtert. Das kann ich nur empfehlen!

50h die Woche reichen mir nicht und dabei habe ich noch nicht mal nahende VTs. Mir graust es jetzt schon vor Hochzeiten.

Was ich weiß: Zivilrecht macht mir keinen Spaß (Verhandlungen sind ganz in Ordnung, insbesondere machen mir Vergleichsverhandlungen Spaß), Urteile schreiben schon gar nicht. Ich gehöre in die StA und werde meine zwei Jahre wohl einfach hinter mich bringen und hoffen, dass das dann gut wird.
Bis dahin habe ich aber wohl leider mein ganzes Strafrechts-Wissen wieder vergessen ::?

Durchhalten!

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 Betreff des Beitrags: Re: EInstieg in der Zivilkammer
BeitragVerfasst: Donnerstag 28. Dezember 2017, 20:16 
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Salisa hat geschrieben:
Ja, ich muss noch immer viel fragen. Was mich dabei stört, ist, dass sich scheinbar niemand kurz fassen kann. Da stellt man eine kurze Frage und wird gleich 45 min Minimum vollgeschwafelt über alles Mögliche. Ich weiß, dass das zwischenmenschliche auch wichtig ist, aber bei 5 Fragen täglich, sind das einige verschwendete Stunden, die ich im Momen einfach nicht habe. Ich bin schon fast unhöflich in meinen Versuchen wieder an die Arbeit zu kommen.
Sammle die Fragen und geh nur ein Mal pro Tag zu den Kollegen. Das gibt dir Gelegenheit, die Sache zu komprimieren. 45min sind dann vielleicht auch weg aber immerhin nur ein Mal pro Tag :alright ... Das ist übrigens kein Justiz-Problem, sondern ging mir in der Vergangenheit auch schon in der Privatwirtschaft mit dem ein oder anderen Kollegen so. Manche Kollegen schwafeln einfach gern. Meine Freundin hat sogar mal in einem Führungsseminar gelernt, wie man die Leute höflich aber bestimmt wieder los wird, ist also ein verbreitetes Problem ;)

Im Übrigen: Gib der Sache etwas Zeit. Wenn du mehr Überblick/Sicherheit bekommst, macht es dir sicher auch mehr Spaß. Ansonsten freu dich auf die StA (ich bin ja immer froh, wenn es Kollegen gibt, die da freiwillig hin wollen, dann wird das bei mir hoffentlich ein kurzer Ausflug... :D)

Mit 50h bist du übrigens gut dabei, keine Sorge. Ich bin glaub ich momentan immer noch bei 60 und manch anderer Assessor auf dem Flur ebenfalls... Also: Nur Mut!


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 Betreff des Beitrags: Re: EInstieg in der Zivilkammer
BeitragVerfasst: Donnerstag 25. Januar 2018, 19:45 
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Mich würde interessieren, wie jetzt bei den anderen Neuanfängern der Stand ist!

Ich habe auch vor einigen Wochen angefangen und muss sagen, dass ich einigermaßen unglücklich bin.. :( ich fühle mich vor allem in den Verhandlungen teilweise echt mies weil die erforderliche Zeit zur intensiven Vorbereitung einfach nicht da ist...wobei ich es auch schlicht nicht einsehe, bis spät abends an den Sachen zu sitzen (obwohl ich das auch manchmal tue..Wochenenden gab es bisher auch nicht). Die Sachverhalte sind so umfangreich und wirr, dass ich bei jeder Akte die ich in die Hand nehme denke „das schaffe ich eh nicht“.

Ich frage mich oft, ob es wirklich das ist, wofür es sich gelohnt hat, dieses Studium auf sich zu nehmen und das eben auch noch mit dem Anspruch, alles gut zu machen und eben nicht „irgendwie“.


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 Betreff des Beitrags: Re: EInstieg in der Zivilkammer
BeitragVerfasst: Donnerstag 25. Januar 2018, 23:20 
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Registriert: Freitag 2. April 2004, 17:13
Beiträge: 13068
@Fragerei: Wie sind denn Deine Ausgangszahlen (Dezernatsgröße? Terminsstand? Anzahl der Altverfahren?) - eher gut oder eher schlecht? Und warum sind die Sachverhalte "wirr und umfangreich"? Hast Du vorwiegend alte, undankbare Monsterakten geerbt oder liegt es am Rechtsgebiet? Dir muss klar sein, es gibt Akten, die liegen nach ihrem Umfang und/oder Schwierigkeitsgrad jenseits des Zumutbaren und des zu Beginn ernsthaft Erwartbaren (wenn die drei Vorgänger die Akte nicht "tot" bekommen haben, dann ist sie wahrscheinlich auch ein echtes Monster - um so größer ist aber das Erfolgserlebnis, wenn man sie dann doch irgendwann gezähmt bekommt). Und wenn Dir alles "zu viel" ist, dann solltest Du ggf. mal schauen, ob Du Dir vielleicht Luft schaffen kannst, indem Du Dinge umterminierst und Dir gleichzeitig nicht zu viel auf einmal aufhalst, solange Du noch nicht alle Verfahren kennst und einen Fortsetzungstermin mal eben mit einer halben Stunde Vorbereitung bestreiten kannst (Frage der Erfahrung, aber eben auch der Einarbeitung in das konkrete Verfahren). Das ist letztlich die große Freiheit als Richter, nicht alles auf einmal machen zu müssen. Natürlich solltest Du am Ende auf Deine Erledigungszahlen kommen, aber für manche Verfahren hält man sich am besten einen ganzen Sitzungstag frei (und immer gleich mitbedenken: Wann wäre ggf. das Urteil zu schreiben?) und terminiert an dem allenfalls noch sichere VUs o. Ä. Ich habe mir auch in jugendlichen Leichtsinn zu Anfang ein paar Horrorwochen geschaffen ("Ach, da ist nur eine Bausache terminiert, da kann ich doch noch was terminieren...") oder von meinem Vorgänger unwissentlich geschaffene Horrorwochen nicht rechtzeitig genug als solche erkannt und beseitigt.

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 Betreff des Beitrags: Re: EInstieg in der Zivilkammer
BeitragVerfasst: Samstag 27. Januar 2018, 11:02 
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Ich muss sagen, dass ich insgesamt ganz gut zurecht komme und mich sehr wohl fühle.

Ich habe zwar weiterhin ein viel zu hohes Arbeitspensum und ohne gelegentliche Wochenendeinsätze (z.B. heute zwei oder drei kleinere Urteile), würde ich das auch nicht schaffen. Das liegt aber auch daran, dass ich doch zahlreiche der von julée erwähnten Monsterakten habe und mir zudem vorgenommen habe, ab dem dritten Monat den anfangs gewachsenen Bestand (sicherlich auch der üblichen Verfahrensschwemme zum Jahresende geschuldet) wieder schrittweise abzubauen, sodass ich nach sechs Monaten wieder auf dem Anfangsbestand bin. Das bedeutet aber mindestens 15 Erledigungen monatlich. Das schaffe ich derzeit nur mit einer ca. 50-60h-Woche, auf Dauer hoffentlich mit weniger. Nach jahrelanger Knechtschaft in der GK mit deutlich längeren Tagen tut mir das aber nicht all zu sehr weh - auch im Hinblick darauf, dass die Last insgesamt bereits etwas besser wird. Unzumutbar finde ich das offen gesagt auch und mir konnte noch nie jemand überzeugend erklären, weshalb ein Assessor dieselbe Last tragen muss wie Kollegen mit 30 Jahren Berufserfahrung... :crazy: Jeder in der Justiz weiß, dass sich dieses Pensum durch einen Anfänger nur bewältigen lässt, wenn er ca. das 1,5-fache dessen arbeitet, wofür er bezahlt wird. Das ist ein Skandal.

Natürlich habe ich, wie jeder Assessor, ebenfalls entmutigende Erlebnisse, wenn mir die Verhandlung mal etwas entgleitet oder sich eine der Monsterakten wie ein nicht zu erklimmender Berg darstellt. Der Großteil der Verfahren ist aber doch relativ überschaubar, wie ich finde. Die Vorbereitung für solche Verhandlungen dauert dann auch nicht mehr so lange.

Ich würde mich nicht so rasch entmutigen lassen. Mir kommt die Berufserfahrung zugute, für Berufsanfänger ist so ein Referat in der Zivilkammer hingegen ein deutlich härteres Brot. Aller Anfang ist schwer. Du wirst aber Routine bekommen und spätestens, wenn du alle Akten "kennst", die du verhandelst (vermutlich so nach 6-9 Monaten), wird das alles sehr viel überschaubarer. Gleichwohl wirst du nie die Zeit haben, ein Verfahren "perfekt" vorzubereiten, es sei denn auf Kosten deiner eigenen Freizeit. Dafür ist einfach zu wenig Zeit und das ist m.E. auch mit viel Erfahrung nicht in den vorgesehenen 41 Wochenstunden zu schaffen. Also muss man m.E. irgendwann den Perfektionismus ablegen.

Wie viele "Monster" (grob: alles älter als 18-24 Monate bzw. mit mehr als zwei Aktenbänden) hast du denn? Hast du Spezialzuständigkeiten, die dir rechtlich schwer fallen?


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