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BeitragVerfasst: Samstag 6. Januar 2018, 21:42 
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Registriert: Donnerstag 29. April 2010, 11:06
Beiträge: 7280
Dass man vor dem Strafrichter ins Nirvana hinein plädiert und er während dessen - aber noch vor dem Antrag - den Urteilstenor schreibt, kommt in der Tat häufig vor.


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BeitragVerfasst: Sonntag 7. Januar 2018, 15:35 
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Registriert: Dienstag 18. August 2009, 14:04
Beiträge: 2722
Wohnort: Südwestdeutschland
Tobias__21 hat geschrieben:
wird man im Staatsdienst eigentlich in Sachen Fragetechnik usw. fortgebildet und extern geschult?


Nicht dass ich wüsste.

Tobias__21 hat geschrieben:
Ich merke immer mehr, wie mir das Auftreten vor Gericht liegt und ich besser werde, aber das letzte i Tüpfelchen noch fehlt.


Es wäre ja auch schlimm, wenn Du den Höhepunkt Deiner Fähigkeiten noch vor Eintritt in den Beruf erreicht hättest. ;)

Das kommt mit der Zeit und Erfahrung (wenn Du dich denn damit beschäftigst) - gemessen eher in (etlichen) Jahren.

Tobias__21 hat geschrieben:
Vor ein paar Wochen lief eine Verhandlung klar auf einen Freispruch hinaus, und ich merkte auch, dass der Richter voll auf der Schiene ist. War eine Aussage gg. Aussage Situation und er hätte sein Urteil allein auf die Angaben eines Zeugen stützen müssen. Ich habe trotzdem auf Schuldspruch plädiert und der Richter brauchte dann auch eine geschlagene Stunde bis zur Urteilsverkündung. Im Gespräch danach meinte er, dass mein Plädoyer sehr gut war und ich ihn fast so weit hatte mir zu folgen, er es dann aber aus diversen Gründen nicht gemacht hat.


Das kommt vor, ist aber doch sehr selten. Ich erinnere mich bewusst - den einen oder anderen Fall habe ich sicher vergessen - in mehr als einem Jahrzehnt nur an einen einzigen Fall, bei dem ich den Eindruck hatte, die Überzeugung (der Berufsrichter) eines Spruchkörpers (nicht hinsichtlich der Schuldfrage, aber doch im Hinblick auf das Strafmaß) durch meine Ausführungen (nicht im Plädoyder, sondern in einem Verständigungsgespräch) entscheidend geändert zu haben.

Meistens ändert das Plädoyer kaum je etwas - das Höchste der Gefühle ist, wenn das Gericht eifrig mitschreibt und Argumente für die Urteilsberatung und -begründung verwendet -, und die Fragetechnik in der Hauptverhandlung nur wenig (entweder hat man etwas Brauchbares aus dem Ermittlungsverfahren, oder man hat es nicht ...).

Ara hat geschrieben:
Ich will dich nicht desillusionieren, aber ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass irgendein Richter sich für ein Plädoyer wirklich interessiert. Das mag bei dem einem oder anderen Schöffen noch der Fall sein, aber sonst ist es ja doch relativ egal.


Ganz so absolut würde ich das nicht sehen, aber grundsätzlich stimme ich Dir zu.

Ara hat geschrieben:
Insgesamt hat man halt als Anwalt den Vorteil, dass man von den Kollegen lernt. Das ist ja generell das Problem der Staatsdienst, diese sehen in der Regel nie die Arbeit ihrer Kollegen und können daher auch nicht von diesen lernen. Ein Richter dem einmal am Anfang was falsch beigebracht wurde, der macht das im Zweifel bis zur Pension.


Der Vorteil am zwingenden Wechsel innerhalb der Assessorenzeit - in den Bundesländern, die das vorsehen - ist tatsächlich, dass man als Richter einmal in die Haut des Staatsanwaltschafts schlüpft (und das Agieren verschiedener Richter erlebt) und umgekehrt als Staatsanwalt in die Haut des Richters (und das Agieren verschiedener Staatsanwälte kennenlernt). Ansonsten ist es theoretisch möglich, einfach mal ggs. zu "hospitieren", aber das scheitert an fehlender Zeit.

Ara hat geschrieben:
Als Anwalt sieht man halt doch mal regelmäßig, wie die Mitverteidiger die Zeugen befragen.


Das sieht man hingegen als Richter oder Staatsanwalt ja auch ...

Ara hat geschrieben:
Ich glaube auch nicht, dass man das "theoretisch" lernen muss. Das muss man halt durch eigene Fehler oder Fehler anderer lernen.


Da bin ich ebenfalls weitgehend bei Dir.

Tobias__21 hat geschrieben:
So ganz will ich den Einfluss eines guten Plädoyers aber auch nicht als irrelevant ansehen. Gut, am AG ist Fließbandarbeit, aber es gibt ja auch noch Fälle die sogar juristisch diffizil sind.


So ist es. Ein gutes Plädoyer kann das Gericht zumindest noch einmal zum gründlichen Überdenken bringen, auch wenn es das Ergebnis vielleicht nicht mehr ändert.

Letztlich kennt man das ja als Sitzungsvertreter der StA auch selbst: gute Fragen, gute Argumente der Verteidigung im Laufe der Hauptverhandlung können (sollten!) dazu führen, die eigene Einschätzung zu überdenken - auch wenn man häufig am Ende doch auf Verurteilung plädieren wird.


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BeitragVerfasst: Sonntag 7. Januar 2018, 15:43 
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Registriert: Montag 27. Mai 2013, 09:30
Beiträge: 769
thh hat geschrieben:
Tobias__21 hat geschrieben:
wird man im Staatsdienst eigentlich in Sachen Fragetechnik usw. fortgebildet und extern geschult?


Nicht dass ich wüsste.



Hier am VG: ja.


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BeitragVerfasst: Freitag 19. Januar 2018, 11:15 
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Registriert: Donnerstag 11. Juni 2009, 16:48
Beiträge: 5315
Ich musste mich kürzlich an diesen Thread erinnern...

Junge Vorsitzende schließt die Beweisaufnahme und kündigt eine 45-minütige Unterbrechung an. Auf die Frage der Verteidigung, warum es zu einer Unterbrechung kommt, erklärt sie "zur Urteilsberatung". Anschließend erfolgte die Unterbrechung aber für einen unaufschiebbaren Antrag.

Das sind so Situationen, wo man wirklich an der gesamten Justiz zweifelt... Und sich darüber hinaus fragt, wie es zu so einem Vorfall kommen kann.

_________________
Die von der Klägerin vertretene Auffassung, die Beeinträchtigung des Wohngebrauchs sei durch das Zumauern der Fenster nur unwesentlich beeinträchtigt, ist so unverständlich, dass es nicht weiter kommentiert werden soll. - AG Tiergarten 606 C 598/11


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