Examensvorbereitung Lust-/Frustthread für alle

Allgemeine Fragen zum Jurastudium (Anforderungen, Ablauf etc.)

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jona7317
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Re: Examensvorbereitung Lust-/Frustthread für alle

Beitrag von jona7317 » Dienstag 20. September 2022, 12:23

Wie weit bist du denn in der Examensvorbereitung und wieviele Klausuren hast du schon hinter dir?

Ist das Schreiben bei dir ein reines Zeitproblem oder hängt das auch damit zusammen, dass du gelegentlich nicht genau weisst, was du noch zusätzlich dazu sagen sollst oder auch wo du es sinnvoll anbringen kannst?
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Re: Examensvorbereitung Lust-/Frustthread für alle

Beitrag von Juralurch » Dienstag 20. September 2022, 13:15

Ich bin im Zweitversuch und habe da bisher 29 Klausuren geschrieben.

Sowohl als auch würde ich sagen.
Eine Typische Klausur von mir hat so ca 14 Seiten und ich schreibe relativ groß und mit vielen Absätzen, der Übersichtlichkeit wegen.

Bei den Klausuren die ich bestehe wurde auch oft angemerkt ich möge bitte ausführlicher argumentieren.

Es liegt aber auch daran dass ich zu unsicher im Stoff bin.
IdR ist mir das was abgefragt wird nicht gänzlich unbekannt, ich bin aber bei der Bearbeitung total unsicher und übersehe dann Dinge die ich eigentlich weiß.

Wenn ich mir die Lösung anschaue denke ich mir in 90% der Fälle dass ich das hätte wissen müssen.
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Re: Examensvorbereitung Lust-/Frustthread für alle

Beitrag von jona7317 » Dienstag 20. September 2022, 13:34

Puh, ja das ist ja dann ein außerfachliches Problem. Wenn auch nicht in der Intensität kenn ich das auch: Man hat eigentlich gute Ideen und mehrere Ansätze, aber zögert diese zu Papier zu bringen weil man befürchtet, dass es hier eigentlich ein binär dogmatiches richtig oder falsch gibt und man mit einer Diskussion nur sein fehlendes Verständnis zur Schau stellt.

Da kann man letztenendes nur einfach ins kalte Wasser springen und es gerade in Übungsklausuren einfach versuchen. Wie leicht gesagt aber schwer getan das ist weiss ich selber gut genug.

29 Klausuren ist jetzt nicht mehr wenig, aber gerade wenn du einen Versuch schon hinter dir hast auch keine große Fülle.
Ich würd so gut es geht probieren, meine auch mir selbst unbeholfen vorkommenden Argumente und Diskussionen einfach mal alle vorbehaltlos einzubauen, selbst die noch so fernliegenden.
Danach kannst du ja immer noch runterschrauben und nachjustieren :)
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Re: Examensvorbereitung Lust-/Frustthread für alle

Beitrag von Juralurch » Mittwoch 21. September 2022, 22:41

Ob das ein außerfachliches Problem ist weiß ich nicht.

Überhaupt würde ich gerne festnageln können wo denn das Problem liegt, idealerweise ohne dabei festzustellen dass ich für Jura halt zu dumm, untalentiert oder sonst schlicht ungeeignet bin.

Ich habe vorhin mal nachgerechnet, die durchschnittliche Seitenzahl einer Zivilrechtsklausur liegt bei mir bei 13,5 Seiten, Ö-Recht 11, Strafrecht 15 Seiten.
Wie schon gesagt schreibe ich auch relativ groß.

Es wurde auch häufig bemängelt dass, wenn ich einigermaßen die Lösung getroffen habe, ich zu wenig argumentiere und meine Prüfungen zu oberflächlich sind.
Zitat meiner neuesten Bewertung:

"Die Bearbeitung weist viele gute Ansätze auf, allerdings werden diese nicht mit den nötigen Argumenten belegt [.....] ist die Leistung mit 1 Punkten zu bewerten"

In der Individualbesprechung wurde mir auch gesagt ich möge versuchen mal etwas in Richtung 20 Seiten anzupeilen.
Ehrlich gesagt weiß ich aber nicht wie ich das schaffen soll ohne die Zeit für Vorüberlegungen krass einzuschränken.
Im Moment versuche ich nach spätestens 1,5 Stunden mit dem Schreiben zu beginnen, trotzdem bleibt es bei ca 14 Seiten.

Eine komplette Gliederung schreibe ich mir auch nicht, einfach weil mir die Zeit dazu fehlt. Vielleicht sollte ich das wieder umstellen und darauf vertrauen dass das so gesparte Nachdenken beim Ausformulieren die Zeit wieder reinholt.

Beim Lernen habe ich von Skripten (Hofmann) auf Lehrbücher umgestellt, meistens die "Grundrisse des Rechts" aus dem C.H.Beck Verlag.
Grund dafür war nicht zuletzt dass es hier ja oft genug empfohlen wird.

Ich hab im Erstversuch oft mehrfach die gleiche Einheit im Skript durchgekaut. Mehr als lesen kann man da aber eigentlich nicht sinnvoll machen weil ein schon komprimiertes Skript zusammenzufassen eigentlich auf Abschreiben hinausläuft würde ich sagen.

Ich benutze die Hofmann Skripte aber weiterhin um die Stoffmenge zu strukturieren so dass ich mich idR pro Tag mit dem Stoff einer Einheit befasse.

Die besten Lernerfolge habe ich da nach meiner Wahrnehmung wenn ich ein (für mich) Problem knacke.
Wenn ich also sagen kann: Wie geht das? oder Warum ist das so? und mir dann die Lösung erarbeite.

Mit Fällen schaffe ich es auch regelmäßig mir solche Momente zu schaffen, Fälle lösen mach mir auch oft genug Spaß, besonders natürlich wenn ich was richtig mache.
Andererseits nimmt es schon viel Zeit in Anspruch und ich habe immer die Befürchtung dass der Fall zu sehr von dem abweicht was ich eigentlich lernen wollte.
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Re: Examensvorbereitung Lust-/Frustthread für alle

Beitrag von jona7317 » Mittwoch 21. September 2022, 23:26

Hmm, naja letztenendes ist das Forum ja auch nicht der beste Ort für solche Ratschläge, die eben sehr persönlich sind. Da ist man bei der jeweiligen Fachstudienberatung wohl am besten aufgehoben. Ich gehe mal davon aus, dass du das aber eh schon gemacht haben wirst und geb dir mal meine genauso begrenzt wertvollen 2 Cent dazu:

Deine Herangehensweise funktioniert anscheinend absolut nicht, oder das Fach liegt dir gar nicht - irgendwas muss es ja sein.
25% bestehen das Examen nicht, und das nicht weil die alle doof sind. Das Fach und v.a. das Prüfungssystem sind nunmal sehr eigen, daran kann man aber als Student nix ändern.

Konkret würde ich also entweder radikal umkrempeln oder mir etwas anderes suchen, besonders glücklich macht die ewige Examensphase auch niemanden, da geht man psychisch von kaputt.
Wenn die Arbeit mit Skripten bei dir nur aus Abschreiben besteht, dann verstehst du den Umgang damit nicht wirklich und/oder kannst nicht zwischen Wesentlichem und Unwichtigem differenzieren, das wird beim Lehrbuch vermutlich nicht besser sondern schlimmer.
Besuch allenfalls nochmal ein Rep, vielleicht eines der bösen bösen Reps, denen man nachsagt da gehe man nur hin wenn man "nur bestehen" will, als wäre das so eine Schande.

Alternativ, und für deinen Seelenfrieden wahrscheinlich auch als Absicherung parallel zur weiteren Vorbereitung, könntest du dich nach Stellen in der Verwaltung umschauen. Ich habe Bekannte, die ums bestehen gebangt haben und sich zur Beruhigung schonmal um Ausbildungsplätze in der Verwaltung beworben haben, falls sie am Ende nach 7 Jahren vor dem Nichts stehen. Die nehmen Examensdurchfaller/-abbrecher wohl mit Kusshand.

Ich würde ehrlicherweise, wenn du nach gewissenhaft vor- und nachbereitetem Repdurchlauf und anschliessendem Selbststudium nicht in die Nähe des Bestehens gekommen bist, wohl doch was anderes machen. Ob du dich weiter vorbereiten willst ist deine Entscheidung, das will ich dir auch nicht aus der Hand reissen. Ich würde dir trotzdem stark zum Gegenteil raten.
Das ist mit Sicherheit schwer, weil das Studium gerade während der Examensvorbereitung leider dann doch irgendwie identitätsstiftend wird.
Aber ich kann mir nach allem was du sagst - und ich war mal so frei und hab deine älteren Beiträge gelesen - schwer vorstellen, dass du mit einem weiteren langwierigen Examensversuch glücklicher wirst, als wenn du den (durchdachten und geplanten) Absprung wagst und was neues machst.
Egal was du stattdessen machst, es wird schöner sein und mehr Spaß machen als die ewige Verzweiflung.
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Re: Examensvorbereitung Lust-/Frustthread für alle

Beitrag von gola20 » Donnerstag 22. September 2022, 10:36

Wie argumentierst du denn? Poste mal eine deiner Argumentationen. Eigentlich sind das immer die gleichen 10-15 Argumente, die man bringen kann. Kaiser bringt einem z.B „Wurst“ bei. Wortlaut, Umstände des Einzelfalls, Risikosphäre, Schutzbedürftigkeit und Treu und Glauben. Wenn man diese Liste immer abarbeitet, dann sind die Korrektoren oft sehr zufrieden. Juristische Argumentationen sind halt oft sehr ähnlich.
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Re: Examensvorbereitung Lust-/Frustthread für alle

Beitrag von jona7317 » Donnerstag 22. September 2022, 11:00

Die Wurst ist ja mal eine coole Eselbsrücke, hatte ich noch nie gehört :D

Eine Sache zu den Klausuren noch:
Was machst du denn in den ersten 90 Minuten wenn nicht eine Gliederung? Abstrakt über den Fall nachdenken bringt ja auch nicht viel. Normalerweise solltest du den Sachverhalt 1-2 mal lesen und dann innerhalb der ersten 20 Minuten auf einem Schmierblatt alle in Frage kommenden Ansprüche, Straftaten, oder im Ö-Recht Rechtsbehelfe notiert haben.
Dann sortierst du, in welcher Reihenfolge das zu prüfen ist und fängst mit der Gliederung an. Erst BEIM erstellen der Lösungsskizze solltest du dich wirklich gedanklich mit den Einzelproblemen des Falles befassen.
Jeden Prüfungspunkt aufschreiben und gedanklich durchgehen ob das problemlos vorliegt oder ob der Sachverhalt hierzu verdächtig viele Informationen liefert/man es nicht eindeutig beantworten kann.
Das sollte wirklich nicht so lange dauern, mit dem o.g. Wurstkonzept oder allein schon mit Wortlaut und Telos solltest du bei allem was nicht problemlos durchgeht innerhalb von 5 Minute 1-2 Argumente hinkritzeln können. Wenn du ein Problem nicht zufriedenstellend aufgelöst kriegst, übergeh es halt erstmal und improvisier beim Schreiben was halbgares. Versau dir nicht den Rest der Klausur indem du dich an einem Einzelpunkt verzettelst.

Also wenn du grundsätzlich vor Klausuren sitzt und nach dem lesen erstmal intensiv nachdenkst bevor du überhaupt eine Lösungsskizze machst, ist das ein riesiger Fehler.
Wäre ja gut, sowas lässt sich ja leicht beheben.
Ehrlich gesagt finde ich es aber sehr krass, wenn das nicht in den Individualbesprechungen deiner Klausuren ein großes Thema war.
Du machst nichtmal vollständige Lösungsskizzen und die sagen dir du sollst mehr schreiben und besser argumentieren, na herzlichen Dank...
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Re: Examensvorbereitung Lust-/Frustthread für alle

Beitrag von Juralurch » Freitag 23. September 2022, 19:43

ird, schon
jona7317 hat geschrieben:
Donnerstag 22. September 2022, 11:00

Was machst du denn in den ersten 90 Minuten wenn nicht eine Gliederung? Abstrakt über den Fall nachdenken bringt ja auch nicht viel. Normalerweise solltest du den Sachverhalt 1-2 mal lesen und dann innerhalb der ersten 20 Minuten auf einem Schmierblatt alle in Frage kommenden Ansprüche, Straftaten, oder im Ö-Recht Rechtsbehelfe notiert haben.
Dann sortierst du, in welcher Reihenfolge das zu prüfen ist und fängst mit der Gliederung an. Erst BEIM erstellen der Lösungsskizze solltest du dich wirklich gedanklich mit den Einzelproblemen des Falles befassen.
Jeden Prüfungspunkt aufschreiben und gedanklich durchgehen ob das problemlos vorliegt oder ob der Sachverhalt hierzu verdächtig viele Informationen liefert/man es nicht eindeutig beantworten kann.
Das sollte wirklich nicht so lange dauern, mit dem o.g. Wurstkonzept oder allein schon mit Wortlaut und Telos solltest du bei allem was nicht problemlos durchgeht innerhalb von 5 Minute 1-2 Argumente hinkritzeln können. Wenn du ein Problem nicht zufriedenstellend aufgelöst kriegst, übergeh es halt erstmal und improvisier beim Schreiben was halbgares. Versau dir nicht den Rest der Klausur indem du dich an einem Einzelpunkt verzettelst.

Also wenn du grundsätzlich vor Klausuren sitzt und nach dem lesen erstmal intensiv nachdenkst bevor du überhaupt eine Lösungsskizze machst, ist das ein riesiger Fehler.
Wäre ja gut, sowas lässt sich ja leicht beheben.
Ehrlich gesagt finde ich es aber sehr krass, wenn das nicht in den Individualbesprechungen deiner Klausuren ein großes Thema war.
Du machst nichtmal vollständige Lösungsskizzen und die sagen dir du sollst mehr schreiben und besser argumentieren, na herzlichen Dank...
Doch also tatsächlich habe ich das so gemacht, also erstmal über den Fall nachgedacht, was da wohl die Knackpunkte sind usw..
Dazu habe ich mir dann stichwortartig was notiert.
Gliederung idR nur ganz grob, weil keine Zeit mehr.

Ich habe das in den Besprechungen auch klar kommuniziert dass ich so vorgehe und denen meine Notizen von den Klausuren gezeigt und mir wurde beides mal gesagt das sei in Ordnung bzw. dass man das selbst auch so gehandhabt hätte.
Ich hatte jetzt keinen Grund das in Zweifel zu ziehen, ich meine das sind beides promovierte Juristen....


Ich habe von deiner Vorgehensweise mal was unter der Bezeichnung "analytischer Gutachtenstil" gelesen meine ich, aber da hatte ich den Eindruck das dauert ja noch länger als das was ich mache.

Könnte wirklich sein dass das hier jetzt zum Gamechanger wmal vielen Dank, meine Stimmung hebt es gerade deutlich!
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Re: Examensvorbereitung Lust-/Frustthread für alle

Beitrag von jona7317 » Montag 26. September 2022, 17:25

Wäre doch schön :)
Uns wurde das standardmäßig so beigebracht und ich musste mehrere Klausuren auf anderem Wege in den Sand setzen um es einzusehen. Für mich persönlich ist das sehr viel besser.
Abstraktes Nachdenken funktioniert meiner Erfahrung nach nur, wenn der Knackpunkt des Falles einem geradezu entgegenspringt - und ist ehrlicherweise auch dann nicht empfehlenswert, Nebenprobleme gibt es ja auch immer. Wenn das mal nicht der Fall ist hilft diese Vorgehensweise zumindest zur richtigen Schwerpunktsetzung und das man die meisten Probleme sieht. Das ist schon mehr als die halbe Miete.
Viel Erfolg!
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