Gefahr sehr aktueller Promotionsthemen

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Effetutile3108
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Gefahr sehr aktueller Promotionsthemen

Beitrag von Effetutile3108 » Donnerstag 4. November 2021, 15:54

Wie „gefährlich“ sind sehr aktuelle Promotionsthemen?
Mir schwebt ein konkretes Thema vor. Jedoch steht hierzu ein Vorlageverfahren im Raum. Mit einer Antwort des EuGH ist demnächst zu rechnen.
Kann eurer Meinung nach eine neue Rspr. die Dissertation gefährden ? Oder kann man das Problem irgendwie lösen, ohne das bis dato geschriebene komplett löschen zu müssen?
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scndbesthand
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Re: Gefahr sehr aktueller Promotionsthemen

Beitrag von scndbesthand » Donnerstag 4. November 2021, 16:17

Vorsicht bei solchen Themenstellungen. Es besteht die Gefahr, ständig der Rechtsentwicklung hinterherzuschreiben. Ob die EuGH-Entscheidung viele oder sogar alle Probleme erledigt, wirst wohl Du am Besten einschätzen.
"Der Versicherungsnehmer ist verpflichtet, bei Tod eine Sterbeurkunde vorzulegen." (Nr. 4.6 AVB Reiserücktritt)
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Re: Gefahr sehr aktueller Promotionsthemen

Beitrag von Julia » Donnerstag 4. November 2021, 16:18

Ja, die Gefahr besteht. Die Arbeit wäre dann ggfs. schon bei Erscheinen veraltet, ggfs. würde sie schon gar nicht den Anforderungen genügen, wenn vor den Gutachten die Änderung kommt. Auch schnelles Promovieren schützt davor nicht zwingend.
Ich sage es mal so: Ich mag mein Thema sehr, hätte im Nachhinein aber ein anderes gewählt, einfach wegen der sich ständig ändernden Lage und deshalb immer wieder notwendigen Änderungen. Die Arbeit zieht sich dadurch zeitlich einfach deutlich mehr hin und die Gefahr, dass das Thema durch eine Änderung erledigt ist, besteht (wenn auch zum Glück in meinem Fall wenigstens extrem unwahrscheinlich).
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Re: Gefahr sehr aktueller Promotionsthemen

Beitrag von Effetutile3108 » Freitag 5. November 2021, 12:02

Danke für eure Einschätzung.
Ein konkreter Streit wurde vorgelegt. Meine Sorge ist es, dass der EuGH aber gleich zu einem Rundumschlag ausholt…
Liebe Julia was meinst du mit notwendigen Änderungen? Dass man das Urteil einarbeiten muss, ist klar. Aber wahrscheinlich bereiten auch die Fußnoten, neue Literatur etc. Probleme? Ich stehe noch ganz am Anfang und kann den Aufwand noch nicht ganz einschätzen.
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Re: Gefahr sehr aktueller Promotionsthemen

Beitrag von Theopa » Freitag 5. November 2021, 17:02

Es gibt mehrere Risiken bei brandaktuellen Themen, die Kernpunkte wären wohl:

- Du hast nach langer Zeit endlich ein super Kapitel zu einer noch nicht behandelten Fragestellung aufgebaut, dann kommt ein langer Aufsatz irgendeines Professors zu EuGH-Vorlagefrage, der genau die dortige Fragestellung erschöpfend abhandelt. Das kann nicht nur einmal passieren, jede Neuausgabe einer Zeitschrift kann wieder mal ein paar Absätze oder sogar größere Teile zerschießen.

- Du bist mit höherer Wahrscheinlichkeit nicht die Einzige, die dieses Thema bearbeitet. Wenn nun eine andere Diss vor dir dran ist und dein Thema komplett oder in Teilen abarbeitet geht es teilweise oder ganz von vorne los. Wenn dein Ansatz bzw. dein Unter-Thema eher eine Randfrage behandelt oder du die Brücke zu etwas völlig anderem schlägst mag das noch funktionieren, sofern du aber wirklich das Thema zu welchem die Frage vorgelegt wurde zentral behandelst müsste es schon sehr schnell gehen

- Der EuGH beantwortet die Frage in eine Richtung, die dem Unionsgesetzgeber nicht gefällt und plötzlich ändert sich die Rechtslage: Dann diskutierst du vielleicht nur noch belanglose Rechtsgeschichte nachträglich. Ob das bei deinem Thema möglich bzw. realistisch ist kannst natürlich nur du beurteilen.
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Re: Gefahr sehr aktueller Promotionsthemen

Beitrag von Seeker » Freitag 5. November 2021, 17:23

Ich würde sagen, dass man ein aktuelles Thema in der Theorie durchaus erfolgreich bearbeiten kann. Fremde Beiträge, Ansätze und Arbeiten werden die eigene Dissertation im Zweifel nicht überflüssig machen, sondern nur andere Perspektiven bieten. Das größte Problem dürfte sein, dass man unter Umständen sehr viel Neues einarbeiten muss, was einen erheblichen Mehraufwand bedeuten kann.

In der Praxis würde ich von einer solchen Arbeit aber eher aus psychologischen Gründen abraten. Ich selbst habe mich bewusst dagegen entschieden. Ständig den Gedanken im Hinterkopf zu haben, eine neue Rechtsentwicklung oder ein wissenschaftlicher Beitrag könnte die eigene Arbeit überflüssig machen, stelle ich mir als sehr belastend vor. Auch wenn er unberechtigt wäre.
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Re: Gefahr sehr aktueller Promotionsthemen

Beitrag von Atropos » Donnerstag 11. November 2021, 18:24

Theopa hat geschrieben:
Freitag 5. November 2021, 17:02
Es gibt mehrere Risiken bei brandaktuellen Themen, die Kernpunkte wären wohl:

- Du bist mit höherer Wahrscheinlichkeit nicht die Einzige, die dieses Thema bearbeitet. Wenn nun eine andere Diss vor dir dran ist und dein Thema komplett oder in Teilen abarbeitet geht es teilweise oder ganz von vorne los. Wenn dein Ansatz bzw. dein Unter-Thema eher eine Randfrage behandelt oder du die Brücke zu etwas völlig anderem schlägst mag das noch funktionieren, sofern du aber wirklich das Thema zu welchem die Frage vorgelegt wurde zentral behandelst müsste es schon sehr schnell gehen
Würde dann auch das Betreuungsmodell für die Promotion in den Raum werfen. Hatte im Bekanntenkreis den Fall von so einer glücksspielrechtlichen Diss, die dann 2,5 Jahre beim Prof rumlag -> Das war tödlich, ist wegen der ganzen EuGH-Rechtsprechung dann tatsächlich eine Polizeirecht-Diss geworden...

Gibt ja aber auch (vereinzelt) Profs, die jeden Monat ein Kapitel lesen und korrigieren wollen und man dann bei zügiger eigener Arbeit garantiert nach 2 Jahren fertig ist, dann könnte das eventuell schon funktionieren.
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Re: Gefahr sehr aktueller Promotionsthemen

Beitrag von paul_nds » Samstag 23. April 2022, 18:35

Also ich hatte damit einige Zeit zu kämpfen. Habe zur Haftung für unternehmerische Menschenrechtsverletzung promoviert, währenddessen kam ein Gesetz des Bundesgesetzgebers sowie ein Vorentwurf des EU-Parlaments zur Frage (inzwischen gibt es auch einen Richtlinienentwurf der Kommission). Darüber hinaus sind während meiner Bearbeitungszeit 3-4 Dissertationen und eine Habil zum Thema erschienen. Am Ende des Tages geht alles, wenn jemand also schon dabei ist würde ich es auf jeden Fall bis zum Ende durchziehen.
Ich habe aber häufig Bekannte/Kumpels/Kollegen beneidet, die teilweise ihre Diss während des gesamten Refs haben liegen lassen und dann danach in aller Ruhe die Anmerkungen Ihres Betreuers eingearbeitet haben, während ich die ganze Zeit Vollgas geben musste, damit nicht noch eine Diss/Habil erscheint, die ich im besten Fall mühsam einarbeiten muss, im schlechtesten Fall nochmal Teile umstoßen muss, weil mir dadurch eigene Fehler auffallen.
Im Nachgang war es aber alles nicht so schlimm, da man - sofern man sich 2-3 Jahre mit einem Thema intensiv beschäftigt - dazu einfach absoluter Spezi ist und daher auch zwangsläufig was eigenes zu sagen hat. Bei mir war bei Bearbeitungsstart aber auch noch nicht absehbar, dass plötzlich ein solcher "run" auf das Thema sein wird. An Deiner Stelle würde ich mir - sofern möglich - einen kleinen Teilaspekt rausnehmen, dann hast Du konkretisiert und die Wahrscheinlichkeit, dass es jemand anderes/der EuGH beackert ist kleiner. Darüber hinaus hast Du dann auch weniger Stoff und kannst dadurch detaillierter und feiner arbeiten.
Viele Grüße,
Paul
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