Lohnt sich ein Jurastudium heutztage noch?

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Mustermann
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Lohnt sich ein Jurastudium heutztage noch?

Beitrag von Mustermann » Freitag 21. Mai 2021, 20:24

Liebes Forum,


derzeit befinde ich mich in der Oberstufe und liebäugle mit dem Gedanken, nach der Schule Jura zu studieren. Daher wollte ich mich hier im Forum darüber informieren, was man vor einem Jurastudium besser wissen sollte und welche Fähigkeiten man mitbringen muss, um dieses erfolgreich (mit einem Vb) zu bestehen. Im Zuge dessen wäre es auch hilfreich zu wissen, inwieweit sich ein Jurastudium a) finanziell, b) von den Jobmöglichkeiten her und c) hinsichtlich der Rationalisierungsgefahr lohnt.


Ps: Was die Fähigkeiten angeht, hatte ich gehört, dass perfektionistische Menschen eher schlechte Karten im Jurastudium haben; leider gehöre ich zu einer dieser Personen, die dazu neigen, an Sachen solange zu arbeiten, bis sie meiner Vorstellung nach perfekt sind. Inwieweit stimmt das?
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Re: Lohnt sich ein Jurastudium heutztage noch?

Beitrag von OrangensaftEddy » Freitag 21. Mai 2021, 20:42

Mustermann hat geschrieben:
Freitag 21. Mai 2021, 20:24
Liebes Forum,


derzeit befinde ich mich in der Oberstufe und liebäugle mit dem Gedanken, nach der Schule Jura zu studieren. Daher wollte ich mich hier im Forum darüber informieren, was man vor einem Jurastudium besser wissen sollte und welche Fähigkeiten man mitbringen muss, um dieses erfolgreich (mit einem Vb) zu bestehen. Im Zuge dessen wäre es auch hilfreich zu wissen, inwieweit sich ein Jurastudium a) finanziell, b) von den Jobmöglichkeiten her und c) hinsichtlich der Rationalisierungsgefahr lohnt.


Ps: Was die Fähigkeiten angeht, hatte ich gehört, dass perfektionistische Menschen eher schlechte Karten im Jurastudium haben; leider gehöre ich zu einer dieser Personen, die dazu neigen, an Sachen solange zu arbeiten, bis sie meiner Vorstellung nach perfekt sind. Inwieweit stimmt das?
Domitius Ulpianus : Jurisprudenz ist die Kenntnis der menschlichen und göttlichen Dinge, die Wissenschaft vom Gerechten und Ungerechten.
Jurastudium lohnt sich also immer dann, wenn du wissen möchtest wo der Hase lang läuft. Sicherlich geht das aber auch mit einem Jahresausweis
der Stadtbücherei.
Zu Finanzen, Jobmöglichkeiten, Ratioanilisierungsgefahr und Perfektionismus können dir andere mehr sagen.
Ich kann dir aber sagen, dass 1/3 der Juristen in nicht-juristischen Berufen arbeiten.
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Re: Lohnt sich ein Jurastudium heutztage noch?

Beitrag von gola20 » Freitag 21. Mai 2021, 21:12

Mustermann hat geschrieben:
Freitag 21. Mai 2021, 20:24
um dieses erfolgreich (mit einem Vb) zu bestehen. Im Zuge dessen wäre es auch hilfreich zu wissen, inwieweit sich ein Jurastudium a) finanziell, b) von den Jobmöglichkeiten her und c) hinsichtlich der Rationalisierungsgefahr lohnt.
1) intelligenter und fleißiger sein als die Vergleichsgruppe. Vergleichsgruppe sind nicht die Mitschüler!, sondern Jurastudenten.
2) finanziell gut. Arbeitszeiten aber miserabel. Wer 100-200k für 60h Wochen will, findet wahrscheinlich sein Glück. Wer 35h und 90k will, sollte eher was anderes machen.
3) viele Jobmöglichkeiten
4) wenig Rationalisierungsgefahr
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Re: Lohnt sich ein Jurastudium heutztage noch?

Beitrag von Hubertus » Freitag 21. Mai 2021, 22:23

Das mit dem Perfektionismus ist mir noch nie aufgefallen, gefühlt waren Perfektionisten eher die besseren Jurastudenten.
Liegt aber wohl auch eher deren Ehrgeiz und Disziplin, als am Perfektionismus, welcher erstere ja oft mit sich bringt.

Sonst fällt mir keine Facette des Studiums ein, auf welche sich Perfektionismus als solcher auswirken könnte.
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Re: Lohnt sich ein Jurastudium heutztage noch?

Beitrag von Theopa » Samstag 22. Mai 2021, 08:03

Hubertus hat geschrieben:
Freitag 21. Mai 2021, 22:23
Sonst fällt mir keine Facette des Studiums ein, auf welche sich Perfektionismus als solcher auswirken könnte.
Da gäbe es einige. Das Kernproblem für das Studium selbst ist, dass ein Perfektionist im Regelfall den gesamten Stoff beherrschen möchte und dann an der Realität scheitern könnte: 99% werden immer größere Wissenslücken haben, da fast niemand so viel Zeit und ein so perfektes Gedächtnis hat. Die Kunst ist, das wichtige vom unwichtigen zu trennen und einzusehen, dass man nun wirklich keine abgefahrenen Straftheorien komplett auswendig lernen muss (auch wenn der Prof darüber 6 Stunden referiert hat), die in Klausuren nicht abprüfbar sind und die man maximal in einer von 200 mündlichen Prüfungen braucht.

Weiter muss man gerade im späteren Verlauf (Ref) schnell lernen eine "passt schon, keine Fehler drin und kann man so lassen"-Lösung zu entwickeln, sei es um die StA-Klausur mit drölfundachzig Problemen überhaupt zu lösen oder um die Akte die man vom Ausbilder bekommen hat in drei statt 15 Stunden abzuarbeiten. Im Beruf geht das dann munter weiter so. Es gibt wohl fast keinen juristischen Beruf in dem man unbegrenzt Zeit hat um an der idealen Lösung zu feilen (okay, vielleicht in der Verwaltung ;) ), falls doch dann meist zu Lasten der eigenen Freizeit.
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Re: Lohnt sich ein Jurastudium heutztage noch?

Beitrag von Ara » Samstag 22. Mai 2021, 08:23

Frusttoleranz ist mE noch etwas was man braucht. Entweder hat man das von Anfang an oder man lernt es in den ersten Semestern.

Man sollte die Fähigkeit haben aus einer schlechten (Probe-)Klausur Motivation zu ziehen. Das macht vieles einfacher.
Die von der Klägerin vertretene Auffassung, die Beeinträchtigung des Wohngebrauchs sei durch das Zumauern der Fenster nur unwesentlich beeinträchtigt, ist so unverständlich, dass es nicht weiter kommentiert werden soll. - AG Tiergarten 606 C 598/11
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Re: Lohnt sich ein Jurastudium heutztage noch?

Beitrag von Tibor » Samstag 22. Mai 2021, 10:00

Man muss nicht gefrustet sein, wenn man realistisch an die Sache rangeht.
"Just blame it on the guy who doesn't speak English. Ahh, Tibor, how many times you've saved my butt."
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Re: Lohnt sich ein Jurastudium heutztage noch?

Beitrag von gola20 » Samstag 22. Mai 2021, 10:06

Perfektionismus schadet in fast jedem Bereich, weil man nie genug Zeit und Ressourcen hat.
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Re: Lohnt sich ein Jurastudium heutztage noch?

Beitrag von Sektnase » Samstag 22. Mai 2021, 10:54

Tibor hat geschrieben:
Samstag 22. Mai 2021, 10:00
Man muss nicht gefrustet sein, wenn man realistisch an die Sache rangeht.
Oder alles richtig macht :-({|=
In einem Umfeld, in dem mittelschwere Hurensöhnigkeit häufig zum Stellenprofil gehört, muss einen nicht wundern, wenn man Scheiße behandelt wird. -Blaumann
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Re: Lohnt sich ein Jurastudium heutztage noch?

Beitrag von Django » Samstag 22. Mai 2021, 19:10

Man muss es wirklich wollen. Viele neigen dazu, Jura aus Verlegenheit zu studieren. Davon kann ich nur dringend abraten. Wer wirklich Lust auf Jura hat, der wirds schaffen wenn er sich hinsetzt. Wie einfach oder schwer es wird, ist sehr typenabhängig. Grober Richtwert: Wer von den ersten Semestern an immer am Ball bleibt und ackert, wird wahrscheinlicher ein besseres Examen als die "ich erschlage mir Scheine und mach dann Rep Fraktion" ablegen.

Zu den späteren Berufsaussichten kann ich wenig sagen. Man hört da wirklich alles. Einer erzählte mir, durch Legal Tech werden viele juristische Jobs obsolet in der Zukunft, wieder andere meinen die Zukunft sieht total rosig aus für Juristen. Aber auch hier gilt: Ein gutes Examen (Prädikat) beeinhaltet quasi eine Jobgarantie. Aber selbst mit ausreichenden Examen kann man Stolz auf sich sein und wird sicher nicht den Taxi Shuttle beruflich fahren müssen.
"... Ein übermüdeter Beamter, der während der Arbeitszeit einschläft, vom Stuhl fällt und sich dabei die Nase bricht, erleidet einen Arbeitsunfall.."

SG Dortmund, Urteil v. 23.09.1998, Az.: S 36 U 294/97
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Re: Lohnt sich ein Jurastudium heutztage noch?

Beitrag von CreepyCat » Mittwoch 2. Juni 2021, 19:23

Ganz im Ernst: Selbst dieses "es wirklich wollen" ist keine Garantie für irgendwas. Selbst wenn du es wirklich willst - wenn der Zugang fehlt, du deine Gedanken weder entsprechend strukturieren noch niederlegen und das ganze in entsprechende Ergebnisse fassen kannst, hast du Pech. Das Problem ist nicht mal vorrangig Jura als Verlegenheitsoption als vielmehr die Fähigkeit, dass es total okay für dich sein muss - solange du nicht zur Minderheit der Naturbegabten gehörst - immer wieder eins in die Fresse zu bekommen und trotzdem weiter zu machen. Das wird die einzige Fähigkeit sein, die dich Jura überleben lässt. Und wenn du schon auf ein VB zielst - das lässt sich egal wie hoch Ehrgeiz und Fleiß sind gleich gar nicht planen oder erzwingen, sondern ist meistens eine Mischung aus Fleiß, Begabung und Glück. Überlege dir einfach gut, ob du Jahre deines Lebens mit einem Studium verbringen willst, durch dass du dich sehr hart wirst durchkämpfen müssen mit ungewissen Ausgang oder ob du dir lieber ein paar angenehmere Jahre in deinen Zwanzigern machen willst.
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Re: Lohnt sich ein Jurastudium heutztage noch?

Beitrag von thh » Mittwoch 2. Juni 2021, 22:04

CreepyCat hat geschrieben:
Mittwoch 2. Juni 2021, 19:23
Ganz im Ernst: Selbst dieses "es wirklich wollen" ist keine Garantie für irgendwas.
Freilich: es gibt ja genügend Menschen, die wirklich gerne Fußballstar oder musikalisches Genie (oder Bundeskanzlerin ...) werden wollen - von denen es die Mehrzahl aber dennoch nicht schafft.

Das wirkliche "Wollen" ist, wenn es sich auch in entsprechend entschlossenem Vorgehen äußert, ein ganz wichtiger Punkt, zu dem aber dennoch das "Können" hinzutreten muss.
CreepyCat hat geschrieben:
Mittwoch 2. Juni 2021, 19:23
dass es total okay für dich sein muss - solange du nicht zur Minderheit der Naturbegabten gehörst - immer wieder eins in die Fresse zu bekommen und trotzdem weiter zu machen.
Das kann ich nun so gar nicht nachvollziehen. (Das mag natürlich daran liegen, wie man "in die Fresse bekommen" definiert. Wer in der Schule vorwiegend Einsen hatte und daher furchtbar getroffen ist, wenn es in den Klausuren nicht 16-18 Punkte sind, sondern vielleicht 6-8, dem mag das so vorkommen.)
CreepyCat hat geschrieben:
Mittwoch 2. Juni 2021, 19:23
Überlege dir einfach gut, ob du Jahre deines Lebens mit einem Studium verbringen willst, durch dass du dich sehr hart wirst durchkämpfen müssen mit ungewissen Ausgang oder ob du dir lieber ein paar angenehmere Jahre in deinen Zwanzigern machen willst.
Wenige Studiengänge sind so entspannt wie Jura - bis zur Examensvorbereitung. Bis dahin kann man aber durchaus ein paar angenehme Jahre weitgehend mit Nichtstun verbringen - was sehr viele "verschultere" Studiengänge in keiner Weise ermöglichen. (Ich möchte allerdings der Vermutung Ausdruck geben, dass es unabhängig vom Studiengang oder der Ausbildung nicht für einen Erfolg prädestiniert, wenn man sich während der Zeit in erster Linie oder ausschließlich ein paar angenehme Jahre machen will.)
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Re: Lohnt sich ein Jurastudium heutztage noch?

Beitrag von CreepyCat » Donnerstag 3. Juni 2021, 06:49

thh hat geschrieben:
Mittwoch 2. Juni 2021, 22:04
CreepyCat hat geschrieben:
Mittwoch 2. Juni 2021, 19:23
Ganz im Ernst: Selbst dieses "es wirklich wollen" ist keine Garantie für irgendwas.
CreepyCat hat geschrieben:
Mittwoch 2. Juni 2021, 19:23
dass es total okay für dich sein muss - solange du nicht zur Minderheit der Naturbegabten gehörst - immer wieder eins in die Fresse zu bekommen und trotzdem weiter zu machen.
Das kann ich nun so gar nicht nachvollziehen. (Das mag natürlich daran liegen, wie man "in die Fresse bekommen" definiert. Wer in der Schule vorwiegend Einsen hatte und daher furchtbar getroffen ist, wenn es in den Klausuren nicht 16-18 Punkte sind, sondern vielleicht 6-8, dem mag das so vorkommen.)
Gut, die Ausdrucksweise war natürlich meinem persönlichen Empfinden geschuldet. Etwas weniger subjektiv bleibe ich dennoch dabei, dass man damit leben und rechnen muss, dass das Verhältnis des Lernaufwands und des Inputs, dem man in eine Vorlesung / Klausurvorbereitung steckt in keiner Weise mit dem Ergebnis korrelieren muss. Aber wie gesagt: Da spielendie Punkte Begabung und eigene Anspruchshaltung natürlich mit rein.
thh hat geschrieben:
Mittwoch 2. Juni 2021, 22:04
CreepyCat hat geschrieben:
Mittwoch 2. Juni 2021, 19:23
Überlege dir einfach gut, ob du Jahre deines Lebens mit einem Studium verbringen willst, durch dass du dich sehr hart wirst durchkämpfen müssen mit ungewissen Ausgang oder ob du dir lieber ein paar angenehmere Jahre in deinen Zwanzigern machen willst.
Wenige Studiengänge sind so entspannt wie Jura - bis zur Examensvorbereitung. Bis dahin kann man aber durchaus ein paar angenehme Jahre weitgehend mit Nichtstun verbringen - was sehr viele "verschultere" Studiengänge in keiner Weise ermöglichen. (Ich möchte allerdings der Vermutung Ausdruck geben, dass es unabhängig vom Studiengang oder der Ausbildung nicht für einen Erfolg prädestiniert, wenn man sich während der Zeit in erster Linie oder ausschließlich ein paar angenehme Jahre machen will.)
Wie alles im Leben ist das vermutlich Ansichtssache. Was die Entspanntheit betrifft und das "Verschulte" habe ich die gegenteiligen Eindrücke gewonnen: Im Vergleich zu Bachelorstudiengängen ist Jura gerade verschult - hier gab es die feststehenden Pläne in den ersten Semestern und im Grundstudium gerade kaum Möglichkeit Dinge selbst zu wählen (anders als in modularisierten Studiengängen), was vor dem Hintergrund des Examens natürlich auch Sinn macht. Aber auch diesbezüglich kann doch gerade in Jura von "Nichtstun" nicht die Rede sein: Bereits ab den ersten Stunden BGB AT ist das Ziel nicht das Bestehen der Abschlussklausur, sondern der Aufbau eines Grund- und Systemverständnisses für das spätere Examen. Tut man gerade zu Beginn wirklich "nichts", rächt sich das später weil vieles aufeinander aufbaut und man spätestens in den großen Übungen Probleme haben wird und man das "nichtstun" unweigerlich in der Examensvorbereitung kompensieren muss.
Demgegenüber zählt eine Modulklausur in einem 0815-Bachelorstudiengang - meistens - nur wenige Prozent in den späteren Abschluss - wenn überhaupt. Deren Inhalt kann man nach dem Ablegen der Prüfung dann tatsächlich auch vergessen.
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Re: Lohnt sich ein Jurastudium heutztage noch?

Beitrag von Fyrion » Donnerstag 3. Juni 2021, 17:42

Freilich: es gibt ja genügend Menschen, die wirklich gerne Fußballstar oder musikalisches Genie (oder Bundeskanzlerin ...) werden wollen - von denen es die Mehrzahl aber dennoch nicht schafft.
Das stimmt, ist aber als Vergleich auf den zweiten Blick doch etwas schief. Es gibt halt nur einen Bundeskanzler oder ein paar Tausend Profifußballer in einem Land, aber allein in der Stadt Hamburg so etwa 11 000 Anwälte. Es ist schon etwas anderes zu sagen "ich will den Job, den nur 1000 Leute in diessem Land haben" oder "ich will den 0815igen Akademikerjob, den der Markt so zu bieten hat" wie bspw. Rechtsanwalt. Der naheliegende Vergleich mit BWL zeigt es doch. Es gibt sicher den ein oder anderen, der wirklich und ersthaft trotz echter Bemühungen aus dem BWL Studium fliegt. Diese Gruppe dürfte aber in der Größenordnung nicht mal im Ansatz mit Jura vergleichbar sein.
Das kann ich nun so gar nicht nachvollziehen. (Das mag natürlich daran liegen, wie man "in die Fresse bekommen" definiert. Wer in der Schule vorwiegend Einsen hatte und daher furchtbar getroffen ist, wenn es in den Klausuren nicht 16-18 Punkte sind, sondern vielleicht 6-8, dem mag das so vorkommen.)
Also hier sind natürlich hauptsächlich juristisch Hochbegabte unterwegs, aber ich hatte weder in der Schule nur Einsen, noch hatte ich im Studium auch nur annährend 6-8 Punkte als Worst Case. Ein ganzer Haufen der Studienleistungen sind nach dem Prinzip 4 gewinnt erfolgt - das ist aber eher ein Vorteil des Jurastudiums. Ich habe tatsächlich von Anfang an so kalkuliert die ersten Jahre nur das Nötigste zu tun und im Examen mich zum ersten mal im Leben anzustrengen und das hat geklappt :drinking:

Daher:
Wenige Studiengänge sind so entspannt wie Jura - bis zur Examensvorbereitung. Bis dahin kann man aber durchaus ein paar angenehme Jahre weitgehend mit Nichtstun verbringen - was sehr viele "verschultere" Studiengänge in keiner Weise ermöglichen. (Ich möchte allerdings der Vermutung Ausdruck geben, dass es unabhängig vom Studiengang oder der Ausbildung nicht für einen Erfolg prädestiniert, wenn man sich während der Zeit in erster Linie oder ausschließlich ein paar angenehme Jahre machen will.)
Zustimmung zum ersten Teil und nicht Zustimmung zum Zweiten. Ehrlichgesagt haben fast alle das so gehandhabt wie ich und die meisten haben ganz ordentliche Examina gemacht.

Würde ich empfehlen Jura zu studieren? Es kommt darauf an, was das Ziel ist. Möchte man unbedingt den Job eines Anwalts, Richters oder StA machen, dann ja. Egal aus welchem Grund man das tun möchte, obn man es inhaltlich spannend finden (kann man eh nicht beurteilen bis man den Job wirklich hatte) oder fürs Prestige oder warum auch immer, wenn einen etwas in diese drei Jobs zieht, dann bleibt keine Alternative.

Wenn man allerdings den besten Deal aus Aufwand und Ertrag möchte und es einem nicht so sehr um den Job an sich geht, würde ich auf keinen Fall zu Jura raten. Das Risiko für einen vergleichsweise hohen Aufwand einen niedrigen Ertrag zu bekommen ist zu groß, der Realitycheck kommt zu spät und eine objektive Entscheidungsfindung wird von einer großen Gruppe Juristen mit Survivorship Bias erschwert.
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Re: Lohnt sich ein Jurastudium heutztage noch?

Beitrag von CreepyCat » Donnerstag 3. Juni 2021, 18:13

Fyrion hat geschrieben:
Donnerstag 3. Juni 2021, 17:42


Also hier sind natürlich hauptsächlich juristisch Hochbegabte unterwegs, aber ich hatte weder in der Schule nur Einsen, noch hatte ich im Studium auch nur annährend 6-8 Punkte als Worst Case. Ein ganzer Haufen der Studienleistungen sind nach dem Prinzip 4 gewinnt erfolgt - das ist aber eher ein Vorteil des Jurastudiums. Ich habe tatsächlich von Anfang an so kalkuliert die ersten Jahre nur das Nötigste zu tun und im Examen mich zum ersten mal im Leben anzustrengen und das hat geklappt :drinking:
Wenn ich dich richtig verstehe - da bin ich mir gerade nicht sicher :-k - und 8 Punkte für dich ein "worst case" Szenario darstellen, das du im Studium nicht mal "auch nur annährend" hattest (weil besser?), solltest du vllt nicht für den "durchschnittlichen" Studenten sprechen. Besieht man sich die gängigen Ergebnisse von Klausuren im Grundstudium, dürften die meisten mit 6-8 Punkten ganz gut bedient sein und das auch in etwa das sein, was ein potentieller Jurastudent zunächst zu erwarten hätte bzw. mit dem er sich doch von Zeit zu Zeit konfrontiert sehen dürfte :D
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