Fluthilfen

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Joshua
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Re: Fluthilfen

Beitrag von Joshua » Montag 16. August 2021, 17:20

Der Druck aufgrund der Befürchtung, das Kind könne nicht mithalten, anfängliche Schwächen würden sich verhärten, die Perspektive des relativ frühen "Aussortierens" des Kindes in eine der karrieretechnisch nicht opportunen Schulformen; der Druck, das Kind müsse auch im gesellschaftlichen Bereich "mithalten" und "performen" usw. Der Neoliberlismus hasst Kinder, die einfach nur spielen, statt ihr Humankapital zu optimieren. Daraus erwächst killender Stress.
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Re: Fluthilfen

Beitrag von batman » Montag 16. August 2021, 17:29

Joshua hat geschrieben:
Montag 16. August 2021, 15:58
Mäusele sollte auch einfliegen.
Zu Diensten, junger Aufsteiger. :salute: Wo drückt denn heute der Schuh?
Joshua
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Re: Fluthilfen

Beitrag von Joshua » Montag 16. August 2021, 17:51

Mäusele, sei geherzt. Der Schuh drückt immer an der gleichen Stelle bei dir. Das weißt du doch.
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Re: Fluthilfen

Beitrag von Theopa » Montag 16. August 2021, 17:59

"Von der Fluthilfe zur Arbeitsbelastung von Erstklässlern im 21. Jahrhundert - Wie man selbst im Reste-Forum noch alles Off-Topic führen kann"
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Re: Fluthilfen

Beitrag von Fyrion » Montag 16. August 2021, 18:42

Theopa hat geschrieben:
Montag 9. August 2021, 16:12
Ich kann auch nicht so ganz nachvollziehen, wie man diese Hilfen begründen möchte: Weiß jemand nach welcher konkreten Rechtsgrundlage hier vorgegangen wird?

Natürlich wurden viele schwer getroffen, am Ende ist es aber rein rational gesehen nur der Ausfall einer Investition, bei der man aufgrund einer persönlichen Lebensentscheidung das ganz erhebliche Klumpenrisiko bewusst in Kauf genommen hat. Bei Erben gilt das ebenso, diese hätten das Haus auch verkaufen können. Vom Thema der Versicherung hat man dann noch gar nicht angefangen, eine hinreichende Hausratversicherung sollte ohnehin absolut jeder der oberhalb des Existenzminimums lebt haben und bei den Elementarversicherungen gibt es mE auch nur eine eher geringe "Opferquote" im Sinne von Personen, die unverschuldet in die Lage geraten sind sich so eine Versicherung wirklich nicht leisten zu können bzw. unvorhersehbar in eine nicht versicherbare Zone gerutscht sind. Da dürfte sich die Notwendigkeit für Hilfen dann doch ergeben.

In der Folge muss man sich fragen, wieso dann z.B. Wirecard-Aktionäre nicht ebenfalls Hilfsfonds bekommen? Auch dort gibt es einige, die durch ein (falsches da einseitiges) Investment viel bis alles verloren haben und auch dort steht ein dem vorgehendes staatliches Fehlverhalten im Raum.

Natürlich spricht absolut nichts gegen zinslose und ohne lange Prüfung vergebene Übergangskredite für diejenigen, die von Versicherungen hingehalten werden und gewisse - auch einmal unbürokratische und damit ggf. zu teure - Übergangslösungen im Sinne der Obdachenlosenunterbringung.
Was die RGL angeht: betroffene Unternehmen in der Region könnten auf Grundlage von Art. 107 Abs. 2 lit. b) AEUV entschädigt werden. Privathaushalte? Puh, keine Ahnung, vielleicht §53 BHO?
Wir reden hier nicht über ein "normales" Hochwasser, das mehr oder weniger gemütlich ansteigt und mit dem Menschen, die an der Ahr oder in vergleichbaren Wohnlagen leben, in der Tat immer rechnen müssen, sondern das, was da passiert ist, ist auch für solche Gegenden nicht normal.
Normal ist in Zeiten des Klimawandels halt auch im Wandel. Ein paar Kollegen haben sich jüngst Wohnungen in der HafenCity gekauft, ich würde ja ehrlichgesagt heute nicht mehr etwas in Elbnähe erwerben oder eine sehr gute Versicherung abschließen.
Der schulische Leistungsdruck IST immens und trifft auch die Eltern. Ich sehe das in meinem Bekanntenkreis v.a. bei Nichtakademikern. Das abzuleugnen, spricht eher für eine privilegierte bürgerliche Sicht.
Wat? Also ich erlebe das gerade recht hautnah mit, als engagierter Onkel der ich bin. Ein Neffe ist jetzt in die 3. gekommen, die Nichte in die 1.. Ich habe keine Ahnung wovon du sprichst. Wenn irgend ein Kind mit dem Spielkram in der Grundschule schon nicht hinterherkommt, hätte es vermutlich ein Jahr später eingeschult gehört oder braucht schnell Hilfe von einem Experten.

Das ist absolutes Witzniveau und die asiatische Freundin meines Bruders regt sich langsam über das deutsche Schulsystem auf, weil beim Großen jetzt 3 Jahre verspielt wurden, in denen sie faktisch nichts gerlernt haben. Sie sind jetzt gerade beim kleinen 1x1, was Kinder in China (und auch in Russland so aus meiner eigenen Erfahrung) in der ersten Klasse beherrschen. Ich weiß auch noch wie geschockt meine Eltern waren, als sie gemerkt haben, dass es in der Grundschule erst ab Klasse 3 überhaupt Noten gibt. In meiner ersten Klasse in Sovjet Russia gab es jeden Tag eine Tagesnote und ein Ranking an der Wand, in der die Kinder nach ihrem Notendurschnitt geordnet aufgelistet wurden. Wer unten stand, hat deutlich mehr Hausaufgaben bekommen, damit er mal ausm Pott kommt. (Ich musste natürlich auch 37 km zu Fuß durch den Schnee zur Schule und dabei Bären mit den Händen abwehren). Aber Leistungsdruck in deutschen Schulen, da lolte ich schon sehr. Wenn es von etwas im deutschen Schulsystem zu wenig gibt, dann ist es Leistungsdruck und Disziplin.

Übrigens, von mehr Leistungsdruck und Disziplin würden gerade Kinder aus bildungsfernen Haushalten profitieren, weil dort sich die Eltern tendenziell weniger für die Schulbildung interessiert und weniger Bildungskapital haben um die riesigen Lücken zu schließen, die deutsche Schulen hinterlassen.
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Re: Fluthilfen

Beitrag von j_laurentius » Montag 16. August 2021, 19:02

Also ich kann jetzt nicht ganz nachvollziehen, in welche Richtung der Thread zwischenzeitlich abgedriftet ist, aber um mal wieder aufs eigentliche Thema zurückzukommen:
Strich hat geschrieben:
Montag 16. August 2021, 12:17
Also vielleicht bin ich zu alt und zu empathielos oder zu weiß oder zu sehr mann, aber irgendwo komme ich so langsam auf das Gejammer nicht mehr klar. Wobei es da zwei Arten gibt:

"Oh verdammt, uns hats beim Hochwasser das Haus weggespült, wir müssen mal schauen wo wir bleiben. Haben jedenfalls schon angefangen, Trümmer wegzuräumen. Mein Mann kocht gerade im Hinterhof auf nem improvisierten Ofen, die Kinder finden das Zelten ohnehin cool. Nächste Woche kommen wir dann bei Freunden in x unter..."

gegen

"Hochwasser! Hilfe wann!?"

Bei Corona genau dasselbe:

"Maske, ich ersticke!" - Ja ist vielleicht besser ...
"Uhh 0,5 ml einer mir unbekannten Flüssigkeit - schwierig" - Alter wenn du daran stirbst, will Darwin dir vielleicht was sagen. Sehr wahrscheinlich wärst du dann schon lange tot.

Da siehst du kräftige Männer in ihren besten Zeiten rumheulen. Ich kann das nicht nachvollziehen. Also rechlich kann ich das schon nachvollziehen, ich bin auch kein Freund einer Impfpflicht. Aber so persönlich kann ich das nicht nachvollziehen.

Zum Hochwasser: ja tut mir leid für die Betroffenen, aber wer ne Opferrolle als entitlement missbraucht und Sätze mit: "X müsse jetzt aber ..." beginnt, ist eigentlich bei mir durch.
Ich verstehe die Leute, bei denen das Haus über Nacht ohne Vorwarnung weggespült wurde, da hast du plötzlich nichts mehr. Ich verstehe auch die Leute, die Angehörige verloren haben. Zweifelsohne Tragödien, unabhängig von der Frage Versicherung ja oder nein. Alles darunter oder die oben angesprochene Jammerattitüde kann ich nicht nachvollziehen.
Es ist außerdem Sommer, wäre es Winter, wäre das auch noch mal was anderes.

@j_laurentius: Keller auspumpen, 24 h Stromausfall, kein Mobilfunkempfang holt mich jetzt ehrlich gesagt nicht ab. Das klingt nach einer allenfalls mittelmäßigen Unannehmlichkeit.

Klar habe ich auch gespendet, weil ich das Hochwasser schlimm finde und ich wäre auch hingefahren und hätte geholfen, hätte die Bundeswehr Reservisten aktiviert oder gefragt. Es sollten sich alle mal fragen, mit welchem mentalen Modus man hier an solche Sachen rangeht. Das ist eigentlich das, was mich stört.

Eine hiesige Moderatorin heult uns doch hier auch nicht jeden Tag von ihrem sicherlich vergleichsweise schwererem Leben vor. Wenn sie mal vom Rollstuhl und ihren Strapazen berichtet ist da nie ein Unterton dabei, dass ja alles so ganz schlimm ungerecht wäre und sich die Welt gegen sie verschworen hätte.

Mir geht es, ich hoffe das ist deutlich geworden, um die innere Haltung, die bei manchen in diesen Krisen deutlich wird.

Die Gesellschaft scheint mir nicht mehr belastbar zu sein, die Präambel des Grundgesetz sollte lauten:
Im Bewußtsein der Verantwortung aller Anderen, nur nicht man selbst ...
In meinem Posting ging es mir um die Leute, deren Häuser seit dem Unwetter nicht mehr existent oder dauerhaft unbewohnbar sind, vielleicht habe ich das nicht ganz deutlich ausgedrückt, aber auch die vorherigen Postings behandelten doch die Frage, ob man jemandem, der nun sein Haus/sein Obdach verloren hat, vom Staat, also vom Steuerzahler, finanzielle Unterstützung für die "Wiederbeschaffung" bekommen sollen oder nicht. Und da finde ich, ja, das sollen sie. Ich habe auch nicht herumgeweint wegen Kellerauspumpen und 24 Stunden Stromausfall, sondern lediglich sagen wollen, dass ich bei dem Stromausfall und den fehlenden Mobilfunkempfang (das war schon ein Problem, was ist, wenn man einen Notfall hat und dringend Hilfe braucht?) so, wie es bei uns war, schon nervös wurde (zumal wir ja nicht wussten, wie lange der Zustand so bleiben würde, hinterher, wenn man weiß, es waren nur 24 Stunden, ist ja alles gut, aber es hätten ja auch Tage oder gar Wochen werden können) und deswegen jeden, der angesichts eines verwüsteten Wohnorts und zerstörtem Haus traumatisiert ist und Hilfe (auch finanzieller Art) braucht, verstehen kann.

Das zu vergleichen mit der Hysterie, die sich in Sachen Coronaimpfung oder anderen Banalitäten ausgebreitet hat, finde ich doch ziemlich weit hergeholt. In Sachen allgemeine Verweichlichung hast Du sicherlich Recht, aber ich meine, den Vorwurf müssen sich diejenigen, die so massiv von der Flutkatastrophe betroffen sind, nicht machen lassen.
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Re: Fluthilfen

Beitrag von Joshua » Montag 16. August 2021, 19:18

j_laurentius hat geschrieben:
Montag 16. August 2021, 19:02

Das zu vergleichen mit der Hysterie, die sich in Sachen Coronaimpfung oder anderen Banalitäten ausgebreitet hat, finde ich doch ziemlich weit hergeholt. In Sachen allgemeine Verweichlichung hast Du sicherlich Recht, aber ich meine, den Vorwurf müssen sich diejenigen, die so massiv von der Flutkatastrophe betroffen sind, nicht machen lassen.
Zustimmung (mit Ausnahme der allg. Verweichlichung).
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Re: Fluthilfen

Beitrag von Urs Blank » Montag 16. August 2021, 19:30

Stimme jL im Grundsatz zu. Etwas ungeordnet und zugegeben holzschnittartig:

- Wenn jahrhundertealte Häuser - in Blessem sogar Teile einer alten Burg - plötzlich von den Fluten weggerissen werden, ist das sicherlich nicht vorherzusehen. Insofern geht der Vorwurf mangelnder privater Vorsorge in vielen Fällen ins Leere.

- Der offenbar teils mangelhafte Hochwasserschutz ist übrigens der öffentlichen Hand zuzurechnen. Daher ist es recht und billig, wenn diese sich an der Schadenswiedergutmachung beteiligt.

- Warum haben die Betroffenen in der Risikozone gebaut/ein Haus gebaut? Als wäre das immer so klar, was eine solche Zone ist. Und als Immobilienkäufer muss man in bestimmten Regionen oft auch nehmen, was man kriegt.

- Warum wird bei einem einzelnen Unfall nicht entschädigt, hier aber schon: Weil die sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen einer solchen Groß-Katastrophe auf ganze Landstriche enorm sind. Es besteht ein öffentliches Interesse an einem schnellen Wiederaufbau.

- Warum werden überflutete Häuser ersetzt, wertlose Wirecard-Aktien aber nicht: Weil Wohnen ein Grundbedürfnis ist, das Halten von Aktien aber nicht. Und über das Totalverlustrisiko hat der nette Anlageberater doch aufgeklärt, oder?
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Re: Fluthilfen

Beitrag von Theopa » Montag 16. August 2021, 19:52

Urs Blank hat geschrieben:
Montag 16. August 2021, 19:30
- Wenn jahrhundertealte Häuser - in Blessem sogar Teile einer alten Burg - plötzlich von den Fluten weggerissen werden, ist das sicherlich nicht vorherzusehen. Insofern geht der Vorwurf mangelnder privater Vorsorge in vielen Fällen ins Leere.

- Warum wird bei einem einzelnen Unfall nicht entschädigt, hier aber schon: Weil die sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen einer solchen Groß-Katastrophe auf ganze Landstriche enorm sind. Es besteht ein öffentliches Interesse an einem schnellen Wiederaufbau.

- Der offenbar teils mangelhafte Hochwasserschutz ist übrigens der öffentlichen Hand zuzurechnen. Daher ist es recht und billig, wenn diese sich an der Schadenswiedergutmachung beteiligt.
Soweit noch teilweise Zustimmung, gerade letzteres kann ein relevanter Aspekt sein. Das allerdings wohl nur in Einzelfällen und nicht flächendeckend.

Dennoch ist das kein Argument gegen eine Versicherung die absolut jeder Hauseigentümer haben sollte. Selbst in Wüsten gibt es gelegentlich heftigste Niederschläge und Häuser bewohnt man eben im Regelfall über Jahrzehnte.
Urs Blank hat geschrieben:
Montag 16. August 2021, 19:30
- Warum haben die Betroffenen in der Risikozone gebaut/ein Haus gebaut? Als wäre das immer so klar, was eine solche Zone ist. Und als Immobilienkäufer muss man in bestimmten Regionen oft auch nehmen, was man kriegt.

- Warum werden überflutete Häuser ersetzt, wertlose Wirecard-Aktien aber nicht: Weil Wohnen ein Grundbedürfnis ist, das Halten von Aktien aber nicht. Und über das Totalverlustrisiko hat der nette Anlageberater doch aufgeklärt, oder?
Nein, man muss nicht nehmen, man will. Oder wurde einer der Eigentümer zum Kauf / zum Selbstbezug der Erbschaft gezwungen? Mieten bleibt eine Option. Wer die Vorteile des Eigentums und zugleich die Vorteile eines eigenen Hauses im Vergleich zu einer Wohnung haben möchte muss die zugehörigen Nachteile in Kauf nehmen. Und dazu gehört eben auch, dass man die Risiken für das Gebäude bzw. die Risiken die sich aus dem Eigentum ergeben selbst trägt oder versichert.

Wohnen ist ein Grundbedürfnis, Wohneigentum aber nicht. Über den Totalverlust wenn das Haus abbrennt/einstürzt werden die Käufer/Erben nicht einmal aufzuklären sein, da das Allgemeinwissen sein sollte.
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Re: Fluthilfen

Beitrag von Urs Blank » Montag 16. August 2021, 20:47

Wir können uns sicherlich darüber einigen, dass manche Betroffene schutzwürdiger sind als andere; vielleicht gibt es auch Betroffene, die bei näherer Betrachtung gar keine finanzielle Entschädigung "verdienen". Und sicherlich könnte man einen Kriterienkatalog entwickeln, nach dem dann mehr oder weniger großzügig entschädigt wird.

Nur: Wer will in dieser Situation kleinteilige Prüfungen durchführen, die sich womöglich Jahre hinziehen, wenn es etwa darum geht, im Einzelfall Verantwortlichkeiten für die Schäden zu bestimmen? Deshalb halte ich das Gießkannenprinzip hier für besser geeignet. Dass einige davon unberechtigt profitieren, muss hingenommen werden. Denn es geht darum, die Verödung ganzer Regionen zu verhindern.
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Re: Fluthilfen

Beitrag von Joshua » Montag 16. August 2021, 21:19

Urs Blank hat geschrieben:
Montag 16. August 2021, 19:30
Stimme jL im Grundsatz zu. Etwas ungeordnet und zugegeben holzschnittartig:

- Wenn jahrhundertealte Häuser - in Blessem sogar Teile einer alten Burg - plötzlich von den Fluten weggerissen werden, ist das sicherlich nicht vorherzusehen. Insofern geht der Vorwurf mangelnder privater Vorsorge in vielen Fällen ins Leere.

- Der offenbar teils mangelhafte Hochwasserschutz ist übrigens der öffentlichen Hand zuzurechnen. Daher ist es recht und billig, wenn diese sich an der Schadenswiedergutmachung beteiligt.

- Warum haben die Betroffenen in der Risikozone gebaut/ein Haus gebaut? Als wäre das immer so klar, was eine solche Zone ist. Und als Immobilienkäufer muss man in bestimmten Regionen oft auch nehmen, was man kriegt.

- Warum wird bei einem einzelnen Unfall nicht entschädigt, hier aber schon: Weil die sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen einer solchen Groß-Katastrophe auf ganze Landstriche enorm sind. Es besteht ein öffentliches Interesse an einem schnellen Wiederaufbau.

- Warum werden überflutete Häuser ersetzt, wertlose Wirecard-Aktien aber nicht: Weil Wohnen ein Grundbedürfnis ist, das Halten von Aktien aber nicht. Und über das Totalverlustrisiko hat der nette Anlageberater doch aufgeklärt, oder?
Das trifft es mE im Wesentlichen sehr gut.
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Re: Fluthilfen

Beitrag von Joshua » Montag 16. August 2021, 21:20

Urs Blank hat geschrieben:
Montag 16. August 2021, 20:47
Wir können uns sicherlich darüber einigen, dass manche Betroffene schutzwürdiger sind als andere; vielleicht gibt es auch Betroffene, die bei näherer Betrachtung gar keine finanzielle Entschädigung "verdienen". Und sicherlich könnte man einen Kriterienkatalog entwickeln, nach dem dann mehr oder weniger großzügig entschädigt wird.

Nur: Wer will in dieser Situation kleinteilige Prüfungen durchführen, die sich womöglich Jahre hinziehen, wenn es etwa darum geht, im Einzelfall Verantwortlichkeiten für die Schäden zu bestimmen? Deshalb halte ich das Gießkannenprinzip hier für besser geeignet. Dass einige davon unberechtigt profitieren, muss hingenommen werden. Denn es geht darum, die Verödung ganzer Regionen zu verhindern.
Hier ein Einwand: ME muss das Subsidiaritätsprinzip aber greifen. Wer viel Geld auf der hohen Kante hat, muss zumindest einen (nicht unerheblichen) Teil davon einsetzen!
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Re: Fluthilfen

Beitrag von Strich » Dienstag 17. August 2021, 11:03

j_laurentius hat geschrieben:
Montag 16. August 2021, 19:02
...
Ich sehe nicht ganz den Widerspruch zu meinem Posting, mit Ausnahme der Klarstellung, dass der Verweis auf den Strom- und Mobilfunkausfall kein Geweine gewesen sein sollte.
Urs Blank hat geschrieben:
Montag 16. August 2021, 19:30
Stimme jL im Grundsatz zu. Etwas ungeordnet und zugegeben holzschnittartig:

- Wenn jahrhundertealte Häuser - in Blessem sogar Teile einer alten Burg - plötzlich von den Fluten weggerissen werden, ist das sicherlich nicht vorherzusehen. Insofern geht der Vorwurf mangelnder privater Vorsorge in vielen Fällen ins Leere.
Stimme da zu.
Urs Blank hat geschrieben:
Montag 16. August 2021, 19:30
- Der offenbar teils mangelhafte Hochwasserschutz ist übrigens der öffentlichen Hand zuzurechnen. Daher ist es recht und billig, wenn diese sich an der Schadenswiedergutmachung beteiligt.
Stimme nicht zu. Der Staat ist, diese Denke zugrundegelegt, immer schuld. Covidtote? Hätte man mal vorher mehr in Pandemiebevorsorge investiert. Hochwasserschutz nicht ausreichend? Tja Pech gehabt Staat, jetzt zahl. Banken wurden nicht ausreichend überwacht und dealen mit wertlosen Krediten? Ja Staat hättest du mal vorher die Zügel angezogen, Zeit für einen Bail out.
Urs Blank hat geschrieben:
Montag 16. August 2021, 19:30
- Warum haben die Betroffenen in der Risikozone gebaut/ein Haus gebaut? Als wäre das immer so klar, was eine solche Zone ist. Und als Immobilienkäufer muss man in bestimmten Regionen oft auch nehmen, was man kriegt.
Das was Theopa dazu gesagt hat
Urs Blank hat geschrieben:
Montag 16. August 2021, 19:30
- Warum wird bei einem einzelnen Unfall nicht entschädigt, hier aber schon: Weil die sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen einer solchen Groß-Katastrophe auf ganze Landstriche enorm sind. Es besteht ein öffentliches Interesse an einem schnellen Wiederaufbau.
Das lässt sich hören.
Urs Blank hat geschrieben:
Montag 16. August 2021, 19:30
- Warum werden überflutete Häuser ersetzt, wertlose Wirecard-Aktien aber nicht: Weil Wohnen ein Grundbedürfnis ist, das Halten von Aktien aber nicht. Und über das Totalverlustrisiko hat der nette Anlageberater doch aufgeklärt, oder?
Man muss weder den Hauskäufer noch den Aktionär nicht wie ein Kind behandeln.
Stehe zu deinen Überzeugungen soweit und solange Logik oder Erfahrung dich nicht widerlegen. Denk daran: Wenn der Kaiser nackt aussieht ist der Kaiser auch nackt. Wahrheit und Lüge sind nicht Seiten der selben Medaille ... .
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Re: Fluthilfen

Beitrag von Herr Schraeg » Dienstag 17. August 2021, 11:43

Urs Blank hat geschrieben:
Montag 16. August 2021, 19:30
Stimme jL im Grundsatz zu. Etwas ungeordnet und zugegeben holzschnittartig:

- Wenn jahrhundertealte Häuser - in Blessem sogar Teile einer alten Burg - plötzlich von den Fluten weggerissen werden, ist das sicherlich nicht vorherzusehen. Insofern geht der Vorwurf mangelnder privater Vorsorge in vielen Fällen ins Leere.
Deshalb war mein erster post dazu auf die Fälle beschränkt, bei denen die Eigenheimbesitzer das Risiko bewusst in Kauf genommen haben, indem sie keine Elemtarversicherung abgeschlossen haben oder aber in den Konstellationen, in denen die Versicherungen wegen des zu hohen Risikos eine solche Versicherung nicht anbieten, dennoch sehenden Auges gekauft oder gebaut haben.

Zur Differenzierung "Wohnen und nicht Wohneigentum als Grundbedürfnis" hat Theopa schon das Notwendige gesagt.

Das
Urs Blank hat geschrieben:
Montag 16. August 2021, 19:30
Warum wird bei einem einzelnen Unfall nicht entschädigt, hier aber schon: Weil die sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen einer solchen Groß-Katastrophe auf ganze Landstriche enorm sind. Es besteht ein öffentliches Interesse an einem schnellen Wiederaufbau.
hingegen ist ein - für mich - neues und valides Argument. Es macht wenig Sinn, die Strasse und die Gleise wiederaufzubauen, wenn dort auf Dauer nur Ruinen stehen. Dann müsste man aber differenzieren, wo tatsächlich eine ganze Region und wo "nur" eine Gruppe von Häusern betroffen ist. Vor allem aber wird man genau untersuchen müssen, wo auch in Zukunft wieder solche Überschwemmungen auftreten werden, wenn die allgemein akzeptierte Grundannahme richtig ist, dass solche Katastrophen wegen des Klimawandels häufiger als bislang auftreten werden. Denn jetzt mit einem Millionenaufwand eine Gruppe von Häusern wiederaufzubauen, wenn die nächste Flut in zehn Jahren dort erneut alles zerstört, ist Irrsinn.
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Re: Fluthilfen

Beitrag von Sektnase » Dienstag 17. August 2021, 21:48

Dann soll der Staat die Häuser kaufen und sie billig drin wohnen lassen.
In einem Umfeld, in dem mittelschwere Hurensöhnigkeit häufig zum Stellenprofil gehört, muss einen nicht wundern, wenn man Scheiße behandelt wird. -Blaumann
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