Wieso meinen viele, Jura lohne sich finanziell nicht?

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DerSucher
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Wieso meinen viele, Jura lohne sich finanziell nicht?

Beitrag von DerSucher »

Hallo,
Frage steht im Betreff.
Ich meine: als Syndikus oder in der GK bekommt man Gehälter, von denen MINTler doch nur träumen. Im Vergleich zur GK hat der Syndikus sogar eine gute WLB. Klar braucht man hierfür ein Prädikat, aber damit sind das doch bestimmt 15 bis 25%, die so gut verdienen. Bestimmt mehr als bei MINTlern. Hat man kein Prädikat, kann man dann bestimmt immernoch Gehaltsentwicklungen von 50k bis zu 100k machen, ähnlich wie der MINTler

Wieso also soll sich Jura nicht lohnen?
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Schnitte
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Re: Wieso meinen viele, Jura lohne sich finanziell nicht?

Beitrag von Schnitte »

Die hochbetagten Stellen haben dann halt auch lange Arbeitszeiten, die die auf Stundensatz umgerechneten Gehälter nicht mehr so umwerfen erscheinen lassen wie die Monatsgehälter. Und viele bleiben ja auch nicht ihre ganze Karriere lang in der GK, sondern wechseln nach einigen Jahren in etwas gemächlicheres, aber nicht mehr so gut bezahltes.
"Das Vertragsrecht der Bundesrepublik Deutschland und die gesetzlich vorgesehenen Möglichkeiten, die Erfüllung von Verträgen zu erzwingen [...], verstoßen nicht gegen göttliches Recht."

--- Offizialat Freiburg, NJW 1994, 3375
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Tikka
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Re: Wieso meinen viele, Jura lohne sich finanziell nicht?

Beitrag von Tikka »

Ich habe die These, dass sich Jura nicht lohnt noch nie gehört. Ich finde Jura lohnt isch potentiell extrem. Bei den allerwenigsten Studienfächern sind solche Gehälter möglich. Und selbst wenn man nicht auf GK-Spitzengehälter abzielt, so verdient man als Volljurist in den allermeisten Fällen ein recht auskömmliches Gehalt... sogar im öffentlichen Dienst ;) :D
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Wieso meinen viele, Jura lohne sich finanziell nicht?

Beitrag von Liz »

Die Frage geht am zentralen Punkt für den TE vorbei: Wenn im vorhergehenden Thread „Lohnt sich Jura für mich (noch)?“ Zweifel daran angemerkt worden sind, ob sich das finanziell lohnt, nach einem MINT-Studium noch Jura anzufangen, dann liegt das daran, dass der TE locker 7-8 Jahre Verdienstausfall im MINT-Bereich in Kauf nehmen würde, nur weil bei Jura in einem relativ kleinen Bereich auch als Berufseinsteiger > 100k / a möglich sind. Die Schwelle, dass sich das finanziell wirklich rechnet, ist in diesem Szenario wesentlich höher. In der Justiz zB dürfte man diese 7-8 Jahre zusätzlichen Verdienstausfall kaum aufholen können.
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Re: Wieso meinen viele, Jura lohne sich finanziell nicht?

Beitrag von gola20 »

Ich habe die These, dass sich Jura nicht lohnt auch noch nie gehört.
Mia
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Re: Wieso meinen viele, Jura lohne sich finanziell nicht?

Beitrag von Mia »

Der angestellte Ingenieur geht nach seinen 39 Stunden pünktlich. Das kann man in keiner Kanzlei und regelmäßig auch nicht in der Justiz bringen. Das ist in der Verwaltung möglich und dort verdient man mit derselben WLB eher weniger. Wenn es nur um die Verdienstchancen und Spitzengehälter geht mag man Jura mit BWL vergleichen - und da wird dann jeweils sehr viel gearbeitet. Mit BWL kann man in der Spitze dann auch sehr viel Geld verdienen.
Also im Ergebnis würde ich meinen, dass es drauf ankommt (achso). Und nicht zuletzt darauf, was einem liegt und wie viel man arbeiten will und was man sich von seinem Beruf erwartet.
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Re: Wieso meinen viele, Jura lohne sich finanziell nicht?

Beitrag von Sebast1an »

Mia hat geschrieben: Mittwoch 18. Oktober 2023, 12:29 Der angestellte Ingenieur geht nach seinen 39 Stunden pünktlich.
Ist das so? :-k
Ich bin auch nur ein Mensch. Genauso wie ein Weißer Hai auch nur ein Fisch ist. (Zlatan Ibrahimović)
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Tikka
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Re: Wieso meinen viele, Jura lohne sich finanziell nicht?

Beitrag von Tikka »

Mia hat geschrieben: Mittwoch 18. Oktober 2023, 12:29 Der angestellte Ingenieur geht nach seinen 39 Stunden pünktlich.
Das halte ich für ein Gerücht.
Quelle: Bin Sohn eines Ingenieurs. Da gab es fast nie Wochen unter 50h. Es gilt also wie immer: Es kommt drauf an.
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Re: Wieso meinen viele, Jura lohne sich finanziell nicht?

Beitrag von Mia »

Ich kenne es aus verschiedenen Altersgruppen und verschiedenen Regionen/ Unternehmen nur so, dass das möglich ist, wenn man das will. Selbst in der Selbstständigkeit enorm viel Flexibilität (da natürlich wie immer, wer kann, der kann). Aber gut, verallgemeinern funktioniert meist nicht.
Tyberius
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Re: Wieso meinen viele, Jura lohne sich finanziell nicht?

Beitrag von Tyberius »

Mia hat geschrieben: Mittwoch 18. Oktober 2023, 12:29 Der angestellte Ingenieur geht nach seinen 39 Stunden pünktlich.
Ob das so realistisch ist bei einem durchschnittlichen Ingenieur kann ich nicht beurteilen. Ich weiß aber aus der Nahbereichsempirie, dass z.B. im Bereich IT/Informatik/Softwareentwicklung eine 40 h-Woche (teilweise auch 35 h und zum Teil zu 100% im Homeoffice) bei sechsstelligen Gehältern mit 2-3 Jahren Berufserfahrung problemlos machbar sind. Wenn man dann noch berücksichtigt, dass der Ausbildungsweg in der Regel kürzer ist (z.B. 5 Jahre für Bachelor + Master ggü. 7-8 Jahre bis zum 2. StEx) könnte man schon zum Schluss kommen, dass Jura sich finanziell nicht (oder zumindest) weniger lohnt.

Letztlich würde ich auf solche Vergleiche zu anderen Berufsfeldern aber nicht allzu viel geben. Denn was nützt es einem in der Hoffnung einen vermeinlich lukrativeren und mit besserer WLB ausgestattenen Job zu wählen, wenn man kein Talent dafür hat und/oder die Tätigkeit keine Freude bereitet.
Sicher ist jedenfalls, dass die aktuelle Perspektive mit Jura so positiv wie lange nicht mehr ist und man auch ohne Spitzennoten einen vernünftigen Verdienst haben wird.
DerSucher
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Re: Wieso meinen viele, Jura lohne sich finanziell nicht?

Beitrag von DerSucher »

Hat jemand auch Erfahrung mit Patentanwälten? Kann jemand sagen, wie die Arbeitsmärkte da jeweils aussehen und wie ihr die Zukunft einschätzt?
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