Wird/Wurde das Examen aufgrund der digitalen Lernmethoden im Vergleich zum letzten Jahrhundert schwerer gemacht?

Allgemeine Fragen zum Jurastudium (Anforderungen, Ablauf etc.)

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frustrierterstudent
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Wird/Wurde das Examen aufgrund der digitalen Lernmethoden im Vergleich zum letzten Jahrhundert schwerer gemacht?

Beitrag von frustrierterstudent »

Denkt ihr, dass das Jurastudium und vor allem das Examen in den letzten 20 Jahren schwerer gemacht wurde, um eine Noteninflation angesichts von effizienteren Lernmethoden (insbesondere digital) und vermehrt didaktischen Hilfsangeboten (Rechtsprechungsaufbereitung, studentenorientierten Skripten, Videos, Podcasts, etlichen Fallbüchern) entgegenzuwirken?

Ich bin in der Examensvorbereitung und es mir ein Rätsel, wie das vor 40 Jahren funktioniert haben soll bei einer solchen Stoffmenge ohne Recherche im Internet, Computer-Zusammenfassungen oder digitalen Karteikarten. Fleißiger waren die Boomer-Juristen ja sicher nicht.

Zugleich sind die Examens-Durchschnittsnoten auch nicht besser geworden.
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scndbesthand
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Re: Wird/Wurde das Examen aufgrund der digitalen Lernmethoden im Vergleich zum letzten Jahrhundert schwerer gemacht?

Beitrag von scndbesthand »

Inwieweit „digitale Lernmethoden“ effizienter sein sollen als die „analogen“ müsste man erst einmal näher begründen. Ob von einem Tablet oder einem Buch gelesen wird, ist erst einmal egal. Lesen und verstehen und wiederholen und anwenden muss man das Wissen wie eh und je. Daher sehe ich beim Lernen keinen so großen Effizienzgewinn.

Es geht wohl eher um die erleichterte Zugänglichkeit von Wissen über Datenbanken. Das ist sicher ein Vorteil gegenüber 1980. Ob die ersparte Latscherei in die Bib das Motiv ist, die Klausuren voller zu packen? Glaube ich eher nicht. Wohl eher die Erwägung, dass man Examina jetzt auf der Tastatur schreiben kann.
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OJ1988
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Re: Wird/Wurde das Examen aufgrund der digitalen Lernmethoden im Vergleich zum letzten Jahrhundert schwerer gemacht?

Beitrag von OJ1988 »

Die "Noten-Normalverteilung" gleicht sich m.E. an die Qualität der Arbeiten an. Die Umschreibungen der Notenkategorien sind ja relativ formuliert.
jona7317
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Re: Wird/Wurde das Examen aufgrund der digitalen Lernmethoden im Vergleich zum letzten Jahrhundert schwerer gemacht?

Beitrag von jona7317 »

Das sind sie nicht wirklich, denn die Formulierung orientiert sich durchgängig an "durchschnittlichen Erwartungen", nicht an durchschnittlichen Leistungen. Ist in der Realität sicherlich eine andere Geschichte, aber so formuliert sind die Notenkategorien nicht.
OJ1988
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Re: Wird/Wurde das Examen aufgrund der digitalen Lernmethoden im Vergleich zum letzten Jahrhundert schwerer gemacht?

Beitrag von OJ1988 »

jona7317 hat geschrieben: Dienstag 6. Februar 2024, 14:44 Das sind sie nicht wirklich, denn die Formulierung orientiert sich durchgängig an "durchschnittlichen Erwartungen", nicht an durchschnittlichen Leistungen. Ist in der Realität sicherlich eine andere Geschichte, aber so formuliert sind die Notenkategorien nicht.
Die mir bekannten Definitionen stellen auf "Anforderungen" ab, nicht auf "Erwartungen" (wobei sich auch Erwartungen in der Praxis naturgemäß den durchschnittlichen Leistungen angleichen).

"Sehr gut" ist daneben dann nur noch eine "besonders hervorragende Leistung". Hervorragen kann man aber nur aus dem Kreis der übrigen Prüflinge.
Torsten Kaiser
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Re: Wird/Wurde das Examen aufgrund der digitalen Lernmethoden im Vergleich zum letzten Jahrhundert schwerer gemacht?

Beitrag von Torsten Kaiser »

Also das zweite Examen wird über die Jahre gesehen schwerer. Leider. Aber das liegt m.E. nicht an den digitalen Lernmethoden.
gola20
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Re: Wird/Wurde das Examen aufgrund der digitalen Lernmethoden im Vergleich zum letzten Jahrhundert schwerer gemacht?

Beitrag von gola20 »

1 kg Examen bleibt immer 1kg Examen. Was soll "schwerer" überhaupt bedeuten? Wie misst du das? Was sind die Kriterien? Was ist der Maßstab?

Meiner Erfahrung nach werden "einfache" Examensklausuren viel strenger korrigiert. In "schweren" Klausuren hatte ich immer bessere Noten. Ist das Examen mit "schweren" Klausuren also doch "leichter"?
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