Karriereberatung?

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La Calunnia
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Beitrag von La Calunnia »

Hallo!

In der optimistischen Hoffnung, nicht nur auf hämische Kommentare zu stoßen, folgendes Anliegen:

Nach einigen Jahren in einer größeren mittelständischen Kanzlei bin ich nunmehr an einem Punkt, an dem ich nicht mehr weiter weiß. Karrieretechnisch bin ich gut aufgestellt, die Arbeit macht mir Spaß und ich rechne mir durchaus Partnerchancen aus. Allerdings ertrage ich die Zusammenarbeit mit einem der Partner nicht mehr. Kanzleiintern ist der Partner "gefürchtet" und es ist allgemeiner, stillschweigender Konsens, dass es quasi unzumutbar ist für ihn zu arbeiten (auch unter den weiteren Partnern). Leider habe ich das Pech, dass ich mittlerweile 80% meiner Billables für ihn mache. Ich bin nun zu dem Entschluss gekommen, dass ich einige Themen mal ansprechen muss (ggf. dann iVm meiner Kündigung). Ich würde aber gerne vorab mich von einer neutralen Person beraten lassen. In den Sinn kam mir da, es mit einem Karriereberater/-coach zu probieren. Nun bin ich mir durchaus bewusst, dass wahrscheinlich 90% der selbsternannten Berater Bauernfänger sind. Darum meine Bitte: Habt ihr vllt gute Erfahrungen mit einem Karriereberater für juristische Berufe gemacht?

Vielen Dank :)
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Schnitte
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Beitrag von Schnitte »

Ich würde anregen, anstatt eines Karrierecoachs einen Headhunter anzusprechen. Die haben, schon aus Eigeninteresse, einen ganz guten Überblick über die Marktlage und können die Chancen eines Interessenten bei einer Bewerbung auf freie Stellen realistisch einschätzen.
"Das Vertragsrecht der Bundesrepublik Deutschland und die gesetzlich vorgesehenen Möglichkeiten, die Erfüllung von Verträgen zu erzwingen…verstoßen nicht gegen göttliches Recht."

--- Offizialat Freiburg, NJW 1994, 3375 (Leitsatz der Redaktion)
La Calunnia
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Beitrag von La Calunnia »

Das ist richtig. Wäre aber erst der nächste Schritt, da ich an sich schon gerne in der Kanzlei bleiben würde.
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Sebast1an
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Beitrag von Sebast1an »

Brauchst du dann nicht eher einen Konfliktberater?
Ich bin auch nur ein Mensch. Genauso wie ein Weißer Hai auch nur ein Fisch ist. (Zlatan Ibrahimović)
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scndbesthand
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Beitrag von scndbesthand »

Ich würde eher wenig Hoffnung darauf setzen, dass psychopathisch veranlagte Partner, die das Recht auf Anrichtung von Sozialschaden als mit dem Umsatz mitverdient ansehen, großes Interesse haben, an sich zu arbeiten. Egal, ob auf direkte Ansprache des Associates oder eines Mitpartners.

Entweder aushalten, sehr schwierig auf Dauer, oder versuchen, für wen anders zu arbeiten und wenn dies nicht möglich ist, Kanzlei wechseln.
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La Calunnia
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Beitrag von La Calunnia »

Ja, meine Hoffnungen sind auch gering. Deshalb ist der Kanzleiwechsel in jedem Fall eine naheliegende Option.

Allerdings habe ich nicht die schlechteste Verhandlungsposition, da er quasi keine eigenen Associates mehr hat und seine letzten beiden Associates in kurzer Zeit wieder gegangen sind. Zudem zählt das juristische Arbeiten nicht gerade zu seinen Stärken, sodass mein Wechsel für ihn nicht unproblematisch wäre.

Ich möchte allerdings angesichts meiner fortgeschrittenen Karrierestufe etwas mehr davon haben, dass ich es mit ihm aushalte. So tut er quasi alles, um mich nach außen möglichst unsichtbar erscheinen zu lassen (ich tauche quasi nur auf den Rechnungen auf). Auch fördert er mich sonst nicht in der Kanzlei (wird aber nicht Müde, es zu behaupten).

Ich mag auch die Kanzlei und die Arbeitskollegen gerne, weshalb ich es sehr schade fänd, deswegen zu wechseln. Ein interner Wechsel scheidet aber leider aus, da er dann keinen mehr hat und auch kein Partner Lust hat, sich wegen mir mit ihm anzulegen (Psychopath trifft es ganz gut; er verwendet sicher 10h die Wochen darauf, Leute zu terrorisieren, die ihm mal quer gekommen sind).

Kurzum, ich muss ein Gespräch mit ihm führen und ausloten, ob er zu irgendwelchen Zugeständnissen bereit ist. Leider befürchte ich, dass ich bei dem Gespräch schnell die sachliche Ebene verlassen könnte. Deshalb würde ich meine Situation gerne mit einer neutralen Person besprechen und einen Plan für das Gespräch entwickeln (ja, ich weiß, ist alles ein fromme Hoffnung, aber ganz kampflos will ich nicht gehen)
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scndbesthand
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Beitrag von scndbesthand »

Ich bin jetzt mal kritisch, aber es hilft vielleicht, die Prämissen zu validieren oder zu falsifizieren, von denen Du ausgehst.

Du scheinst Dich in der Umgebung wohl zu fühlen und den Kontakt mit den Kollegen zu schätzen. Vielleicht hast Du auch aufgrund der Seniorität ein gewisses Standing bei Kollegen. Dein Gebiet kennst Du gut und kannst viel aus dem Bauch heraus entscheiden, was Sicherheit gibt und das Arbeiten angenehm macht.

Das gibt einem natürlich ein schönes Gefühl, könnte Dir aber den Blick dafür verstellen, dass Du auf Deiner jetzigen Position ein totes Pferd reitest, möglicherweise Deine Aussichten auch falsch einschätzt und wertvolle Zeit verschwendest. Da nutzt jemand Deine Expertise für sich und versteckt Dich im stillen Kämmerlein, will Dir aber weismachen, für Dich werde etwas getan, damit Du nicht gehst. So behandle ich als Chef eigentlich nicht Leute, denen ich zutraue durch Präsenz/Gesicht mehr Geschäft zu generieren.

Kann man erzwingen, dass das geändert wird? Ich denke nein, auch mit dem Weggang zu „drohen“ wird die Strategie Deines Chefs nicht ändern, er würde sich forciert externe Leute suchen und einstellen, die Du dann als kleine Gemeinheit sogar einarbeiten darfst und die dann mit Sicherheit schon nach vier Wochen alles besser machen als Du (gut, ich übertreibe vielleicht).

Kannst Du Unterstützung von außen erhalten? Auch schwierig, denn jeder ist froh, dass einer da ist, der für den Typen arbeitet und nicht die „eigenen Leute“ verbrannt werden.
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Strich
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Beitrag von Strich »

Ja ich teile die Einschätzung von scndbesthand. Habe vor Kurzem in näherem Bekanntenkreis auch so eine Geschichte erlebt. Da hilft nur weggehen (ob zu anderem Partner - unrealistisch - oder zu anderer Kanzlei).
Stehe zu deinen Überzeugungen soweit und solange Logik oder Erfahrung dich nicht widerlegen. Denk daran: Wenn der Kaiser nackt aussieht ist der Kaiser auch nackt ... .
- Daria -

www.richtersicht.de

Seit 31.05.2022 Lord Strich
Torsten Kaiser
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Beitrag von Torsten Kaiser »

Ein Kanzleiwechsel kann auch ein neuer Start in eine tolle, andere Zukunft sein.
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