Verbesserungsversuch im 1. Examen

Allgemeine Fragen zum Jurastudium (Anforderungen, Ablauf etc.)

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überdenkenderDenker
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Beitrag von überdenkenderDenker »

Hallo,

ich habe mich zwei Jahre für das 1. Examen vorbereitet und in meinem Freiversuch 12,40 Punkte erreicht, also nur der staatliche Teil. Ich bin sehr zufrieden. Dennoch überlege ich, es nochmal zu versuchen, da sich meine mentale Situation verbessert hat.

In die schriftliche Prüfung bin ich sehr unsicher und mit starken Selbstzweifeln reingegangen, da ich wegen der Korrekturen in den Probeklausuren dachte, dass ich gewissermaßen nichts kann. Die Korrekturen waren häufig unsauber und mitunter bekam ich den Eindruck, dass die Klausuren schlicht nicht gelesen wurden. Ich bin ein Perfektionist und gehe sehr hart mit mir ins Gericht. Daher blieb die Note – unabhängig, ob sie gerechtfertigt war oder nicht – im Kopf. Durchgefallen bin ich nie, aber zwischen 16 und 5 Punkten war alles dabei.
Dieses Gefühl, ein Taugenichts zu sein, war sehr stark; mental ging es mir nicht sonderlich gut. Ich war ziemlich verunsichert und am Boden. Obwohl ich im Studium gut war, sah ich nur meine Makel im Rahmen der Vorbereitung. Mit dieser Versagensangst trat ich die schriftlichen Prüfungen an. Retrospektiv denke ich, dass ich mich aus Versteifung und dem Drang, es richtig gut zu machen, oft blockiert habe.

Nachdem ich das Ergebnis und die wirklich sehr positiven Anmerkungen zu meinen Klausuren von den Praktikern und Professoren gelesen habe, weiß ich, dass ich zumindest etwas kann. In der mündlichen Prüfung habe ich auch geliefert. Ich bin – auf gar keinen Fall – abgehoben und denke, dass ich ein Meister sei oÄ (da wäre ich die letzte Person), sondern ich fühle mich einfach selbstbewusst.

Dieses Selbstbewusstsein (nicht Überheblichkeit!!) bringt mich zur Überlegung, ob ich es nicht noch einmal versuchen soll. Nun bin ich lockerer und entspannter, da ich ein gutes Examen erzielt habe. Da ich vor dem Ref den Pflichtstoff vom 1. Examen ohnehin fast täglich wiederhole, wären wohl die 30h während der schriftlichen plus die mündliche Prüfung der einzige Mehraufwand. Probeklausuren würde ich nicht schreiben, da ich dies zweijahrelang wöchentlich tat. Ich gliedere dreimal die Woche Fälle (ZR, StR, ÖR).
Ich denke, wenn ich es nicht erneut probiere, werde ich mich später fragen, was wäre wenn ... Gleichzeitig besteht das Risiko, dass ich mich verschlechtere und mich dann frage, welchem Ergebnis ich nun trauen soll. Ich bin sehr selbstkritisch...

Ich möchte erst im Oktober 2026 mit dem Ref beginnen. Anvisieren würde ich März 2026 für den VV. Jetzt arbeite ich, wiederhole und vertiefe StPO (Heidrich/Neher), ZPO (Knöringer/Kunnes) und lerne Steuerrecht (leider Bayern).

Ich bin hin und her gerissen. Mein Ehrgeiz hat mich gepackt, aber ich möchte nicht wagemutig sein. Hat jemand Erfahrungen gemacht oder einen Tipp? Im Endeffekt muss ich selbst entscheiden. Mittlerweile habe ich aber so viel überlegt, dass ich gerade nicht weiß, was richtig ist. Das werde ich wohl nie.
Gürteltier
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Beitrag von Gürteltier »

überdenkenderDenker hat geschrieben: Sonntag 20. Juli 2025, 08:53 Da ich vor dem Ref den Pflichtstoff vom 1. Examen ohnehin fast täglich wiederhole, wären wohl die 30h während der schriftlichen plus die mündliche Prüfung der einzige Mehraufwand. Probeklausuren würde ich nicht schreiben, da ich dies zweijahrelang wöchentlich tat. Ich gliedere dreimal die Woche Fälle (ZR, StR, ÖR).
Ganz ehrliche Antwort (von jemandem, der auch wirklich sehr ambitioniert ist): Lass es bleiben. Hör auf jetzt zu lernen. Mach bisschen Urlaub, geh in den Park, küss ein paar Jungs oder Mädchen und erhol dich von einer zweijährigen Tortur. Das Ref wird nochmal richtig anstrengend und mit deiner Note steht dir wirklich alles offen. Allein die Lebensenergie eines schriftlichen Examensdurchgangs wäre es mir ohne ein dringend notwendiges Notenziel niemals wert (und ein “sehr gut”, zumal rein gar nicht planbar, ist kein solches Ziel - wenn man bspw. knapp das VB verpasst hätte, sähe die Kosten-Nutzen-Rechnung, vor allem im 2. Examen, schon ganz anders aus).

Aber nur meine Meinung ;)
Julia
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Beitrag von Julia »

Sehe ich auch so. Das ist ein fantastisches Ergebnis, das du feiern solltest zumindest durch Urlaub.
Aber wenn du glaubst, dass du ohne den Versuch dir immer die "Was wäre, wenn"-Frage stellen würdest, dann mach es halt, aber ohne weitere Vorbereitung. In Bayern kostet der Versuch ja nicht mal was, zu verlieren hat man also nichts.
überdenkenderDenker
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Beitrag von überdenkenderDenker »

Danke für die schnellen Antworten. Genau, jetzt beginne ich, alle um mich herum zu küssen. Aber das wäre wohl strafbar :)
Gürteltier
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Beitrag von Gürteltier »

überdenkenderDenker hat geschrieben: Sonntag 20. Juli 2025, 09:54 Danke für die schnellen Antworten. Genau, jetzt beginne ich, alle um mich herum zu küssen. Aber das wäre wohl strafbar :)
Vielleicht vorher zusammen ein Eis essen und bei unklarer Datenlage kurz fragen, ob es okay ist ...
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