Naja, die Frage ist ja schon erstmal, wer das Klientel der FDP ist. In der "alten Bundesrepublik" (man denke so an die Zeit von Helmut Schmidt) hat die FDP zum Teil Meinungen und Bevölkerungsschichten erfasst, die heute im klassischen "linksgrünen" Milieu beheimatet sind. Die Grünen haben quasi alle progressiveren und gesellschaftlich liberalen Themen von der FDP übernommen und die FDP schafft es auch selbst nicht, sich noch als Rechtsstaats- und Grundrechtspartei zu verstehen. Insgesamt hat die FDP meiner persönlichen Meinung nach ein vulgäres Verständnis von Freiheit, das auf dem zeitlichen Niveau der amerikanischen Verfassung stecken geblieben ist und Freiheit ausschließlich als jegliches Fernbleiben des Staates versteht. Das ist so genommen auch primär korrekt, verkennt aber eine "positive" Freiheitsdimension, die nach modernem Verständnis auch durchaus relevant ist. Die FDP schafft(e) es aber, sich zentral in der Diskussion nur dann zu positionieren, wenn es um das Porschefahren etc. ging. Im Kern vertritt die FDP für mich eine Art hyperindividualistische Freiheitsvision, die dem gesellschaftlich Starken ein Maximum an Einzelfreiheit bieten will. Wenn das das Klientel der FDP ist - dann muss sie sich aber so oder so warm anziehen. Dieses Klientel wandert nämlich sicherlich auch gerne nach rechts außen ab.Schnitte hat geschrieben: Donnerstag 6. November 2025, 10:54Beispiele?Gürteltier hat geschrieben: Mittwoch 5. November 2025, 20:06 Die FDP ist in letzter Zeit mE aber immer wieder durch einige (laute) Stimmen im “rechtspopulistischen Bereich” aufgefallen.
Und ich frage aus zwei Anlässen. Zum Einen ist m.E. der Grund für das schlechte Abschneiden der FDP in Umfragen und bei der Bundestagswahl, dass sie für den Geschmack der eigenen Klientel über Jahre hinweg zu weit nach links gerückt ist. Falls "rechtspopulistische" Aussagen von Seiten der FDP kommen sollten, ist das vielleicht ein Versuch, dem entgegenzusteuern, aber das schlägt sich nicht in den Umfragen nieder, weil nach drei Jahren Ampel voll mit dem Muster "Wir reden gegen links, stimmen dann aber trotzdem mit denen" die Glaubwürdigkeit der FDP bei der besagten Klientel bei null angekommen ist. Und zum Anderen (und damit verknüpft) ist die FDP mittlerweile so weit unter der Wahrnehmungsschwelle, dass sie eigentlich mit gar nichts mehr wirklich auffällt. Man hört doch kaum noch Geschichten von denen. Der Lackmustest wird sein, wieviel Aufmerksamkeit ihr berühmtes Dreikönigstreffen im Januar bekommen wird. Meine Vermutung ist, dass das nicht viel sein wird.
Historisch war die FDP aber nicht nur die Wirtschaftslobby mit festen Sitzen im Bundestag. Bisweilen fühlte es sich in letzter Zeit aber so an, auch wenn das wohl dem Parteiprogramm per se nicht gerecht wird (meines Wissens nach ist Bildung ein zentrales Thema für die Partei - aber sogar mit dem Ministerium in der Hand konnte man sich damit nicht thematisch positionieren). Es geht mir also hier auch vor allem darum, bei welchen Themen die auftretenden Politiker ihre Schwerpunkte gesetzt haben. Das soll natürlich die grundsätzliche Legitimität von Wirtschafts- und Steuerthemen als zentralen Bestandteil eines Parteiprogramms nicht in Frage stellen.
Und was man sagen muss: Nach dem Grundkonzept waren alle gesellschaftlichen Reformen der Ampel, an die ich so denke, primär erst einmal liberal. Dass diese Reformen als "links" wahrgenommen wurden, beschreibt doch gerade auch das Problem, was zuvor in dieser Diskussion bereits angesprochen wurde: Das Selbstbestimmungsgesetz beispielsweise ist nicht per se "links". Natürlich behandelt es ein progressives Thema, aber an sich wird Bürokratie abgebaut und eine das allgemeine Persönlichkeitsrecht betreffende Thematik von staatlicher Beeinflussung weniger stark betroffen. Das ist sogar nach ganz klassischem Freiheitsverständnis (reine Abwehr staatlichen Einflusses) "liberal". Dass in einer SPD-geführten Regierung abgesehen davon auch einmal "sozialere" und "ordnungspolitische" Maßnahmen ergriffen werden, ist doch auch irgendwie klar. Die FDP war nur Junior-Partner. Wer aber sollte nach dieser Legislatur eine Partei wählen, die im Kern nur als Verhinderer und "nerviger Spielverderber" wahrgenommen wurde?
Als Beispiel würde ich vor allem Wolfgang Kubicki nennen oder auch Linda Teuteberg nennen, die sich für meine Wahrnehmung immer wieder irritierend geäußert haben und im Kern konservative, illiberale Werte vertreten haben. Dazu gehört etwa die Kritik des Selbstbestimmungsgesetz auf eher plumpe Art und Weise, Äußerungen, die von einem grundlegenden Missverständnis etwa der Meinungs- und Versammlungsfreiheit zeugten.


