Freischuss SOS - verstreichen lassen oder unvorbereitet als Übung mitnehmen?

Allgemeine Fragen zum Jurastudium (Anforderungen, Ablauf etc.)

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ProstMahlzeit
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Beitrag von ProstMahlzeit »

Hallo ihr,
Es geht um die folgende Situation: Durch Corona habe ich ein Semester mehr für den Freischuss, der im März 2026 (also unmittelbar bevorsteht). Das Problem ist aber, dass ich nicht denke zu diesem Zeitpunkt weitestgehend lückenlos (im Rahmen des Möglichen) vorbereitet zu sein und direkt nach dem Rep schreiben müsste.
Gerade die Klausurpraxis fehlt noch, ich habe bisher 6 geschrieben und im Rep die Fälle immer nochmal gut durchgegliedert.

Was meint ihr also, lieber den Freischuss als Übung mitnehmen oder den richtigen Versuch sauber schreiben? An sich würde ich auch extrem ungern drei mal schreiben, ich habe aber sehr Angst davor, den Freischuss sausen zu lassen und durch den scharfen Versuch durchzufallen…
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Schnitte
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Beitrag von Schnitte »

Freischuss „als Übung“ mitzuschreiben ist m.E. keine gute Sache. Wenn du bestehst, aber mit mittelmäßigen Noten, ist von der Lernmotivation her die Luft raus, ganz egal, wie sehr du dir vorher Disziplin vorgenommen hast. Lieber nimmt man sich die Zeit für gründliche Vorbereitung und schreibt ggf. Übungsklausuren.
"Das Vertragsrecht der Bundesrepublik Deutschland und die gesetzlich vorgesehenen Möglichkeiten, die Erfüllung von Verträgen zu erzwingen…verstoßen nicht gegen göttliches Recht."

--- Offizialat Freiburg, NJW 1994, 3375 (Leitsatz der Redaktion)
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scndbesthand
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Beitrag von scndbesthand »

Würde den Freischuss eher mitnehmen, sofern eine realistische Chance auf das Bestehen gegeben ist. Dann würde ich jetzt aber auch meine Lernstrategie auf Fälle schreiben umsteuern. Wenn fast alle Klausuren unter dem Strich sind, würde ich lieber auf eine stringente Vorbereitung setzen und mir noch etwas Zeit nehmen.

Die Gefahr, vor der Schnitte warnt, ist durchaus da und die mentale Belastung auch, egal wie oft man sich sagt, dass es ja nur Freischuss ist.

5 Klausuren mehr unter Echtzeitbedingungen sind aber auch etwas wert. Das kann im Verbesserungsversuch unter Umständen deutlich von Vorteil sein, weil man weiß, unter welchem Druck man steht, welche Strategien geholfen haben und welche nicht, zu sehen, was mache ich, wenn ein völlig abgedrehter Fall drankommt, etc.

Und wenn man besteht, geht man vielleicht den Verbesserungsversuch auch etwas entspannter an, mit dem Wissen im Hinterkopf, nicht mehr durchfallen zu können.
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Gürteltier
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Beitrag von Gürteltier »

Meine persönliche Meinung: Ich finde die 6 (sind es woanders nur 5?) Klausuren einfach so anstrengend, dass ich den Freischuss nicht wahrnehmen würde, um "nur" geschrieben zu haben. Dazu kommt der finanzielle Aufwand (evtl. Hotel am Prüfungsort, neu zu erwerbende Hilfsmittel, der Aufwand der Übertragung der evtl. zulässigen Kommentierungen, der allgemeine Organisationsaufwand, die allg. Lebens- und Arbeitsplanungen um den Examenstermin herum etc.).

Andererseits ist es vlt auch genau die "aufgezwungene" Übung des Klausurenschreibens unter realsten Bedingungen, die dir sehr viele Einblicke dahingehend geben, wie du deine Klausurpraxis verbessern kannst.

Ich selbst hatte durch Corona einen sehr "späten" Freischusstermin und habe genau zu diesem geschrieben - ich war da aber auch mit meiner Examensvorbereitung genau "durch". Ich habe die 6 Klausurtage als extrem anstrengend empfunden und habe wirklich danach 3 Kreuze geschlagen und gehofft, dass ich das nicht nochmal machen muss. Ich kenne aber auch Leute, die etwa zur Notenverbesserung oder wegen Nichtbestehens das Ganze "nochmal gemacht haben" und die haben das auch geschafft + waren auch jeweils mit ihren Ergebnissen zufrieden! Es kann sich also "lohnen".

Einschränkend zu allem aber: Ich komme aus einem Bundesland (Bayern), wo der Freischuss nur sehr bedingte Relevanz hat. Der Freischuss ist hier nur für diejenigen interessant, die drei Versuche (i.S.v.: die zwei vorherigen sind nicht bestanden) wahrnehmen wollen (eher: müssen). Die Notenverbesserung ist hier auch beim "Normalversuch" nach Verstreichen der Freischussfrist möglich.

Es kommt also einfach auf deine Einstellung zu diesen hier auch schon von den Vorpostern aufgeworfenen, relevanten Aspekten an. Du wirst das alles ein bisschen für dich abwägen müssen, meine ich.
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