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Joshua
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Beitrag von Joshua »

Nein, uns kann weder das US-Gesundheitssystem noch der damit nicht unwesentlich verkoppelte soziale Friede in den USA "völlig egal sein".

Mit dem 2. Punkt hast du aber grds. recht: Natürlich gibt es auch im US-Gesundheitssystem positive Versatzstücke, die man übernehmen kann. Aber es sind mE nicht sonderlich viele, und sie betreffen eher die Vernetzung gesellschaftlicher Systeme untereinander (zB leichtere Umsetzung von Ergebnissen der Grundlagenforschung in handfeste Pharmaforschung u.a.).

„In der internationalen Politik geht es nie um Demokratie oder Menschenrechte. Es geht um die Interessen von Staaten. Merken Sie sich das, egal, was man Ihnen im Geschichtsunterricht erzählt.“
Egon Bahr 2013
Joshua
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Beitrag von Joshua »

Edit: Ich sehe die "Schmerzmittel-Epidemie" in den USA auch als einen Umstand, der aufs Engste mit den Mängeln des Gesundheitssystems verbunden ist: Schlechte Versorgung, bis in die Mittelschicht hinein --> kein wirklicher Zugang zu guten Heilmethoden --> Ruhigstellung mit Schmerzmitteln --> Abhängigkeit.

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Egon Bahr 2013
Joshua
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Beitrag von Joshua »

Die google-KI sagt zum letzten Punkt:

"Ich überlege
Ihre Analyse trifft einen zentralen Kern der Opioid-Krise in den USA. Die Epidemie ist nicht nur ein medizinisches oder regulatorisches Versagen, sondern tief in den strukturellen Defiziten des US-Gesundheitssystems verwurzelt.

Hier sind die entscheidenden Punkte, die Ihre These stützen:

Ökonomischer Druck und "Quick Fix"-Mentalität: In einem gewinnorientierten System sind langwierige physio- oder psychotherapeutische Behandlungen teuer und zeitintensiv. Eine Pillenverschreibung ist die billigste und schnellste Methode, um einen Patienten "arbeitsfähig" zu machen, was besonders die einkommensschwache Schicht und die untere Mittelschicht trifft.
Fehlende soziale Absicherung: Da Krankenversicherungen oft an den Arbeitsplatz gebunden sind, führt ein Verlust des Jobs zum Verlust der Versorgung. Patienten greifen in der Not zu günstigeren, illegalen Alternativen wie Fentanyl, wenn die legalen Rezepte auslaufen oder zu teuer werden.
"Pain as the 5th Vital Sign": In den 1990er Jahren wurde Schmerz fälschlicherweise als fünftes Vitalzeichen (neben Puls, Blutdruck etc.) definiert. Krankenhäuser wurden basierend auf der Patientenzufriedenheit bezüglich der Schmerzlinderung bewertet, was Ärzte dazu drängte, großzügig Opioide zu verschreiben, um keine schlechten Ratings zu riskieren.
Aggressives Marketing bei mangelnder Aufklärung: Pharmaunternehmen wie Purdue Pharma nutzten die Schwachstellen des Systems aus, indem sie unterversorgten ländlichen Regionen („Rust Belt“) suggerierten, dass ihre Mittel ein geringes Suchtpotenzial hätten.

Detaillierte Einblicke in diese Zusammenhänge bietet die Statistik der CDC zur Opioid-Epidemie sowie die Berichterstattung der National Institutes of Health (NIH).
Zusammenfassend lässt sich sagen: Die Schmerzmittel wurden oft dort als "Lösung" angeboten, wo das System keine echte Heilung oder soziale Auffangnetze bereitstellen konnte oder wollte."

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GetMeOut
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Beitrag von GetMeOut »

Joshua hat geschrieben: Samstag 24. Januar 2026, 19:48 Nein, uns kann weder das US-Gesundheitssystem noch der damit nicht unwesentlich verkoppelte soziale Friede in den USA "völlig egal sein".

Mit dem 2. Punkt hast du aber grds. recht: Natürlich gibt es auch im US-Gesundheitssystem positive Versatzstücke, die man übernehmen kann. Aber es sind mE nicht sonderlich viele, und sie betreffen eher die Vernetzung gesellschaftlicher Systeme untereinander (zB leichtere Umsetzung von Ergebnissen der Grundlagenforschung in handfeste Pharmaforschung u.a.).
Ich bin mir nicht sicher, weshalb du dich auf das US-Gesundheitssystem fixierst. Oben hatte ich geschrieben, dass wir von der US-Wirtschaft einiges lernen sollten. Darauf hattest du entgegnet, dass doch aber das US-Gesundheitssystem so schlecht sei.

Ich fürchte, wir reden hier aneinander vorbei. Es geht mir um eine Übernahme von Vorteilen der US-Wirtschaft, nicht um das US-Gesundheitssystem. Daher sagte ich auch, dass uns dieses egal sein kann: Für unsere wirtschaftliche Aufstellung ist es schlicht nicht von Belang.

Wie können wir in Deutschland und der EU mehr Dynamik und Wachstumspotenzial fördern? Indem wir von den USA in den relevanten Belangen lernen: Deregulierung, geringere Steuern und Abgaben, Flexibilität im Arbeitsrecht, Verringerung von Fehlanreizen (z.B. bei der Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall) usw.
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Schnitte
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Beitrag von Schnitte »

Joshua hat geschrieben: Samstag 24. Januar 2026, 19:26 Und da ist das US-Gesundheitssystem eben nach Meinung fast aller Experten sehr schlecht und dem "sozialistischen" Europa hoffnungslos unterlegen.
Na, ganz so ist es auch nicht. Ich würde eher sagen, im amerikanischen Gesundheitssystem ist es ähnlich wie mit der Einkommensverteilung: Die Gegensätze sind größer. Die amerikanische Spitzenmedizin ist Weltspitze - man sehe sich die Liste der besten Krankenhäuser der Welt an (in USA: Mayo, Johns Hopkins, Cleveland, Massachusetts General…) oder die der Medizin-Nobelpreisträger. Beide mit sehr starker amerikanischer Präsenz. Aber für Arme ist es schwerer als in Europa, an gute Krankenversorgung zu kommen. Das macht nicht das ganze System schlecht; die Qualität ist schon da, sie ist nur ungleicher verteilt.
"Das Vertragsrecht der Bundesrepublik Deutschland und die gesetzlich vorgesehenen Möglichkeiten, die Erfüllung von Verträgen zu erzwingen…verstoßen nicht gegen göttliches Recht."

--- Offizialat Freiburg, NJW 1994, 3375 (Leitsatz der Redaktion)
Joshua
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Beitrag von Joshua »

Genau deswegen schrieb ich: Schlecht a) in Relation zu den Gesamtkosten und b) "jedenfalls für ganz viele" [i.e. nicht für alle, und nicht bezogen auf sämtliche Einrichtungen]

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Beitrag von Joshua »

GetMeOut hat geschrieben: Samstag 24. Januar 2026, 20:04 Deregulierung, geringere Steuern und Abgaben, Flexibilität im Arbeitsrecht, Verringerung von Fehlanreizen (z.B. bei der Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall) usw.
Das alte neoliberale Bullshitbingo. Nichts davon wird unsere Wirtschaft voranbringen.

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Beitrag von GetMeOut »

Joshua hat geschrieben: Samstag 24. Januar 2026, 23:05 Das alte neoliberale Bullshitbingo. Nichts davon wird unsere Wirtschaft voranbringen.
Es erstaunt mich immer wieder, wie häufig "FDP" und "Neoliberalismus" als Ersatz für Argumente genutzt werden. (Den Begriff "Neoliberalismus" verstehst du übrigens falsch, aber das Thema hatten wir schon einmal.)

Ich habe allerdings ein ernst gemeintes Erkenntnisinteresse: Worauf führst du denn die klaffende und größer werdende Schere in puncto Produktivität und Wohlstand zwischen den USA und der EU zurück? Oder bestreitest du bereits, dass es ein solches Gefälle gibt?

Und daran anknüpfend: Was würde denn unsere Wirtschaft voranbringen? (Bitte sag nicht ironiefrei Sozialismus.)
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Beitrag von GetMeOut »

BTW, da du gerne die Google KI heranziehst: Ich habe dies spaßeshalber soeben auch getan und nach den 10 wichtigsten Gründen für die Wohlstandsschere gefragt.

Je nach Perspektive klingt es ganz wie das von dir kritisierte "neoliberale Bullshitbingo" oder eben nach wirtschaftlichem Sachverstand. Da muss der Teufel drin stecken - oder noch schlimmer: der Westerwelle!
1. Deutlich niedrigere Energiekosten: (…)
2. Technologische Dominanz (KI & Cloud): (…)
3. Tiefe und integrierte Kapitalmärkte: (…)
4. Geringere regulatorische Last: (…)
5. Höhere Arbeitsproduktivität: (…)
6. Massive steuerliche Anreize: (…)
7. Flexibler Arbeitsmarkt: (…)
8. Einheitlicher, großer Binnenmarkt: (...)
9. Rohstoff- und Versorgungssicherheit: (…)
10. Attraktivität für globale Talente ("Brain Drain"): (…)
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famulus
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Beitrag von famulus »

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Beitrag von Gürteltier »

GetMeOut hat geschrieben: Samstag 24. Januar 2026, 18:42 Ferner finanzieren die USA trotz ihrer hohen Verteidigungsausgaben den Medizinschrank der Welt (…)
Sorry, was willst du Deutschland vorwerfen? Deutschland ist der Forschungsstandort der Grundlagenforschung der Pharmaindustrie… in den USA werden die Forschungsergebnisse dann eben nur kommerzialisiert…
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Beitrag von Gürteltier »

GetMeOut hat geschrieben: Samstag 24. Januar 2026, 20:04 Verringerung von Fehlanreizen (z.B. bei der Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall)
Magst du das mal näher erläutern, also was du da konkret forderst? Soll man bei Krankheit einfach kein Geld mehr bekommen?
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Beitrag von KMR »

Gürteltier hat geschrieben: Sonntag 25. Januar 2026, 09:35
GetMeOut hat geschrieben: Samstag 24. Januar 2026, 20:04 Verringerung von Fehlanreizen (z.B. bei der Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall)
Magst du das mal näher erläutern, also was du da konkret forderst? Soll man bei Krankheit einfach kein Geld mehr bekommen?
Das EFZG ist in der aktuellen Form jedenfalls teilweise Mist. Die weit überwiegende Zahl der Erkrankungen sind Erkältungen, die meistens virale Ursachen haben und damit ohnehin lediglich symptomatisch behandelt werden können mit frei verfügbaren Mitteln. Der Gang zum Arzt kostet nur Kraft und Nerven, hat überhaupt keinen Mehrwert, außer dass man eben die dumme Bescheinigung braucht. Das ist ein aus (misstrauischer) Arbeitgebersicht verständliches, aus Arbeitnehmer und gesundheitspolitischer-/infrakstruktureller Sicht ineffektives und ineffizientes System.
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Beitrag von GetMeOut »

Gürteltier hat geschrieben: Sonntag 25. Januar 2026, 09:32
GetMeOut hat geschrieben: Samstag 24. Januar 2026, 18:42 Ferner finanzieren die USA trotz ihrer hohen Verteidigungsausgaben den Medizinschrank der Welt (…)
Sorry, was willst du Deutschland vorwerfen? Deutschland ist der Forschungsstandort der Grundlagenforschung der Pharmaindustrie… in den USA werden die Forschungsergebnisse dann eben nur kommerzialisiert…
Du musst schon aufmerksam lesen (den wesentlichen Teil blendest du durch die Auslassungen aus). Der zitierte Artikel stammt aus einer österreichischen Quelle und nennt zur Illustrierung Kunden in Schweden und Belgien. Die Zwischenüberschrift des Artikels lautet: "Ob Verteidigung, Pharma-, Energie- oder Tech-Branche, die Welt ist Trittbrettfahrer auf dem US-Express. Man fragt sich, warum die Trump-Regierung in die Vorstandsetagen privater Unternehmen vordringt"

Der naheliegende Schluss wäre also, dass ich mich auf die EU beziehe. Falls du die im Artikel genannten Zahlen und die Preissetzungsmechanismen für Medikamente diesseits und jenseits des Atlantiks für falsch erachtest, nenne gerne Quellen.
GetMeOut
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Beitrag von GetMeOut »

Gürteltier hat geschrieben: Sonntag 25. Januar 2026, 09:35
GetMeOut hat geschrieben: Samstag 24. Januar 2026, 20:04 Verringerung von Fehlanreizen (z.B. bei der Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall)
Magst du das mal näher erläutern, also was du da konkret forderst? Soll man bei Krankheit einfach kein Geld mehr bekommen?
Hier liegen Vorschläge doch seit langem auf dem Tisch, und auch internationale Modelle gibt es in nicht zu knapper Zahl. In Deutschland wird z.B. die Einführung einer Karenzzeit diskutiert oder die Limitierung auf sechs Wochen pro Jahr (statt pro Krankheit).

Hauptziel ist es natürlich, Anreize fürs Blaumachen zu reduzieren. Das aktuelle EFZG lädt schlicht dazu ein. Hier ließe sich leicht viel Geld sparen und gleichzeitig die Produktivität erhöhen.
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