Guten Tag zusammen,
ich habe das 1. Examen mit 10,1 staatlich (11 mit wirtschaftsrechtlichem Schwerpunkt) abgelegt und stehe kurz vor dem Ref. Ich habe noch einen ebenfalls wirtschaftsrechtlichen LLM in der Niederlande gemacht.
Ich mache mir schon Gedanken, was ich später mal arbeiten will und möchte dementsprechend meine Stationen für das Ref wählen.
Mir ist es wichtig, nicht mehr als 45/50 h zu arbeiten (dieses Pensum war bisher teils mit Lernen und arbeiten daneben noch in Ordnung). Großkanzlei scheidet daher aus, ich will auch nicht in Frankfurt, München oder Düsseldorf Leben. Auch möchte ich nach knapp 9 Jahren Ausbildung, hoffentlich 2 mal VB und einem LLM (zwar nicht UK oder USA, aber ich weiß nicht, ob das in den meisten Fällen so relevant ist) nicht für 60.0000 arbeiten.
Zum Staat möchte ich ebenfalls nicht. Wirtschaftliches Denken ist mir wichtig. Bezüglich der Tätigkeit bin ich einigermaßen flexibel.
Damit bleiben wohl große Unternehmen und mittelständische Kanzleien.
Hat da jemand Erfahrungsberichte zu Ref und Berufseinstieg (Arbeitszeiten, Gehälter in den ersten Jahren)?
Wie schwer ist es z.B., bei einem großen Unternehmen mit diesem Profil unterzukommen? Und wie läuft meist der Berufseinstieg bei einer mittelständischen Kanzlei (15-50 Anwälte) etwa im Hinblick auf Gehaltsentwicklung?
Vielen Dank für die Antworten!
Richtige Wahl der Stationen im Hinblick auf späteren Job
Moderator: Verwaltung
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leon337
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Gürteltier
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Meinst du 40/50h im Ref (Station) + zusätzlich lernen? Abgesehen davon, dass man erstmal eine Station finden müsste, wo das erwartet wird, würde ich davon abraten. Das klingt irgendwie nach einem Rezept für Desaster (und Burnout). In meinen staatlichen Stationen war ich immer ca. 1 Tag in der Station (außer beim Sitzungsdienst auch nie den ganzen Tag), in der Anwaltsstation im Mittel ebenfalls (aber praktisch eher ca. 3-3,5 Tage in der Woche vor der Tauchphase und immer volle Tage) und in der Wahlstation jetzt 4 Tage (das ist in meinem Umfeld schon sehr weit oben).leon337 hat geschrieben: Samstag 14. Februar 2026, 08:28 Mir ist es wichtig, nicht mehr als 45/50 h zu arbeiten (dieses Pensum war bisher teils mit Lernen und arbeiten daneben noch in Ordnung).
Als Arbeitgeber eventuell (wobei es auch da wohl ein Spektrum geben mag) - aber als Ref-Station ist das kein Ausschlusskriterium. Ich war selbst nicht in einer GK im Ref, aber nach dem, was ich so höre, wurden von den Refis idR nur ihre 8-9h am Tag Anwesenheit eingefordert. Den Einblick in die Materie, so sie dich mal interessiert und es auch ansonsten in die Planung passt, würde ich deshalb im Ref noch nicht abschreiben.
Nach meiner Recherche (bin selber Refi am Ende des Refs) ist der direkte Einstieg ins Unternehmen mittlerweile eher möglich als früher, aber der "klassische" Weg war früher immer "GK -> Ausstieg in's Unternehmen". Diese Wahl hat wohl insbesondere auch den Vorteil, dass man in der Tendenz auf dem "dahergebrachten" Weg tendenziell mehr an Verdienst herausverhandeln kann.leon337 hat geschrieben: Samstag 14. Februar 2026, 08:28 (...) ich will auch nicht in Frankfurt, München oder Düsseldorf Leben. Auch möchte ich nach knapp 9 Jahren Ausbildung, hoffentlich 2 mal VB und einem LLM (zwar nicht UK oder USA, aber ich weiß nicht, ob das in den meisten Fällen so relevant ist) nicht für 60.0000 arbeiten.
Zum Staat möchte ich ebenfalls nicht. Wirtschaftliches Denken ist mir wichtig. Bezüglich der Tätigkeit bin ich einigermaßen flexibel.
Damit bleiben wohl große Unternehmen und mittelständische Kanzleien.
Ein Direkteinstieg als Berufsanfänger lässt sich, nach den allgemeinen Berichten hierzu, am ehesten noch über eine Wahlstation einfädeln. D.h. du müsstest dich da umhören, inwieweit der dann idealerweise größere Konzern (mehrere Standorte usw.) zur Zeit sucht; gut planbar ist das sicherlich nicht, wenn du mehrere Monate vorher dich bewirbst, um dann auf eine Stelle zu hoffen - da muss das Unternehmen schon groß sein. Bei Kanzleien klappt dieser Weg dagegen schon eher mal - ich kenne viele, die da zumindest zeitweise nach dem Ref in ihrer Anwalts- oder Wahlstation untergekommen sind.
- Schnitte
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Wenn du was in Richtung Wirtschaft/Unternehmen gehen willst, wirst du mit einer Großkanzleistation im Ref nichts falsch machen, auch wenn du später nicht in die GK gehen willst. Bisschen GK-Credentials werden auch in kleineren Unternehmen gern gesehen, und das Modell "GK für ein paar Jahre, dann Absprung" ist ja auch, wie von Gürteltier gesagt, der klassische Weg ins Unternehmen. Direkteinstieg ist sicher auch möglich, aber auch dann wird eine Refstation sicher nicht schaden.
"Das Vertragsrecht der Bundesrepublik Deutschland und die gesetzlich vorgesehenen Möglichkeiten, die Erfüllung von Verträgen zu erzwingen…verstoßen nicht gegen göttliches Recht."
--- Offizialat Freiburg, NJW 1994, 3375 (Leitsatz der Redaktion)
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Torsten Kaiser
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Ich halte es auch für eine gute Entscheidung, in einer der GKs anzufangen, wenn man das Gefühl hat, dass es einem liegt. Was in ein paar Jahren ist, weiß man nie. Ich habe auch bei einer GK angefangen und bin dann abgebogen.