Studie zu Muslimen in Deutschland

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Joshua
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Beitrag von Joshua »

Fast jeder zweite Muslim in Deutschland unter 40 Jahren weist einer Studie zufolge Affinität zu islamistischen Einstellungen auf. Sachsens Innenminister fordert ein energisches Vorgehen von Sicherheitskräften gegen „gezielte Provokationen gegen Recht und Gesetz“.
Und weiter:
Nach der Veröffentlichung einer aktuellen Studie, wonach fast jeder zweite Muslim in Deutschland unter 40 Jahren Affinität zu islamistischen Einstellungen aufweist, zeigen sich Politiker und Experten entsetzt. FDP-Politiker Wolfgang Kubicki sagte der „Bild“-Zeitung, er sehe in den Ergebnissen eine „gesellschaftliche Zeitbombe“. „Die Politik des naiven Wegsehens hat diese Entwicklung begünstigt. Die Naivität muss aufhören“, sagte er. Er fordert ein Kopftuchverbot im Staatsdienst sowie an Schulen für Kinder unter 14 Jahren.

Manuel Ostermann, stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft erklärte, Extremisten würden „eine fatale politische Korrektheit, Ignoranz und Tabuisierung, also unsere Schwäche“ ausnutzen. „Überall sehen wir Islamisten, die ihre verfassungsfeindliche Machtstruktur ausbreiten, selbstbewusster werden und den Rechtsstaat provozierend herausfordern.“
Quelle: https://www.welt.de/politik/deutschland ... limen.html

Aber wir schlafwandeln unsere Demokratie wahrscheinlich weiter in den Abgrund. Biedermann und die Brandstifter grüßt da auch ein wenig aus dem gedanklichen Nähebereich.

Und nein, das Tolerieren dieser Einstellungen im Besonderen durch die Partei der GRÜNEN, aber auch der SPD und der LINKEN ist nicht links.

Denn diese Einstellungen selbst sind äußerst mittelalterlich, antiaufklärerisch, antidemokratisch und damit eindeutig rechts.

„In der internationalen Politik geht es nie um Demokratie oder Menschenrechte. Es geht um die Interessen von Staaten. Merken Sie sich das, egal, was man Ihnen im Geschichtsunterricht erzählt.“
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Beitrag von Gürteltier »

Sorry, aber was hat ein Kopftuchverbot denn bitte mit Islamismus zu tun? Wenn Kubicki echt denkt, dass man damit dem Islamismus Herr wird… das ist eine intellektuelle Zumutung. Mehr als pöbeln kann der Mann aber eh nicht mehr.
Joshua
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Beitrag von Joshua »

Es geht um das Problem als solches.

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GetMeOut
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Beitrag von GetMeOut »

Joshua hat geschrieben: Freitag 13. März 2026, 17:59 Aber wir schlafwandeln unsere Demokratie wahrscheinlich weiter in den Abgrund. Biedermann und die Brandstifter grüßt da auch ein wenig aus dem gedanklichen Nähebereich.
Mit einer zunehmenden Islamisierung wird man sich arrangieren müssen. Die demographischen Folgen der unregulierten Migration halte ich für unumkehrbar. Letztlich kann es daher nur noch um Folgenbegrenzung gehen.

Ein Zusteuern unserer Demokratie auf den Abgrund sehe ich darin allein allerdings nicht begründet (der wirtschaftliche Abstieg ist m.E. ein größeres Problem). Großbritannien und Frankreich zeigen ja, dass Gesellschaften noch deutlich mehr islamistischen Druck aushalten können.

Joshua hat geschrieben: Freitag 13. März 2026, 17:59 Und nein, das Tolerieren dieser Einstellungen im Besonderen durch die Partei der GRÜNEN, aber auch der SPD und der LINKEN ist nicht links.

Denn diese Einstellungen selbst sind äußerst mittelalterlich, antiaufklärerisch, antidemokratisch und damit eindeutig rechts.
Mal schauen, wann die rechten Islamisten beginnen, rechts von grün-rot-rot zu wählen.

Auch wenn es nicht zum Thema gehört: "mittelalterlich, antiaufklärerisch, antidemokratisch" geht auch links. Die vielen sozialistischen Diktaturen und ihre Menschheitsverbrechen sollte man nicht einfach unter den Teppich kehren.
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Beitrag von Gürteltier »

Das Problem ist doch nicht der Islam, es ist der extremistische, religiöse Fundamentalismus. Den gibt’s übrigens in allen drei abrahamitischen Weltreligionen, aber natürlich ist in Europa das Thema des Islamismus das drängendste.

Hier wird tatsächlich zu wenig gemacht. Man kann ja zB nur mal schauen, welche Auswahl an islamischen Gemeinden man in Deutschland hat - und wer wir häufig als finanzierendes Land dahinter steht. Wer religiösen Extremismus bekämpfen will, muss Geld in die Hand nehmen.

Eine generelle Stigmatisierung aller Muslime (zB für das individuelle Tragen des Kopftuchs, keine fehlende Differenzierung zwischen einfachen Gläubigen und Extremisten) ist übrigens auch nicht zielführend. Die Frage ist übrigens auch nicht: “Gehört der Islam zu Deutschland?”, sondern: “Wie sieht ein deutscher Islam aus?”. (Das sind übrigens keine Thesen aus linken Leserkreisen, der bekanntermaßen linksextreme Wolfgang Schäuble wollte sich vielfach diesem Thema annehmen - nur leider mit weniger Rückendeckung.)
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Beitrag von GetMeOut »

Gürteltier hat geschrieben: Freitag 13. März 2026, 20:58 Das Problem ist doch nicht der Islam
Wer soll das behauptet haben und was hat das mit dem Thread zu tun?
Gürteltier hat geschrieben: Freitag 13. März 2026, 20:58 Eine generelle Stigmatisierung aller Muslime (zB für das individuelle Tragen des Kopftuchs, keine fehlende Differenzierung zwischen einfachen Gläubigen und Extremisten) ist übrigens auch nicht zielführend.
Wer soll hier eine solche Stigmatisierung vorgenommen haben?
Joshua
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Beitrag von Joshua »

Gürteltier hat geschrieben: Freitag 13. März 2026, 20:58 Das Problem ist doch nicht der Islam, es ist der extremistische, religiöse Fundamentalismus. Den gibt’s übrigens in allen drei abrahamitischen Weltreligionen, aber natürlich ist in Europa das Thema des Islamismus das drängendste.

Hier wird tatsächlich zu wenig gemacht. Man kann ja zB nur mal schauen, welche Auswahl an islamischen Gemeinden man in Deutschland hat - und wer wir häufig als finanzierendes Land dahinter steht. Wer religiösen Extremismus bekämpfen will, muss Geld in die Hand nehmen.

Eine generelle Stigmatisierung aller Muslime (zB für das individuelle Tragen des Kopftuchs, keine fehlende Differenzierung zwischen einfachen Gläubigen und Extremisten) ist übrigens auch nicht zielführend. Die Frage ist übrigens auch nicht: “Gehört der Islam zu Deutschland?”, sondern: “Wie sieht ein deutscher Islam aus?”. (Das sind übrigens keine Thesen aus linken Leserkreisen, der bekanntermaßen linksextreme Wolfgang Schäuble wollte sich vielfach diesem Thema annehmen - nur leider mit weniger Rückendeckung.)
Wenn fast die Hälfte dem Islamismus zuneigt, wird man im gewisse Generalisierungen in der Problembeschreibung nicht umhin kommen.

„In der internationalen Politik geht es nie um Demokratie oder Menschenrechte. Es geht um die Interessen von Staaten. Merken Sie sich das, egal, was man Ihnen im Geschichtsunterricht erzählt.“
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Schnitte
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Beitrag von Schnitte »

Eine amüsante Anekdote zum Thema radikalisierter Islamismus in Europa: Die Regierung der UAE (!) hat kürzlich Stipendien für eigene Staatsangehörige für ein Studium in UK gekürzt, weil sie fürchtet, dass die Studenten dort radikalisiertem Islamismus der Muslim Brotherhood ausgesetzt sind.

Habe letztens aus persönlichem Interesse die legendäre „Four Horsemen“-Debatte der vier führenden atheistischen Intellektuellen der jüngeren Gegenwart (Dawkins, Hitchens, Dennett, Harris) gesehen. Dort wurde auch kurz drüber spekuliert, wie es kommt, dass die muslimische Community in den USA viel weniger radikalisiert ist als die in Europa (man erinnere sich: 9/11 wurde in weiten Teilen in Hamburg geplant). Darüber kann man sinnieren oder nicht, aber es ist offensichtlich, dass mehrere europäische Staaten in dieser Hinsicht schlafwandlerisch in die Bredouille geraten sind. Ich halte es da wie GetMeOut und glaube nicht, dass das das größte Problem unserer Gesellschaften der Gegenwart ist, aber ein politisches Versagen ist es dann doch, und es trägt erheblich zum Antisemitismusproblem in Europa bei.

Aber auch das ist natürlich eines der vielen Probleme, über die eine Diskussion absolut unerträglich ist. Die Schwierigkeit der Debatte liegt darin, dass die, die immer warnen, man dürfe nicht alle Muslime über einen Kamm scheren (meist von links) die sind, die diesen Fehler selbst begehen - weil sie jeden Hinweis auf radikalisierten Islam als Behauptung, der Islam als solcher sei verwerflich (was er natürlich nicht ist, was aber auch nicht behauptet wurde) abtun. So wird jede vernünftige Differenzierung zwischen gemäßigtem und radikalem Islam unmöglich.
"Das Vertragsrecht der Bundesrepublik Deutschland und die gesetzlich vorgesehenen Möglichkeiten, die Erfüllung von Verträgen zu erzwingen…verstoßen nicht gegen göttliches Recht."

--- Offizialat Freiburg, NJW 1994, 3375 (Leitsatz der Redaktion)
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Beitrag von Gürteltier »

@Schnitte: Wieder mal ein sehr guter und interessanter Post ;) - den dritten Absatz finde ich relevant. Wir brauchen einen “gesunden” Diskurs über Radikalisierung “aus der Mitte”.

@Joshua: Bist du denn der Studie mal tiefer nachgegangen? Ich habe da jetzt gerade nicht die Zeit für, aber bei so einer Statistik fallen mir auf den allerersten Blick ganz viele Stellschrauben auf, die man sich angucken muss:

- Wer gilt als Muslim?
- Wie groß war die Stichprobe; ist die Studie repräsentativ?
- Wann gilt man als “affin” für - ebenso zu definierende - “islamistische Einstellungen”?
- Bin ich etwa schon affin, wenn ich bei der Aussage “der Islam ist die einzig wahre Religion” mit “eher leichte Zustimmung” antworte? - Das ist zwar keine aufgeklärte Position, macht einen aber noch nicht zum Terroristen.
- Die methodischen Details - Fragebogen, Interview usw. - da stecken im Detail einige Fallstricke drin.

Ich will die Studie nicht kaputt reden, weil ich das alles selbst nicht gecheckt habe - kann ja durchaus zutreffen. Aber bevor man das Ende des Abendlandes auf “Jurawelt” ankündigt, sollte man das schon analysieren.
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Schnitte
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Beitrag von Schnitte »

Die „Wer gilt als Muslim?“-Frage lässt sich ganz einfach beantworten: Selbsteinschätzung. Wer bin ich, jemandem, der sich als Muslim bezeichnet, das abzusprechen? Das entspricht übrigens auch islamischer Theologie, die keinen besonderen Initiationsritus kennt. Muslim ist jeder, der das islamische Glaubensbekenntnis (Schahada) abgibt.
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Beitrag von KMR »

Gürteltier hat geschrieben: Samstag 14. März 2026, 12:28 @Schnitte: Wieder mal ein sehr guter und interessanter Post ;) - den dritten Absatz finde ich relevant. Wir brauchen einen “gesunden” Diskurs über Radikalisierung “aus der Mitte”.

@Joshua: Bist du denn der Studie mal tiefer nachgegangen? Ich habe da jetzt gerade nicht die Zeit für, aber bei so einer Statistik fallen mir auf den allerersten Blick ganz viele Stellschrauben auf, die man sich angucken muss:

- Wer gilt als Muslim?
- Wie groß war die Stichprobe; ist die Studie repräsentativ?
- Wann gilt man als “affin” für - ebenso zu definierende - “islamistische Einstellungen”?
- Bin ich etwa schon affin, wenn ich bei der Aussage “der Islam ist die einzig wahre Religion” mit “eher leichte Zustimmung” antworte? - Das ist zwar keine aufgeklärte Position, macht einen aber noch nicht zum Terroristen.
- Die methodischen Details - Fragebogen, Interview usw. - da stecken im Detail einige Fallstricke drin.

Ich will die Studie nicht kaputt reden, weil ich das alles selbst nicht gecheckt habe - kann ja durchaus zutreffen. Aber bevor man das Ende des Abendlandes auf “Jurawelt” ankündigt, sollte man das schon analysieren.
Wie von Schnitte schon angedeutet, verstehe ich einfach nicht, warum es - und das ist nur bei diesem Thema so - es 'hier' (westliche Staaten) stets Menschen gibt (regelmäßig sog. Progressive/Linke), die meinen andere Gruppen stärker verteidigen zu müssen als es tatsächliche Angehörige dieser Gruppe selbst für notwendig erachten (vgl. z.B. auch beim Thema "cultural appropriation").

Ein tolles Beispiel, die relativ bekannt gewordene Rede der Außenminister der VAE und Saudi-Arabiens in Bezug auf (radikale) Muslime und der (falsche) Umgang damit in Europa:
https://www.youtube.com/watch?v=vdG-CcwieSY
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Beitrag von Gürteltier »

Schnitte hat geschrieben: Samstag 14. März 2026, 12:36 Die „Wer gilt als Muslim?“-Frage lässt sich ganz einfach beantworten: Selbsteinschätzung. Wer bin ich, jemandem, der sich als Muslim bezeichnet, das abzusprechen? Das entspricht übrigens auch islamischer Theologie, die keinen besonderen Initiationsritus kennt. Muslim ist jeder, der das islamische Glaubensbekenntnis (Schahada) abgibt.
Das kann eine Studie aber - theoretisch zumindest - auch ganz anders definieren.
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Beitrag von Gürteltier »

KMR hat geschrieben: Samstag 14. März 2026, 12:52 Wie von Schnitte schon angedeutet, verstehe ich einfach nicht, warum es - und das ist nur bei diesem Thema so - es 'hier' (westliche Staaten) stets Menschen gibt (regelmäßig sog. Progressive/Linke), die meinen andere Gruppen stärker verteidigen zu müssen als es tatsächliche Angehörige dieser Gruppe selbst für notwendig erachten (vgl. z.B. auch beim Thema "cultural appropriation").
Du missverstehst da aber mein Posting ganz gewaltig. Ich bin sicher kein “solcher Linker”, falls du das indirekt insinuierst.

Es ist aber eine geradezu besorgniserregende Einstellung, wenn man - ohne die von mir skizzierte Sorgfalt - den Inhalt der von Welt zitierten Studie (Überhaupt korrekt wiedergeben?) einfach mal als gegeben ansieht, weil sie ins eigene Weltbild passt.

Soll diese Diskussion tatsächlich auf einer sinnhaften Datengrundlage stattfinden, muss das jedenfalls über die aufbauschende Headline hinausgehen.

Statistischen Sachverstand erwarte ich aber von Juristen nicht als regelmäßig gegeben.

*Dass* wir ein Islamismus-Problem haben, ist doch eine Binse und unstreitig. Die Quantifizierung und Erfassung im Detail ist doch die wichtige Frage - und wie man damit umgeht.
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Beitrag von KMR »

Gürteltier hat geschrieben: Samstag 14. März 2026, 13:02
KMR hat geschrieben: Samstag 14. März 2026, 12:52 Wie von Schnitte schon angedeutet, verstehe ich einfach nicht, warum es - und das ist nur bei diesem Thema so - es 'hier' (westliche Staaten) stets Menschen gibt (regelmäßig sog. Progressive/Linke), die meinen andere Gruppen stärker verteidigen zu müssen als es tatsächliche Angehörige dieser Gruppe selbst für notwendig erachten (vgl. z.B. auch beim Thema "cultural appropriation").
Du missverstehst da aber mein Posting ganz gewaltig. Ich bin sicher kein “solcher Linker”, falls du das indirekt insinuierst.

Es ist aber eine geradezu besorgniserregende Einstellung, wenn man - ohne die von mir skizzierte Sorgfalt - den Inhalt der von Welt zitierten Studie (Überhaupt korrekt wiedergeben?) einfach mal als gegeben ansieht, weil sie ins eigene Weltbild passt.

Soll diese Diskussion tatsächlich auf einer sinnhaften Datengrundlage stattfinden, muss das jedenfalls über die aufbauschende Headline hinausgehen.

Statistischen Sachverstand erwarte ich aber von Juristen nicht als regelmäßig gegeben.

*Dass* wir ein Islamismus-Problem haben, ist doch eine Binse und unstreitig. Die Quantifizierung und Erfassung im Detail ist doch die wichtige Frage - und wie man damit umgeht.
Eine derartige Insinuation war nicht beabsichtigt, mea culpa. Es ist lediglich so, dass diese Gruppen einen nicht unerhebliche Einfluss auf die Entscheidungsorgane bekommen, ungeachtet ihres eigenen Anteils an der Bevölkerung (siehe SPD als Minipartner in der Bundesregierung etc.).

Im Übrigen ist der hervorgehobene Satz doch genau das europäische Problem, dass die beiden Außenminister skizzieren. Wir in Europa brauchen erstmal 15 Jahre empirische Untersuchungsarbeit, weil wir niemandem auf den Fuß treten wollen und nach diesen 15 Jahren machen wir dann entweder immer noch nichts, weil man weiter nichts weiß und man jemanden auf den Fuß tritt oder noch ne Arbeitsgruppe/Kommission braucht oder wir machen ein unfassbar kompliziertes Gesetz, das wieder niemand effektiv vollziehen kann und eigentlich reiner Symbolik gleicht. Das ist doch genau das Kernproblem, das wir in Europa entwickelt haben. In Europa versuchen wir uns als unglaublich intellektuell darzustellen, die alles berücksichtigen und von der Utopie ausgehen, dass wir es jedem recht machen können würden - ungeachtet der Konsequenzen, die genau das für die übrigen Bürger hat.
Joshua
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Beitrag von Joshua »

Ich frage mich, ob die mantraartig vorgetragene Unterscheidung "Islam/Islamismus" überhaupt analytisch sinnvoll ist, um die Verhältnisse dieser Religion hierzulande zu analysieren. Religionswissenschaftler sagen doch mit beachtlichen Argumenten, der Islam als solcher sei "politisch", und damit beginnen bereits die Probleme für einen säkularen Rechtsstaat. Den Euro-Islam iSv Bassam Tibi, der Prinzipien des Islam mit Werten moderner europäischer Kultur einschließlich einer strikten Trennung von Staat und Religion verbinden sollte, hat es doch nie in nennenswerter Quantität gegeben...
Zuletzt geändert von Joshua am Samstag 14. März 2026, 20:48, insgesamt 1-mal geändert.

„In der internationalen Politik geht es nie um Demokratie oder Menschenrechte. Es geht um die Interessen von Staaten. Merken Sie sich das, egal, was man Ihnen im Geschichtsunterricht erzählt.“
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