KI in der Examensvobereitung

Allgemeine Fragen zum Jurastudium (Anforderungen, Ablauf etc.)

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Isabel2019
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Beitrag von Isabel2019 »

Hallo zusammen,

ich bin kurz vor der Examensvorbereitung und total unsicher zwischen Rep oder Online-Rep bzw. KI-(Tutor). Habe zuletzt auch für Klausuren öfter mit KI gelernt (also viele Fragen gestellt zum Stoff und Fällen aber ich weiß nicht, ob das so der richtige Weg ist gerade für das Systemverständnis?

Hat jemand da Erfahrungen? Lernt ihr überhaupt mit KI? Oder eher klassisch Klausuren lösen?

Freue mich über Meinungen :) Suche da gerade so meinen roten Faden.

Viele Grüße

Isabel
Torsten Kaiser
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Beitrag von Torsten Kaiser »

Ich glaube nicht, dass die KI schon so weit ist, dass du alles mit ihr machen kannst. Wer füttert diese mit den richtigen Antworten, der richtigen Schwerpunktsetzung, der ARbeit mit den Kommentaren, mit neuer Rspr, mit den aktuellen Vibes aus den gelaufenen Klausuren? Profis? Wohl eher nicht... Aber in 20 Jahren oder so sieht das ggf. anders aus
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GetMeOut
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Beitrag von GetMeOut »

Isabel2019 hat geschrieben: Montag 25. Mai 2026, 21:00 ich bin kurz vor der Examensvorbereitung und total unsicher zwischen Rep oder Online-Rep bzw. KI-(Tutor)
Es fehlt die Alternative des "do it yourself": Einen eigenen Lernplan erstellen, Karteikarten schreiben (nicht kaufen! -> "Von der Hand ins Hirn") und Klausuren lösen (erst ausformulieren, später skizzieren), vielleicht eine kleine Lerngruppe gründen... M.E. effektiver als Reps (daher habe ich für das 2. StEx auf kommerzielle Hilfe verzichtet und das nicht bereut).

Isabel2019 hat geschrieben: Montag 25. Mai 2026, 21:00 Habe zuletzt auch für Klausuren öfter mit KI gelernt
Spannend! Und mit welchem Ergebnis?

Ich selbst wäre ja (noch) vorsichtig, wenn es darum geht, bei den eigentlichen Prüfungsinhalten auf KI zu setzen. Für das Grundgerüst wie Lernpläne oder Lerntechniken (s.o., Karteikarten schreiben und systematisieren usw.) kann KI aber sicherlich nützlich eingesetzt werden.
Joshua
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Beitrag von Joshua »

Nicht mit den AI-Papageien lernen. Der Output ist - noch - zu sehr am Input orientiert. Diese "bias" kann man zwar dämpfen, etwa durch kritsche Nachfragen usw., in der Examensvorbereitung mit ihren spezifischen Anforderungen auch an das kritische Denken erscheinen mir diese Neigungen aber unwillkommen, zumal das ständige "de-biasing" zu anstrengend sein dürfte...
Zuletzt geändert von Joshua am Dienstag 26. Mai 2026, 17:22, insgesamt 2-mal geändert.

„In der internationalen Politik geht es nie um Demokratie oder Menschenrechte. Es geht um die Interessen von Staaten. Merken Sie sich das, egal, was man Ihnen im Geschichtsunterricht erzählt.“
Egon Bahr 2013
Joshua
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Beitrag von Joshua »

AI macht in derzeitiger Form und bei sehr frequentem Gebrauch auch die Fähigkeiten zu kritischem Denken einigermaßen zunichte, was gerade in der Examensvorbereitung toxisch sein dürfte.
The proliferation of artificial intelligence (AI) tools has transformed numerous aspects of daily life, yet its impact on critical thinking remains underexplored. This study investigates the relationship between AI tool usage and critical thinking skills, focusing on cognitive offloading as a mediating factor. Utilising a mixed-method approach, we conducted surveys and in-depth interviews with 666 participants across diverse age groups and educational backgrounds. Quantitative data were analysed using ANOVA and correlation analysis, while qualitative insights were obtained through thematic analysis of interview transcripts. The findings revealed a significant negative correlation between frequent AI tool usage and critical thinking abilities, mediated by increased cognitive offloading. Younger participants exhibited higher dependence on AI tools and lower critical thinking scores compared to older participants. Furthermore, higher educational attainment was associated with better critical thinking skills, regardless of AI usage. These results highlight the potential cognitive costs of AI tool reliance, emphasising the need for educational strategies that promote critical engagement with AI technologies. This study contributes to the growing discourse on AI’s cognitive implications, offering practical recommendations for mitigating its adverse effects on critical thinking. The findings underscore the importance of fostering critical thinking in an AI-driven world, making this research essential reading for educators, policymakers, and technologists.
Studie: https://www.mdpi.com/2075-4698/15/1/6

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Gürteltier
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Beitrag von Gürteltier »

Hier mal die Perspektive von jemandem, der in diesem Jahrzehnt studiert hat:

“Fütterst” du die KI denn mit deinen Lernunterlagen (zB aus dem Studium/Uni-Rep/Rep/…), damit sie ihre Antworten auf den dortigen Inhalten basiert? Das wäre zB für dynamische Wiederholungsprozesse sicher ne Idee. Dann musst du aber gut prompten und die maximal erfassbaren tokens (~> die maximal verarbeitbare Information) beachten - zB über verschiedene Chats usw.

Dann kannst du damit mE “lernen”. Aber die derzeitig standardmäßig vorhandenen Infos sind teilweise so falsch, dass man sich hier Falsches antrainiert. Beispiel: Ich habe mal unsäglich lange mit ChatGPT über § 1007 BGB “gestritten”. Die Norm wurde auch nach Nachfragen und Hinweisen schlicht stringent falsch subsumiert. Wenn man das selber aber gar nicht “besser” weiß… wie schon angeklungen: Gefährlich!

Deshalb wie gesagt: Auf jeden Fall “Quellen” von der KI manuell festlegen und das auch ordentlich prompten. Dann sollte das “besser” werden. Aber ideal funktioniert es sicher nicht. Kannst du ja mal bei einem Thema ausprobieren, mit dem du dich schon gut auskennst.

Nicht zuletzt sei gesagt: ME ist das juristische Denken der KI noch etwas… platt. Was etwa ChatGPT als “zentral” beschreibt, ist das mE eher selten. Also man kann dadurch vlt. auch bisschen die falschen “Knackpunkte” mitnehmen.

Es wäre derzeit für mich also eher nur ein Mittel, um festgelegten Content effektiv zu wiederholen - quasi als interaktive Lernkarte, nochmaliges Stellen von vorhandenen Fällen mit Lsg. …
OJ1988
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Beitrag von OJ1988 »

Gürteltier hat geschrieben: Dienstag 26. Mai 2026, 18:53 Hier mal die Perspektive von jemandem, der in diesem Jahrzehnt studiert hat:
Hits too close to home :drinking:
easyiura
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Beitrag von easyiura »

Hi Isabel,
ich steck selbst mitten in der Examensvorbereitung, daher kurz meine ehrliche Erfahrung und gleich vorweg, damit's fair ist: Ich bastle nebenbei an einem KI-Lerntool, bin also nicht ganz neutral. Trotzdem versuch ich dir eine brauchbare Antwort zu geben.
Zu deiner Kernfrage: Reines „Fragen an die KI stellen" hat mir fürs Systemverständnis ehrlich wenig gebracht, teils sogar geschadet. Die Modelle erzählen bei juristischen Details gern mal Unsinn (etwa veraltete Rechtslage, § 434 BGB vor der Reform), und vor allem trainierst du beim Fragenstellen nicht das, worauf es in der Klausur ankommt: den Fall selbst im Gutachtenstil durchzuarbeiten. Dein Bauchgefühl ist also richtig.
Was bei mir wirklich was gebracht hat, ist KI nicht als Frageautomat, sondern als Korrektur und Feedback-Schleife: selbst ein Gutachten schreiben, strukturiertes Feedback bekommen, wo es hakt, und genau diese Lücken gezielt wiederholen. Das Klausurenschreiben bleibt der Kern, daran führt kein Weg vorbei. Die KI verkürzt nur die Feedback-Schleife, für die du sonst auf den Klausurenkurs wartest.
Rep oder Online-Rep: Den roten Faden, also die Struktur, was wann dran ist, würde ich mir nicht von der KI geben lassen, sondern von einem klaren Lernplan. Die KI ist dann das Werkzeug fürs tägliche Üben und Feedback, nicht der Plan selbst.
Falls du diese Korrektur-Schleife mal ausprobieren willst: Ich korrigier dir gern eines deiner Gutachten kostenlos durch, dann siehst du selbst, ob dir das Format hilft. Schreib mich einfach an.
Viele Grüße
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