Lässt das Interesse am LL.M. nach?

Alles rund um die Promotion zum Dr. iur. und den LL.M.

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Schnitte
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Beitrag von Schnitte »

Ich hab Ende der 2000er Jahre meinen LL.M. (hieß anders, war aber einer) gemacht, und damals war dieses Unterforum hier voll mit Threads zu einschlägigen Programmen, Bewerbungen und so weiter. Wird quantitativ ungefähr so viel gewesen sein wie promotionsbezogene Fragen. Mittlerweile kommen solche Threads meinem Empfinden nach deutlich seltener. Das kann natürlich der allgemein nachlassende Trend an Traffic in Foren sein, wie wir ja schon anderweitig besprochen haben; aber ich habe auch den Eindruck, dass sich der Anteil von LL.M.-Threads relativ zu Promotions-Threads zu Gunsten letzterer verschoben hat. Ist jetzt natürlich nur ein subjektiver Eindruck ohne tiefergehende statistische Analyse, aber ich frage mich, ob das sympomatisch dafür ist, dass Studenen vielleicht weniger Interesse an Masterprogrammen haben als vor zehn oder zwanzig Jahren?
"Das Vertragsrecht der Bundesrepublik Deutschland und die gesetzlich vorgesehenen Möglichkeiten, die Erfüllung von Verträgen zu erzwingen…verstoßen nicht gegen göttliches Recht."

--- Offizialat Freiburg, NJW 1994, 3375 (Leitsatz der Redaktion)
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Strich
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Beitrag von Strich »

Hat sich vielleicht rumgesprochen, dass das wenig bringt, vor allem in einer Zeit in der Juristen überall gesucht waren. Vermutlich wird das aber wiederkommen.
Stehe zu deinen Überzeugungen soweit und solange Logik oder Erfahrung dich nicht widerlegen. Denk daran: Wenn der Kaiser nackt aussieht ist der Kaiser auch nackt ... .
- Daria -

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KMR
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Beitrag von KMR »

Im Nachbarforum zur letzten Neurone gibt es m.E. durchaus mehr LLM-Themen als Promotionsthemen, wobei es grundsätzlich rarer ist. Im Übrigen nimmt die Anzahl juristischer Promotionen statistisch wohl kontinuierlich ab.

Als angehender Doktorand kann ich vielleicht meine Sichtweise kommentieren:

LL.M., insb. ausländisch aber auch inländisch:
- teuer, setzt m.E. entsprechenden gut situierten Background voraus
- Single sein; wer frühzeitig gebunden ist, ggf. auch Verantwortung für andere übernimmt, kann derartige Spielereien außerörtlich nicht machen
- Oftmals zitierter Punkt der Sprachkenntnisse: Maßlos, aber übermaßlos überbewertet wie auch allgemein die ganzen Auslandsfaszination. Wer als Millenial/Gen Z mit dem Internet YouTube & Co. aufgewachsen ist, viel aus verschiedenen Kulturen konsumiert, sich viel einliest in andere Kulturen, Sprachen, der Herkunft vieler Sprachbräuche usw. weiß viel mehr über andere Kulturen als die Leute, die nur 3-8 Monate dort vor Ort waren. Freilich tut das kaum einer und ich bin wohl komisch, aber objektiv bleibt das halt wahr.
Das Gleiche gilt für Sprachkenntnisse. Wer sich intensiv mit einer Sprache auseinandersetzt under Wechselwirkung von Sprache und Kultur sowie spezifisch Aussprache durch Videos und erlenen des IPA studiert usw. spricht und schreibt besseres Englisch (wahlweise andere Sprache) als die meisten Leute, die im Ausland waren.
- die "pros" die auf dem Arbeitsmarkt damit verbunden werden, sind nur für einen relativ kleinen Teil des Arbeitsmarktes (in erster Linie MK/GK) überhaupt von "Relevanz"
- außerhalb der Jurabubble, ggf. noch Akademikerbubble, kann niemand etwas damit anfangen

Promotion:
- kann eigenem Interesse dienen, echte intrinsische Motivation
- eröffnet ggf. völlig neues Berufsfeld (Wissenschaft, sofern gewünscht), kann aber auch Zugang zu weiteren Nebentätigkeiten an der jeweiligen Fakultät bieten wie Lehraufträge o.ä., bessere Vernetzung mit anderen akademisch tätigen Praktikern
- kann sowohl in kleineren Sozietäten als auch im Großbereich begrüßt werden, Außenwirkung
- signalisiert gewisse Softskills wie Durchhaltevermögen usw. (mag man beim LL.M auch so sehen, m.E. sind das cash cows)
- erfordert zwar unter Umständen ebenfalls gewisse finanzielle Einbuße (Ausnahme: externe Promotion neben Anwaltschaft), kann aber ggf. auch eine Zeit von nochmals relativer Freiheit und Flexibilität bedeuten, die mitunter für die Pflege/Unterstützung der eig. Familie oder Angehörigen genutzt werden kann und zugleich dennoch förderlich für einen selbst ist.
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Beitrag von Gürteltier »

Was genau meinst du mit dem Erlernen des Indian Pale Ale? 👀
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Beitrag von KMR »

Gürteltier hat geschrieben: Montag 17. August 2026, 23:18 Was genau meinst du mit dem Erlernen des Indian Pale Ale? 👀
Das Ärgernis mit Abkürzungen, mea culpa:

IPA steht im Bereich der Sprache für Internationales Phonetisches Alphabet/International Phonetic Alphabet oder auch Lautschrift bezeichnet: https://de.wikipedia.org/wiki/Internati ... s_Alphabet
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Beitrag von Gürteltier »

Meine persönliche Meinung ist übrigens, dass der LL.M. eine Zeit lang als eine Art "Schmalspuralternative" für die Diss. gehandelt wurde, sich aber gezeigt hat, dass das nicht als nennenswerte Qualifikation etwa bei der Mandantschaft der Anwaltschaft "ankommt"; insbesondere dann, wenn da nicht so was wie Cambridge oder so steht, sondern eben irgendeine Kleinstadt in Ostpolen oder NRW.

Es ist aber tatsächlich sicher eine nette Möglichkeit, ein wenig seinen Horizont zu erweitern etc. - aber die "harten" opportunity costs sind sicher negativ und es ist ja aus den verschiedensten Gründen allgemein eher unbeliebt bei Juristen, mal ins Ausland zu gehen etc. Wenn man aber einfach Bock hat auf etwas Kultur, Sprache, neue Leute und das entsprechende Kleingeld vorhanden ist - do it!

Ich für meinen Teil hatte nach dem 1. Examen keine Lust und wollte das Ref. "schnell durchboxen"; und jetzt nach dem Ref. habe ich tatsächlich keinen Bock mehr auf typische ('studentische') "Lehrjahre", wie sie bei einem LL.M. dann ja doch irgendwie noch gegeben sind. Und danach, jetzt irgendwie in der Weltgeschichte herumzudüsen, steht es mir auch einfach gerade nicht - auch als Single. ^^ (Wobei ich in meinem Freundes- und Bekanntenkreis durchaus einige Fälle kenne, wo eine Beziehung einem zeitlich begrenzten Auslandsaufenthalt nicht entgegenstand - eine gesunde Beziehung hält so etwas, zumal über nur wenige Monate im Semester usw., m.E. durchaus auch mal aus.)

Bzgl. einer Diss. habe ich mich auf jeden Fall erstmal gegen eine Tätigkeit an der Uni entschieden, da ich hier eine sehr unangenehme Erfahrung gemacht habe. Ich kann mir nur vorstellen, dass bei Betreiben einer Diss. ein noch fragwürdigeres Verhältnis zwischen der "Lohnarbeit" am Lehrstuhl und der Arbeit an der Diss. entstehen kann - durch die in aller Regel gegebene Personenidentität aus Chef und Betreuer. Das finde ich auch bisschen "traurig", weil es eigentlich eine sehr schöne und freie Arbeit ist, aber da bin ich mittlerweile durch die "Üblichkeiten" im wissenschaftlichen Betrieb etwas ein verbranntes Kind. Dagegen durchaus vorstellen kann ich mir eine nebenberufliche Diss., wobei das jetzt auch gerade erstmal noch nicht ansteht.
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