Maximales Gehalt bei minimalen Arbeitszeiten

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Muirne
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Re: Maximales Gehalt bei minimalen Arbeitszeiten

Beitrag von Muirne »

Schnitte hat geschrieben:
Muirne hat geschrieben: Donnerstag 21. Juni 2018, 11:59 Ich halte sowas in Deutschland für unsinnig.
Wie erklärst du dir dann, dass sich Leute trotzdem für die BLS entscheiden? Fehlt denen einfach die Einsicht?
Ich halte das hauptsächlich für den Wunsch sich dadurch abheben zu wollen, also letztlich für eine elitäre Neigung.
Das kann sich natürlich lohnen, aber ich finde es gerade in Deutschland nicht unterstützenswert. Wir haben hier so gute staatliche Angebote, die ich mir nicht kaputt machen lassen möchte. Und das passiert, wenn solche Angebote zunehmen. In UK oder den USA ist die Diskrepanz zwischen den einzelnen unis zb auch viel größer. Der Trend ist auch hier langsam fühlbar und ich halte ihn für schlecht.

Es ist für mich eine grundsätzliche Frage von Chancengleichheit ob man solche Angebote fördert oder nicht. Nicht jeder mittellose Student kommt nämlich auf die Idee einen Generationenvertrag mit der bls zu schließen. In der Regel werden solche Leute schon aus einem anderen selbstverständnis heraus handeln. Ausnahmen mag es immer geben.
Ich bin dafür grundlegend wichtige staatliche Angebote wie Bildung für alle gut zu machen soweit das möglich ist und nur im Ausnahmefall private Angebote wahrzunehmen. Also ein idealistisches Motiv ist da eher im Vordergrund, weniger dass ich sage, dass sich das (unter welchem Gesichtspunkt auch immer) niemals lohnen kann.

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»Natürlich ist das herablassend. Torquemada ist mir gegenüber herablassend, ich bin esprit gegenüber herablassend. So ist die Nahrungskette in diesem Forum nunmal.« - Swann
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thh
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Re: Maximales Gehalt bei minimalen Arbeitszeiten

Beitrag von thh »

Muirne hat geschrieben:Ich halte sowas in Deutschland für unsinnig.
Das zweite Examen?
Deutsches Bundesrecht? https://www.buzer.de/ - tagesaktuell, samt Änderungsgesetzen und Synopsen
Gesetze mit Rechtsprechungsnachweisen und Querverweisen? https://dejure.org/ - pers. Merkliste u. Suchverlauf
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Muirne
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Re: Maximales Gehalt bei minimalen Arbeitszeiten

Beitrag von Muirne »

thh hat geschrieben:
Muirne hat geschrieben:Ich halte sowas in Deutschland für unsinnig.
Das zweite Examen?
Auch das. :D

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Kroate
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Re: Maximales Gehalt bei minimalen Arbeitszeiten

Beitrag von Kroate »

Muirne hat geschrieben:
thh hat geschrieben:
Muirne hat geschrieben:Ich halte sowas in Deutschland für unsinnig.
Das zweite Examen?
Auch das. :D

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Das ändert sich auf wundersame Weise, sobald man es in der Tasche hat :)

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Quantensprung

Re: Maximales Gehalt bei minimalen Arbeitszeiten

Beitrag von Quantensprung »

Einen Großteil der BLS-Leute, die ich kennengelernt habe, sind im Berufsleben daran gescheitert, dass sie nicht mehr gepampert wurden, sondern Sachen selbst in die Hand nehmen mussten.
Wann ist man denn für dich im Berufsleben gescheitert? Das klingt sehr endgültig, so, als würden die Betroffenen jetzt Burger bei McD braten.
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Schnitte
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Re: Maximales Gehalt bei minimalen Arbeitszeiten

Beitrag von Schnitte »

Muirne hat geschrieben: Donnerstag 21. Juni 2018, 14:25
Schnitte hat geschrieben:
Muirne hat geschrieben: Donnerstag 21. Juni 2018, 11:59 Ich halte sowas in Deutschland für unsinnig.
Wie erklärst du dir dann, dass sich Leute trotzdem für die BLS entscheiden? Fehlt denen einfach die Einsicht?
Ich halte das hauptsächlich für den Wunsch sich dadurch abheben zu wollen, also letztlich für eine elitäre Neigung.
Das kann sich natürlich lohnen, aber ich finde es gerade in Deutschland nicht unterstützenswert. Wir haben hier so gute staatliche Angebote, die ich mir nicht kaputt machen lassen möchte. Und das passiert, wenn solche Angebote zunehmen. In UK oder den USA ist die Diskrepanz zwischen den einzelnen unis zb auch viel größer. Der Trend ist auch hier langsam fühlbar und ich halte ihn für schlecht.

Es ist für mich eine grundsätzliche Frage von Chancengleichheit ob man solche Angebote fördert oder nicht. Nicht jeder mittellose Student kommt nämlich auf die Idee einen Generationenvertrag mit der bls zu schließen. In der Regel werden solche Leute schon aus einem anderen selbstverständnis heraus handeln. Ausnahmen mag es immer geben.
Ich bin dafür grundlegend wichtige staatliche Angebote wie Bildung für alle gut zu machen soweit das möglich ist und nur im Ausnahmefall private Angebote wahrzunehmen. Also ein idealistisches Motiv ist da eher im Vordergrund, weniger dass ich sage, dass sich das (unter welchem Gesichtspunkt auch immer) niemals lohnen kann.

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Nun würde mich interessieren, worin genau dein Argument liegt. So, wie ich das sehe, kommen zwei Möglichkeiten in Betracht:
  1. Die BLS ist ihr Geld nicht wert; wer dort studiert, wirft Geld unnötig zum Fenster raus, weil er dort viel Geld für etwas bezhalt, was er an einer staatlichen Uni ebenso gut (oder nur vernachlässigbar schlechter) kostenfrei haben kann.
  2. Die BLS bietet ihren Studenten etwas fürs Geld (sei es eine gute Ausbildung oder nur Zugang zu einem elitären Netzwerk), was diesen Studenten Nutzen bringt. Trotzdem bist du aus gesamtgesellschaftlichen Gründen dagegen, weil es die Chancengleichheit gefährdet und das Auseinanderklaffen verschiedener Hochschulen fördert.
Das sind inhaltlich zwei sehr unterschiedliche Argumente, und es würde mich sehr interessieren, welches davon deines ist.
"Das Vertragsrecht der Bundesrepublik Deutschland und die gesetzlich vorgesehenen Möglichkeiten, die Erfüllung von Verträgen zu erzwingen [...], verstoßen nicht gegen göttliches Recht."

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Muirne
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Re: Maximales Gehalt bei minimalen Arbeitszeiten

Beitrag von Muirne »

Tatsächlich beides.

Ich glaube, dass die was bieten, nämlich eine bessere Betreuung und Ausbildung, man hat es dort sicher einfacher zu einem guten Examen zu kommen. Das ist allerdings deutlich günstiger zu bekommen, nämlich indem man sich selbst organisiert und engagiert und die Angebote der eigenen Uni auch tatsächlich wahrnimmt und sich mit Kollegen zusamenschließt. Sollte daneben noch Bedarf bestehen ist ein gelegentliches Einzelrepetitorium mit Sicherheit immernoch günstiger als die Studiengebühren. Also hier für mich: Ja, die bieten sicher ein plus, aber es ist zu teuer.
Außerdem bieten sie Zugang zu einem elitären Hochzeitsmarkt und Netzwerk. Ist es das aber wert? Ich meine doch nein. Jura bietet wie kein anderes Fach den Fluch und Segen der fast alles entscheidenden Abschlussnote. Nur darauf bezogen ist das also ebenfalls ein teurer Spaß. Man kann ja stattdessen auch mit Polo oder Golf anfangen oder einfach in Heidelberg oder an der LMU. Da findet man die Leute ja auch überdurchschnittlich oft.

Während ich dennoch nachvollziehen kann, dass man sich persönlich dafür entscheidet, empfinde ich es gesamtgesellschaftlich als nicht erstrebenswert die staatlichen Universitäten zu schwächen.
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Re: Maximales Gehalt bei minimalen Arbeitszeiten

Beitrag von Riven »

Schnitte hat geschrieben: Mittwoch 13. Juni 2018, 22:54
Riven hat geschrieben: Mittwoch 13. Juni 2018, 21:29 Welche Anforderungen hat die EU denn so generell? 2x VB? Oder kommt man schon mit einem ordentlichen Befriedigend in das Auswahlverfahren? Und: Spielen die Noten nach bestandenem Auswahlverfahren noch eine Rolle?
Das ist die deutsche Denke, die bei der EU so nicht angewendet wird. Man muss sich vergewissern, dass man dort mit Juristen aus ganz Europa konkurriert und dass viele andere juristische Ausbildungssysteme viel weniger notenfixiert sind, von der fehlenden Vergleichbarkeit von Noten grenzüberschreitend ganz zu schweigen. Da machen starre Grenzen wie im deutschen System keinen Sinn (nichtmal eine Anforderung, beide Staatsexamina zu haben, ist zwingend - ich bin ohne Zweites in der Rechtsabteilung als vollwertiges Mitglied unterwegs). Im Auswahlverfahren bin ich zwar - von einem deutschen Juristen - nach Noten gefragt worden, aber seither nie wieder (und bin auch, ohne dass jemanden meine Noten interessiert hätten. befördert worden).
Danke dir für deine Einblicke. Du weißt nicht zufällig, welche Faktoren für die EU abgesehen vom erfolgreichen Auswahlverfahren wichtig sind, zB in meinem Fall mehrere EU-Sprachen + Norwegisch? Wahlstation bei der EU oder im EU-Ausland?
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Re: Maximales Gehalt bei minimalen Arbeitszeiten

Beitrag von Freedom »

Instinktiv hätte ich auch Lust, über die BLS zu lästern. Das hat 2 Gründe:
Zum einen schwingt bei dem "Elite-Anspruch" den die BLS verfolgt immer auch ein wenig mit, man sei etwas "Besseres". Ich finde es jedenfalls schwierig, hier eine saubere Trennung hinzubekommen: Kann man (a) Den Anspruch haben, eine bessere Ausbildung zu bieten und im Schnitt bessere Leute einzustellen davon trennen, (b) Sich für etwas besseres zu halten?

Wenn man es rein rational betrachtet denke ich schon. Es ist eben einfach ein anderes "Geschäftsmodell" (was ist eigentlich deren Rechtsform? Ist die Gewinnorientiert oder nicht?). Spricht ja nichts dagegen, zu sagen: Wir selektieren anders als die Uni, wir kosten Geld, wir bieten kleinere Gruppen etc.

Wenn dann aber noch Grund 2 dazukommt, wird es schwieriger: Man trifft eben hin und wieder Leute von der BLS, die einen eindeutig wissen lassen, dass sie sich für etwas Besseres halten. Wenn die Leute dann noch entsprechend aussehen und man nach einigen, halbwegs subtilen, Fragen herausfindet, dass die Leute reiche Eltern haben ist das Vorurteil perfekt. Ich bin beiden Kategorien begegnet, also auch netten, normalen Leuten.

Klar ist aber auch: Wenn einem 4 Jahre lang erzählt wird, man genieße die beste Ausbildung Deutschlands, fast alle würden ein VB erreichen, man sei supertoll etc. dann glauben die Leute es halt irgendwann und kommunizieren es auch, sei es bewusst oder unbewusst.

Ich fand das außerdem immer arg lustig, wenn die Leute nicht in der "Ich" Form sprechen, sondern in der "Wir" Form, wenn es um die eigenen Leistungen geht. "Wir erreichen ja ohnehin fast alle ein VB, wir sind so super toll, wir haben einen viel besseren Schnitt" usw.

"Normale" Juristen sind da übrigens auch nicht von befreit: Die meisten von uns glauben, dass ein gutes Examen eben auch zeigt, dass man ein guter Jurist sei und Leute mit nicht so gutem Examen haben öfters mal das Gefühl, sie seien eben nicht so gut. Wenn das einem 4-5 Jahre lang erzählt wird, lassen sich die meisten davon eben prägen. Ausnahmen hiervon gibt es aber natürlich in beiden Richtungen. Das Examen ist ja auch nicht mehr als ein Test, der zum Zeitpunkt X die Fähigkeit Y und das Durchhaltevermögen D abprüft. Natürlich kann jemand auch ein "Spätzünder" sein, der nach den Examina anfängt als Einzelanwalt hart zu arbeiten und ein exzellenter Jurist zu werden.
Zuletzt geändert von Freedom am Donnerstag 21. Juni 2018, 18:30, insgesamt 1-mal geändert.
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Muirne
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Re: Maximales Gehalt bei minimalen Arbeitszeiten

Beitrag von Muirne »


Freedom hat geschrieben: Die meisten von uns glauben, dass ein gutes Examen eben auch zeigt, dass man ein guter Jurist sei. Natürlich kann jemand auch ein "Spätzünder" sein, nach den Examina anfängt als Einzelanwalt hart zu arbeiten und ein exzellenter Jurist zu werden.
Das sehe ich genauso. Gute Noten und gut in jura korreliert, aber das schließt ja nicht aus dass jemand auch gut ist der sie nicht hat. Und im Beruf zählen ja noch ganz andere Fähigkeiten, die nie prüfungsgegenstand werden. Fällt mir im Bereich Führung, Verantwortung, Organisation, Kommunikation und Verhandlung immer stark auf.


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Schnitte
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Re: Maximales Gehalt bei minimalen Arbeitszeiten

Beitrag von Schnitte »

Freedom hat geschrieben: Donnerstag 21. Juni 2018, 18:17 (was ist eigentlich deren Rechtsform? Ist die Gewinnorientiert oder nicht?)
Sie ist eine gemeinnützige GmbH, deren Gesellschafterin die Zeit-Stiftung ist. Nicht gewinnorientiert.
"Das Vertragsrecht der Bundesrepublik Deutschland und die gesetzlich vorgesehenen Möglichkeiten, die Erfüllung von Verträgen zu erzwingen [...], verstoßen nicht gegen göttliches Recht."

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Re: Maximales Gehalt bei minimalen Arbeitszeiten

Beitrag von Schnitte »

Riven hat geschrieben: Donnerstag 21. Juni 2018, 17:33 Danke dir für deine Einblicke. Du weißt nicht zufällig, welche Faktoren für die EU abgesehen vom erfolgreichen Auswahlverfahren wichtig sind, zB in meinem Fall mehrere EU-Sprachen + Norwegisch? Wahlstation bei der EU oder im EU-Ausland?
Sprachen sind immer gut, wobei ab Erreichen eines bestimmten Grundstocks der marginale Mehrwert zusätzlicher Sprachen, denke ich, gering wird. Die "großen" Sprachen Englisch, Französisch und in geringerem Umfang auch Deutsch bringen sicher was; darüber hianus ist es sicher schön und auch kein Nachteil, aber meiner Einschätzung nach auch kein riesiger Vorteil, wenn man sich nicht gerade gezielt für eine Stelle in Position bringen will, die mit diesem Staat zu tun hat und bei dem daher just diese Sprache nötig ist. Was auf jeden Fall hilft, ist vorheriger "Stallgeruch" in der weiten Welt der EU-Behörden oder internationalen Organisationen. Davon abgesehen ist in den Fällen, in denen strukturierte Auswahlverfahren (wie z.B. der Concours) durchgeführt werden, das gute Abschneiden in diesen Prüfungen essentiell; es gibt eine gewisse Neigung der EU-Behörden, dieses Verfahren recht formalistisch durchzuführen (also stur die Bewerber mit dem besten Abschneiden in den Tests zu nehmen bzw. in die nächste Runde vorrücken zu lassen), um sich gegen Konkurrentenklagen abgelehnter Bewerber abzusichern. Da sollte man sich also informieren, welche Bestandteile das jeweilige Verfahren vorsieht (das können z.B. IQ-Tests oder Tests zu quantitative reasoning sein), und dann entsprechend diese Sachen üben.
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Re: Maximales Gehalt bei minimalen Arbeitszeiten

Beitrag von thh »

Muirne hat geschrieben: Donnerstag 21. Juni 2018, 14:25Das kann sich natürlich lohnen, aber ich finde es gerade in Deutschland nicht unterstützenswert. Wir haben hier so gute staatliche Angebote, die ich mir nicht kaputt machen lassen möchte. Und das passiert, wenn solche Angebote zunehmen. In UK oder den USA ist die Diskrepanz zwischen den einzelnen unis zb auch viel größer. Der Trend ist auch hier langsam fühlbar und ich halte ihn für schlecht.
Das dürfte nicht zuletzt auch an der Güte der staatlichen Angebote hängen.

Die Qualität der schulischen Ausbildung scheint sich, soweit man Untersuchungen lesen kann, Meinungen von Lehrern hört und der Nahbereichsempirie folgt, vorsichtig gesagt in den letzten zwei Jahrzehnten nicht verbessert zu haben; jedenfalls dann nicht, wenn man "Qualität" in erster Linie daran festmacht, dass die allgemeine Hochschulreife (jedenfalls in den oberen Notenbereichen) belegen soll, dass der Absolvent von seinen intellektuellen Möglichkeiten, seinen erworbenen Fähigkeiten und dem erlernten Wissen grundsätzlich in der Lage ist, ein Studium erfolgreich zu absolvieren. (Dass ein Abitur an sich noch nicht einmal bescheinigt, Lesen, Schreiben und Rechnen zu können, war auch vor 25 Jahren schon so.)

Die Befürchtung, dass der Wunsch, den Anteil an Hochschulabschlüssen (einschließlich FH und BA/DH) deutlich zu erhöhen, sich eher ungünstig auf die Qualität der Ausbildung und der Abschlüsse auswirken wird oder kann, erscheint mir insoweit nicht besonders weit hergeholt.

Allein das erscheint mir geeignet, private Hochschulen in der Breite interessant zu machen. Das würde dann allerdings die staatlichen Angebote im Hochschulbereich nicht "kaputt machen"; sie wären es dann bereits.
Freedom hat geschrieben: Donnerstag 21. Juni 2018, 18:17Zum einen schwingt bei dem "Elite-Anspruch" den die BLS verfolgt immer auch ein wenig mit, man sei etwas "Besseres".
Möglicherweise sind sie das ja schlicht auch. Was wäre daran schlecht?
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Re: Maximales Gehalt bei minimalen Arbeitszeiten

Beitrag von Freedom »

thh hat geschrieben: Donnerstag 21. Juni 2018, 19:14
Freedom hat geschrieben: Donnerstag 21. Juni 2018, 18:17Zum einen schwingt bei dem "Elite-Anspruch" den die BLS verfolgt immer auch ein wenig mit, man sei etwas "Besseres".
Möglicherweise sind sie das ja schlicht auch. Was wäre daran schlecht?
Dass den Arbeitgeber nicht die kollektive Leistung der Mitstudenten interessiert, sondern nur die individuelle Leistung des jeweiligen Bewerbers. Und diese drückt sich in unserem Bereich nunmal primär in der Examsnote aus. Insoweit bezieht sich der Anspruch, "etwas besseres" zu sein, auf einen im Ergebnis weniger relevanten Faktor.

Was interessiert mich, ob Leute von der BLS im Schnitt bessere Noten erreichen als Leute von meiner Uni? Das einzige was mich interessiert, ist meine individuelle Leistung und die liegt nunmal noch um einiges über dem Schnitt der BLS ;) . Ganz ohne individuelle Betreuung, ohne kleine Gruppen, ohne Druck von außen und ohne den ständigen Glauben, etwas ganz tolles zu sein.
Zu den Shortcomings der Examsnoten habe ich mich ja bereits oben geäußert.
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Tibor
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Re: Maximales Gehalt bei minimalen Arbeitszeiten

Beitrag von Tibor »

Nunja, der Name einer Universität hat auch schon Bedeutung jenseits der Examensnoten. Denn - auch das wird ja hier mantrahaft diskutiert - die Examensnoten bilden nicht exakt und vollumfassend „juristische Fähigkeit“ ab, sondern eben nur, ob ein Kandidat in den Staatsprüfungen 4-18 Punkte erzielt hat. Gerade nicht durch die Staatsprüfungen messbare Ausbildungsinhalte muss man anders „ermitteln“ und da hat sich nun einmal der Name des Ausbilders als bekannt und bewährt herausgestellt. Nicht umsonst wird in anderen Studiengängen der Studienort für sehr wichtig gehalten. Es macht eben einen ganz großen Unterschied - ob berechtigt oder nicht -, ob ich in der Ivy-League, Oxbridge oder Berkeley meinen Master gemacht habe oder in Pittsburgh oder Denver. In Deutschland zählen auch Heidelberg, LMU und Humboldt mehr als Gießen, Hannover oder Greifswald.
"Just blame it on the guy who doesn't speak English. Ahh, Tibor, how many times you've saved my butt."
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