Ref erst mit 28/29 J. beginnen

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MonsieurCardoz
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Ref erst mit 28/29 J. beginnen

Beitrag von MonsieurCardoz »

Hallo zusammen,
da ich nach meinem Abitur ein wenig planlos war, - habe zwei Studiengänge abgebrochen und ein paar Monate gejobbt - habe ich mein Jura-Studium an der FernUniversität Hagen erst mit 22 Jahren begonnen.
Da ich die schriftlichen Prüfungen des 1. StEx allerdings realistischerweise erst im ca. 14 FS abschließen werde (allerdings inkl LL.B., dieser ist in meinem Studiengang integriert. Auch wurde die Regelstudienzeit ja faktisch - durch die „0er-Semester“ aufgrund von Corona - auf 14 Semester katapultiert), werde ich zu Beginn des Refs schon zeimlich genau 29 sein.
Klar, ich habe dann einen Bachelor-Abschluss und ein Staatsexamen in der Tasche, bin dann aber trotzdem sicherlich einer der älteren Genossen im Ref.
Und bis auf Geld aus Minijobs, habe ich bis dahin auch nichts verdient.
Und eine Dissertation würde ich - im Anschluss an das Ref - auch noch gerne anfertigen.
Klar, währenddessen arbeitet man als WissMit und verdient dadurch Geld, aber ein richtiger Einstieg ins Berufsleben ist das ja noch nicht.
Ich habe durch mein langsames Studieren die Sorge, dass ich dadurch im Alter mal Geldprobleme habe. Gerade mit Blick auf die gesetzl. Rente.
Da sollte man ja 40-45 Jahre gut einzahlen bis da mal was sinvolles bei raus kommt.
Sind diese Sorgen gerechtfertigt oder muss man sich mit diesem „Lebenslauf“ eigentlich später keinerlei Geldsorgen stellen?
Sebast1an
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Re: Ref erst mit 28/29 J. beginnen

Beitrag von Sebast1an »

Mit halbwegs brauchbarer Note spielt das Alter keine Rolle.

Ich bin nach dem Ref auch mit über 30 in den Beruf eingestiegen und wurde in keinem Bewerbungsgespräch auf mein Alter oder die vermeintlich zu lange Ausbildungszeit angesprochen.
Ich bin auch nur ein Mensch. Genauso wie ein Weißer Hai auch nur ein Fisch ist. (Zlatan Ibrahimović)
Theopa
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Re: Ref erst mit 28/29 J. beginnen

Beitrag von Theopa »

Das Alter dürfte wirklich kein Problem sein, wobei ich mir die Sache mit der Promotion dann doch noch etwas genauer überlegen würde. Im Ergebnis ist das ja meist ein eher teures Hobby und abseits einiger theoretischer Ausnahmekonstellationen, in der man z.B. etwas zu schlechte Noten hat aber der Arbeitgeber X unbedingt jemanden mit Promotion sucht dürfte das weder die Jobaussichten noch das Gehalt relevant beeinflussen.

Über die DRV würde ich mir weniger Sorgen machen, da man dort als Jurist glücklicherweise selten einzahlt und am Ende ohne eigene Vorsorge sowieso nicht genug rauskommt. Entweder man verdient gut, dann reicht die gesetzliche Rente auch mit einem etwas kürzeren Beitragszeitraum als Grundpolster und man hat zudem die Möglichkeit selbst Geld anzulegen oder man verdient mittelmäßig bis schlecht, dann sind die 2-3 Jahre weniger Einzahlung auch schon egal.
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Tikka
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Re: Ref erst mit 28/29 J. beginnen

Beitrag von Tikka »

Im Wesentlichen wie die Vorredner. Nochmaliges Dissertationsprojekt würde ich mir genau überlegen. Karrieretechnisch bringt das kaum noch etwas. D.h. das ist etwas was man nur machen sollte, wenn man wirklich für ein Thema "brennt" und gerne vertieft wissenschaftlich arbeiten möchte.

Ansonsten sehe ich kein großes Problem. Damals zu meinen Zeiten (tm) hatte ich viele Ref. Kollegen Ende 20 (und einige schon Ü30). Einige hatten vor dem Studium noch eine Ausbildung gemacht, einige schon nach dem ersten Stex promoviert, einige im Studium Ehrenrunden gedreht und zumindest alle Männer noch Wehr- oder Zivildienst geleistet. Ich war mit 26 bei Ref Beginn ein junges Küken.

Ansonsten: Schon wieder was gelernt. Wusste gar nicht, dass man inzwischen an der FU Hagen Jura auf Stex studieren kann. Hätte ich mir früher nie vorstellen können. In der Pandemie dürfte der Unterschied zum studieren an anderen Unis aber praktisch "0" sein.
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Herr Schraeg
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Re: Ref erst mit 28/29 J. beginnen

Beitrag von Herr Schraeg »

wie alle: das Alter ist kein Problem. Eine Dissertation würde ich mir aber nur dann antun, wenn es ein Herzensbedürfnis ist.
gola20
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Re: Ref erst mit 28/29 J. beginnen

Beitrag von gola20 »

aA zur Diss: Gerade in kleinen und mitteleren Kanzleine kommt der Dr. sehr gut bei Mandanten an. Wenn Partnerschaft in einer Kanzlei das Ziel ist, dann kann es sich lohnen.
MonsieurCardoz
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Re: Ref erst mit 28/29 J. beginnen

Beitrag von MonsieurCardoz »

Vielen Dank für die hilfreichen Antworten!
Mein Ziel ist es, nach dem Ref in einer GK unterzukommen.
Ist es da nicht, neben dem Doppel-Vb, wünschenswert, einen Dr. oder LL.M. vorweisen zu können? Vor allem im Hinblick dort vielleicht länger unterzukommen (sprich nicht nur als Associate).
Da ich ja nach dem Ref schon einen LL.B. habe, würde ich lieber noch eine Dissertation schreiben, anstatt einen LL.M. zu erlangen.
Man kann dies ja auch mit einer Tätigkeit als WissMit in einer GK verbinden.
Dann würde man schon Praxiserfahrung sammeln und zusätzlich noch einen Dr.-Titel anstreben. Und Geld verdient man eigentlich auch schon "recht gut".
Wäre mMn eine gute Option oder?
gola20
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Re: Ref erst mit 28/29 J. beginnen

Beitrag von gola20 »

Wie kommst du drauf, dass GK etwas für dich ist?
Theopa
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Re: Ref erst mit 28/29 J. beginnen

Beitrag von Theopa »

Ob du langfristig in einer GK unterkommen willst wird ohnehin die Zukunft zeigen. Typischerweise haben zu Beginn des Studiums gefühlt 80% die "unbedingt GK!"-Einstellung. Nach dem Ref geht dann aber selbst aus der Gruppe mit Doppel-VB nur ein gewisser Anteil dorthin, wovon auch wiederum ein relevanter Anteil nicht sehr lange bleibt.

Bei passenden Noten ist der Dr. für die GK meistens nahezu irrelevant. Auslandserfahrung ist dagegen weiterhin sehr gefragt, dafür ist der LLM eben ein passender Nachweis. Der LLB ist nebenbei ab dem absolvierten ersten Examen nicht mehr von Bedeutung, du solltest diesen dann außerhalb des Lebenslaufs nicht mehr erwähnen und auch nicht dem Namen anfügen o.Ä. ;)

Wenn du promovieren willst, kannst du natürlich promovieren, das ist immer noch deine Entscheidung. Ich habe es auch gemacht und nicht bereut, man muss man die realen Kosten aber eben wenigstens im mittleren fünfstelligen Brutto-Bereich ansetzen. Bei der Promotion neben der Arbeit würde ich aufpassen und rigoros dran bleiben, anderenfalls droht die beinahe schon typische Situation, die ich bei zwei Bekannten miterlebt habe:

"Sie können sehr gerne bei uns als WissMit anfangen während sie promovieren, das bekommen Sie in zwei Jahren hin, sonst können wir das gerne verlängern"
-> 18 Monate später, Diss ca. halb fertig: "Wir hätten Sie gerne in Vollzeit als Associate, ich würde vorschlagen, dass wir nach Ende der zwei Jahre entsprechend umstellen, dann verdienen Sie auch endlich ordentlich Geld. Wenn Sie dann noch etwas Zeit für die Diss benötigen finden wir schon eine Lösung"
--> 6 Monate später, Diss ca. 70% fertig: "Jetzt arbeite ich erstmal richtig, ich muss ja erst reinkommen, die Diss mache ich am Wochenende und im Urlaub fertig, ist ja nicht mehr viel"
--> 6 Monate später, Diss ca. 71% fertig: "So, jetzt zieh ich das endlich durch!!!"
--> 6 Monate später, Diss ca. 65% fertig, da es zwei neue wichtige Urteile gab: "..... ach ja, meine Kollegen haben auch nicht promoviert, wer braucht das schon...."
MonsieurCardoz
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Re: Ref erst mit 28/29 J. beginnen

Beitrag von MonsieurCardoz »

Klingt irgendwie logisch und nachvollziehbar ;) !
Also ganz ohne zusätzlichen "Titel" in einer GK unterzukommen, wäre mir immer noch am liebsten.
Dann würde ich mir halt Zeit sparen.
Aber um sich alle Türen offen(er) zu halten, wäre so eine Dissertation vielleicht doch nicht so eine schlechte Idee.
Gerade was eine mögliche Selbständigkeit anbelangt.
Das wäre so ein weiterer "Werdegang" den ich mir vorstellen könnte.
Ist halt nach dem Ref und einer eventuellen Diss, der Sprung ins Kalte Wasser! :lmao:
MonsieurCardoz
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Re: Ref erst mit 28/29 J. beginnen

Beitrag von MonsieurCardoz »

gola20 hat geschrieben: Mittwoch 16. Februar 2022, 13:17 Wie kommst du drauf, dass GK etwas für dich ist?
Gute Frage! :lmao:
gola20
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Re: Ref erst mit 28/29 J. beginnen

Beitrag von gola20 »

GKs zahlen die hohen Gehälter nicht, weil der Job so geil ist, sondern weil er scheiße ist. Da muss man ein Workaholic sein. Wer bis 21/22 Uhr arbeiten möchte, ist da genau richtig.
Grundlagencrack
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Re: Ref erst mit 28/29 J. beginnen

Beitrag von Grundlagencrack »

Zu meiner Zeit (Abitur nach 13 Jahren, danach Zivildienst) konnte man im Grunde gar nicht mit weniger als 21 Jahren anfangen zu studieren. Da ich nach dem 1. Staatsexamen dann noch ein Aufbaustudium absolviert habe, war ich zu Beginn des Referendariats dann auch bereits fast 29 Jahre alt. Und nun zum Threadersteller: Sicherlich ist das nicht besonders alt. Viele, die promovieren, tun dies ja auch gleich nach dem 1. Staatsexamen und sind dann zu Beginn des Referendariats meist auch nicht jünger.

Ein anderes Problem, das vielleicht mit dem Alter zusammenhing, war hingegen: ich konnte mich nur noch schwer mit der Rolle des "Auszubildenden" anfreunden, die einem Referendar irgendwie anhängt. Ich hatte zwei Studienabschlüsse und kam mir im Referendariat manchmal wie im Kindergarten vor. Falls das also ein Problem für Dich sein könnte ... .
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