Möglichkeiten mit dem 1.Staatsexamen

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famous
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Möglichkeiten mit dem 1.Staatsexamen

Beitrag von famous »

EDIT.: Habe gerade gesehen, dass der Beitrag deutlich länger geworden ist als gewollt. Würde mich freuen, wenn sich trotzdem jemand die Zeit nimmt und mir hilft bzw Tipps gibt.

Ich habe mich nach reiflicher Überlegung dazu entschlossen, nach dem 1.Staatsexamen nicht weiter zu machen, weil (das klassische) Jura leider nichts für mich ist. In meiner staatlichen Pflichtfachprüfung hatte ich 6,1 Punkte (nur dank der überraschend guten mündlichen Prüfung, schriftlich verhauen). Mache gerade meinen Schwerpunkt, schreibe diese Woche meine letzten Klausuren, direkt im Anschluss die Seminararbeit und bin dann (bis auf den Vortrag) fertig. Die ersten Schwerpunkt Klausuren waren leider (nach meinem nahezu immer richtliegenden Gefühl) nicht so toll. Also die anfangs angepeilten 7,5 Punkte (um in der Gesamtnote noch auf ein 6,5 also befriedigend zu kommen) wird wohl nichts. Ich muss eher aufpassen, dass ich nicht durch den Schwerpunkt durchfalle :lmao: Aber egal darum geht es nicht.

Ich arbeite derzeit als Werkstudent in einer Bundesbehörde. Dort möchte ich später auch gerne arbeiten. Am liebsten beim BKA. BND usw interessieren mich auch. Ich habe mich natürlich schon in meiner Bundesbehörde und auch bei anderen Bundesbehörden erkundigt. Es ist dort möglich sich für den gehobenen Dienst mit Abschluss des 1. Staatsexamens zu bewerben.

Ja, ich weiß, dass ich mit dem 2. Staatsexamen in den höheren Dienst könnte (Voraussetzung dafür sind mindestens 13 Punkte in beiden Staatsexamina zusammen). Zur Polizei würde ich auch sehr gerne, das ist eigentlich sogar mein absoluter Traum. Dort reicht auch ein zweimal ausreichend. Aber dafür müsste ich mir die Augen lasern lassen und mich wahrscheinlich trotzdem noch einklagen, sofern ich überhaupt das Auswahlverfahren erfolgreich durchlaufen würde.
Aber um ehrlich zu sein ist mir das Risiko zu groß, dass ich nachher nur zweimal ausreichend habe und fast nichts machen kann. Selbstständigkeit (also Anwalt) kommt für micht unter keinen Umständen in Frage. Da ich Sitzenbleiber mit einem 3,7er Abi bin und vorher auch noch etwas anderes angefangen habe zu studieren, werde ich mein 1.Staatsexamen erst mit 30 (!) abschließen. Also Zeit für irgendwelche "Spielchen" oder "Versuche" habe ich definitiv nicht mehr.
Strafrecht mache ich gerne, auch wenn ich es nicht sonderlich gut kann. Würde gerne in diesem Bereich etwas machen.

Lange Rede kurzer Sinn: Welche Möglichkeiten hätte ich noch? Habt ihr Freunde die nach dem 1.Staatsexamen (erfolgreich bzw zufrieden) einen anderen Weg eingeschlagen haben? Wo könnte ich noch genauere Informationen bekommen? Mögliche Anlaufstellen (zb Agentur für Arbeit oä)? Vlt habt ihr ja auch ein paar "Insider-Tipps", die klassische google Suche habe ich natürlich auch schon mehrfach durchgeführt.
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Strich
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Re: Möglichkeiten mit dem 1.Staatsexamen

Beitrag von Strich »

famous hat geschrieben: Montag 6. Februar 2023, 19:14 ...

Lange Rede kurzer Sinn: Welche Möglichkeiten hätte ich noch? Habt ihr Freunde die nach dem 1.Staatsexamen (erfolgreich bzw zufrieden) einen anderen Weg eingeschlagen haben? Wo könnte ich noch genauere Informationen bekommen? Mögliche Anlaufstellen (zb Agentur für Arbeit oä)? Vlt habt ihr ja auch ein paar "Insider-Tipps", die klassische google Suche habe ich natürlich auch schon mehrfach durchgeführt.
ich weiß, du bist schon entschlossen, ich machs trotzdem:

Ich kenne fast nur die andere Geschichte: Gute Freunde, die noch vor dem Ersten unbedingt aufhören wollten und sich dann super schweren Herzens haben "bequatschen" lassen die bisherigen Leistungen (ungefähr in deinem Bereich) nicht "wegzuwerfen" und das Examen einfach durchzuziehen.
Am Ende haben sie das erste Examen mit der Gewissheit mitgeschrieben, eh durchzufallen und haben dann, oh Wunder, ganz passabel wie du bestanden. Danach waren sie sich aber absolut sicher, kein Referendariat zu machen und stattdessen irgendwas anderes, nur nie wieder Jura. Nachdem sie sich dann doch, weil sie sich nicht für "irgendwas anderes" entscheiden konnten, fürs Ref anmeldeten "um die Zeit rumzukriegen" gingen die 1,5 Jahre schneller um als sie dachten. Und irgendwie war das auch alles ganz anders als im Studium. Das 2. Examen nahm man dann doch mit. Und erst hier unterscheiden sich die Geschichten dann: Einige haben im Referendariat Geschmack an etwas gefunden (Auswärtiges Amt, Notariat, Gerichte, GK, you name it) andere haben nach dem 2. Examen dann endlich "irgendwas anderes" gemacht.

Alle erzählen hinterher: Zuim Glück habe ich nicht aufgehört! Ich mach jetzt zwar kein Jura mehr (was mir auch viele sagen, die "irgendwas mit Jura " machen wollten) aber es ist so viel viel besser!

Ich rate dir daher das, was ich allen ach so fest Entschlossenen gesagt habe:
Mach das Referendariat. Aufhören kannst du immer noch. Deine Noten versprechen eine hohe Aussicht auf ein bestandenes 2. Examen. Die Zeit geht schnell rum, man sieht viel und es hat wenig mit dem Unizeug zu tun. 30 Jahre ist kein Alter und deine Gefühle täuschen dich einfach. Niemand wollte zum Ende der jeweiligen Phasen "je wieder irgendwas mit Jura" machen.

Willst du am Ende tatsächlich mit dieser Wut im Bauch bei der Polizei sitzen, die sich einstellt, wenn dein Volljuristenvorgesetzter dir irgendeinen Quatsch aufdrückt? Die Wut die du hast, wenn du an den Schreibtisch zurückgehst und dir denkst: Was erzählt der mir, ich hätte das auch machen können was der macht ...
In allen von dir aufgezeigten Bereichen ist das 2. Examen nicht einfach nur irgendein Upgrade oder eine Ausbildung+ oder ein kleiner Unterschied zwischen gehobenen und höheren Dienst: Es ist einfach inhaltlich was ganz anderes. Beim BND und beim BKA bist du der Entscheider und nicht nur der "Vorschlager" der den Entscheidern ausgesetzt ist. Du hast eher mit Leuten zu tun, von denen du viele spannende Sachen lernen kannst. Du bist derjenige, dem wichtige Informationen in einer gewissen Breite mitgeteilt werden, als nur Ausschnitte zu erhalten.
Stehe zu deinen Überzeugungen soweit und solange Logik oder Erfahrung dich nicht widerlegen. Denk daran: Wenn der Kaiser nackt aussieht ist der Kaiser auch nackt ... .
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Herr Schraeg
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Re: Möglichkeiten mit dem 1.Staatsexamen

Beitrag von Herr Schraeg »

+1 zu jedem Gedanken von Strich

Ich kenne auch eine ganze Reihe von Leuten, die den Verzicht auf das 2. Examen ernsthaft in Betracht gezogen hatten und ausnahmslos glücklich sind, es doch noch durchgezogen zu haben. Umgekehrt kenne ich auch einige, die nach dem 1. Examen aufgehört haben und - mit einer Ausnahme - es bereuen. Auch wenn sie zunächst das Gegenteil beteuern, bricht es nach dem zweiten oder dritten Bier dann doch heraus. Allerdings sind das auch alles Leute, die im juristischen Bereich (im weiten Sinne) geblieben sind. Ich kann dir nicht sagen, wie zufrieden die "Abbrecher", die ganz etwas anderes als Jura machen, mit ihrer Entscheidung snd.
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Re: Möglichkeiten mit dem 1.Staatsexamen

Beitrag von famous »

Ich hoffe das wird jetzt nicht zu lang, aber ich kann ein paar Gründe anführen, weshalb ich mich gegen das 2.Staatsexamen entschieden habe. Ich denke dann kann man das besser nachvollziehen.

Die 6,1 in der staatlichen Pflichtfachprüfung täuscht. Schriftlich hatte ich leider nur 4,0, obwohl ich im Klausurenkurs ein wenig besser war (ca 5 im Schnitt). In der mündlichen hatte ich super Prüfer und es lief überraschenderweise ganz gut (Vortrag 10, Prüfungsgespräch 9). Schwerpunkt läuft gerade leider nicht so gut wie erhofft, dh ich lande vlt mit der Gesamtnote bei 6. Das heißt im zweiten bräuchte ich 7 um auf die 13 in beiden Examen zusammen zu kommen. Ja, jetzt wird sicherlich angeführt das ist "nur 1 Punkt" mehr als im ersten Examen, aber ob ich nochmal so viel Glück in der mündlichen habe ist äußerst zweifelhaft. Dann komme ich nachher bei zweimal ausreichend raus und sitze gefühlt beim Arbeitsamt und weiß nicht was ich machen soll. Oder ich gehe erst dann in den gehobenen Dienst, was viele bei uns in der Bundesbehörde auch machen müssen, weil sie zwar zwei SteX haben, aber eben nicht auf 13 Punkte zusammengerechnet kommen. Mal ganz abgesehen davon, dass das zweite SteX nochmal anspruchsvoller ist als das erste und das alles nochmal durchleben zu müssen. Never.

Hinzu kommt, dass Jura mir nicht unbedingt liegt: ich bin kein Rechtsanwender. Ich habe ein relativ gutes Verständnis und und kann gut auswendig lernen. Wenn mir jetzt jemand einen Sachverhalt oder ein Problem erklärt verstehe ich das, kann das auch einem Dritten erklären aber sobald der Ausgangssachverhalt geändert wird und ich den lösen müsste -> Game over.
Ich merke das auch jetzt oft in den Schwerpunkt Vorlesungen, das was meine Kommilitonen sagen weiß ich auch und verstehe das auch - aber ich komme da halt nicht selber drauf. Was ja auch nicht schlimm ist, der eine hat mehr Talent/Begabung der andere halt weniger. So wie es talentierte und nicht so talentierte Fussballer gibt. Auf Dauer ist das einfach frustrierend. Ein Sprichwort lautet nicht umsonst "Der Vergleich ist der Tod eines jeden Glücks". Diese Tatsache, meine Fehler der Vergangenheit (Falsche Schwerpunktsetzung im Leben, Jura war immer nur Beiwerk und hatte nie volle Aufmerksamkeit, Uni-Wechsel während dem Rep, die Arroganz gehabt als Sitzenbleiber mit 3,7er zu denken man könnte die Examensvorbereitung auch ohne Rep schaffen -> lange Studiendauer) und mein Alter werden mir so tagtäglich immer wieder vor Augen geführt, wenn ich den juristischen Weg einfach weitergehe. Das ist ein Teufelskreis.

Um ehrlich zu sein ist es mir total egal, ob ich im gehobenen Dienst, höherer Dienst oder was auch immer bin. Ich mache täglich Sport mit allen drum und dran und brauche einfach einen Job, in welchem ich nicht viel arbeiten muss, Zeit für mein Privatleben (Sport inkl. Ernährung) und Freizeitaktivitäten (Urlaub uä) habe und das ganze finanzieren kann ohne Geldsorgen zu haben. Ob ich dabei was juristisches oder was komplett anderes mache ist für mich völlig zweitrangig. Ich bin lieber der Typ der in Ruhe im Hintergrund arbeitet und einfach eine Akte oä bearbeitet als derjenige der die Entscheidung fällen und die Veranwortung tragen muss. Thats it.

Das mag sich vlt wie Selbstmitleid anhören, aber ich bin keiner der vor der Realität die Augen verschließt und sich selbst belügt. Ich bin ja nicht heute morgen aufgewacht und habe mich spontan dazu entschieden nach dem 1.Stex aufzuhören.

Das könnte ich noch ewig mit weiteren Gründen fortführen, aber dann wird das ein Roman :D
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Re: Möglichkeiten mit dem 1.Staatsexamen

Beitrag von boris_the_blade »

famous hat geschrieben: Dienstag 7. Februar 2023, 21:12 Ich hoffe das wird jetzt nicht zu lang, aber ich kann ein paar Gründe anführen, weshalb ich mich gegen das 2.Staatsexamen entschieden habe. Ich denke dann kann man das besser nachvollziehen.

Die 6,1 in der staatlichen Pflichtfachprüfung täuscht. Schriftlich hatte ich leider nur 4,0, obwohl ich im Klausurenkurs ein wenig besser war (ca 5 im Schnitt). In der mündlichen hatte ich super Prüfer und es lief überraschenderweise ganz gut (Vortrag 10, Prüfungsgespräch 9). Schwerpunkt läuft gerade leider nicht so gut wie erhofft, dh ich lande vlt mit der Gesamtnote bei 6. Das heißt im zweiten bräuchte ich 7 um auf die 13 in beiden Examen zusammen zu kommen. Ja, jetzt wird sicherlich angeführt das ist "nur 1 Punkt" mehr als im ersten Examen, aber ob ich nochmal so viel Glück in der mündlichen habe ist äußerst zweifelhaft. Dann komme ich nachher bei zweimal ausreichend raus und sitze gefühlt beim Arbeitsamt und weiß nicht was ich machen soll. Oder ich gehe erst dann in den gehobenen Dienst, was viele bei uns in der Bundesbehörde auch machen müssen, weil sie zwar zwei SteX haben, aber eben nicht auf 13 Punkte zusammengerechnet kommen. Mal ganz abgesehen davon, dass das zweite SteX nochmal anspruchsvoller ist als das erste und das alles nochmal durchleben zu müssen. Never.

Hinzu kommt, dass Jura mir nicht unbedingt liegt: ich bin kein Rechtsanwender. Ich habe ein relativ gutes Verständnis und und kann gut auswendig lernen. Wenn mir jetzt jemand einen Sachverhalt oder ein Problem erklärt verstehe ich das, kann das auch einem Dritten erklären aber sobald der Ausgangssachverhalt geändert wird und ich den lösen müsste -> Game over.
Ich merke das auch jetzt oft in den Schwerpunkt Vorlesungen, das was meine Kommilitonen sagen weiß ich auch und verstehe das auch - aber ich komme da halt nicht selber drauf. Was ja auch nicht schlimm ist, der eine hat mehr Talent/Begabung der andere halt weniger. So wie es talentierte und nicht so talentierte Fussballer gibt. Auf Dauer ist das einfach frustrierend. Ein Sprichwort lautet nicht umsonst "Der Vergleich ist der Tod eines jeden Glücks". Diese Tatsache, meine Fehler der Vergangenheit (Falsche Schwerpunktsetzung im Leben, Jura war immer nur Beiwerk und hatte nie volle Aufmerksamkeit, Uni-Wechsel während dem Rep, die Arroganz gehabt als Sitzenbleiber mit 3,7er zu denken man könnte die Examensvorbereitung auch ohne Rep schaffen -> lange Studiendauer) und mein Alter werden mir so tagtäglich immer wieder vor Augen geführt, wenn ich den juristischen Weg einfach weitergehe. Das ist ein Teufelskreis.

Um ehrlich zu sein ist es mir total egal, ob ich im gehobenen Dienst, höherer Dienst oder was auch immer bin. Ich mache täglich Sport mit allen drum und dran und brauche einfach einen Job, in welchem ich nicht viel arbeiten muss, Zeit für mein Privatleben (Sport inkl. Ernährung) und Freizeitaktivitäten (Urlaub uä) habe und das ganze finanzieren kann ohne Geldsorgen zu haben. Ob ich dabei was juristisches oder was komplett anderes mache ist für mich völlig zweitrangig. Ich bin lieber der Typ der in Ruhe im Hintergrund arbeitet und einfach eine Akte oä bearbeitet als derjenige der die Entscheidung fällen und die Veranwortung tragen muss. Thats it.

Das mag sich vlt wie Selbstmitleid anhören, aber ich bin keiner der vor der Realität die Augen verschließt und sich selbst belügt. Ich bin ja nicht heute morgen aufgewacht und habe mich spontan dazu entschieden nach dem 1.Stex aufzuhören.

Das könnte ich noch ewig mit weiteren Gründen fortführen, aber dann wird das ein Roman :D
=D> ... alles Gute dir, hauptsache du wirst glücklich!
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Re: Möglichkeiten mit dem 1.Staatsexamen

Beitrag von Strich »

famous hat geschrieben: Dienstag 7. Februar 2023, 21:12 Ich hoffe das wird jetzt nicht zu lang, aber ich kann ein paar Gründe anführen, weshalb ich mich gegen das 2.Staatsexamen entschieden habe. Ich denke dann kann man das besser nachvollziehen.
Kein Ding lass raus ^^
famous hat geschrieben: Dienstag 7. Februar 2023, 21:12 Die 6,1 in der staatlichen Pflichtfachprüfung täuscht. Schriftlich hatte ich leider nur 4,0, obwohl ich im Klausurenkurs ein wenig besser war (ca 5 im Schnitt). In der mündlichen hatte ich super Prüfer und es lief überraschenderweise ganz gut (Vortrag 10, Prüfungsgespräch 9).
Hier täuscht gar nichts. Deine Note ist 6,1 im Staatlichen. Hör auf dir das selber schlecht zu reden. Jura besteht nicht nur aus Schreiben "weswegen die 6,1 eigentlich 4 sind".

famous hat geschrieben: Dienstag 7. Februar 2023, 21:12 Schwerpunkt läuft gerade leider nicht so gut wie erhofft, dh ich lande vlt mit der Gesamtnote bei 6. Das heißt im zweiten bräuchte ich 7 um auf die 13 in beiden Examen zusammen zu kommen. Ja, jetzt wird sicherlich angeführt das ist "nur 1 Punkt" mehr als im ersten Examen, aber ob ich nochmal so viel Glück in der mündlichen habe ist äußerst zweifelhaft.
Hier wird überhaupt nicht angeführt das es "nur 1 Punkt mehr" ist. Das ist nämlich einfach an dem Vorbei, was ich geschrieben habe. Im Gegensatz zum common belief unter en Studenten und den 2000ern (Zitat Monika Harms: Ihre Note wird noch auf ihrer Grabschleife stehen), ist jetzt faktisch der umgekehrte Fall eingetreten. Du hast Note x ... Naja aber du hast in der Wahlstation oder in der Anwaltsstation (Letzteres jetzt nicht bei dir) gezeigt, dass du gut ins Team passt, besteh einfach das 2. den Rest regeln wir hinterher.
famous hat geschrieben: Dienstag 7. Februar 2023, 21:12 Dann komme ich nachher bei zweimal ausreichend raus und sitze gefühlt beim Arbeitsamt und weiß nicht was ich machen soll.
From all the things that will never happen, this will never happen the most!
famous hat geschrieben: Dienstag 7. Februar 2023, 21:12 Oder ich gehe erst dann in den gehobenen Dienst, was viele bei uns in der Bundesbehörde auch machen müssen, weil sie zwar zwei SteX haben, aber eben nicht auf 13 Punkte zusammengerechnet kommen.
Halte ich auch für eine urban legend. Kann natürlich sein, dass derart ausgesiebt wird, wenn man unbedingt zum Bezirksamt Hamburg Mitte Fachbereich Coole Verträge will, aber ansonsten sind die Geschichten von doppelt ausreichend Juristen die im gehobenen anfangen mussten seit 2017 irgendwie verebbt.
famous hat geschrieben: Dienstag 7. Februar 2023, 21:12Mal ganz abgesehen davon, dass das zweite SteX nochmal anspruchsvoller ist als das erste und das alles nochmal durchleben zu müssen. Never.
Es ist zuallererst einmal ANDERS. Den Gedanken, es werde so wie beim ersten, kannst du getrost vergessen. Die Nächte in der Bibliothek gibt es schlicht nicht mehr. Du wirst mit Klausuren und Lehrmaterial in einem sehr verschulten System an die Hand genommen. So richtig Zeit zum Lernen wie im Ersten hatte ich im Ref eigentlich nicht mehr. Klar ging man in der Anwaltsstation 3 Monate tauchen. Da schreibt man dann halt weiter Klausuren und wiederholt den Stoff. Dass das aber so krass wie vor dem Ersten war, kann ich nicht berichten und habe das von deinesgleichen hinterher auch nicht gehört. Von den mir bekannten "Ich höre auf jeden Fall vor dem ersten noch auf" Typen hatten alle dieselben Bedenken wie du hinsichtlich des Zweiten. Keiner hat hinterher gesagt, es sei so wie vor dem Ersten gewesen.
Wars anspruchsvoller? Kann ich nicht wirklich (im Sinne von verlässlich) sagen. Klar die Noten sind i.d.R. unter denen des Ersten (waren sie bei mir nicht, sondern darüber). Man war irgendwie auch gefordert von dem neuen Klausurstil und ich habe am Anfang nicht glauben können, dass das in 5 Stunden auch nur theoretisch machbar ist ... plot twist ... wars doch. Was ich, jetzt da ich darüber schreibe, irgendwie trotzdem nicht glauben kann ^^
famous hat geschrieben: Dienstag 7. Februar 2023, 21:12 Hinzu kommt, dass Jura mir nicht unbedingt liegt: ich bin kein Rechtsanwender. Ich habe ein relativ gutes Verständnis und und kann gut auswendig lernen. Wenn mir jetzt jemand einen Sachverhalt oder ein Problem erklärt verstehe ich das, kann das auch einem Dritten erklären aber sobald der Ausgangssachverhalt geändert wird und ich den lösen müsste -> Game over.
Ich merke das auch jetzt oft in den Schwerpunkt Vorlesungen, das was meine Kommilitonen sagen weiß ich auch und verstehe das auch - aber ich komme da halt nicht selber drauf. Was ja auch nicht schlimm ist, der eine hat mehr Talent/Begabung der andere halt weniger. So wie es talentierte und nicht so talentierte Fussballer gibt. Auf Dauer ist das einfach frustrierend. Ein Sprichwort lautet nicht umsonst "Der Vergleich ist der Tod eines jeden Glücks". Diese Tatsache, meine Fehler der Vergangenheit (Falsche Schwerpunktsetzung im Leben, Jura war immer nur Beiwerk und hatte nie volle Aufmerksamkeit, Uni-Wechsel während dem Rep, die Arroganz gehabt als Sitzenbleiber mit 3,7er zu denken man könnte die Examensvorbereitung auch ohne Rep schaffen -> lange Studiendauer) und mein Alter werden mir so tagtäglich immer wieder vor Augen geführt, wenn ich den juristischen Weg einfach weitergehe. Das ist ein Teufelskreis.
Es tut mir leid deine Bubble von "ich bin ja so anders, deswegen erklär ichs euch" zerstören zu müssen, aber das ist - mit kleinen Abweichungen - exakt das, was ich von all den Leuten gehört seit fast 10 Jahren immer und immer wieder gehört habe UND GENAU die waren am Ende froh, es doch gemacht zu haben, auch wenns irgendwie 2 Jahre nervig war.
famous hat geschrieben: Dienstag 7. Februar 2023, 21:12 Um ehrlich zu sein ist es mir total egal, ob ich im gehobenen Dienst, höherer Dienst oder was auch immer bin. Ich mache täglich Sport mit allen drum und dran und brauche einfach einen Job, in welchem ich nicht viel arbeiten muss, Zeit für mein Privatleben (Sport inkl. Ernährung) und Freizeitaktivitäten (Urlaub uä) habe und das ganze finanzieren kann ohne Geldsorgen zu haben. Ob ich dabei was juristisches oder was komplett anderes mache ist für mich völlig zweitrangig.
Verstehe ich absolut. Das spricht aber SEHR für das 2. Staatsexamen!
famous hat geschrieben: Dienstag 7. Februar 2023, 21:12 Ich bin lieber der Typ der in Ruhe im Hintergrund arbeitet und einfach eine Akte oä bearbeitet als derjenige der die Entscheidung fällen und die Veranwortung tragen muss. Thats it.
Ok das bezieht sich zwar auf das, was ich zuvor geschrieben habe, aber es spielt mir trotzdem in die Argumentation:
Das was du hier beschreibst, hast du heutzutage vielleicht als gewerkschaftlich eingebundener Facharbeiter. Der hat seine 36 Stundenwoche mit 30 Tagen Urlaub und geht stechen. Würde dich vielleicht auch glücklich machen ... kann ich nicht beurteilen ... Handwerker und Facharbeiter sind gute Berufe, kann ich empfehlen. Sollte die wirtschaftliche Lage doch noch mal anders werden, kann das aber schon ganz schön Sackgang werden.
Als Volljurist gibt es zigtausend Möglichkeiten genau so zu arbeiten. Als "Halb"Jurist dürfte das mit den von dir genannten Behördenfeldern schon erschöpft sein. Ich weiß aber nicht wie es im Unternehmen ist, da scheint es mir aber anders zu sein.
famous hat geschrieben: Dienstag 7. Februar 2023, 21:12 Das mag sich vlt wie Selbstmitleid anhören, aber ich bin keiner der vor der Realität die Augen verschließt und sich selbst belügt. Ich bin ja nicht heute morgen aufgewacht und habe mich spontan dazu entschieden nach dem 1.Stex aufzuhören.

Das könnte ich noch ewig mit weiteren Gründen fortführen, aber dann wird das ein Roman :D
Ist kein Selbstmitleid. Du malst nur einen Teufel an die Wand der schlicht so nicht existiert.

Wenn du wirklich einen Tipp willst:
Fang einfach mal an mit dem Ref. Aufhören kannst du jederzeit. 30 ist absolut kein Alter. Deinen jetzigen Plan kannst du nach 6 Monaten Ref immer noch umsetzen. Dann ist deine Story, dass Jura nichts für dich ist auch wesentlich glaubhafter als jetzt. (Ich glaub dir das jetzt schon, ich habe nur erhebliche Zweifel an deiner Sicht auf das Ref). So wirst du dir nie vorwerfen müssen: Was wäre, wenn die Leute da im Internet, die sagen, sie hätten schon viele wie mich erlebt, tatsächlich recht gehabt hätten? Die Frage würde mich ja umbringen ^^ Aber gut, ich habe auch beide Examina zwei mal geschrieben, damit ich mir ja hinterher nicht die Frage stelle, was wäre wenn ^^

Also nochmal:
Du bist nicht die Ausnahme, dein Fall ist nichts besonderes, du bist in der selben Lage, mit den selben Gründen und den selben Zweifeln die ich von all den Studenten, die gute Freunde geworden sind, immer und immer wieder mit leichten Nuancen gehört habe. Am Ende wars alles halb so wild und ne gute Idee. So würde das bei dir, da bin ich mir sicher, auch werden.

Am Ende musst du es wissen. Ich schreibe hier nur deshalb so viel dazu, weil mich sowas immer ein stückweit mitnimmt und ich die positiven Geschichten gerne verbreite. Es wäre schade, wenn Leute aus einer unberechtigten Sorge vor so nicht exitierenden Hürden Nicht rückgängig zu machende Lebenswege einschlagen.

Zu deiner Ausgangsfrage:
Deine Möglichkeiten nach dem ersten Staatsexamen sind vielfältiger Art. Neben den von dir beschriebenen Behörden gäbe es auch die Möglichkeit in Unternehmen unterzukommen. Da ist die Lage aber mit den Arbeitszeiten unklar. Das ist von Unternehmen zu Unternehmen verschieden. Überlegenswert sind auch Verbände aller Art. Die haben ebenfalls Badarf an Juristen wie dir.
Stehe zu deinen Überzeugungen soweit und solange Logik oder Erfahrung dich nicht widerlegen. Denk daran: Wenn der Kaiser nackt aussieht ist der Kaiser auch nackt ... .
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Re: Möglichkeiten mit dem 1.Staatsexamen

Beitrag von famulus »

+drölfzig
»Ich kenne den Schmerz, den ich hatte, weil ich zweimal die Vorhaut mit dem Reißverschluss mitgenommen habe, so dass dieser - also Reißverschluss - einmal in einer Klinik entfernt werden musste.« - Chefreferendar
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Re: Möglichkeiten mit dem 1.Staatsexamen

Beitrag von Brainiac »

Ebenfalls volle Zustimmung zu Strichs tollem Beitrag!
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