Aber Famulans? Wenn es deiner Wertung entsprechend nicht lediglich nur eine Korrelation ist, was ist es dann? Die Ursache?
Wenn ich mich hinterfrage, deswegen schreibe ich übrigens auch so offen, dann ist mir bewusst, dass ich die typische Neutralität aufgebe und auch versuche Zusammenhänge herzustellen, die nicht jeder unbedingt so stehen ließe. Konkret z.B. damit, dass ich versuche einen personellen Zusammenhang zwischen Merkel, die ich wie gesagt mehr als eine Grüne oder SPDlerin im Geiste einordne als eine CDUlerin (warum genau würde jetzt ausufern), und dem Erstarken der AfD herzustellen. Diesen abstrakten Versuch könnte man gewiss als Populismus abtun. Aber ich finde schon, dass man es sich hier ein wenig zu einfach macht.
Habe das NPD-Urteil gelesen und was wurde "objektiv" juristisch gemacht? Handlung X von A, B und C bis Z, wurde Partei Y zugerechnet, um im Ergebnis den Schluss ziehen zu können, dass Partei Y den Tatbestand von Art. 21 GG erfüllt. Konkret heißt das, ob dieser Zusammenschluss von Menschen, die juristische Person, "persönliche" Verantwortung" im Kollektiv tragen muss. Was tun Populisten oft oder ich hier offen? Im Kern mache ich genau dasselbe: Ich versuche einen für mich plausiblen Zusammenhang herzustellen zwischen Ereignis A (Ergebnis der AfD im Kontext der von mir unterstellten Vertrauenskrise) und den gesetzten Folgen von Merkels Politik. Mit dem Amt des Bundeskanzlers und als Spitze der ausführenden Gewalt, innerhalb der "Kanzlerdemokratie", haben wir es abstrakt mit dem entscheidungsfähigsten und damit mächtigsten "Organ" zu tun. Da der Kanzler anerkannt ist als Partei im Organstreitverfahren, darf man auch den Organwalter für persönliche Verantwortung heranziehen finde ich.
Außerdem kann man das auch ja mal kurz hinterfragen: Am Ende des Tages geht es doch darum, dass man als Wähler seine Entscheidungen kritisch reflektiert und sich fragt, ob man die Wahl nochmals so treffen würde. Ich glaube, dass niemand rein auf die Ergebnisse der Partei schaut und deswegen die Zweitstimme abgibt. Gerade in der Zweitstimme verwirklicht sich aus meiner Sicht eine Personalentscheidung und zwar bezogen auf den Kanzler. Würde die Zweitstimme umgangssprachlich schon als Kanzlerstimme bezeichnen. Deswegen finde ich es völlig in Ordnung, wenn man auf konkrete Personen schaut und versucht denen die Verantwortung aufzulasten. Wem denn sonst?
Und insbesondere du wirst doch selbst wissen wie blöd das ist, mit offenen Fragen herumzulaufen?
Gebe aber zu, dass ich emotional etwas mitgenommen bin von dieser blauen Entwicklung und ich auch wütend und enttäuscht bin. Bin wirklich kein Kind der Traurigkeit, im Gegenteil, aber ich bin erschüttert über diese Entwicklung und ich glaube leider, dass wir in vier Jahren das blaue Wunder erleben werden. Wie konnte das passieren?
Auch hier im Forum wurde manchmal sehr platt übersetzt gesagt, dass die Bürger einfach zu doof sind und deswegen so empfänglich sind. Bricht man das auf die Folge runter, dann bedeutet das, dass der Wähler schuld ist, weil er eben zu doof ist. Was bedeutet das konsequent auch? An den Parteien, und an den aus ihnen bestehenden Menschen, Verantwortlichen, kann es nicht liegen? Das ist mir ehrlich gesagt auch zu einfach.
Natürlich steht das im Spannungsfeld, aber zu einer guten Demokratie gehört es, dass man das Handeln der Parteien kritisieren muss. "Die Medien" als vierte Gewalt haben nach meinem Verständnis schon als verfassungsrechtliche Mitinstitution die Staatsgewalt zu kontrollieren und zu kritisieren. Diese Aufgabe wird aber nach meiner Wertung nicht hinreichend oder teilweise auch nur sehr unausgewogen entsprochen. Wenn ich Kritiken an CDU/SPD lesen will, muss ich eigentlich auf Zeitungen zurückgreifen, die ich nicht lesen will. Nach Kritik an den Grünen muss ich schon suchen. Wenn es um die AfD geht, muss ich nur kurz den Fernseher anschalten. Es wird wenige Sekunden/Minuten brauchen. Damit mir irgendein "Experte" die Welt erklärt.
Und dann ende ich noch auf der Sprachsensibilität und Rechtsprechung BGH: Nach meinem Empfinden wird in keinem Rechtsgebiet der Wortlaut mehr geachtet als hier. Das ist mit Blick auf den Bestimmtheitsgrundsatz und im Hinblick auf die zu verhängende Strafe, als sozialethisches Unwerturteil, der Ausdruck der Missbilligung und Ächtung, damit völlig logisch.
Übertrage ich das mal auf Kritiken mancher Journalisten z.B. an der AFD, dann fällt auf, dass hier extrem krasse persönliche Vorwürfe gemacht werden, mit beachtlichen Folgen, aber die Begründung "teilweise" oftmals sehr vage ist oder völlig unbestimmte Begriffe benutzt werden. Ist das dann nicht auch Populismus?
Beispielhaft verbunden: Wenn Gürteltier z.B. sagt, dass es völlig klar wäre, dass die AfD rechtsextrem wäre, das jeder aber wüsste, dann frage ich mich aber, was das genau sein soll. Wo steht das und was bedeutet das? Das steht z.B. nicht im Gesetz, vgl. § 4 II BVerfSchG. Ich finde das in Ansehung der Größe der Partei genauso pauschal und undifferenziert. Dann ist es aber widersprüchlich, wenn man sich dann über meine offene polemische Kritik an den Grünen/Merkel beschwert.
Apropos: Natürlich habe ich kein Jura studiert, um BMW zu fahren.

Das ist doch völlig klar! Ich liebe Jura dafür, dass man ein ordentliches Korrektiv hat; ein Gerüst, um die Welt irgendwie zu beschreiben und zu ordnen. Willkürliches Handeln fußt für mich ganz oft auf der ungenauen Verwendung von Begriffen. Lieblingsbeispiel dafür: Alice Weidel darf man im Rahmen der Meinungsfreiheit wohl als dumme Nazischlampe bezeichnen. Also wenn das kein Recht ist, die Abwesenheit von entsprechender Willkür, dann weiß ich auch nicht.