Strich hat geschrieben: Mittwoch 20. Mai 2026, 22:43
Korrekt wäre: Würde gegen Würde.
Bist du dann auch der Meinung, dass jedes besondere Grundrecht eine Tochter der Menschenwürde ist?
Denke, dass Würdelosigkeit ein Zustand ist, indem dem Menschen die Möglichkeit seiner Freiheitsausübung genommen wird. Beispiel § 239a I StGB: (1) Wer einen Menschen entführt oder
sich eines Menschen bemächtigt (..). Da wird Ohnmacht ausgelöst und im Kern ein Zustand, indem der Mensch (Tatobjekt) versachlicht wird, indem er zwangsweise (willensausschließend) unter die Fuchtel des Täters gerät. Der Täter macht das hier zwecks Umsetzung seiner Ziele zu Lasten des Opfers. Hier wird das Opfer zum Objekt (Werkzeug) oder schlichtweg so sehr unterworfen, dass diese Willensbildung (Kern der Subjekt) unmöglich wird und keine Rolle mehr spielt.
Frage auch deshalb, weil es ja auch den Verein gibt, der die Grundrechtsqualität negiert, was mir nicht einleuchtet. Dann liefe Art. 1 I GG aber auch mehr darauf hinaus, eine Art historisches Mahnmal zu sein. Roxin: Würde sei Metaphysik, zu dessen Verwirklichung der Staat aber weder berechtigt und noch befähigt sei (Roxin, Strafrecht AT, § 8 Rn. 8). Freiheit ist aber auch Metaphysik, wenn man so will. Jedenfalls lässt sich Freiheit als Rechtszustand jetzt nicht empirisch messen, nur mittelbar, indem sie objektiviert wird und dann Befragungen durchgeführt werden.
Das ist gut:
"Die menschliche Existenz ist eine Aneinanderreihung von Mühsal, Verlockung, Elend und Tod. Diese Auffassung prägt das christliche Denken bis in die Neuzeit hinein. Der Mensch habe seinen festen Platz inmitten der Verdammten dieser Erde, inmitten der Misere, aus der ihn allein göttliche Gnade erlösen könnte. Lange Zeit fehlt von der Vorstellung eines Individuums, das sich in freier Manier selbst entwirft, jedwede Spur. Doch genau ein solches schöpferisches Subjekt verkündet Pico della Mirandola in seiner Rede über die Würde des Menschen.
"
Zuerst hat Gott den Tieren, den „niedersten“ Wesen, und den Engeln, den „höchsten“, ihren angemessenen Ort zugewiesen. Der Mensch dagegen ist „ohne festen Wohnsitz“ in die „Mitte der Welt gestellt“. Diese Verortung bedeutet Verlorenheit und Freiheit zugleich:
Es ist ganz dem Menschen überlassen, ob er „zum Tierischen entarte“ oder „zum Göttlichen“ strebt. Und gerade darin, dass der Mensch sich selbst sein „eigener, in Ehre frei entscheidender Bildhauer“ ist, gründet seine Würde. Doch heißt das nun, der Mensch erschafft sich voraussetzungslos aus dem absoluten Nichts? Nicht ganz, denn wir betreten die Bühne unseres Daseins mit einem inneren Auftrag: Wir sind nicht zur Freiheit verurteilt. Wir sind zu ihr bestimmt. Anders als bei den Existenzialisten im 20. Jahrhundert findet sich der Mensch bei Pico nicht bedingungslos in die Welt geworfen, ohne Orientierung und Trost. Dem Renaissance-Denker zufolge ist seine Freiheit vielmehr ein Geschenk, das den Menschen zum größten „Wunder“ auf der „irdischen Bühne“ mache. Und es ist ganz gleich, wie wohlüberlegt wir mit diesem Geschenk umgehen. Wir sind und wir bleiben: die Kreatur, die die Wahl hat. (
https://www.philomag.de/artikel/pico-de ... der-mensch)."
Da steckt eigentlich alles drin. Kant:
"Wer sich aber zum Wurm macht, kann nachher nicht klagen, dass er mit Füßen getreten wird."
Würde als Verfügbarkeit des Einzelnen und Degradierung. Jedenfalls hat Kant Tiere als Sachen (Ding) verstanden.