Du hast natürlich recht, das war jetzt erstmal nur eine sehr plakative Behauptung. Vorweg: Es gibt ja quasi eine “Meta-Wissenschaft”, also eine Disziplin, die wissenschaftlich die Frage beleuchtet, was Wissenschaft ist. Davon habe ich keinen blassen Schimmer, ich schreibe hier insoweit als reiner “Laie”.Strich hat geschrieben: Mittwoch 10. Juni 2026, 21:45Naja ich verstehe nicht so richtig was du damit meinst. Was kennzeichnet eine "richtige" Methodik?Gürteltier hat geschrieben: Mittwoch 10. Juni 2026, 19:36 Meiner Meinung nach gibt es keine (richtige) wissenschaftliche Methodik in der (klassischen) Rechtswissenschaft.
Vor allem wenn man in der Rechtswissenschaft thematisch an andere Wissenschaften angrenzt, ist die Frage einfach beantwortet: Die Rechtsphilosophie sollte sich an der Methodik der Philosophie orientieren, die der Rechtssoziologie an der der Soziologie usw.
Wenn wir aber kernjuristische Themen wissenschaftlich beleuchten, fällt mir primär auf, dass wir nicht wirklich eine einheitliche Methodik verfolgen. Ich will ja gar nicht den Sinn der juristischen Kernwissenschaft in Abrede stellen - alles was da produziert wird, hat einen echten Mehrwert, wie sich ja immer wieder auch in der Praxis und ihren Bezügen auf die Rechtswissenschaft zeigt.
Aber gibt es hier eine Art etablierte Vorgehensweise? Zum Teil wird ja wenigstens hypothesenorientiert gearbeitet - wobei auch hier die Frage ist, mit welcher “Methodik” genau dann eine Hypothese bestätigt oder widerlegt wird. Es gibt Arbeiten (zB Alexy), die sind einfach großartige “Denkkonstrukte”. Aber folgt das schon einer abstrahierbaren Methodik iSv: “So geht man in der Rechtswissenschaft für Erkenntnisgewinn vor”?
Kann man allein im Meinen, im Argumentieren usw. eine Methodik sehen? Denn darin liegt meiner Meinung nach der Kern der meisten “Wissenschaftsprodukte”. Ich habe da meine Zweifel. Letztlich kreieren wir mit wissenschaftlichen Produkten ein Meinungsspektrum, dass es - auch als Teil der Wissenschaft - periodisch immer wieder erneut zu beschreiben und dann einzuordnen gilt; Letzteres ist erneut ein Vorgang des Meinens und Argumentierens.
Soweit ich weiß, wird das als “normative” Wissenschaft bezeichnet. Das sagt mir dann aber erstmal inhaltlich in Bezug auf etwaige Methodik wenig. Vielleicht bin ich da aber etwas “engstirnig”, weil ich eben die naturwissenschaftliche Methodik als gedanklichen Ausgangspunkt habe. Das ist eben für jedermann erkennbar und ziemlich plastisch “echte Methodik”.
Indes dazu passend: Ich hatte mal einen witzigen Dozenten, der Folgendes meinte: In den Naturwissenschaften sind ja widerlegbare Hypothesen der “Standard” der Wissenschaft. Nur warf nun der Dozent ein: Nunja, das gesamte Konstrukt, dass Hypothesen falsifizierbar sein müssen, um als “wahr” zu gelten, ist für sich genommen normativ, sodass die normative Wissenschaft zum Ende hin doch “siegt”. Nunja.

